Welche Politik kann Anerkennung garantieren? Die Politik der Anerkennung von Charles Taylor


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Taylor und die Politik der Anerkennung
2.1 Würde, Identität und Anerkennung
2.2 Taylors Sicht auf den Universalismus und seine Kritik
2.3 Taylors Gegenkonzept: Die Politik der Differenz

3. Die Kritik von Habermas

4. Resümee

1. Einleitung

Die Frage, der Charles Taylor in seinem Essay „Die Politik der Anerkennung“ nachgeht, lautet: „Welche Politik kann gleichberechtigte Anerkennung, sowohl zwischen verschieden Individuen innerhalb einer Gesellschaft, als auch interkulturell zwischen verschiedenen Kulturen, gewährleisten?“. Dabei zeigt er zwei verschiedene Politikformen auf und stellt sie gegenüber: Einmal den Liberalismus, den er auch Universalismus oder Liberalismus 1 benennt und zum Anderen die Politik der Differenz oder auch Liberalismus 2. Seine Kriterien, welche er als Maßstab ansetzt sind dabei Anerkennung der individuellen und der kulturellen Identität, Gleichberechtigung und Chancengleichheit.

Ohne es vorweg nehmen zu wollen, setzt Taylor im Verlauf und am Ende seines Essays auf die Stärken der zweiten Auslegung liberaler Politik[1], da er die Grundlagen des „herkömmlichen Liberalismus“ als unzureichend hält um gleichermaßen Anerkennung garantieren zu können. Er steht dabei in einer Reihe von Philosophen und Politologen, welche man unter die politikphilosophische Bezeichnung der „Kommunitaristen“ zusammenfassen kann und ist somit eingebunden in die Diskussion zwischen diesen Denkern und den Liberalisten. Dabei stellen die Kommunitaristen eine reaktionäre politische „Denkrichtung“ dar, welche Anfang der 1980er Jahre entstanden ist und im wesentlichen als eine Reaktion auf das Werk von John Rawls „a theory of justice“ aus dem Jahr 1971 betrachtet wird.[2]

Die Theorie von Rawls und die weitere Entwicklung des Liberalismus geht davon aus, dass Gleichberechtigung und Chancengleichheit allein mit neutralem Recht, welches von den Mitgliedern einer Gesellschaft ausgehandelt und vertraglich festgehalten[3] wird und allen Mitgliedern in gleichem Maße zugänglich ist, erreicht werden kann, wogegen die Kommunitaristen die Meinung vertreten, dass der Staat aktiv und substantiell eingreifen kann, wenn es darum geht, kollektive Ziele zu verfolgen. Es kann also nach dieser politischen Philosophie auch sein, dass gewissen Gruppen oder Individuen mehr Rechte eingeräumt werden als Anderen, wodurch unterschiedliche Freiheiten erzeugt werden. Dies kann geschehen, wenn Werte, Traditionen u.ä. geschützt und erhalten werden sollen. Sie sind im Kommunitarismus[4] das zentrale Element.[5]

Im Folgenden will ich die Ansicht, die von Taylor in seinem erwähnten Essay vertreten wird ausführlich darstellen und am Ende eine kurze Zusammenfassung dessen geben, was Habermas dazu erwidert. Dabei soll es auch um die Frage gehen, welche Politik meiner Meinung nach am Geeignetsten ist, um Anerkennung und Gleichberechtigung zu garantieren.

2. Taylors und die Politik der Anerkennung

2.1 Würde, Identität und Anerkennung

Zunächst möchte ich klären, warum Taylor der Anerkennung einen solch hohen Stellenwert einräumt. Dazu stellt er gleich auf der ersten Seite seines Essays die These auf, „unsere Identität werde teilweise von der Anerkennung oder Nicht-Anerkennung, oft auch von der Verkennung durch die anderen geprägt, so dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen wirklichen Schaden nehmen [...] kann, wenn die Umgebung oder die Gesellschaft ein eingeschränktes, herabwürdigendes oder verächtliches Bild ihrer selbst zurückspiegelt. Nichtanerkennung oder Verkennung kann Leiden verursachen, kann eine Form der Unterdrückung sein, kann den anderen in ein falsches, deformiertes Dasein einschließen.“.(S.13f.)[6]

Anerkennung tritt hier in zweierlei Hinsicht auf: Einmal indem wir einsehen, dass jedem Menschen gleichermaßen Würde zukommt und zwar aus einem Grund, den jeder Mensch im selben Maße besitzt: Die Fähigkeit vernünftig zu handeln und das Leben von Grundsätzen leiten zu lassen bzw. das Potential aus Gründen zu handeln, egal ob dieses Potential genutzt wird oder nicht.(S.32) Es ist also ein egalitäres, universelles Ideal, das Grundlage für jede Demokratie sein muss und Jedem die gleichen Rechte zusichert. Für Taylor die Grundlage des Universalismus. (S.27) Neben dieser universellen Eigenschaft der Menschen macht Taylor aber etwas aus, was auch jedem Menschen eigen ist, aber nicht universell: Die Identität.

Nachdem er dargestellt hat, dass es durchaus einen monologischen Charakter der Identität gibt, nämlich dann, wenn wir uns selbst fragen, was wir für gut oder falsch empfinden, hält er aber nachdrücklich fest, dass die Entwicklung der Identität immer „dialogisch“ ist, da sie sich im Austausch mit den „signifikanten Anderen“ unserer Umgebung entwickelt und wir unsere Ausdrucksweisen erlernen und so zu dem werden, was wir sind.(S.21f.) So werden Andere ein Teil von uns selbst, ganz davon abgesehen, dass wir gewisse Güter nur mit anderen Menschen zusammen genießen können. (S.23) Dieses Modell hält er dem „monologischen Ideal“ entgegen, welches von „manchen“[7] noch immer vertreten wird, wenn er sagt, dass es viel Mühe kosten würde, sich von den „signifikanten Anderen“ zu lösen und als Einsiedler versucht ganz man selbst zu sein. (ebd.)

Nach Taylor ist das Bedürfnis nach Anerkennung nicht etwas Neues, sondern etwas, was es schon immer gegeben hat. Zu früheren Zeiten war es aber eher so, dass gesellschaftliche Anerkennung kein Problem darstellte, da die gesellschaftliche Identität in Kategorien vorgegeben war und in der Regel auch anerkannt wurde. (S.21) Man war eben das was man war und das wurde auch nicht in Frage gestellt. Heute sieht dies anders aus, da jeder die Möglichkeit hat eine unverwechselbare Identität auszubilden und sich selbst in gesellschaftliche Kategorien einzubinden. Dieses individuelle Charakteristikum unseres Selbst kann bei dem Streben nach Anerkennung scheitern. (S.24) Dieses Scheitern würde dazu führen, was eingangs schon gesagt wurde: Es würde das Selbstbild und somit auch die Identität deformieren und Leiden erzeugen. Ein Grund weshalb Taylor die Anerkennung als ein Grundbedürfnis ansieht (S.15) und später die Politik der Differenz fordert.(S. 28)

Dass, was Taylor hier als individuellen Unterschied zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft festmacht, überträgt er auch auf Kulturen und Völker als kulturelle Identitäten.[8] So wie die Veränderung der Gesellschaft zur Bildung des Begriffs der menschlichen Würde und der unverwechselbaren Identität geführt hat (S.15ff.), so haben sich auch die Verhältnisse der Kulturen (Völker) untereinander geändert, „...das Volk als Träger einer Kultur inmitten anderer Völker“. (S.20) Jedes Volk sollte in die Lage versetzt werden, ungehindert es selbst zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen. Die Anerkennung der kulturellen Identität eines Volkes ist also ebenso wichtig, wenn dieses Volk ein undeformiertes Selbstbild aufbauen will und nicht in ein Dasein gedrängt werden soll, welches ihm so nicht zusteht. Diese eher internationale Sichtweise trifft natürlich auch auf eine Gesellschaft zu, in der mehrere Kulturen miteinander leben.

[...]


[1] Taylor kritisiert zwar den Liberalismus, den er mit dem Universalismus gleich setzt, bezeichnet aber auch die von ihm bevorzugte „Politik der Differenz als liberal Vgl. Taylor S.55

[2] Vgl. Philipp, Thomas S.49

[3] Vgl. ebd. S.50f.

[4] Wobei man nicht von dem Kommunitarismus an sich sprechen kann, da Kommunitarismus eine Sammelbezeichnung für mehrere politische, philosophische und auch soziologische Ansichten ist – Vgl. ebd. S. 45

[5] Vgl. ebd. S.46f.

[6] Alle Seitenangaben ohne genauere Literaturbeschreibung entstammen dem Buch „Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“ von Amy Gutmann (Hg.), Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1993

[7] Für diese „manchen“, die an dem monologischen Ideal festhalten, bringt Taylor leider keine Beispiele, aber es ist offensichtlich, dass er damit auf die Universalisten abzielt – S. 22

[8] Wobei Taylor versäumt genauer zu definieren, was er unter Kultur versteht

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Welche Politik kann Anerkennung garantieren? Die Politik der Anerkennung von Charles Taylor
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Festung Europa? Europäische Einwanderungspolitik und Einwanderungsgesellschaften
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V44181
ISBN (eBook)
9783638418287
ISBN (Buch)
9783638824217
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommunitaristische Sichtweise von Charles Taylor auf Einwanderung, Kulturerhalt und Anerkennung. Mit einer Darstellung von Habermas
Schlagworte
Welche, Politik, Anerkennung, Charles, Taylor, Festung, Europa, Europäische, Einwanderungspolitik, Einwanderungsgesellschaften
Arbeit zitieren
Marko Tomasini (Autor), 2005, Welche Politik kann Anerkennung garantieren? Die Politik der Anerkennung von Charles Taylor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44181

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