Zunächst präferiere ich die wissenschaftliche Arbeit mit der historischen Entwicklung des Personenbegriffs einzuleiten, um zu skizzieren, welche heterogenen Interpretationen von wichtigen Philosophen innerhalb der philosophiegeschichtlichen Zeittafel an dieser speziellen Terminologie gewagt wurden. Für dieses Vorhaben beabsichtige ich aufzuführen, wie verschiedenartig die Definition gedeutet werden kann und möchte aufzeigen, wieso es äußerst komplex ist den Personenbegriff transparent und schlüssig zu definieren, obwohl es ein Elementarbegriff für viele Disziplinen ist. Zudem bin ich der Ansicht, dass sich nur sehr wenige mit dem historischen Verlauf dieser ohnehin selten durchgeführten Reflexion des Personenbegriffs gegenwärtig und künftig auseinandersetzen werden, da es in der heutigen Zeit nur in Ausnahmefällen oder Extremsituationen hinterfragt und simplifiziert als Synonym für Mensch hingenommen wird, weil sich dieses Verständnis zunehmend in der Gesellschaft etabliert hat. Jedoch ist es unverzichtbar diese Begrifflichkeit zu analysieren, allein schon im Sinne des Grundgesetzes, um zu schraffieren, ob es moralisch vertretbar ist, ausschließlich Menschen Unantastbarkeit und Unversehrtheit, ergo ausnahmslos allen Menschen und keinem aus diesem Raster fallenden Wesen eine höhere Schutzdimension zuzubilligen. Deshalb werde ich es mir zur Aufgabe machen, die wichtigsten historischen Züge nachzuzeichnen, um zur heutigen, modernen Ansichtsweise zu gelangen. Bei meiner Nachskizzierung werde ich chronologisch vorgehen und, wie bereits erwähnt, nur die wesentlichen Entwicklungsverläufe abbilden, da alles Weitere, wie die Auflistung zu akribischer Details, den Rahmen sprengen würden. Anschließend halte ich es für notwendig auf die Bioethik als konkreten ethischen Zweig einzugehen, um im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit an das Hauptthema überleiten zu können, das in bioethischen Debatten gründet....
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zur Philosophie der Person: Person-Sein im Lichte historischer und bioethischer Herausforderungen
2.1 Die Etymologie ,Person`
2.2 Die Bedeutung des Personenbegriffs für bioethische Fragestellungen
3. Wie bewertet Peter Singer die Abtreibungs-Debatte?
3.1 Lebensschutz und -recht für Alle?: Singers Präferenzutilitarismus und sein philosophischer Personen-Begriff
3.2 Singers Stellungnahme zum Problem der Abtreibung
4. Robert Spaemann zur Sterbehilfe-Debatte: Töten auf Verlangen
4.1 Über das Person-Sein bei Robert Spaemann
4.2 Euthanasie als ethischer Grenzfall
5. Spaemann gegen Singer zur Tötungsfrage: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Auffassungen vom Personenbegriff bei Peter Singer und Robert Spaemann und analysiert deren Auswirkungen auf bioethische Grenzfragen wie Abtreibung und Sterbehilfe. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich ein jeweils spezifisches Verständnis von Personalität und Menschenwürde auf das Lebensrecht moralisch zu bewertender Wesen auswirkt.
- Historische Entwicklung und etymologische Herleitung des Personenbegriffs.
- Gegenüberstellung des utilitaristischen Ansatzes (Singer) und einer naturphilosophisch geprägten Ethik (Spaemann).
- Kritische Analyse des moralischen Status von Embryonen, Föten und Neugeborenen.
- Ethische Bewertung der Sterbehilfe und des Rechts auf Selbstbestimmung im Sterben.
- Diskussion des Konzepts der Menschenwürde als ontologische oder eigenschaftsbasierte Kategorie.
Auszug aus dem Buch
3.1 Lebensschutz und -recht für Alle?: Singers Präferenzutilitarismus und sein philosophischer Personen-Begriff
Bevor die Konzentration auf den Präferenzutilitarismus gerichtet wird, sollen zunächst noch die Grundüberlegungen des Utilitarismus nachgezeichnet werden. Der Utilitarismus verlangt von seinen Handlungsakteuren im Falle moralischer Entscheidungsfindungen ab, die Maxime zu wählen, die den größtmöglichen Nutzen für die die größtmögliche Anzahl hat. Dass eine Handlung nützlich und vorteilhaft ist, zieht zugleich auch nach sich, dass sie deshalb auch optimal ist, so der utilitaristische Ansatz.
Im Laufe der Zeit haben sich Unterkategorien im Rahmen des utilitaristischen Nutzenkalküls gebildet. Folgende Abzweigungen sind innerhalb der Ethik auszumachen: der hedonistische Utilitarismus, der ideelle Utilitarismus, der Handlungsutilitarismus, der Regelutilitarismus und der Präferenzutilitarismus. Allen Klassifizierungen sind markante Muster, d.h. universalistische Hauptkriterien gemeinsam. Es wurde bereits erwähnt, dass der Utilitarismus eine teleologische Ethik ist. Zweckgerichtet ist sie deshalb, weil sie im Allgemeinen auf die Summe des Glücks abzielt, welche als Konsequenz der Handlungsausführung willentlich erreicht werden soll.
Als nächstes ist sich der Frage anzunehmen, was mit der Bezeichnung der Präferenzen nach Singer gemeint ist. Die Präferenzen können als Vorlieben und Neigungen umschrieben werden. In dieser modernen Variante des Utilitarismus beziehen sich die Präferenzen auf das Prinzip allgemeiner Interessenabwägungen hinsichtlich aller Interessen eines Menschen. Der Präferenzutilitarismus ist also das Bewertungskriterium bzw. die Essenz bei moralischen Entscheidungskonflikten schlechthin, nach der man die Handlung ausrichten soll, nachdem man deren wahrscheinlichen Ausgang reflektiert hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung des Personenbegriffs und legt das Forschungsinteresse an einer bioethischen Auseinandersetzung anhand der Positionen von Singer und Spaemann dar.
2. Allgemeines zur Philosophie der Person: Person-Sein im Lichte historischer und bioethischer Herausforderungen: Dieses Kapitel behandelt die etymologische Herkunft des Begriffs „Person“ und dessen Wandel von der stoischen Philosophie über die Trinitätslehre bis hin zu modernen Ansätzen.
3. Wie bewertet Peter Singer die Abtreibungs-Debatte?: Hier wird der Präferenzutilitarismus erläutert und dargelegt, wie Singer auf dieser Basis zwischen Personen und Nicht-Personen unterscheidet, um seine Position zur Abtreibung zu begründen.
4. Robert Spaemann zur Sterbehilfe-Debatte: Töten auf Verlangen: Dieses Kapitel stellt Spaemanns Verständnis der Person als „Jemand“ vor, das auf einer aristotelischen Naturphilosophie basiert und radikal gegen Sterbehilfe sowie Abtreibung argumentiert.
5. Spaemann gegen Singer zur Tötungsfrage: Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Dieser Abschnitt führt die gegensätzlichen Positionen zusammen und verdeutlicht die grundlegende Differenz zwischen einem eigenschaftsbasierten und einem ontologischen Personenverständnis.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Problematik der Begriffsdefinition zusammen und resümiert die ethischen Konsequenzen aus den konträren Philosophien von Singer und Spaemann.
Schlüsselwörter
Personenbegriff, Bioethik, Utilitarismus, Präferenzutilitarismus, Robert Spaemann, Peter Singer, Sterbehilfe, Abtreibung, Menschenwürde, Lebensrecht, Personalität, Naturphilosophie, Euthanasie, Selbstbewusstsein, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und bioethischen Debatte um den Begriff der „Person“ und wie unterschiedliche Interpretationen desselben Einfluss auf die Bewertung von Abtreibung und Sterbehilfe haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen des Personenbegriffs und wendet diese auf bioethische Grenzfälle an, insbesondere auf den Anfang und das Ende des menschlichen Lebens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Konzepte von Peter Singer und Robert Spaemann kritisch gegenüberzustellen, um aufzuzeigen, wie ihre unterschiedlichen ethischen Axiome zu divergierenden Schlussfolgerungen bei moralischen Tötungsfragen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-philosophische Analyse, um Begriffe zu klären, sowie eine komparative Methode, um die ethischen Argumentationslinien von Singer und Spaemann direkt miteinander zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert im Detail den Präferenzutilitarismus bei Peter Singer und die naturphilosophische Sichtweise bei Robert Spaemann sowie deren jeweilige Anwendung auf Abtreibung und Sterbehilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Personenbegriff, Präferenzutilitarismus, Bioethik, Menschenwürde, Abtreibung, Sterbehilfe und Personalität.
Wie unterscheidet Singer zwischen Mensch und Person?
Singer unterscheidet zwischen der bloßen biologischen Zugehörigkeit zur Spezies Mensch und dem Status als Person, welcher laut seiner Theorie an das Vorhandensein von Selbstbewusstsein, Rationalität und Interessen gebunden ist.
Warum lehnt Spaemann Sterbehilfe strikt ab?
Spaemann argumentiert aus einer ontologischen Perspektive, dass jedes menschliche Wesen von Anfang bis Ende als Person anzusehen ist. Er sieht in der Sterbehilfe einen gefährlichen Angriff auf die Menschenwürde und die Grundlagen unserer Rechtsordnung.
Welche Rolle spielen Neugeborene in Singers Argumentation?
Singer ordnet Neugeborenen aufgrund ihres fehlenden Selbstbewusstseins keinen vollen Status als Person zu, was er unter bestimmten Umständen als ethische Rechtfertigung für die Tötung im Kontext seines Präferenzutilitarismus anführt.
- Arbeit zitieren
- Zeynep Ataman (Autor:in), 2017, Die Frage nach dem moralischen Personenstatus am Anfang und Ende des menschlichen Lebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442760