Die Darstellung des Helden als mutigen Menschen in Friedrich Dürrenmatts 'Die Physiker'


Zwischenprüfungsarbeit, 2005
15 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Biographisches

3. Die Komödientheorie Dürrenmatts

4. Dürrenmatts Darstellung eines Helden

5. Eine kurze Inhaltsangabe der Physiker

6. Die Darstellung des Helden als mutigen Menschen in Dürrenmatts Die Physiker

7. Literaturverzeichnis

1.Vorwort

Friedrich Dürrenmatt war einer der erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahr-hunderts. Sein 1962 in Zürich uraufgeführtes Werk Die Physiker gehörte mehrere Jahre zu den meistgespielten Stücken im deutschsprachigen Raum. Der Erfolg gründete auf die wohl ungewöhnliche Form der Kritik an einem ernsthaften, die gesamte Welt betreffendem Problem, das ungewöhnlicher Weise in eine Komödie verpackt wurde. Normalerweise wäre bei einem derart bedeutungsvollen Thema von einer Abhandlung in Form der Tragödie aus-zugehen. Die Resonanz des Publikums gab dem eigenwilligen Stil Dürrenmatts jedoch Recht, dass die traditionelle Tragödie nicht mehr zeitgemäß sei und durch eine modernere Form, die der heutigen Zeit angepasster erscheint, er-setzt werden musste.

Dürrenmatt möchte mit seinem Werk auf die Verantwortung der Wissenschaft hinweisen. Es entstand zu einer Zeit der atomaren Bedrohung: Gerade als Die Physiker veröffentlicht werden, nimmt die Kubakrise ihren Lauf. Der Koreakrieg (1950-1953) ist noch nicht vergessen und bei uns in Deutschland wurde die Mauer gebaut. Zudem herrschte eine andauernde Konfrontation der Super-mächte USA und Sowjetunion die sich einem Wettrüsten im Rahmen des Kalten Krieges unterzogen. Die Bedrohung eines Atomkrieges wuchs damit stetig. Der Abwurf der Atombombe in Hiroshima hat die Menschen hinzu-kommend in Angst und Schrecken versetzt, denn ihr Einsatz zog immense Folgen mit sich.

Sind es durch den Zerfall der ehemaligen Sowjetunion nicht mehr die Groß-mächte, die die Nutzung von Atombomben bedrohlich machen, treten die nationalistischen und fundamentalistischen Staaten nun in ihre Fußstapfen.

Es kristallisiert sich jedoch generell mehr und mehr die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Menschheit heraus und damit bleibt die Frage Dürrenmatts überdies aktuell.

So stellt neben der atomaren Bedrohung ebenso die Weiterentwicklung in der Gentechnologie und die Möglichkeit des Klonens existenzielle Probleme der Erdbevölkerung dar, wobei auch die moralische Frage nicht außer Acht ge-lassen werden darf.

Dürrenmatt hat offensichtlich mit seiner Arbeit ein Thema zur Diskussion gestellt, dessen Problematik seit Jahren fortwährend besteht. Ebenso be-handelt er die Zweifelhaftigkeit des Umganges mit derartigen Problemen. Durch speziellen Einsatz von Mitteln und Figuren weist er zudem sichtlich auf die Angelegenheit hin, dass eine Kernfrage, die jeden Menschen unseres Systems betrifft, nur durch den Zusammenhalt und nicht auf „eigene Faust“ gelöst werden kann.

2. Biographisches

Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen im Kanton Bern geboren. Seine Eltern, der protestantische Pfarrer Reinhold Dürrenmatt, sowie seine Mutter Hulda Dürrenmatt und die 1924 geborene Schwester Vroni lebten zunächst in diesem kleinen Dorf in der Schweiz. Erst 1935 siedelte die vierköpfige Familie nach Bern über.

Nachdem F. Dürrenmatt 1941 seine Reifeprüfung bestanden hatte, begann er nach einigen Überlegungen das Studium der Philosophie, Literaturwissen-schaft und Naturwissenschaft in Zürich und Bern. Ursprünglich wäre er gerne Maler geworden, folgte aber dem Wunsch seines Vaters das angegebene Studium zu bestreiten.

Das Elternhaus, beziehungsweise der christliche Glaube des Vaters scheinen Friedrichs Jugend nicht signifikant geprägt zu haben. Viel eher kommt es einem so vor als hätte sein Großvater Ulrich Dürrenmatt ein „militant-konservativer Berner Groß- und Nationalrat“[1] die Vorbildfunktion für ihn eingenommen. Friedrich durfte diesen durch dessen frühen Tod zwar nie persönlich kennen lernen, soll mit den Spottgedichten des kirchlich anders-denkenden aber freilich gut vertraut gewesen sein. Ulrich Dürrenmatts dichterischen Werke gegen die Beamtenherrschaft beziehungsweise Kleinig-keitskrämerei hatten ihm selbst einmal eine zehntägige Haftstrafe eingebracht.

Im Jahre 1946 heiratete Friedrich Dürrenmatt seine erste Frau, die Schau-spielerin Lotti Geißler und zog mit ihr nach Basel. Ein Jahr später wird sein erstes Drama Es steht geschrieben in Zürich uraufgeführt, in dessen Folge es

unverzüglich zu einem Theaterskandal komm. Das Stück zeigt „fromme, getreu dem Evangelium lebende Bürger“[2], die „einem religiösen Scharlatan in die Hände fallen“[3] und wirft damit mehr Fragen auf, als dass es Antworten gibt.

Nach Romulus der Große (1948) schaffte Dürrenmatt mit dem Kriminalroman Der Richter und sein Henker (1950/51) und dem Drama Die Ehe des Herrn Mississippi (Uraufführung 1952) seinen absoluten Durchbruch. Zuvor musste Dürrenmatt aufgrund seiner misslichen finanziellen Lage als Graphiker und Zeichner, später auch als Theaterkritiker und Kabarett-Texter arbeiten. Durch den Richter und sein Henker der in mehreren Fortsetzungen in „Der Schweizerische Beobachter“ erschienen ist, und einigen Aufträgen von Rund-funkanstalten, verringerten sich sogleich seine Geldsorgen.

Es folgt der Umzug nach Neuchâtel, dem von da an festen Wohnsitz der inzwischen fünfköpfigen Familie.

1956 wurde Friedrich Dürrenmatt mit seiner Komödie Der Besuch der alten Dame weltberühmt. Das 1961 entstandene und im Februar 1962 uraufgeführte Werk Die Physiker, ist der Theatererfolg der Spielsaison von 1962/63 und das lange Zeit meistgespielte Stück im deutschsprachigen Raum.

Dürrenmatt überarbeitete im Laufe seines Lebens einige seiner Arbeiten, wie beispielsweise aus seinem ersten Werk Es wird geschrieben, 1967 Die Wiedertäufer werden. Für sein umfangreiches Schaffen, in dessen Zentrum das Drama und Theater, beziehungsweise die groteske Komödie stand, erhielt er diverse Auszeichnungen.

Am 14. Dezember 1990 erliegt Friedrich Dürrenmatt in seinem Haus in Neuchâtel einem Herzinfarkt.

3. Die Komödientheorie Dürrenmatts

Friedrich Dürrenmatt stellte sich selbst die Frage, ob sich die heutige Welt noch mit der Dramatik Schillers gestalten lassen würde.[4] Er verneint diese Erkundung mit der Argumentation, dass sich mit dem Fortschreiten der Zeit und damit der Veränderung der Welt, ebenfalls die Darstellungsform der Dramatik ändern muss.

Bei Friedrich Schiller konnte man die Welt, die er in seinen Werken erschaffen hatte, noch mit der damaligen Realität vergleichen. Die heutige Zeit ist jedoch anders. Früher war die Macht noch sichtbar, mittlerweile hat sie sich als un-durchsichtig entfaltet. Der Staat ist „unüberschaubar, anonym, bürokratisch geworden [...] die heutigen Staatsaktionen sind nachträgliche Satyrspiele, die den im Verschwiegenen vollzogenen Tragödien folgen. Die echten Reprä-sentanten fehlen, und die tragischen Helden sind ohne Namen.[5]

Dürrenmatt ist der Ansicht, dass das Drama die Darstellbarkeit der Welt voraussetzt, also eine Wiedergabe der Weltsituation möglich ist. Diese ist heute aber so verworren, dass einzig die Komödie ihr noch gewachsen ist. Der distanzierte Blick des komödiantischen verschafft Freiheit. Wenn man die Welt zu verstehen versucht und sich deshalb einer bestimmten Kultur oder Glaubensrichtung anschließt, beraubt man sich selbst seiner Ungebundenheit. Dürrenmatt stellt die Gleichung her, dass Humor die Sprache der Freiheit sei, weil sie Überlegenheit gegenüber dem Rest schafft. Für ihn selbst ist Gott undenkbar geworden. „Wir wissen von der Welt nicht die Wahrheit, sondern nur Annäherungen an die Wahrheit. Ich bin immer wieder gezwungen, den Sprung zu wagen, um zu glauben, was mir einleuchtet.“[6] Getreu seiner Auffassung „bezeichnet sich Dürrenmatt selbst als einen Schriftsteller in Rebellion gegen Ideologen und Gläubige aller Art.“[7] Er liebt das Groteske und Komische, weil dabei die Selbstständigkeit im Schreiben vorhanden bleibt. Grundlage für seine Komödien sind Einfälle und Ideen, aus denen der Schriftsteller schöpfen und die er verwirklichen kann. Deshalb spricht Dürrenmatt sich auch für den aristophanischen Komödientypus aus, da darin eine Ähnlichkeit zu seinem eigenen Stil zu entdecken ist. Die aristophanische Komödie lässt die Gegenwart durch den Einfall in die Groteske verformen und schafft dadurch Distanz zum Zuschauer.

Dürrenmatt nutzt die „schlimmstmögliche Wendung“ um mit seinen Werken eine besondere Wirkung zu erzielen. Er lässt eine Handlung vorausgehen, die auf einen Umbruch hin angelegt ist, der vorher nicht absehbar erscheint. Mit der Wendung aber wird das planmäßige Handeln der Menschen zunichte gemacht. „Mit der schlimmstmöglichen Wendung einer Geschichte konfrontiert zu werden erschreckt den Zuschauer und enthüllt ihm gleichzeitig eine groteske, paradoxe Wirklichkeit.“[8] Das Widersprüchliche an dieser Aktion lässt einen die Handlung objektiv überblicken. Was ins Lustige gezogen wird, lässt auf sich wirken, aber kein Mitleid oder ähnliches empfinden. Letztlich lässt sie den Zuschauer dennoch nicht unbeeindruckt. Gerade das Paradoxe mit der schlimmstmöglichen Wendung, macht dem Zuschauer das Geschehen be-wusst und erlaubt ihm, sich Gedanken über die Sittlichkeit zu machen.

[...]


[1] Knapp 1980. S.2

[2] Zirbs 1998. S.105

[3] Zirbs 1998. S.105

[4] vgl. Dürrenmatt 1980. S.59

[5] vgl. Dürrenmatt 1980. S.59f

[6] Raddaz 1985.

[7] Große 1998. S.27

[8] ebenda S.31

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des Helden als mutigen Menschen in Friedrich Dürrenmatts 'Die Physiker'
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Die deutsche Komödie
Note
1,6
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V44083
ISBN (eBook)
9783638417396
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Helden, Menschen, Friedrich, Dürrenmatts, Physiker, Komödie, Thema Die Physiker
Arbeit zitieren
Sina Raphael (Autor), 2005, Die Darstellung des Helden als mutigen Menschen in Friedrich Dürrenmatts 'Die Physiker', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44083

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