Aussagen zum Heiligen Geist im Johannesevangelium


Ausarbeitung, 2018

4 Seiten


Leseprobe

Aussagen zum Heiligen Geist im Johannesevangelium

Diese Trimesterarbeit thematisiert die Aussagen des Johannesevangeliums bezüglich des Heiligen Geistes. Im ersten Schritt wurde im genannten Evangelium nach Stellen gesucht, die Aussagen über den Heiligen Geist machen. Zu beachten ist hierbei, dass nicht immer vom „Heiligen Geist“ geschrieben wird, wenn „Geist“ im deutschen Bibeltext steht. Teilweise handelt es sich bei dem benutzen Wort „Geist“ um böse Geister im Sinne von Dämonen, aber auch den menschlichen Geist im Sinne eines ganz natürlichen Bestandteils eines Menschen. Dies wird schon daran deutlich, dass der Menschen häufig als eine Einheit auch “Körper, Seele und Geist” bezeichnet wird. Daher ist es wichtig, nicht nur nach dem Wort „Geist“ zu suchen, sondern auch immer den Kontext, in dem dieser Begriff steht, zu betrachten.

Es wurde außerdem nach „πνεῦμά“ und „παράκλητος“ in der Bibelausgabe Nestle Aland 28 gesucht. Die Bezeichnung „παράκλητος“ als Synonym für den Heiligen Geist findet sich ausschließlich in Johannes.

Bei der Recherche nach den entsprechenden Bibelstellen im Johannesevangelium fällt auf, dass der Geist nicht thematisiert wird, wenn es um Wunder, Heilung oder ekstatisches Verhalten geht; vielmehr wird der Geist als Helfer, Übersetzer, Zeuge, Ankläger und Offenbarer beschrieben[1].

Im Folgenden wird nun anhand des Evangeliums des Johannes dargelegt, wie der Heilige Geist vor, bei und nach der Bekehrung eines Menschen wirkt. Die Bibelstelle, in welcher Jesus den Heiligen Geist empfängt, wurde nicht betrachtet, da der Begriff „Bekehrung“ bei Jesus als Messias nicht als zutreffend eingeschätzt wurde.

Was bewirkt der Heilige Geist vor der Bekehrung eines Menschen?

In Kapitel 6 des Johannesevangeliums spricht Jesus von seinem Leib und seinem Blut, welches das ewige Leben ermöglicht. Auf diese Rede reagieren viele seiner Jünger erbost, woraufhin Jesus ganz nüchtern erklärt: „Der Geist ist’s, der lebendig macht“. Jesus beantwortet mit dieser Aussage die Frage, wie Menschen das ewige Leben bei Gott erhalten können. Dies geschieht nämlich durch den Geist, welcher dafür sorgt, dass Menschen beginnen an Jesus zu glauben und in Jesus den Sohn Gottes erkennen. Ebenso bezeugt es Petrus, indem er sagt, dass Jesus Worte des ewigen Lebens hat, er an ihn glaubt und erkannt hat, dass Jesus der Heilige Gottes ist[2].

Eine ähnliche Aussage ist in Johannes 15,26f nachzulesen. Der Heilige Geist, welcher in dieser Stelle von Luther als Tröster und Geist der Wahrheit bezeichnet wird, nimmt die Aufgabe ein, Jesus zu bezeugen. Er verkündet Jesus und bekennt, dass Jesus gekommen sei, um den Menschen die Vergebung der Sünden anzubieten. Beachtenswert ist hierbei, dass der Heilige Geist beim Bezeugen von Jesus durch die Jünger unterstützt wird, denn auch sie sind Zeugen für Jesus.

In Johannes 16,8 steht geschrieben, das der Heilige Geist der Welt die Augen auftun wird. Mit der Welt ist nicht der Jüngerkreis, sondern sind die ungläubigen Menschen gemeint. Daher ist davon auszugehen, dass in diesem Abschnitt davon gesprochen wird, was der Geist bei Menschen bewirkt, die noch nicht an Gott glauben. Drei Bereiche werden thematisiert[3]:

1. Sünde: Der Heilige Geist wird dem Menschen deutlich machen, dass er ein Sünder ist. Diese Sünde zeigt sich jedoch nicht nur in moralischen Verfehlungen, sondern vor allem in dem Unglauben gegenüber Jesus. Der Heilige Geist bewirkt demnach, dass Menschen beginnen an Jesus als den von Gott gesandeten Messias zu glauben. Jünger Jesu können den Mitmenschen Jesus predigen, ob ein Mensch jedoch beginnt an Jesus zu glauben, ist ganz alleine Werk des Heiligen Geistes.
2. Gerechtigkeit: Der Hohe Rat der Juden dachte, dass sie durch die Verurteilung Jesu die Gerechtigkeit Gottes aufrichten. Aber tatsächlich erweist Gott gerade durch den Kreuzes Tod Jesu, dass Gottes Gerechtigkeit zum Ziel kommt.
3. Gericht: Jesus wurde zum Tode verurteilt und es scheint als wäre Jesus gescheitert. Doch in Wahrheit war es Gottes Plan, dass Jesus starb um so die Macht des Satans zu besiegen. Somit handelt es sich bei dem Gericht nicht um ein grausames Gericht, sondern um ein befreiendes und gesegnetes Gericht. Der Heilige Geist ermöglicht, dass Menschen dieses Gericht dankbar annehmen könne und in dem Gericht die einzige Hoffnung für die Welt erkennen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Heilige Geist vor der Bekehrung eines Menschen diesen dazu leitet, Jesus als Gottes Sohn anzuerkennen, und zu verstehen dass Gottes Plan durch den Tod Jesu zum Ziel kam; außerdem macht er diesem Menschen deutlich, dass er in Jesus die einzige Hoffnung für sein Leben hat. Bildlich gesprochen öffnet der Heilige Geist Menschen vor der Bekehrung die Augen, um Jesus als Gottes Sohn zu erkennen. So entsteht die Bereitschaft, über ein Leben als Jesus-Nachfolger nachzudenken.

Was bewirkt der Heilige Geist bei der Bekehrung eines Menschen?

Der Geist ist entscheidend, um einen Menschen hin zum Glauben an Jesus Christus zu führen. So erklärt Jesus beispielsweise dem Pharisäer Nikodemus, dass ein Mensch durch Wasser und Geist neugeboren werden muss, um in das Reich Gottes zu kommen. Jesus beschreibt hier nicht, wie der Heilige Geist bei der Bekehrung wirkt, vielmehr macht er in Johannes 3,8 deutlich, dass es das Werk des Geistes ist und dass man als Mensch den Heiligen Geist nicht steuern, sondern nur erkennen kann. Erstaunlich an dieser Geschichte ist, dass Nikodemus, einer der geistlichen Leiter Israels, nicht weiß, wie man gerettet werden kann. In der Antwort konkretisiert Jesus das Gespräch und macht ersichtlich, dass Jesus der ist, welcher von Gott geschickt wurde, sodass Menschen die an Jesus glauben das ewige Leben bereits haben und nicht erst bekommen werden. An dieser Geschichte wird deutlich, dass der Geist bei der Bekehrung eines Menschen wirkt.

Johannes schildert in Kapitel 7,37f, dass, wer durstig sei, zu Jesus kommen solle, um dort zu trinken. An sich wird hier nicht direkt vom Heiligen Geist gesprochen. In Vers 39 ist jedoch folgender ergänzender Kommentar des Evangelisten zu lesen: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten“. Somit können wir in den vorhergehenden Versen ganz klar das Wirken des Heiligen Geistes sehen. Die Aussage Jesu in Vers 37 liest sich wie eine Einladung, in welcher Jesus Menschen einlädt, seine Nachfolger zu werden, und bei ihm die Sehnsucht nach dem wahren Leben zu stillen. Diese Einladung kann man als Bekehrung zu Jesus verstehen. Doch die Bekehrung ist noch viel mehr – der Durst derjenigen, welche sich bekehren, wird nicht nur gestillt, sondern sie beginnen selbst Quelle für andere zu werden. Bezüglich der gegebenen/vorliegenden Fragestellung kann abgeleitet werden, dass Jesus bei der Bekehrung eines Menschen durch den Heiligen Geist zunächst dafür sorgt, dass der Mensch das ewige Leben erhält und zeitgleich selbst, wie eine Quelle, zum Vermittler des ewigen Lebens wird.

Was bewirkt der Heilige Geist nach der Bekehrung eines Menschen?

Das Evangelium nach Johannes zeigt auf, dass der Heilige Geist nach der Bekehrung eines Menschen auf verschiedenste Weise wirkt:

A. Anbetung in Geist und Wahrheit[4]:
Durch und mit dem Heiligen Geist können Nachfolger Jesu zu wahren Anbetern werden. Das heißt, sie können zu Menschen werden, welche Gott so anbeten, wie Gott als Vater es will.

B. Tröster[5]:
Im Griechischen heißt das Wort Tröster „παράκλητον“. Man kann es auch als Fürsprecher, Helfer, Mittler oder Anwalt übersetzen. Dieser Tröster wird von Jesus gesandt und soll ein Helfer für bekehrte Menschen sein. Entscheidend ist, dass dieser Tröster nicht benötigt wird, um gegen Gott zu bestehen – denn durch Jesus wurden die Menschen gerecht –, sondern dieser Tröster wird von Jesus geschickt, sodass die Gläubigen hier auf dieser Welt keine Waisen sind. Dies geschicht, indem der Heilige Geist als eine Art Ersatz für Jesus als Tröster wirkt. Demnach ist Jesus durch den Heiligen Geist bis in alle Ewigkeit bei allen seinen Jüngern.

C. Lehrer[6]:
Der Heilige Geist tritt als Lehrer auf und Jesus verspricht, dass sich die zwölf Jünger an alles erinnern werden, was er ihnen gelehrt hatte. Das bedeutet für die zu beantwortende Frage, dass der Heilige Geist nichts Neues lehrt, sondern zum einen hilft, die Heilige Schrift[7] zu verstehen, um so Jesus als Gottes Sohn zu erkennen. Zum anderen sorgte der Heilige Geist dafür, dass die ursprünglichen Jünger sich an alle Worte Jesu erinnerten und so die Grundlage für die weitere Verkündigung von Jesus dem Messias gelegt wurde. Ohne dieses Wirken des Heiligen Geistes gäbe es keine sicheren Zeugenaussagen und nur durch den Heiligen Geist konnte die Bibel entstehen, wie sie heute vorliegt. Der Heilige Geist wirkte demnach an seinen Jüngern, indem er sie lehrt Gottes Worte zu verstehen.
Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass der Heilige Geist auch weiterhin als Lehrer an bekehrten Christen wirkt. Sie sollen die Worte Gottes verstehen.
Aber auch bereits vor der Bekehrung eines Christen wirkt der Heilige Geist an Menschen. Denn durch die damaligen Zeugen, welche die Botschaft Jesu festhielten, können Nicht-Christen von Gottes Wirken in der Welt lesen und so zum Glauben an Jesus als Gottes Sohn kommen.

D. Zeuge[8]:
Diese Bibelstelle wurde bereits im Abschnitt „Das Wirken des Heiligen Geistes vor der Bekehrung eines Menschen“ behandelt. Ergänzend sei nun zu sagen, dass der Heilige Geist auch bekehrten Christen immer wieder bezeugt, dass Jesus Gottes Sohn ist. Zugleich befähigt er Christen dazu, selbst Zeuge für Jesus zu sein.

E. Ankläger[9]:
Auch dieser Abschnitt wurde in dieser Ausarbeitung bereits thematisiert, weshalb nur noch kurz darauf eingegangen wird. In der zugrunde liegenden Textstelle steht, dass der Heilige Geist Menschen die Augen auftut, um Sünde, Gerechtigkeit und Gericht zu erkennen. Dieses Offenbarwerden von Sünde ist auch für entschiedene Christen ein wichtiger Aspekt des Lebens. Christen leben in dieser Welt und stehen damit weiterhin unter der Herrschaft der Sünde. Buße tun und das Leben neu auf Jesus ausrichten ist normaler Bestandteil des Lebens und für die Sündenerkenntnis wird der Heilige Geist benötigt, denn nur dieser kann Menschen die/ihre Sünde bewusst machen.

F. Offenbarer[10]:
Ein weiteres Wirken des Heiligen Geistes im Leben eines Christen ist, dass er Menschen in seiner Wahrheit leitet und den Christen alles verkündigt, was Gott ihnen zu sagen hat. In Johannes 16,13b steht: „Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“ Demnach sorgt der Heilige Geist dafür, dass Gottes Wille hier auf der Erde offenbar wird und für einen bekehrten Christ dadurch die Möglichkeit besteht, Gottes ganz persönliche Offenbarung zu verstehen und dadurch durch den Heiligen Geist von Gott geleitet zu werden.

Eigene Stellungnahme

Aufgrund meiner eigenen Prägung habe ich mir bisher noch sehr wenige Gedanken darüber gemacht, was und zu welchem Zeitpunkt der Heilige Geist in oder an einem Menschen wirkt. Lange Zeit hatte ich das Verständnis, dass man aufpassen muss, wenn es um den Heiligen Geist geht, weil alles was mit dem Heiligen Geist zu tun hat, sofort/schnell als kultisch und charismatisch verpönt war. Beim Bearbeiten dieser Aufgabe fiel mir jedoch zum wiederholten Male auf, dass der Heilige Geist in ganz gewöhnlichen Situationen und durch ganz normale Geschehnisse wirkt. Der Heilige Geist ist etwas, dass damals bei Jesus und auch für uns heute als Christ ganz natürlich war, sein sollte und auch wieder werden darf. Beim Auseinandersetzen mit dieser Trimesteraufgabe habe ich mir jedoch immer wieder die Frage gestellt, wie der Heilige Geist heute ganz konkret wirkt, da wir im Johannesevangelium lediglich lesen, was der Heilige Geist bewirkt. Wie er wirkt, wurde leider gar nicht geschildert. Ich wünsche mir, dass der Heilige Geist als Lehrer diese Frage im Laufe meines Lebens noch klarer beantwortet und er selbst für mich dadurch fassbarer wird.

Wortzahl: 1860 Wörter (Ohne Fußnoten)

Alle zitierten Bibelstellen aus der Luther-Bibel

[...]


[1] vgl. W. Klippert; NT-Bibelkunde - Skript zum Unterricht, S.97.

[2] vgl. Joh. 6, 68f

[3] vgl. Johannes 16,8-11.

[4] vgl. Joh 4,23f.

[5] vgl. Joh 14,16f.

[6] vgl. Joh 14,26ff.

[7] Zu der damaligen Zeit war das die Tora.

[8] vgl. Joh 15,26f.

[9] vgl. Joh 16,7ff.

[10] vgl. Joh 16,13ff.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Aussagen zum Heiligen Geist im Johannesevangelium
Autor
Jahr
2018
Seiten
4
Katalognummer
V445158
ISBN (eBook)
9783668821835
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aussagen, heiligen, geist, johannesevangelium
Arbeit zitieren
Erich Böke (Autor), 2018, Aussagen zum Heiligen Geist im Johannesevangelium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445158

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