Inwiefern beeinflusst das soziale Umfeld die Jugendkriminalität?


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Formen der Jugendkriminalität
2.1 Lagebild Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen

3 Soziale Einflussfaktoren als Ursache von Jugendkriminalität
3.1 Elterliche und familiäre Merkmale
3.1.1 Elterliches Erziehungsverhalten
3.1.2 Familienstrukturelle Bedingungen
3.1.3 Wohnort der Familie
3.2 Die Rolle der Gleichaltrigen
3.3 Die Rolle der Schule

4 Verschiedene Erklärungsansätze 8
4.1 Anomietheorie
4.2 Das Teufelskreismodell nach Quensel
4.3 Labeling Approach

5 Schluss

6 Fazit

7 Literaturliste

1 Einleitung

Ein bedeutender Wert unserer an Gesundheit und Vitalität orientierten Gesellschaft ist Jugendlichkeit. Gleichzeitig bringt die Lebensphase Jugend jedoch auch Defizite, Störungen und riskante Verhaltensweisen mit sich. Unter Jugendkriminalität versteht man die Delinquenz von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, also der Altersgruppe der unter 21-jährigen. Die Kriminalität von Jugendlichen erhält in vielen Fällen eine besondere mediale und politische Aufmerksamkeit. Häufig wird nur auf besonders schwere Einzelfälle eingegangen, sodass eine spezifische Wahrnehmung von Delikthäufungen erzeugt wird. Ein zentraler Befund der Jugendkriminalität ist, dass diese ubiquitär ist, also fast alle Jugendlichen betrifft. Des Weiteren ist die Jugendkriminalität transitorisch, also ein Phänomen im Lebenslauf, das in den meisten Fällen nur für eine gewisse Zeit anhält. Darüber hinaus ist Jugendkriminalität mit der Kriminalität Erwachsener nur schwer vergleichbar, da sie eher spontan und gruppenbezogen ist und weniger wirtschaftlichen Schaden anrichtet. Die Jugendlichen werden nicht nur als Täter, sondern auch als Opfer betrachtet. Eine Bekämpfung der Jugendkriminalität durch harte Bestrafungen ist nicht zielführend, da diese mit enormen Rückfallquoten in Zusammenhang stehen (Dollinger und Schmidt-Semisch 2011: 11).

Trotzdem kommt Kinder- und Jugendkriminalität auch als Einstiegskriminalität in Betracht. Untersuchungen zeigen, dass das Risiko der Fortsetzung der Straffälligkeit noch im Erwachsenenalter besonders bei den Personen hoch ist, die im Kindesalter mehrfach polizeilich auffällig waren (Reichert 2000: 9). Eine Untersuchung ehemaliger jugendlicher Vielfachtäter in Hamburg zeigte, dass circa 50% einer Ausgangsgruppe nach fast 20 Jahren immer noch kriminell auffällig war. Jede der untersuchten Personen beging im Durchschnitt 88 Straftaten verteilt über ein Leben von 35 bzw. 36 Jahren (Reichert 2000: 14f.).

Die möglichen Ursachen für Jugendkriminalität sind heterogen, das heißt sie sind das Ergebnis eines vielfältigen Zusammenspiels von gesellschaftlichem und persönlichem Umfeld (Gehl 2000: 7). Ihre Bekämpfung ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, zu dem auch die Polizei ihren Beitrag zu leisten hat (Gehl 2000: 21).

Ziel dieser Arbeit ist es daher, herauszuarbeiten inwiefern das soziale Umfeld, insbesondere Familie, Freunde und Schule, Einfluss auf die Jugendkriminalität nimmt. So ist es der Polizei möglich zielgruppenorientierte Präventionsmaßnahmen mit einzuleiten, die den Bedürfnissen der Jugend gerecht werden und auch erfolgsversprechen sind.

2 Formen der Jugendkriminalität

Jugendkriminalität ist zu einem hohen Anteil leichte Kriminalität. Manche sprechen auch von „Bagatell“-Kriminalität (Reichert 2000: 13). Dabei gilt Eigentumskriminalität als das klassische Jugenddelikt schlechthin, wobei hier insbesondere der Ladendiebstahl eine herausragende Stellung einnimmt, gefolgt von Körperverletzungsdelikten und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Reichert 2000: 32). Ein Schaubild von Heinz, das die Kriminalität im Altersverlauf in ausgewählten Jahren anzeigt macht deutlich, dass Menschen in ihrer Jugend am häufigsten kriminell sind. Die Höherbelastung junger Menschen setzt sich aber nicht weit in das Vollerwachsenenalter hinein fort. Weiterhin zeigt sich, dass zum Beispiel Körperverletzungsdelikte vor allem von 18- bis 21-jährigen begangen werden, wohingegen Wirtschaftskriminalität bei 50- bis 60-jährigen am häufigsten ist (Heinz 2016).

Interessant ist auch, dass Jugendkriminalität hauptsächlich von Jungen verübt wird. So zeigte eine repräsentative, deutschlandweit durchgeführte Schülerstichprobe in der Jahrgangsstufe 9 aus dem Jahr 2007 bis 2008, dass im Verlauf eines Jahres von 43,7% der Jungen Delikte begangen wurden, aber nur von 23,6% der Mädchen. Geringe Unterschiede zwischen dem Anteil weiblicher und männlicher Delinquenten ergeben sich bei Delikten wie zum Beispiel Ladendiebstahl. Mit der Schwere des Deliktes werden dann die Unterschiede größer. Die Kriminalität von Jungen ist nicht nur höher sondern auch schwerer als diejenige der jeweiligen Altersgenossinnen. Außerdem werden vor allem männliche Jugendliche mehrfach auffällig (Heinz 2016).

2.1 Lagebild Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen

Auch in Nordrhein-Westfalen waren für den Altersbereich der Jungtäter die Delikte Diebstahl, Körperverletzung, Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz, Erschleichen von Leistungen, Sachbeschädigungen und Raub bezeichnend. Im Zehnjahresvergleich von 2007 bis 2016 ist die Anzahl der Tatverdächtigen im Alter unter 21 Jahren bei Straftaten in Nordrhein-Westfalen um 21,9 Prozent zurückgegangen. Besonders hoch war der Rückgang in den Bereichen Sachbeschädigungen, Raub und Diebstahl. In dem Bereich Erschleichen von Leistungen und Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz nahm die Anzahl der jugendlichen Tatverdächtigen jedoch zu.

Im Zweijahresvergleich der Jahre 2015 und 2016 ist die Anzahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren allerdings um 0,7 Prozent gestiegen. Dies ist auf die Delikte Raub, Diebstahl und Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz zurückzuführen (Lagebild für NRW 2016). Allerdings ist hier anzumerken, dass sich die Polizeistatistik lediglich auf die registrierten Straftaten bezieht und von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden kann, wie beispielsweise dem Anzeigenverhalten und der polizeilichen Kontrolle. Das Dunkelfeld bleibt unbeachtet. Dies bedeutet, dass die Fallzahlen in der Realität durchaus höher sein können und dass geringfügige Veränderungen auch zufällig sein können, wie zum Beispiel der leichte Anstieg der Tatverdächtigen zwischen 2015 und 2016.

3 Soziale Einflussfaktoren als Ursachen von Jugendkriminalität

3.1 Elterliche und familiäre Merkmale

3.1.1 Elterliches Erziehungsverhalten

In den ersten Kindheitsjahren wird die Entwicklung des Menschen maßgeblich bestimmt. Fehlentwicklungen, die auch zu Kriminalität führen können werden häufig in dieser Zeit angelegt. Sie kommen besonders dann vor, wenn eine dauerhafte Bezugsperson fehlte und kein Urvertrauen hergestellt werden konnte (Ostendorf 2010). So kann die Familie sowohl ein zentraler Protektor als auch ein zentraler Risikofaktor im Leben von Jugendlichen sein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kinder mit stabilen Bindungen an ihre Hauptbezugspersonen gute soziale Fähigkeiten entwickeln, wohingegen unsichere frühkindliche Bindungen besonders bei Jungen häufig zu aggressivem Verhalten führen (Uslucan 2012). Die Verinnerlichung von Recht und Unrecht kann aber auch durch inkonsequente und falsche Erziehung, Hartherzigkeit, aber auch durch übertriebenes Verwöhnen verhindert werden. Ein Risikofaktor sind auch soziale Notsituationen wie beengte Wohnverhältnisse oder dauerhafte Arbeitslosigkeit der Eltern. Positive emotionale Beziehungen können dann nur erschwert aufgebaut werden (Ostendorf 2010).

Studien von Pfeiffer und Wetzels zeigen, dass von Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe betroffene Eltern ihre Kinder mehr als doppelt so oft misshandelt haben wie andere Eltern. Solche Gewalterfahrungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass betroffene Jugendliche auch selber Gewalt ausüben erheblich (Pfeiffer und Wetzels 2010: 39).

Kriminalität kann auch schon in der Familie erlernt werden, wenn man schlechte Vorbilder hat. Wenn die Eltern stehlen wird dieses Verhalten auch oft von den Kindern übernommen (Ostendorf 2010). Auch wenn Kinder sehen, dass Eltern ihre Konflikte mit Gewalt lösen, lernen sie modellhaft bei ihren eigenen Problemen auch Gewalt anzuwenden. Das gilt auch dann, wenn sie selber nicht geschlagen werden. Sie entwickeln eine höhere Akzeptanz für Gewalt und sind selber aggressiver. Außerdem lernen sie, dass man mit Gewalt erfolgreich Forderungen durchsetzen kann. Sie verschafft ihnen Anerkennung (Biermann und Sadigh 2009).

3.1.2 Familienstrukturelle Bedingungen

Aus kriminologischen Studien geht hervor, dass Kinder und Jugendliche verstärkt durch Straftaten auffallen, die in einer Familienkonstellation aufwachsen, die man auch als „broken-home“ bezeichnen kann. Dabei handelt es sich um gestörte oder unvollständige Familien. Die Familienverhältnisse sind chaotisch, mit schweren Abweichungen schon bei den Eltern. Die Kinder waren häufig unerwünscht, die Eltern kümmern sich kaum um sie, vernachlässigen sie oder misshandeln sie sogar. Den Kindern fehlen Liebe und Zuwendung und sie wachsen nicht mit Werten auf (Reichert 2000: 15).

Auch Rubach konnte durch ihre empirischen Untersuchungen in der Jugendvollzugsanstalt Wriezen herausfinden, dass die Unvollständigkeit in der Familie mit einhergehender Überforderung eines Elternteils als Hauptursache für Jugendkriminalität herangezogen werden kann, besonders wenn weitere Faktoren hinzukommen, wie zum Beispiel hohe Geschwisterzahlen und hohe Auslastungen der Eltern durch den Beruf (Rubach 2008).

3.1.3 Wohnort der Familie

Mängel in der Wohnsituation und dem Wohnumfeld können die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen. Familienwohnungen, die übermäßig beengt sind können Konflikte ermöglichen oder verschärfen, die sich dann in kriminellem Verhalten entladen. Es gibt auch Wohnungen, in denen Kommunikation nur schwer möglich ist.

Noch wichtiger aber ist das Wohnumfeld der Familie. So kann die Gestaltung bestimmter Stadtteile Einfluss auf die Kriminalitätsentstehung haben. Wichtig ist, dass die Jugendlichen Beschäftigungsangebote in ihrer Freizeit erhalten. Dazu gehören Spiel- und Sportplätze, Jugendzentren und attraktive, preiswerte Freizeitangebote, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden.

Ebenfalls spielt die Architektur der Wohnorts eine Rolle. So begünstigen Hochhaussiedlungen Anonymität. Ungeschützte Zonen, wie zum Beispiel in Fahrstühlen oder im Eingangsbereich, begünstigen Sachbeschädigungen oder Personendelikte (LKA NRW und AJS NRW 2006).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Inwiefern beeinflusst das soziale Umfeld die Jugendkriminalität?
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V445060
ISBN (eBook)
9783668817760
ISBN (Buch)
9783668817777
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, umfeld, jugendkriminalität
Arbeit zitieren
Jana Kaesberg (Autor), 2018, Inwiefern beeinflusst das soziale Umfeld die Jugendkriminalität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445060

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