Gefühle lesen. Das Erkennen von mimischen Ausdrucksformen


Seminararbeit, 2018

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. EINLEITUNG
1.1 Vorgehensweise

2. WAS SIND EMOTIONEN?
2.1 Emotionale Intelligenz
2.2 Was lost unsere Emotion aus?

3. GEFUHLE IM GESICHTSAUSDRUCK ERKENNEN
3.1 Paul Ekmans Kulturenforschung
3.2 die sieben Basisemotionen von Paul Ekman
3.2.1 Angst erkennen
3.3 Das Facial Action Coding System
3.4 Lugen erkennen

1. EINLEITUNG

Der Tag startet nicht besonders gut. Das Management hat in einem Projekt zu einem Meeting eingeladen, um uber Budgetkurzungen und die damit verbundenen personellen Einsparungen zu informieren. Im Meetingraum herrscht angespannte Stille. Ich beobachte die Anwesenden und schaue aufmerksam in ihre Gesichter: hochgezogene Augenbrauen und weit geoffnete Au- gen hier, runtergezogene Mundwinkel dort. Ich bemerke das vermehrte Schlucken bei einigen Zuhorern, Stirnrunzeln, bei einem sehe ich, wie sich das untere Augenlid zusammenzieht, ge- senkte Augenbrauen, ein leichtes Kopfschutteln, kaum bemerkbar. Ein Raum voller Emotionen. Sie sind spurbar, fast greifbar und sie sind den Kollegen ins Gesicht geschrieben. Ich frage mich, ob die Projektleiter der sechs Entwicklungsteams ebenso bemerken, wie viel Gefuhle gerade in der Luft liegen und inwiefern ihnen bewusst ist, dass es nach diesem Teammeeting wichtig sein wird, die Mitglieder am Ende dort abzuholen, wo sie gerade stehen: im Angesicht einer ungewis- sen Zukunft. Ist die Emotionale Intelligenz der Leiter ausreichend?

1.1 Vorgehensweise

Mithilfe von Paul Ekmans3 Untersuchungen und Theorien, die er in seinem Buch: „Gefuhle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren.“ (2016) zusammenfefasst hat und Dirk W. Eilerts Mikroresonanzkonzept (Buch: „Mimikresonanz. Gefuhle sehen, Menschen verstehen.“ 2013), versucht die Arbeit einen Enblick zu geben, wie Emotionen in der Gesichtsmimik erkannt und interpretiert werden konnen. Dabei wird anfangs darauf eingegangen, was Emotionen sind und ob wir schon von Beginn unseres Lebens eine gewisse Intelligenz bestitzen, um Emotionen zu erkennen. Nach der Kulturenforschung Ekmans, werden seine sieben Basisemotionen kurz vorgestellt, die Grundlage fur das Facial Action Coding System und das von Eilert entwickelte Mimikscouting sind.

2. WAS SIND EMOTIONEN?

Es vergeht kein Tag, keine Stunde, keine Minute, in der wir mit ihnen nicht zu tun haben - mit unseren Emotionen. Sie leiten uns und sind standig uberall da. Was sind eigentlich Emotionen?

Jeder scheint zu wissen was sie sind, aber dennoch gibt es keine einheitliche Theorie oder eine interdisziplinar akzeptierte Definition. Dennoch wissen wir, dass die Emotionen fur unser Leben sehr wichtig sind. Ohne unsere Emotionen ware die Kommunikation langweilig und kal. Auch wenn man sich in manchen traurigen Lebensabschnitten wunscht sie nicht zu haben, „geben sie unserem Leben Farbe und einen Sinn“4. Also sind sie fur die Qualitat unseres Lebens von grower Bedeutung. Ekman meint, dass wir nicht ohne sie auskommen, sei es in der Arbeit, in der Fami- lie und Freundschaft oder in unseren intimsten Beziehungen.

Jede Emotion in uns, ganz gleich, ob wir eine unser Leben verandernde Entscheidung treffen mussen, einen Konflikt mit einem Kollegen austragen oder vor Freude einen Luftsprung machen konnten, weckt dabei eine ganz spezifische Bereitschaft zum Handeln. Diese lenkt uns wie eine Art Kompass. Paul Ekman versteht Emotion als einen Prozess, „eine spezielle Art von automati- scher Bewertung der Lage, die von unserer evolutionaren und personlichen Vergangenheit be- einflusst ist. Durch sie nehmen wir wahr, wenn sich etwas fur unser Wohlbefinden Bedeutsames ereignet, woraufhin sich eine Reihe von physiologischen Veranderungen und emotionalen Ver- haltensweisen der Situation anzunehmen beginnen"3. Die Fahigkeit mit unseren wie auch mit anderen Emotionen umgehen zu konnen, hat groBen Einfluss auf unseren Erfolg im Leben. Dirk W. Eilert bezeichnet dies als „Kern der emotionalen Intelligenz"4

2.2 Emotionale Intelligenz

Die Emotionale Intelligenz kommt nicht von allein und es ist nicht so, dass es manche „haben" und andere nicht. Man kann es lernen, uben und besser darin werden, sich selbst besser zu erfahren und sich in andere Menschen einzufuhlen. Um die Eigenen und die Gefuhle fremder Menschen richtig wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen brauchen wir, laut Eilert, die Fahigkeit der emotionalen Intelligenz:

„Durch sie gelingt es uns, unser Potential zu entfalten" 5.

Diese Fahigkeit entsteht in zwischenmenschlichem Kontakt: In der heutige Zeit wird das immer schwieriger, denn die Kinder wachsen mit elektronischen Geraten auf, mit denen sie zum groB- ten Teil durch Whatsapp oder Facebook kommunizieren. Dirk W. Eilert ist der Meinung, dass die emotionale Intelligenz unsere Beziehungen dennoch zusammenhalten kan. Die Hauptelemente sind die Empathie, das Emotionsmanagement und die kommunikative Intelligenz. Diese drei Elemente beeinflussen sich gegenseitig. Der wichtigste Bestandteil von emotionaler Intelligenz ist, wenn wir die Gefuhle anderer Menschen wahrnehmen: die Emphatie.Diese losen auch in uns Gefuhle aus, wo unter anderem die Spiegelneuronen 6 eine entscheidene Rolle spielen.7

2.1 Was lost unsere Emotionen aus?

Sie kommen und gehen. Nach Eckman reagieren wir nicht auf alles emotional, denn die Menschen sind unterschiedlich und reagieren unterschiedlich auf dieselben Situationen: Einige reagieren viel gefuhlsbetonter als andere, dennoch kennen auch die emotionalsten Menschen Augenblicke, in denen sie kein Gefuhl in sich spuren.8 Einer der Ausloser von Emotionen beschreibt Ekman als den „Urgrund" der emotionalen Reaktionen, der sich aus der menschlichen Evolution entwickelt hat, damit wir in lebenswichtigen Situationen schnell reagieren konnen.

„Wir mussen uber automatische Bewertungsmechanismen verfugen, die unsere Umwelt unablas- sig durchmustern und sofort erkennen, wenn etwas geschieht, das fur unser Wohlergehen von Bedeutung ist."9

Diese Bewertungsmechanismen mussen die Umgebung auf Ereignisse hin prufen, die jedem zustoBen konnen und auch auf Ereignisse, die allen Menschen fur das Wohlergehen oder Uber- leben wichtig sind: die universalen Ereignisse. Im Laufe unseres Lebend bekommen wir laut Ekman es mit vielen Einzelereignissen zu tun, die wir lernen zu deuten.

Auf diese reagieren wir mit einer Reaktion die wir wiederum mit „Angst oder Ekel empfinden, in Rage geraten, traurig werden, Uberraschung oder Gluck und Zufriedenheit erfahren." 10 Diese er- lernten Ereignisse zahlen zu den universalen Auslosern, die auf die automatischen Bewertungs­mechanismen ansprechen und sind so also keine gespeicherten Urereignisse und bei jedem Menschen individuell. Insgesamt beschreibt Ekman acht weitere Wege, wie wir zu unseren Gefuhlen Zugang bekommen und sie beeinflussen konnen: Die reflektierte Bewertung, die Er- innerung an zuruckliegende emotionale Erfahrungen, die Fantasie, das Sprechen uber ein ver- gangenes emotionales Erlebnis, das Mitgefuhl, das was wir von anderen abgeschaut haben, die Verletzung sozialer Normen und zuletzt die simulierte Erscheinung einer Emotion.

3. GEFUHLE IM GESICHTSAUSDRUCK ERKENNEN

Charles Darwin war einer der ersten Wissenschaftler, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Emotionen und deren Ausdruck durch Korpersprache in „The expression of the emotions in man and animals" (1872) wissenschaftlich auseinandersetzten. Er war der Uberzeugung, dass wir Menschen alle eine Pallette von Gefuhlen in uns tragen, die wir durch unsere Gene vererbt bekommen. Somit hat, nach Darwin, jeder Mensch auf der Welt, unabhangig von seiner Kultur, den Zugriff auf die selben Emotionen. Beispielsweise kennt jeder das Gefuhl der Eifersucht. Die Frage war nur, ob auch die korperlichen Ausdrucke vererbt werden.11

3.1 Paul Ekmans Kulturenforschung

Paul Ekman begann Ende der funfziger Jahre zu diesem Thema ein lange Forschungsreise, die ihn nach chile, Argentinien, Brasilien und sogar in das Hochland von Papua-Neuguinea fuhrte. Im Gegensatz zu Darwin ist Ekman zu Beginn „[...] in dem Glauben, dass Mimik und Gestik sozial erlernt und von Kultur zu Kultur verschieden sind" 12 Er uberpfufte seine Theorien auf mehreren Kontinenten und besuchte dafur auch Eingeborenenstamme, die sehr isoliert lebten, sicherstel- len, dass die Gesichtsausdrucke der dort lebenden Menschen nicht durch auBere Einflusse der „modernen Welt" beeinflusst worden sind (siehe Abb. 1).

Wie genetische und kulturelle Faktoren beim Ausdruck von Emotionen zusammenspielen, konnte Ekman zum Beispiel an japanischen und amerikanischen Studenten zeigen. Der Wissenschaftler filmte die Studenten, wahrend sie einen Film uber archaische Beschneidungsrituale sahen. Betrach- teten die Probanden den Film alleine, verzogen sie ahnlich entsetzt das Gesicht. Sahen die japanischen Studenten den Film zusammen mit dem Versuchsleiter, zeigten sie anders als die amerikanischen Studenten kaum negative Reaktion, sondern lachelten. 13

Nach seiner Forschung uber verschiedene Kulturen, fand er genau das Gegenteil heraus, was er zu Beginn erwartet hat- te. Es uberraschte ihn, das die Menschen die er auf seiner Reise befragte, genau sagen konnten, welche Emotionen die jeweiligen Gesichter zum Ausdruck brachten.

Menschen industrialisierter Nationen, Angehorige indigener Volker, Blindgeborene und Babys - sie alle verfugen offenbar uber die gleichen „Grundfarben“ der Gefuhle und die damit verknupfte Mimik. Ohne dass sie die Mimik oder die Gefuhle erlernen mussten, zeigen sie diese ab einer bestimmten Hirnreifung spontan auf einige wenige Reize. Paul Ekman stellte fest, das es sieben Gesichtsausdrucke gibt, die uberall auf der Welt gleich aussehen und deren Ausdruck weltweit kulturunabhangig ist: Die sogenannten Basisemotionen.

gemacht hatte. Bei dieser gereizten Stimmung handelt es sich nicht um die Emotion Arger, sie macht uns nur empfanglicher fur ihn.17

In seinem Buch beschreibt Ekman weiter, das Emotionen sehr schnell stattfinden - oft unbe- merkt - und das diese nur wenige Sekunden andauern (dazu in 3.2 mehr). Auch besitzt nach Ek­man jede Basisemotion ein entsprechendes Verhaltensmuster, so ist beispielsweise das Verhal- tensmuster von Furcht die Flucht. Ekman raumt allerdings ein, dass dieser Aspekt durch Lernen und Erfahrung bei jedem zu unterschiedlichen Auspragungen fuhren kann - das Verhaltensmus­ter kann demnach willentlich kontrolliert werden. Dieses steht jedoch in Widerspruch zu seiner weiteren Annahme, dass die Bewertung von Emotionen automatisch erfolgt, da Emotionen sehr schnelle Reaktionen auf Ereignisse darstellen und somit nicht beeinflussbar sind. 18

3.2.1 Angst erkennen

Zur Erkennung der Emotion Angst, beschreibt sowohl Ekman, als auch Eilert Bewegungen in drei Gesichtsberreichen (siehe Abb. 3). Angst ist eine Basisemotion, die oftmals, aufgrund ihres ahnlichen Erscheinungsbildes, mit Uberraschung verwechselt wird. Im emotionalen Zustand der Uberraschung konnen wir die Situation noch nicht bewerten. Erst nach der Bewertung folgen dann weitere Emotionen. Ist es eine positive Uberraschung folgt die Freude, ist es eine bedroh- liche folgt die Angst. Hierbei gehe ich vertiefend auf die Charakteristik der Basisemotion und die mimische Ausdrucksform (Mimik) ein, um die Emotion Angst zu entschlusseln.

3.2 Die sieben Basisemotionen

„Trauer, Zorn, Uberraschung, Angst, Ekel, Verachtung und Freude." 15

Diese sieben „Basisemotionen“ unterscheiden sich in ihrer Bedeutung von „anderen“ Emotionen insbesondere darin, dass sie sich uber alle Kulturgrenzen gleichermaBen herausbildeten, um mit besonders wichtigen oder bedrohlichen Lebenssituationen besser umgehen zu konnen. Ekman schreibt, dass sich diese Emotionen in ihrer Intensitat und Art nochmals unterscheiden, also in der Art und Weise wie diese sieben Basisgefuhle im sozialen Kontakt ausgedruckt werden. Das hangt damit zusammen, dass Gefuhle in bestimmten Situationen, je nach kulturellem Kontext, erwunscht oder unerwunscht sind. 16

Wenn man sich zum Beispiel in einer bestimmten Stimmung befindet, kann das schon mal ein paar Stunden oder Tage dauern, in denen man, laut Eilert, besonders anfallig fur bestimmte Emotionen ist. Beispielsweise ist man an einem Tag, an dem man wenig gegessen hat, in einer gereizten Stimmung. Sobald Jemand einen auf etwas anspricht, das einem vielleicht nicht ganz passt, reagiert man schnell uber, was man bei einer euphorischen Stimmung vielleicht nicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Gesichtsberreiche beim Mimikscouting (Dirk W. Eilert, S. 45)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe, der besonders für seine Forschungen zur nonverbalen Kommunikation bekannt wurde, in: Planet Wissen

2 Dirk W. Eilert in: „Mimikresonanz. Gefühle sehen, Menschen verstehen.“ 2013, S. 17

3 Paul Ekman in: Gefühle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. S. 18

4 Dirk W. Eilert in: „Mimikresonanz. Gefühle sehen, Menschen verstehen.“ 2013, S. 17

5 Vgl. Dirk W. Eilert in: „Mimikresonanz. Gefühle sehen, Menschen verstehen.“ S. 19

6 Spiegelneuronen sind ein Resonanzsystem im Gehirn, das Gefühle und Stimmungen anderer Menschen beim Empfänger zum Erklingen bringt. Das Einmalige an den Nervenzellen ist, dass sie bereits Signale aussenden, wenn jemand eine Handlung nur beobachtet. In: www.planet-wissen.de

7 Vgl. Ebenda. S. 18f

8 Vgl. Paul Ekman in: Gefühle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. S. 25

9 Paul Ekman in: Gefühle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. S. 29

10 Ebenda. S. 33

11 Dirk W. Eilert in: „Mimikresonanz. Gefühle sehen, Menschen verstehen.“ 2013, S. 35

12 Paul Ekman in: Gefühle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. S. 3

13 Paul Ekman in: Gefühle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. S. 5f

15 Ebenda. S82

16 Ebenda. S.82ff

17 Dirk W. Eilert in: „Mimikresonanz. Gefühle sehen, Menschen verstehen.“ 2013, S. 161

18 Paul Ekman in: Gefühle lesen. Wie sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. 2016, S. 88ff

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Gefühle lesen. Das Erkennen von mimischen Ausdrucksformen
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
8
Katalognummer
V444248
ISBN (eBook)
9783668812222
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionen, Mimik, Lesen, Ausdruck, Gefühle, Ekman, Management
Arbeit zitieren
Vivien Katholing (Autor), 2018, Gefühle lesen. Das Erkennen von mimischen Ausdrucksformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444248

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