Ludwig Tieck - Der blonde Eckbert


Seminararbeit, 2005

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2. 1 Ludwig Tieck – eine Biographie
2. 2 Die Epoche der (Früh-) Romantik
2. 3 Das Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck
2. 3. 1 Entstehungsgeschichte des Märchens „Der blonde Eckbert“
2. 3. 2 Zusammenfassung des Märchens
2. 3. 4 Die Motive
2. 3. 4. 1 Das Motiv der Verschachtelung
2. 3. 4. 2 Das Krankheitsmotiv
2. 3. 4. 3 Das Motiv der Melancholie und des Wahnsinns
2. 3. 4. 4 Das Inzestmotiv
2. 3. 4. 5 Das Motiv der Waldeinsamkeit
2. 3. 5 Verschiedene Interpretationsansätze
2. 3. 5. 2 Ein tiefenpsychologischer Interpretationsansatz
2. 3. 5. 2 Ein Interpretationsansatz unter dem Blickwinkel der Geselligkeitsthematik
2. 3. 5. 3 Ein (früh-) romantischer Interpretationsansatz
2. 4 Das Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ im Vergleich zu dem Volksmärchen „Frau Holle“

3. Schluss

4. Verwendete Literatur

5. Anhang

Erklärung

1. Einleitung

„Wer als Kind verprügelt wird, Reißaus nimmt und in der Fremde ein Zuhause findet, der glaubt dort vielleicht schon im Paradies zu sein und atmet auf. Doch er hat die Panik, die ihn flüchten lässt, mitgenommen. Und wenn er nicht aufpasst, dann wird sie ihm zum Schicksal.“[1] Diese Essenz, die Rath formuliert hat, erläutert in drei Sätzen das Thema des Kunstmärchens „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck, das ich in dieser Hausarbeit auf verschiedene Ansatzweisen untersuchen möchte.

Tieck schrieb mit dem „Blonden Eckbert“ eines der Märchen, das für den rationalen Menschenverstand nur schwer nachzuvollziehen ist. Gerade deshalb scheint es mir so interessant, auch einmal in die Aspekte des Irrationalen einzutauchen und sich mit dem Befremdlichen in Kontakt zu bringen.

Ferner möchte ich anfangs auf Ludwig Tieck als Person und auf die Zeit der Romantik eingehen, um einen Überblick der Hintergrundinformationen zu geben.

2. Hauptteil

2. 1 Ludwig Tieck – eine Biographie

Johann Ludwig Tieck wurde am 31. Mai 1773 in Berlin geboren. Als erstes von drei Kindern, Schwester Sophie kam 1775 und Bruder Friedrich 1776 zur Welt, wuchs er unter der strengen Obhut seiner Eltern, dem Seilermeister Tieck und seiner Frau Anna Sophia, auf. Sein Vater wird in der Literatur als sehr ernsthaft und von derber Lebensart, jedoch auch von literarischem Interesse geschildert, die Mutter wird als äußerst fromm beschrieben.

Leitend in Tiecks Kindheit war seine literarische Begabung, denn bereits mit 4 Jahren fing er an die Bibel, das Gesangbuch und Gedichte zu lesen. Zudem erlebte er schon im zarten Alter von sechs Jahren seinen ersten Theaterbesuch. Beruhigend erscheint jedoch die Tatsache, dass Tieck auch „normale“ Kinderbücher las und sich somit nicht gänzlich von anderen Kleinkindern unterschied.

Nach der Primarstufe besuchte Tieck das Friedrichwerdersche Gymnasium. Dort galt er als einer der besten Schüler, herausragend aufgrund seiner schnellen Auffassungsgabe und seines guten Gedächtnis. Auch wenn er in früheren Schuljahren einige Schwierigkeiten mit der Abfassung von Aufsätzen hatte, schrieb er in der Oberstufe die besten seiner Klasse.

Auf dem Gymnasium entwickelte Tieck seine Liebe zu Shakespeares Dramen, die ein Leben lang anhielt und ihn auch zu seinem literarischem Werk über Shakespeare veranlasste, das er aber nie vollendete.

Tiecks Studienzeit begann zunächst kontrovers vergleichend zu seiner Begeisterung für die Literatur, denn auf Wunsch seines Vaters schrieb er sich Ostern 1792 in Halle offiziell als Theologiestudent ein. Doch inoffiziell besuchte er so manche Vorlesungen über Literatur.

Schon im November 1792 wechselte er an die renommierte Universität Göttingen, die Tieck aufgrund der Bibliothek so schätzte. Tieck hielt es auch dort nicht lange und so nahm er im Frühjahr 1793 einen weiteren Studienortwechsel mit seinem Schulfreund Wackenroder nach Erlangen vor. Jedoch stand den beiden jungen Männern der Sinn nicht nach dem Besuch von Vorlesungen, sondern sie unternahmen Reisen in den Süden, beispielsweise nach Bayreuth und Nürnberg, um sich von der künstlerischen Hochblüte der Dürerzeit begeistern zu lassen. Gerade diese Zeit schien sowohl für Tieck wie auch für Wackenroder sehr wichtig, da sie so ihre Erkenntnisse in Bezug auf den Durchbruch der Romantik erweitern konnten.

Im Oktober 1793 kehrte Tieck wieder nach Göttingen zurück, brach sein Studium dort aber 1794 ab.

Im gleichen Jahr zog es ihn in seine Heimatstadt Berlin zurück, wo er mit Schwester und Bruder eine Wohngemeinschaft führte. Tieck war zu dieser Zeit in der Literaturfabrik Nicolai beschäftigt. Seine dortige berufliche Aufgabe bestand in der vernunftmäßigen Bearbeitung des trivialen Lesestoffes und der Bearbeitung der Volksmärchen. Im Jahre 1797 heiratete er die Tochter eines Hamburger Hauptpastors, Amalie Alberti, mit der er die beiden Töchter Dorothea (*1799) und Agnes (*1802) bekam.

In der Folgezeit seines Lebens ging er auch nach Jena, wo er die Bekanntschaft mit Goethe und Schiller machte. Allerdings blieb er auf einer Familienreise nach Ziebingen in diesem Ort einige Zeit sesshaft, da er die Tochter des Grafen von Finckenstein, Henriette kennen lernte und mit ihr eine tiefliegende Beziehung führte. Die Beziehung zu seiner Ehefrau Amalie scheiterte, da sie zum Katholizismus übergetreten war und sich somit aus Tiecks Vorstellungen entfernte. Nach einiger Zeit siedelte Tieck mit seiner Lebensgefährtin, seiner angetrauten Frau und den beiden Töchtern wieder nach Dresden über, wo sie sich zusammen eine Wohnung nahmen.

Seit 1819 blieb er nun in Dresden, wo er sich zunehmend wohler fühlte, auch beeinflusst von der reizvollen, landschaftlichen Umgebung dieser Stadt. Dresden bat Tieck Beschäftigungen im Beruf des Rezitators, des Zeitungskritikers und des Hofdramaturgs.

Im Jahre 1846 siedelte er mit Henriette nach Potsdam über, verbrachten aber den Winter in Berlin. In dieser Zeit ließ Tieck einige Stücke aufführen, unter anderem auch Shakespeares Sommernachtstraum. Doch aufgrund zunehmender Altersschwäche konnte er sein Shakespearebuch und seine eigenen Memoiren nicht vollenden. Nachdem auch Henriette starb und Tieck zwei Schlaganfälle erlitt, wurde er 1852 bettlägerig und verstarb schließlich am 28.4.1853 in Berlin.

2. 2 Die Epoche der (Früh-) Romantik

Die Epoche der Romantik ereignete sich in dem Zeitraum von 1795 – 1835 und war eine Literaturbewegung sowie eine Strömung gegen klassische und realistische Literaturtheorien, die sich in drei Phasen unterteilte: die Frühromantik, mit dem Zentrum Jena, verlief von 1796 – 1804, die Hochromantik war von 1805 – 1818 und hatte Heidelberg als Zentrum und die Spätromantik ereignete sich in der Zeit von 1816 – 1835 mit dem Zentrum Berlin.[2]

Der Begriff „Romantik“ stammt vom altfranzösischen romanz, romant, roman ab und bezeichnet die alten Schriften, die in der Volkssprache verfasst wurden. Um die Bedeutung dieses Begriffes zu klären, stößt man auf die Aspekte des Sinnlichen, des Abenteuerlichen, des Wunderbaren, des Schaurigen, der Abwendung von der Zivilisation und der Hingabe zur Natur. Leitend waren in dieser Epoche die Kritik an der Vernunft, die Naturnähe und das Erleben des Unbewussten, das seine Wertung insbesondere schon in Tieck`s Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck in Anspruch nahm. Hiermit sei auch erwähnt, dass die vordergründigen Gedanken der Romantik die Stimmungen, die Gefühle und die Erlebnisse waren, die sich auch in den Hauptgedanken der Universalität und der Assimilation wiederspiegelten. So galten auch die Schriftsteller als herausragende Poetiker, denn „Man betrachtete den Künstler als einen Menschen, der sämtliche Stimmungen, Gefühle und Ereignisse der Welt in sich hineinsog und sie in einer großen Vielfalt in seinem poetischen Schaffungsprozess neu entstehen ließ.“[3]

Die Zeit der Romantik war von einem großen historischen Interesse geprägt. Dieses Geschichtsbewusstsein begegnet uns auch bei Tieck, denn er bearbeitete die Volksmärchen mit seinem historischen Bewusstsein: „Die „alte Form“ wird aus ihrer geschichtlichen Distanz in die veränderte Gegenwart eingeholt.“[4]

In dieser Hausarbeit gilt das Interesse vornehmlich der Frühromantik, welche auch als Jenaer Romantik bezeichnet wird, denn Ludwig Tieck schrieb das erste deutsche Kunstmärchen in dieser Zeit. Aber nicht nur der „Blonde Eckbert“, 1797 auf dem Buchmarkt erschienen, sondern auch andere seiner Volksmärchen, wie „Der Runenberg“, „Der getreute Eckhart und der Tannhäuser“ sowie sein Künstlerroman „Franz Sternbalds Wanderungen“ lassen sich in die Zeit der Frühromantik einordnen.

Die wichtigsten Vertreter der Frühromantik waren Friedrich Schlegel, Novalis, Wilhelm Heinrich von Wackenroder und schließlich auch Johann Ludwig Tieck.

In dieser Hausarbeit habe ich als Beginn der Frühromantik das Jahr 1795 gewählt, da es mir persönlich als das Richtige erschien. In vielen literarischen Angaben setzt die Frühromantik erst mit dem Jahre 1798 ein, doch chronologisch scheint ihr Beginn die Herausgabe von Tiecks größerer Erzählung „William Lovell“ zu symbolisieren. Es ist zu vermuten, dass die Schriftstücke, die das Jahr 1798 als Beginn der Frühromantik ansehen, sich an dem gleichen Erscheinungsjahr der Zeitschrift „Athenäum“, welche von den Gebrüdern Schlegel herausgegeben wurde, orientieren.

2. 3 Das Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck

2. 3. 1 Entstehungsgeschichte des Märchens „Der blonde Eckbert“

Als Ludwig Tieck seinen Studienabbruch als Anlass nahm, um nach Berlin zurückzukehren, wurde ihm dort der Kontakt zu Nicolai verbreitet. Dieser hatte eine Literaturfabrik, in der Tieck fortan als Lohnschreiber an folgendem Auftrag arbeitete: an der pädagogisch-wertvollen Neufassung der verachteten Ammenmärchen.

In dieser Zeit, 1796, verfasste er auch das Kunstmärchen „Der Blonde Eckbert“, das als das erste deutsche Kunstmärchen gilt. Bereits ein Jahr später, 1797, wurde es veröffentlicht.

Tieck ging dabei zum ersten Mal nach seinen inneren Erfahrungen vor, dabei entstand „aus Wahnsinn, Inzest, Mitternachtsschauern und Erinnerungen an einsame Wanderungen durch die Waldschluchten des Fichtelgebirges“[5] das schöne, romantische Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“.

Dieses stellt auch die erste Erzählung in seinem Werk „Phantasus“ dar.

2. 3. 2 Zusammenfassung des Märchens

Im Folgenden beschäftigt sich die Hausarbeit mit Tiecks Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ genauer. Deshalb möchte ich vorab noch mal eine kurze Skizze über das Märchen selber geben, um den Leser mit der Thematik vertraut zu machen. Diese Skizze soll keiner Inhaltsangabe gleichen, da ich bewusst Gefühlsausdrücke verwendet habe, um ein bewussteres Bild über das Märchen und die Märchencharaktere zu geben.

„Der blonde Eckbert“ handelt von dem Ritter Eckbert und seiner Frau Bertha, die zurückgezogen auf einer Burg im Harz leben.

Eines Abends vertraut Bertha in geselliger Runde mit ihrem Mann und einem Freund namens Walther diesem ihr Geheimnis an:

Bertha wuchs als Kind in einer armen Hirtenfamilie auf, in welcher der Vater ihr oft grausam erschien. Aus Angst floh sie im Alter von acht Jahren in eine märchenhafte Natur, wo sie auf eine „bucklige Alte“ traf, die ihr Unterkunft in ihrer Hütte gewährte. Zusammen mit der Alten, einem Vogel, der immer ein Lied von der schönen Waldeinsamkeit singt und täglich ein goldenes Ei legt, und einem Hund, verbrachte sie dort einige Jahre ihres jungen Lebens. In dieser Zeit verrichtete sie alltäglich die Hausarbeit uns las die Bücher der Alten, die ihr die „außenwärtige Welt“ offenbarten. Doch nach sechs Jahren packte sie die Neugier auf diese Welt und Bertha verließ fluchtartig die Hütte der Alten, als diese gerade nicht da war. Im Gepäck hatte sie den Vogel, während sie den Hund zurückließ. Bertha wollte wieder zu ihren Eltern, um ihnen den Reichtum der goldenen Eier des Vogels zu bescheren. Aber Berthas Eltern waren bereits verstorben und so erdrosselte sie, geplagt von Schuldgefühlen, den Vogel. Im weiteren Laufe ihres Lebens heiratete sie den Ritter Eckbert und verbrachte mit ihm ein harmonisches Leben auf der Burg.

Nachdem Bertha Walther ihr Geheimnis mitgeteilt hat, erinnert dieser sie in ominöser Weise, an den Namen des Hundes, Strohmian, der Bertha bereits entfallen war. Dieses Wissen Walthers löste Berthas persönliches Schicksal aus: ihren eigenen Fiebertod.

Aufgrund Berthas Tod, sieht Eckbert in Walther den Schuldigen und ermordet ihn.

Nach einiger vergangener Zeit lernt Eckbert auf einem Fest den Ritter Hugo kennen, mit dem er sich anfreundet. Doch in ihm erkennt er den ermordeten Walther wieder. Diese Tatsache löst in Eckbert Schuldgefühle, Entsetzen und Panik aus. In dieser labilen Verfassung flieht er in die Natur und findet sich plötzlich in der Märchenwelt der Alten wieder. Dort wird ihm offenbart, dass Bertha seine Schwester und Walther sowie Hugo die Alte selbst war. Jene Offenbarung führt zu Eckberts völliger Verwirrung und lässt ihn in den Wahnsinn verfallen.

[...]


[1] Rath (1996, S. 262)

[2] http://oregonstate.edu

[3] http://www.literaturwelt.com

[4] Segebrecht (1976, S. 450)

[5] Wührl (S. 237)

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Ludwig Tieck - Der blonde Eckbert
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für deutsche Sprache)
Veranstaltung
Das romantische Kunstmärchen
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V44157
ISBN (eBook)
9783638418102
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ludwig, Tieck, Eckbert, Kunstmärchen
Arbeit zitieren
Anne Schaneng (Autor), 2005, Ludwig Tieck - Der blonde Eckbert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44157

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