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Das Matriarchat von damals bis heute

Title: Das Matriarchat von damals bis heute

Seminar Paper , 2004 , 14 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Matthias Gebhart (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Die Könige wurden schon vor langer Zeit gestürzt, die Justiz handelt nach verbindlichen Gesetzen, die soziale Absicherung wurde auf staatliche Beine gestellt; im Normalfall sehen sich die europäischen und nordamerikanischen Industriestaaten als die fortschrittlichsten und freiheitlichsten dieser Welt. Ob allerdings ein 80jähriger Rentner, der von seiner Mindestrente lebt, bei uns wirklich mehr Ansehen und Rechte genießt als in manchen anderen Kulturen ist zweifelhaft. Da jedoch vermutlich jede Gesellschaft sich für die beste hält ist es natürlich nicht verwunderlich, dass wir auch in punkto Gleichberechtigung der Frau die führende Stellung einnehmen. Durch unseren großen Intellekt haben wir es zu Stande gebracht gesellschaftliche Tabus zu durchbrechen, Frauen dürfen jetzt sogar Bundeskanzlerin werden und wählen. Betrachtet man ältere ethnologische Werke wie von Bachofen oder Morgan scheint dies jedoch nur die gerechte Entwicklung, den ihrer Meinung zufolge herrschten zu Beginn der Menschheit die Frauen, bis schließlich irgendwann die Männer an der Reihe waren. Nachdem nun beide Geschlechter jeweils eine Zeit die Oberhand hatten, ist es also kaum verwunderlich, dass sie sich diese Aufgabe nun teilen, schließlich ist herrschen ja auch anstrengend. Bachofen und Morgan sind aber nicht die einzigen die sich zu diesem Thema Gedanken machten, die Rede ist vom Matriarchat. Hiervon handelt die folgende Arbeit. Im Anschluss möchte ich nun zuerst die Anfänge der Matriarchatsdebatte beschreiben und dazu beginnend bei Bachofen mich bis zur jüngsten Vergangenheit vorarbeiten. Danach soll ein kurzer Überblick gegeben werden wie sich die Debatte weiterentwickelte als erstmals fundiertere Fakten zu diesem Thema vorlagen und welche Schlüsse man daraus zog. Im letzten Teil dieser Arbeit soll dann noch ein wenig detaillierter auf die Meinung Göttner- Abendroths eingegangen werden. Ich berufe mich hierbei im wesentlichen auf die Werke „Frauenmacht ohne Herrschaft“ von Ilse Lenz und Ute Luig, „Frauenmacht oder Sklaverei der Urzeit“ von Susanne Schröter und Heide Göttner-Abendroths „Matriarchate als herrschaftsfreie Gesellschaften“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Am Anfang schuf Gott die Frau

1.1 Johann Jakob Bachofen

1.2 Lewis Henry Morgan

1.3 John Ferguson McLennan

1.4 Edward Alexander Westermarck

1.5 Wilhelm Wundt

1.6 Friedrich Engels

1.7 Mathilde Vaerting

1.8 Bertha Eckstein-Diener

2. Erste Studien und ihre Folgen

3. Wie das Matriarchat langsam das matriarchale verliert

3.1 Eleanor Leacock

3.2 Alice Schlegel

3.3 Karla Poewe

3.4 Heide Göttner-Abendroth

Schlussworte

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und wissenschaftliche Rezeption der Matriarchatsdebatte. Ziel ist es, die Evolution der Theorien von frühen Autoren des 19. Jahrhunderts bis hin zu modernen ethnologischen Ansätzen nachzuzeichnen und kritisch zu hinterfragen, inwiefern der Begriff "Matriarchat" zur Beschreibung nichtpatriarchaler Gesellschaftsformen geeignet ist.

  • Historische Entwicklung der Matriarchatsdebatte
  • Kritische Analyse klassischer Evolutionstheorien
  • Wissenschaftlicher Diskurs über "Frauenmacht" und Geschlechterrollen
  • Moderne ethnologische Ansätze und Definitionen
  • Untersuchung von Machtstrukturen in nichtpatriarchalen Gesellschaften

Auszug aus dem Buch

1.8 Bertha Eckstein-Diener

Die extremste Position vertritt Bertha Eckstein-Diener, die unter dem männlichen Pseudonym „Sir Galahad“ publizierte. Ihr 1975 veröffentlichtes Werk „Mütter und Amazonen“ ist zwar relativ jüngeren Datums orientiert sich jedoch stark an Bachofen. Sie lobte Vaertings Werk, wenngleich sie fragte, woher denn der erste Pendelschwung gekommen sei und zudem feststellte, dass es keinen Beleg eines zum Mutterrecht zurückgekehrten Volkes mit Vaterrecht gebe. Eckstein-Diener stellt die Geschichte der Menschheit nicht nur aus weiblicher Sicht, sondern als ausschließliche Geschichte der Frauen dar. Hierzu beruft sie sich auf Mythen und Symbole, da die Grundlage matriarchaler Gesellschaften das „Magische“ sei. (Schröter 1990: 96)

Hierzu führt sie die „Uranfänglichkeit“ der Frau an die bis zu den indogermanischen Wanderungen zum Matriarchat geführt hätten, denn Magie ist ja...

„notwendig Frauengut. Denn wer verstünde sich aus ureigenstem Organgefühl heraus wohl besser auf jene geheimnisvollen Lebensströme, naturhaft-nährende Arkana, die den uterinen Kosmos durchfluten, als jene deren Abbild er ist. Frau und Welt sind Entsprechungen, man kann die eine für die andere setzen...“(Eckstein-Diener in Schröter, 1990: 96)

Dass diese aus der Luft gegriffene These wohl kaum fundiert oder sonst irgendwie wissenschaftlich zu begründen wäre, war ihr wohl Gott sei Dank selbst bewusst:

„Diese diffusen Zusammenhänge lassen sich kaum mit den beschränkten Mitteln moderner Rationalisten erfassen...“(Schröter 1990: 96)

Zusammenfassung der Kapitel

Am Anfang schuf Gott die Frau: Darstellung der frühen, evolutionistisch geprägten Theorien zur Entstehung des Matriarchats und der Geschlechterrollen durch Autoren wie Bachofen, Morgan und Engels.

Erste Studien und ihre Folgen: Analyse der gemeinsamen Merkmale früher Matriarchatstheorien sowie deren Einbettung in den zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontext des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Wie das Matriarchat langsam das matriarchale verliert: Gegenüberstellung moderner ethnologischer Ansätze, die Begriffe wie "geschlechtsegalitäre Gesellschaften" oder "segmentäre Gesellschaften" prägen, um Machtverhältnisse präziser zu fassen.

Schlüsselwörter

Matriarchat, Patriarchat, Ethnologie, Geschlechterforschung, Mutterrecht, Evolutionismus, Geschlechtsegalitäre Gesellschaften, Machtverteilung, Sozialstruktur, Geschlechterrollen, Feministische Theorie, Kulturgeschichte, Matrilinearität, Soziale Organisation, Heide Göttner-Abendroth

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Debatte um das Matriarchat, von den ersten evolutionistischen Theorien im 19. Jahrhundert bis hin zu modernen ethnologischen Betrachtungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Genese der Matriarchatsdebatte, die Entwicklung von Geschlechterrollen im Zeitverlauf sowie die kritische Untersuchung von Machtstrukturen in vorstaatlichen und nichtpatriarchalen Gesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Diskurs zum Matriarchat zu analysieren, die Argumente klassischer Theoretiker kritisch zu beleuchten und moderne Ansätze zu präsentieren, die eine differenziertere Betrachtung von Machtverhältnissen ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Literaturanalyse, bei der ethnologische Werke und Theorien chronologisch und inhaltlich miteinander verglichen sowie hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Fundierung bewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klassischer Theoretiker (wie Bachofen, Morgan, Engels), die Auswertung früher Studien sowie die Darstellung neuerer, moderner Ansätze (u.a. von Leacock, Schlegel und Göttner-Abendroth).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Matriarchat, Patriarchat, Matrilinearität, geschlechtsegalitäre Gesellschaften, Machtverteilung und die kritische Reflektion wissenschaftlicher Begriffsdefinitionen.

Wie bewertet die Autorin die Theorien von Johann Jakob Bachofen?

Die Autorin ordnet Bachofen als Begründer der Matriarchatsdebatte ein, weist aber darauf hin, dass sein evolutionistisches Modell und seine Annahmen über eine frühe Herrschaft der Frauen heute als wissenschaftlich nicht haltbar gelten.

Warum kritisiert Heide Göttner-Abendroth den Begriff "Matriarchat"?

Göttner-Abendroth kritisiert, dass der Begriff oft als bloßes "Spiegelbild" des Patriarchats (Herrschaft der Frau über den Mann) missverstanden wird, und schlägt stattdessen Begriffe wie "segmentäre Gesellschaften" vor, um das Fehlen von Herrschaftsstrukturen zu betonen.

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Details

Title
Das Matriarchat von damals bis heute
College
LMU Munich  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Course
Verwandtschaft und soziale Organisation
Grade
1,5
Author
Matthias Gebhart (Author)
Publication Year
2004
Pages
14
Catalog Number
V43997
ISBN (eBook)
9783638416702
Language
German
Tags
Matriarchat Verwandtschaft Organisation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Gebhart (Author), 2004, Das Matriarchat von damals bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43997
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