Mobbing im Schulkontext


Bachelorarbeit, 2018
71 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung (Motivation und Ziel der Arbeit)
1.1 Aufbau der Arbeit

Teil I: Beschreibung der Erscheinung Mobbing – was ist Mobbing und wie äußert es sich?

2 Theoretische Einbettung des Mobbingbegriffs
2.1 Aggression
2.2 Gewalt
2.3 Das Phänomen Mobbing
2.3.1 Was ist Mobbing?
2.3.2 Mobbing in der Schule: Spezifische Definitionen
2.3.3 Mobbing aus pädagogischer Sicht

3 Abgrenzung des Begriffs Mobbing
3.1 Konflikt
3.2 Diskriminierung
3.3 Sexuelle Belästigung

4 Die Prävalenz von Mobbing in der Schule

5 Rollenverteilung innerhalb eines Mobbingprozesses

6 Verlauf von Mobbingfällen

7 Erscheinungsformen

Teil II: Analyse der Ursachen und die Folgen für die Betroffenen – Welche Ursachen und Folgen kann Mobbing für die Opfer, wie auch für die Täter haben?

8 Ursachen
8.1 Rahmenbedingungen der Schule – institutionelle Ursachen
8.2 Ursachen im Opfer
8.3 Ursachen im Täter
8.4 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen für Mobbing

9 Die Folgen
9.1 Folgen für das Opfer
9.2 Folgen für den Täter

Teil III: Handlungsmöglichkeiten der Prävention und Intervention – welche Modelle der Handlungsmöglichkeiten gegen Mobbing können an Schulen eingesetzt werden?

10 Mobbing Prävention
10.1 Anti-Bullying-Präambel
10.2 Zehn Artikel für eine Schule ohne Mobbing und Schikane (nach Kasper)
10.3 Peer-Mediation
10.4 Das Olweus Mobbing Präventionsprogramm (auch Interventionsprogramm)

11 Intervention
11.1 Interventionsprogramme
11.1.1 Die Farsta-Methode + Method of Shared Concern
11.1.2 No-Blame-Approach

Teil IV: Exkurs

12 Exkurs: Cybermobbing als Subform von Mobbing

13 Fazit

14 Quellenverzeichnis

1 Einleitung (Motivation und Ziel der Arbeit)

„Zwei Jahre lang war Johnny, ein ruhiger 13-Jähriger, für einige seiner Klassenkameraden ein menschliches Spielzeug. Die Teenager nahmen ihm Geld ab, zwangen ihn Unkraut zu essen und mit Geschirrspülmittel versetzte Milch zu trinken, sie schlugen ihn auf der Schultoilette zusammen, legten ihm einen Strick als Halsband an und führten ihn als ihr „Haustier" herum. Als Johnnys Peiniger wegen ihres Mobbings befragt wurden, sagten sie, dass sie ihr Opfer aus Spaß drangsaliert hätten.“ (Zeitungsausschnitt aus: Olweus, 1993, S.7).

Dieses Beispiel beschreibt ein ernstzunehmendes Phänomen in Schulen. Die Rede ist von Mobbing. Viele werden Situationen wie diese bereits miterlebt haben. Mobbing an Schulen ist ein sehr altes Phänomen, dass wahrscheinlich existiert, seit es Schulen gibt (vgl. Scheitenhauer/ Wachs / Hess/ Schubarth, 2016, S. 9). „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Artikel 1 Abs. 1 GG). So steht es im Grundgesetz. Es heißt dort außerdem, dass „jeder das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit (…) (Artikel 2 Abs. 1 GG)“ hat und das „Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ (Artikel 2 Abs. 2 GG). Doch es stellt sich die Frage, ob dies auch in der praktischen Realität unseres Schulaltags umgesetzt wird.

Mit dieser Arbeit möchte ich ein Thema ansprechen, dass für mich eine besondere Wichtigkeit besitzt. Der Reiz dieser Arbeit liegt darin, die aktuelle und zugleich komplexe Thematik Mobbing mit seinen vielfältigen Verbindungslinien in der Schule zu untersuchen.

Diese Arbeit soll Lesern, die sich fachlich mit dem Thema Mobbing in Schulen auseinandersetzten möchten, Informationen bieten, um eine Übersicht zum Thema Mobbing zu gewinnen und den klassischen Mobbingfall als solchen identifizieren zu können. Es soll gezeigt werden, dass nicht jeder Konflikt in der Schule gleich Mobbing ist. So werden einige Leser vielleicht feststellen, dass ein vorliegender Konflikt gar kein Mobbing war, da sie nun wissen, wie Mobbing definiert wird und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es sich um Mobbing handelt. Daher besteht eine wichtige Aufgabe der Arbeit darin, das grundlegende Verständnis für das Thema zu erlangen, sowie einen umfassenden Einblick in die gesamte Materie und die Grundlagen des Mobbings zu ermöglichen. Aber dies ist nicht alleiniges Ziel, sondern es sollen im Folgenden auch gezielt Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen gegen Mobbing detalliert aufgezeigt werden. Die Beschäftigung mit der Thematik soll die Wahrnehmung der Leser verändern und damit neue Handlungskompetenzen schaffen.

Ich habe mich für das Thema „Mobbing im Kontext Schule“ entschieden, weil ich bereits während meiner Schulzeit festgestellt habe, wie komplex Mobbingprozesse unter Schülern sind. Besonderes Interesse hatte ich an den unterschiedlichen Rollen, die die Schüler während des Mobbings einnehmen. Mir ist aufgefallen, dass sie weit über die Hauptrollen der Täter und des Opfers hinausgehen. Des Weiteren habe ich mich immer gefragt, welche Ursachen Mobbing unter Schülern hat und ob es einen bestimmten Opfertyp und Tätertyp gibt. Außerdem habe ich festgestellt, dass das Thema Mobbing an Schulen immer aktueller wird. In Schulen wird mittlerweile gemobbt, was das Zeug hält. Ich selbst habe Erfahrungen mit Mobbing gemacht und musste leider feststellen, dass viele Schulen diesem Thema weitestgehend hilflos gegenüberstehen. Die Begebenheiten von Mobbing in der Schule nehmen deutlich zu und das nicht nur bezogen auf die Häufigkeit, sondern auch auf die Intensität. Damit bietet dieses Problem ein fortwährendes pädagogisches Arbeitsfeld an Schulen. Dies ist auch der Grund dafür, warum ich mich im Rahmen des Studiengangs Erziehungswissenschaften für dieses Thema entschieden habe.

Mobbing ist ein Thema, dass uns aktuell überall gegenwärtig ist und in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft stattfindet. Es findet nicht nur unter Erwachsenen, sondern ebenso zwischen Kindern und Jugendlichen statt. In den Medien aber auch im Gespräch mit Freunden, Bekannten oder Familie bin ich immer häufiger auf das Thema Mobbing gestoßen. Berichte über Mobbing und auch über Mobbing in der Schule haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen und stehen immer mehr in der Öffentlichkeit. Viele Bücher sind erschienen, in denen man Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Mobbing findet.

Das hohe Aufkommen von Mobbingsituationen in der Schule liegt darin begründet, dass es sich bei Mobbing um ein soziales Phänomen handelt. Damit ist gemeint, dass Mobbing in allen zwanghaften sozialen Situationen auftritt, in welchen Menschen sich immer wieder begegnen (vgl. Alsaker, 2003, S. 30). In der Schule ist man nicht allein und jeder Schüler hat seine eigenen Ziele, Interessen und Wertvorstellungen. Diese Unterschiede stellen ein gewisses Konfliktpotential dar, was dann unter Umständen zu Mobbing führen kann. Wenn Schüler systematisch das Ziel von Beleidigungen, Diskriminierungen, Schikanen oder Intrigen werden, dann spricht man von Mobbing. Eine Mobbing – Attacke ist von den Opfern nicht so einfach wegzustecken und hat schwerwiegende Folgen wie z.B. gesundheitliche Probleme und ein kaputtes Selbstwertgefühl. Die Mobber sind darauf aus jemanden soweit „fertig zu machen“, dass es zu körperlichen und seelischen Krankheiten bei den Betroffenen führt. Mobbing kann dabei vielfältige Formen annehmen und wirklich Jeden zu jeder Zeit treffen.

1.1 Aufbau der Arbeit

Der Titel dieser Arbeit lautet: Mobbing im Kontext Schule – Schwerpunkt: Schülermobbing. Mobbing ist in der Schule stark verbreitet, vor allem unter den Schülern, weshalb der Schwerpunkt dieser Arbeit auch hier gesetzt werden soll. Die Fragestellung, die in dieser Arbeit bearbeitet werden soll lautet: Wie lässt sich Mobbing in der Schule beschreiben und welche Handlungsmöglichkeiten zur Prävention und Intervention ergeben sich hierraus?

Kernpunkte der Arbeit bilden

- die Beschreibung der Erscheinung Mobbing – was ist Mobbing und wie äußert es sich?
- die Analyse von Ursachen und die Folgen für die Betroffenen – welche Ursachen und Folgen kann Mobbing für die Opfer, wie auch für die Täter haben?
- die Handlungsmöglichkeiten zur Prävention und Intervention – welche Modelle der Handlungsmöglichkeiten gegen Mobbing können an Schulen eingesetzt werden?

Die Einleitung der vorliegenden Arbeit dient zunächst der Hinführung zum Thema.

In Teil I dieser Arbeit soll die Erscheinung Mobbing und die Handlungen des Mobbings genau beschrieben werden. Dazu soll im ersten Schritt zunächst geklärt werden, wie sich Mobbing überhaupt definieren lässt, da der Begriff des Mobbings häufig falsch verstanden und fahrlässig angewandt wird, soll damit eine eindeutige Grundlage für die darauf folgenden Ausführungen geschaffen werden. Zu diesem Kapitel gehört es auch zunächst eine theoretische Einbettung des Begriffs Mobbing vorzunehmen, indem zusätzlich zum Mobbingbegriff die Begriffe Aggression und Gewalt näher erläutert werden, um zunächst grundlegende Zusammenhänge und Unterschiede deutlich zu machen.

Außerdem wird ein Vergleich mit der begrifflichen Eingrenzung von Mobbing in der Schule und Mobbing aus pädagogischer Sicht gezogen. Dann wird der Begriff Mobbing abgegrenzt von ähnlichen Themenkomplexen (Konflikt, Diskriminierung, sexuelle Belästigung). Es folgen einige Worte zur Prävalenz von Mobbing in der Schule.

Im Anschluss werden die Handlungen des Mobbings beschrieben: Wer tritt gegen wen auf? (Rollenverteilung innerhalb eines Mobbingprozesses), wie sieht der Verlauf aus? (Phasen eines Mobbingprozesses nach Leymann), welche Erscheinungsformen von Mobbing gibt es?

Um die Komplexität eines Mobbingvorgangs adäquat zu erfassen werden in Teil II die Ursachen, die zum Mobbing beitragen können, betrachtet. Dabei wird sowohl auf die Charakterisierung des Opfers und des Täters eingegangenen, als auch auf bestimmte Rahmenbedingungen, die ebenfalls Ursachen für Mobbing sein können. Außerdem soll in Teil II aufgezeigt werden, welche Folgen Mobbing haben kann. Auch hier wird sowohl auf die Folgen für das Opfer, wie auch für den Täter eingegangen.

Im III. Teil wird ein umfassender Überblick über mögliche Maßnahmen gegeben, die dazu beitragen, Mobbing gar nicht erst auftreten zu lassen und Mobbing entgegenzuwirken. Hierzu werden verschiedene Präventionsprogramme und Interventionsprogramme detailliert vorgestellt.

Kapitel IV beinhaltet einen Exkurs. Hier wird auf eine neue Variante des Mobbings, dass sogenannte Cyber-Mobbing, eingegangen. Da das klassische Mobbing in der Schule zunehmend in Verbindung mit Cyber-Mobbing auftritt, sollte auch dieses Thema kurz angeschnitten werden.

Den Abschluss der Arbeit bildet das Fazit, indem noch einmal die Ergebnisse resümiert werden.

Es handelt sich hierbei um einen theoretische Bachelorarbeit, bei der ich mich ausschließlich mit dem Sichten und Auswerten von Literaturquellen beschäftigt habe. Diese Methode soll sicher stellen, dass diese Arbeit über eine starke wissenschaftliche Fundierung verfügt. Die vorliegende Arbeit stützt sich auf zahlreiche Literatur, vor allem auf vier Werke. Als Erstes möchte ich das Werk von Leymann nennen, der den Begriff „Mobbing“ Anfang der achtziger Jahre in der Arbeitswelt einführte. Des Weiteren ist das Standardwerk von Olweus zu nennen, das mich zum Phänomen Gewalt an Schulen hingeführt hat. Schließlich beziehe ich mich auch sehr oft auf das, aus meiner Sicht, herausragende Werk im deutschen Sprachraum zum Thema Mobbing an Schulen von Janan. Zuletzt ist die Literatur von Alsaker zu nennen, die einen prägenden Einfluss auf diese Arbeit gehabt hat, da viele verlässliche Daten zum Thema Mobbing von ihr stammen.

Sofern es sich nicht um direkte Zitate handelt, wird aufgrund der besseren Lesbarkeit für die Bezeichnung von Personengruppen ausschließlich die männliche Sprachform verwendet. Damit sollen jedoch gleichermaßen beide Geschlechter gemeint sein.

Teil I: Beschreibung der Erscheinung Mobbing – was istMobbing und wie äußert es sich?

2 Theoretische Einbettung des Mobbingbegriffs

Zunächst soll ein definitorischer Gesamtüberblick über die verwandten Bereiche „Aggression“ und „Gewalt“ und Mobbing Klarheit schaffen und somit auch im Bereich der Diagnostik zu größerer Sicherheit führen.

Zur Einbettung des Begriffs Mobbing sind nähere Schilderungen und Definitionen der Begriffe Aggression, Gewalt und Mobbing unverzichtbar. Schuhbarth formuliert, dass Mobbing „immer auch Aggressions- und Gewalthandlung“ seien. (Schubarth, 2010, S.18).

2.1 Aggression

„Aggression kommt von dem Lateinischen agredir, auf etwas zugehen, etwas in Angriff nehmen, und meint damit eine ganze Skala von Verhaltensweisen, die das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellen. Aggression meint den direkten und persönlichen Ausdruck von Ärger, Ablehnung und Wut, eine Willensäußerung, offene Konfrontation und aktive Annäherung an Situationen und Menschen.“ (Preuschoff, 2000, S. 21). Nolting beschreibt Aggression als entweder aktiv oder reaktiv. Das bedeutet aggressives Verhalten funktioniert entweder als Reaktion in Form von Vergeltungs- oder Abwehrmechanismen oder aber ohne externen Impuls als Erlangungs- und spontane Aggression (vgl. Nolting, 2004, S. 151).

Der Psychologe und Aggressionsforscher Prof. Dr. Herbert Selg ist der Meinung, dass das Wort „ Aggression“ leichtfertig gebraucht und überstrapaziert wird (vgl. Selg, 1997, S. 4). Er formuliert unter welchen Voraussetzungen er etwas, als Aggression einstufen würde:„Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder ein Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize“ (ebd. S. 4). Mit Aggression gegen ein Organismussurrogat ist hier z.B. das Zerreißen eines Fotos von Jemandem gemeint.

„Zu berücksichtigen ist, dass die Bewertung aggressiven Verhaltens auch vom Kontext abhängig ist. So ist Aggressivität beim Sport (z.B. Fußball, Boxen) nicht nur legitim, sondern ausdrücklich erwünscht und selbst in zwischenmenschlichen Beziehungen ist der Übergang vom sozial verträglichen Verhalten zur aggressiven Durchsetzung fließend. Letztere wird mitunter sogar positiv konnotiert und gesellschaftlich honoriert. So verweisen z.B. Karriere- und Managementberater auf die positive Aggression als notwendige Voraussetzung für Führungskraft und Durchsetzungsstärke“(Schuhbarth, 2012, S. 16).

Aggression wird meistens als Verhaltens- bzw. Gefühlsdisposition verstanden. Gewalt hingegen wird als eine Ausdrucksform oder als Teilmenge von Aggression angesehen (vgl. Schubarth, 2012, S.17).

2.2 Gewalt

Im Folgenden wird auf den Begriff Gewalt eingegangen, da die Gewalt ein wesentlicher Bestandteil von Mobbing ist und als Voraussetzung für das Verständnis von Mobbing dient.

Gewalt ist in den letzten Jahren zu einem Thema geworden, das Medien und Öffentlichkeit zunehmend beschäftigt. Für viele Autoren gehören die Begriffe Gewalt und Mobbing eng zusammen. Allerdings sind die Begriffe keineswegs gleichbedeutend, da sie unter anderem einen unterschiedlichen Schweregrad aufzeigen bzw. in unterschiedlicher Häufigkeit in Erscheinung treten (vgl. Janan, 2010, S. 21).

In der Rechtsprechung wird Gewalt definiert: „als körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität dazu geneigt ist, die freie Willensentscheidung eines anderen zu beeinträchtigen“ (Scheitenhauer, 2003, S.58).

Einen weitere Definition bietet Gollnick:

„Unter Gewalt verstehen wir Handlungen, die darauf abzielen, eine Verfügungsmacht über einen oder mehrere Menschen zum Zwecke der Erhaltung von Interessen, häufig Eigeninteressen, und/oder zur Herstellung eines Machtgefälles zu erreichen. Letztlich bedeutet die Verfügungsmacht über andere eine wesentliche Einschränkung von deren individueller Selbstbestimmung“ (Gollnick, 2008, S.34).

Es lässt sich zwischen physischer Gewalt und psychischer Gewalt unterscheiden. Jegliche Art von körperlicher Verletzung wird dabei der physischen Gewalt zugerechnet. Die bei Schülern am häufigsten beobachteten Handlungen sind: Schlagen, Treten, Prügeln, Stoßen, mit Gegenständen bewerfen und Festhalten. (vgl. Bertet / Keller, 2011, S. 13). Unter psychischer Gewalt wird die Schädigung und Verletzung einer Person durch Abwertung und Ablehnung, durch Vorenthalten von Zuwendung und Vertrauen, durch seelisches Quälen und emotionales Erpressen verstanden. Unterformen der psychischen Gewalt sind verbale Gewalt, die nonverbale Gewalt und die indirekte psychische Gewalt. Als verbale Gewalt kann die Schädigung und Verletzung eines anderen durch beleidigende, erniedrigende und entwürdigende Worte gesehen werden. Unter nonverbaler Gewalt versteht man die Schädigung und Verletzung durch Gesten, Mimik, Blicke und ähnliches. Die indirekte psychische Gewalt ist die Schädigung und Verletzung eines anderen durch Gerüchte, Schlechtmachen, Ignorieren und ähnliches. In letzter Zeit sind außerdem durch moderne Kommunikationsmedien wie Handy, E-mail und Chatforen neue Formen psychischer Gewalt dazugekommen wie z.B. Cybermobbing (vgl. Schubarth, 2012, S. 19).

Viele Menschen denken bei Mobbing an schwere körperliche Gewalt. Grund dafür sind die Berichterstattungen der Medien. Janan schreibt dazu, dass Mobbing eine Art der kleinen Gewalt ist, zum Beispiel, indem man einen Mitschüler anrempelt, ihn beleidigt oder beschimpft. Erst am Ende steht die körperliche Gewalt (Vgl. Janan 2010). Das von den Massenmedien gezeichnete Bild der Gewaltrealität an Schulen in Deutschland ist systematisch verzehrt, da aus Platz-, Verständnis- und Zeitgründen Einzelaspekte entfallen oder verstärkt werden. Dadurch wird die Berichtserstattung selektiv. Außerdem führt darüber hinaus der Konkurrenzdruck der Medien untereinander zu sensationsorientierten Darstellungen (vgl. Janan, 2010, S. 19 f.).

„Alle Untersuchungen zum Thema Gewalt an Schule zeigen: Mobbing ist die bei weitem häufigste Gewaltform an allen deutschen Schulen“ (Janan, 2010, S.6). Da Mobbing eine spezielle Form von Gewalt ist, gehört es zu den Pflichten der Institution Schule es nachhaltig und konsequent zu bekämpfen. Denn der Freiheits- und Entwicklungsraum des Schülers als Individuum sollte sichergestellt werden. Auch in der Kinderrechtskonvention steht, dass die Vertragsstaaten alle geeigneten Maßnahmen unternehmen, um gewährleisten zu können, „…dass die Disziplin in den Schulen in einer Weise gewahrt wird, die der Menschenwürde des Kindes entspricht und im Einklang mit diesem Übereinkommen steht“ (vgl. Gollnick, 2008, S. 117 f.).

2.3 Das Phänomen Mobbing

In der heutigen Zeit hört man zunehmend das Wort Mobbing, aber die wenigsten wissen, was genau sich hinter diesem Wort verbirgt. Mobbing - der Begriff ist noch relativ neu, das Phänomen jedoch existiert schon sehr lange (vgl. Schmid, 2003, S.1). Das Phänomen, welches wir heute als Mobbing bezeichnen, hat eine lange Geschichte. Formen feindseligen Verhaltens mit bösen Absichten gibt es schon seit Menschen Anfang. Überall, wo Menschen aufeinander treffen kommt es zu Konflikten oder Ungereimtheiten, die in einigen Fällen eskalieren und sich zu Mobbing entwickeln. Somit ist klar, dass Mobbing kein neuartiges Phänomen unseres Zeitalters ist (vgl. Sacik, 2012, S.3) Der Unterschied ist nur, dass Verhaltensweisen, die wir heute als Mobbing bezeichnen würden, in der Vergangenheit noch keinen Namen hatten. Das war eine zusätzliche Belastung, da man nicht wusste, wie man sich gegen etwas wehren soll, was man noch nicht einmal benennen konnte. Zwar hat man früher durchaus davon gesprochen, dass jemand „schikaniert“ wird. Ein Bewusstsein darüber, dass diese Schikanen ein vielschichtiges Phänomen darstellen, das über die Einzelhandlungen hinaus geht, gab es jedoch noch nicht (vgl. Böhme, 2011, S. 2).

2.3.1 Was ist Mobbing?

An dieser Stelle möchte ich klären, ab wann man von Mobbing spricht, und auch kurz über dessen Herleitung schreiben.

Der Begriff Mobbing stammt von dem englischen Wort „mob“ ab und bedeutet soviel wie Pöbel. Das Verb „to mob“ bedeutet wörtlich übersetzt „angreifen, anpöbeln, schikanieren“ (vgl. Roy und Klatt, 1993, S. 363). Im angelsächsischen Sprachraum wird häufig der Begriff Bullying synonym für Mobbing verwendet. Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff „Bullying“ häufig dann verwendet, wenn es um Mobbing unter Kindern und Jugendlichen geht (vgl. Teuschel, 2010, S.3). Der Begriff bedeutet im übertragenen Sinne soviel wie einschüchtern, schikanieren bzw. tyrannisieren (vgl. Tübingen EIBOR, 2010, S. 10). In der wissenschaftlichen Literatur wird Bullying inzwischen synonym zu Mobbing verwendet (vgl. Brinkmann, 1995, S. 12). Da die Unterscheidung der Begriffe zunehmend bedeutungslos wird, werde ich in meinen Ausführungen die Begriffe Bullying und Mobbing auch synonym verwenden.

In den 50er Jahren hat der Verhaltensforscher Konrad Lorenz den Begriff „Mobbing“ erstmals, zunächst im Tierreich, verwendet. Mit Mobbing bezeichnete Lorenz Gruppenangriffe von mehreren unterlegenen Tieren gegen einen überlegenen Gegner, um ihn zu verscheuchen.

„Im Englischen wird die beschriebene Reaktion als „Mobbing“ bezeichnet, was sehr schön zum Ausdruck bringt, dass eine Menge schwächerer Wesen gemeinsam ein stärkeres bedrängt, wie dies beim Hassen ja tatsächlich der Fall ist… Ein arterhaltender Zweck ist offenbar schon dann erreicht, wenn dem Räuber die Jagd gründlich dadurch verleidet wird, dass hassende Wesen hinter ihm herlaufen oder -schwimmen und seinen Aufenthaltsort lauthals hinausposaunen“ (Lorenz, 1991, S. 194).

Der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann verwendete 1969 den Begriff im Bereich der Humanbeziehungen. Seine Definition bezog sich auf die Beschreibung von bestimmten Gewalttaten innerhalb von Gruppen unter Kindern und Erwachsenen (vgl. Nowak, 2001, S. 5).

Der schwedische Arbeitswissenschaftler Heinz Leymann führte den Begriff „Mobbing“ zu Beginn der achtziger Jahre in die Arbeitswelt ein, wo er sich inzwischen etabliert hat und allgemein gebräuchlich ist. Im Frühjahr 1990 stellte Leymann, anlässlich einer internationalen Arbeitsschutzkonferenz in Hamburg, seine Forschungsergebnisse über Mobbing erstmalig der deutschen Presse vor (vgl. Leymann, 1993, S. 16). Leymann definiert Mobbing folgendermaßen:

„Mobbing beschreibt eine negative kommunikative Handlung, die gegen eine Person gerichtet ist von einer oder mehreren anderen Personen ausgeht, sehr oft und über einen längeren Zeitraum (mindestens einmal pro Woche über ein halbes Jahr hinweg) hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen“ (Leymann, 1993, S. 21). Die wesentlichen Faktoren von Mobbing sind: „Konfrontation, Belästigung, Nichtachtung der Persönlichkeit und Häufung der Angriffe über einen längeren Zeitraum hinweg“ (Leymann, 1993, S.22).

Hinsichtlich der Zeitkomponente (Dauer und Häufigkeit der Mobbinghandlung) ist allerdings anzumerken, dass es nicht von einer Mindestdauer oder Häufigkeit der Handlung abhängig gemacht werden kann, ob eine Person von Mobbing betroffen ist. Denn jede Person reagiert in einer Mobbingsituation sehr individuell. Je nach Situation und der Frustrationstoleranz der Betroffenen kann Mobbing auch schon nach sehr kurzer Zeit und in hoher Intensität wirken. Die in der Definition von Leymann genannten Grenzwerte der Dauer und Häufigkeit (mindestens einmal pro Woche über ein halbes Jahr hinweg) sollten daher nur als willkürliche Grenzziehungen und nicht als durch Forschung belegte Belastungsgrenzwerte angesehen werden. (vgl. Merk, 2014, S. 3). Leymann selbst berichtet in seinem Buch von einem Fall, im Zusammenhang mit Mobbing-Handlungen, in dem die Person bereits nach vier Tagen, in denen sie Angriffe auf die sozialen Beziehungen erlitten hat, kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand (vgl. Leymann, 1993, S. 27).

Bernd Zuschlag (1994) kritisierte Leymanns allgemeine Definition. Er sagt, dass die Beschränkung auf kommunikative Handlungen missverständlich und überflüssig sei. Offen bleibt hierbei nämlich, was unter nicht kommunikativen Handlungen zu verstehen sei und ob diese nicht auch unter Umständen Mobbing sein können. Außerdem merkt er an, dass jede Handlung zwischen zwei Personen einen kommunikativen Aspekt impliziert. Auch die zweite Einschränkung von Leymann wird infrage gestellt. Er beschränkt die negativen Handlungen auf nur eine Person, die Ziel dieser Attacken ist. Aber es ist nicht unüblich in der Praxis, dass auch ganze Gruppen von Personen Opfer von Mobbinghandlungen werden können z.B. Ausländer oder Behinderte (vgl. Zuschlag, 1994, S. 4).

Zuschlag schlägt daher eine eigene erweiterte Definition von Mobbing vor, die seine Kritikpunkte berücksichtigt:

„Der Begriff ´Mobbing´ beschreibt schikanöses Handeln einer oder mehrerer Personen, das gegen eine Einzelperson oder eine Personengruppe gerichtet ist. Die schikanösen Handlungen werden meist über einen längeren Zeitraum hin wiederholt. Sie implizieren grundsätzlich die Täter-Absicht, das (die) Opfer bzw. sein (ihr) Ansehen zu schädigen und gegebenenfalls aus seiner (ihrer) Position zu vertreiben. Aber auch ohne Schikane-Absicht des Täters können dessen ´normale´ Handlungen von sensiblen Personen missverstanden und als Mobbing empfunden werden“ (Zuschlag, 1994, S.6).

Eine weitere Definition von Esser/ Wolmerath folgt zwar grundsätzlich der Definition von Leymann, charakterisieren aber recht spezifisch Merkmale der Mobbing-Situation am Arbeitsplatz, die in den später dargestellten schulischen Fällen unter Umständen wieder anzutreffen sind:

„Die Feindseligkeit wird in einer Grauzone zwischen erlaubten und verbotenen Handlungen ausgetragen. Die Feindseligkeit wird oft intrigant vorgetragen, d.h., sie wird verdeckt initiiert, hinter „ Scherzen“ versteckt oder völlig anonym durchgeführt. Oft werden Angriffe so geplant, dass die Böswilligkeit nur schwer zu beweisen ist, oder sie werden mit „objektiven Daten“ unterfüttert, welche die Feindseligkeit legitimieren sollen. Bevorzugt werden Arglosigkeit und Schwachstellen des Opfers ausgenutzt. Alle Möglichkeiten zu einer gleichberechtigten Auseinandersetzung werden ausgeschlossen. Es wird vorbeugend versucht, die Möglichkeiten der Gegenwehr zu vereiteln oder systematisch zu untergraben. Die Feindseligkeit wird über längere Zeit ausgeübt. Die Chancen des Mobbingbetroffenen zur Gegenwehr sind gering“ (Esser / Wolmerath, 1997, S. 20 f.).

Henry Walter und Claudia Cornelsen haben versucht, eine praxisrelevante Mobbing-Definition festzulegen, eine Definition anhand derer man eine Situation konkret analysieren kann. Darin heißt es:

„Mobbing bezeichnet Konflikte,

- Bei denen alle nur verlieren.
- Bei denen auf die Dauer einzelne Personen deutlich unterliegen. Und zwar nicht nur in Bezug auf diesen Konflikt, sondern mit ihrer gesamten Persönlichkeit.
- Die nichts mehr mit der Suche nach einer Lösung, einem Kompromiss zu tun haben, sondern die nur um ihr selbst Willen geführt wurden.
- Die aus unsichtbaren, irrationalen Interessen geführt werden.
- Bei denen Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden, die alle Parteien grundsätzlich verurteilen und für die beiden Seiten keine Verantwortung übernehmen.
- Bei denen ein sichtbarer Streitpunkt, der rational zu lösen wäre, nicht mehr erkennbar ist.
- Bei denen alle Beteiligten eine rationale Auseinandersetzung ablehnen und auf der in ihren Augen berechtigten emotionalen Position bestehen.
- Die sich durch beidseitige Hilflosigkeit auszeichnen (vgl. Walter / Cornelsen, 1993, S. 38).

Der von Leymann aufgestellten Definition von Mobbing folgten also weitere Definitionen mit dem Versuch die wichtigsten Merkmale von Mobbing herauszuarbeiten. Aber die heute allgemein gebräuchlichsten Definitionen lassen sich überwiegend auf Leymann zurückführen (vgl. Lenz, 2008, S. 4).

Hierzu muss allerdings gesagt werden, dass es vor Leymanns Untersuchungen auch schon Forschungen zum Thema Mobbing gab, die jedoch nicht unter dem Begriff des Mobbings stattfanden. Ein Beispiel wäre die Untersuchung von Brodsky. Er berichtet über seine Erfahrungen als Leiter von Schiedskommissionen, und zwar unter dem Titel „The Harrased Worker“. Hierbei ging es um Arbeiter, die über exzessive Leistungsanforderungen klagten und angaben davon krank und arbeitsunfähig geworden zu sein (vgl. Momand, 2011, S. 19). Er liefert eine erste Definition mit operationalen Elementen:

„Harrasment behavior involves repeated and persistent attempts by one person to torment, wear down, or get a reaction from another. It is treatment that persistently provokes, pressures, frightens, intimidates, or otherwise discomforts another person“ (Brodsky, 1967, S.2).

Gemeinsam ist allen Definitionen, dass es bei Mobbing um systematische Wiederholung destruktiver Handlungen geht, die über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeübt werden, zielgerichtet sind und eine Schädigungsabsicht haben. Kein Mobbing sind vereinzelte Vorfälle, Übergriffe und Auseinandersetzungen zwischen gleich starken Kontrahenten. Denn es sind nicht die einzelnen Vorkommnisse, die das Mobbing ausmachen, sondern die Summe aller belastenden Handlungen, die über einen längeren Zeitraum hinweg stattfinden (vgl. Bräunlich Keller, 2017, S.15).

Es ist deutlich geworden, dass es zahlreiche Definitionsversuche zum Thema Mobbing gibt. Ein komplexer und damit seriöser Definitionsansatz sollte nach Schlaugat (1999) diese wesentlichen Aspekte beinhalten:

- Beteiligte am Mobbingprozess
- Art der Mobbinghandlungen („subjektives“ vs. „objektives“ Mobbing)
- Häufigkeit und Dauer der Mobbinghandlungen (Einführung eines Intensitäts- und Dauerkriteriums für repetitive Handlungen über einen längeren Zeitraum)
- Rollenverteilung während des Mobbingprozesses (Machtasymmetrie, Ungleichgewicht im Stärkeverhältniss)
- Auswirkungen des Mobbing (vgl. Schlaugat, 1999, S. 9).

Nachdem die Begriffe Gewalt, Aggression und Mobbing definiert wurden lässt sich feststellen, dass Mobbing nicht gleichzusetzen mit Aggression oder Gewalt ist. Zwar liegt auch bei Aggression eine Schädigungsabsicht vor, jedoch nicht zwingend eine Machtungleichgewicht und ein Wiederholungsaspekt. Der Begriff Gewalt beinhaltet zwar eine Kräftediskrepanz, aber auch hier ist der repetitive Aspekt nicht notwendigerweise gegeben (vgl. Riebel, 2008, S. 6 f.).

Es gibt einige typische Mobbingmerkmale, die für eine Unterscheidung von anderen Formen der Gewalt sorgen. Die einzelnen Signale von Mobbing nach Leymann sind:

– Angriffe mit System,
– Vielzahl von Angriffen,
– Angriffe über längere Zeit,
– Feindseligkeit der Angriffe,
– Unterlegenheit des Angegriffenen,
– Ausgrenzung des Angegriffenen (vgl. Wolmerath, 2007, S. 24-25).

Signale von Mobbing nach Esser/ Wolmerath sind:

– Geschehensprozess,
– Vielzahl unterschiedlicher Handlungen,
– Handlungen über einen längeren Zeitraum,
– Destruktivität der Handlungen,
– Betroffenheit des Adressaten,
– Ausgrenzung des Betroffenen (vgl. Wolmerath, 2007, S. 24-25).

2.3.2 Mobbing in der Schule: Spezifische Definitionen

Anfangs wurde der Begriff Mobbing ausschließlich für das zielgerichtete, andauernde Belästigen am Arbeitsplatz genutzt. Inzwischen wird es jedoch zunehmend auch für die Schule, als Arbeitsplatz der Schüler, verwandt (vgl. Kasper, 1998, S. 22).

Mit Beginn der 90er Jahre ist es vor allem Olweus, der Mobbing mit dem Schulkontext in Verbindung bringt und systematisch untersucht. Er definiert Mobbing wie folgt:

„Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist“ (Olweus, 2002, S. 22).

Es liegt eine negative Handlung vor, wenn jemand absichtlich einem anderen Schmerz, Verletzung oder Unannehmlichkeiten zufügt oder es versucht. Negative Handlungen können durch körperliche Angriffe, mit Worten oder z.B. durch Grimassen oder gemeine Gestik, durch das Verbreiten von Gerüchten oder durch das Ausschließen aus einer Gruppe begannen werden (Vgl. ebd.).

Aus dieser Definition kann man drei Bestimmungsmerkmale von Mobbing ableiten:

1. Wiederholungsaspekt: Mobbing tritt wiederholt und über einen längeren Zeitraum hinweg auf (Wochen, Monate oder sogar Jahre). Man kann den Härtegrad von Mobbing bestimmen unter Berücksichtigung des Wiederholungsgrades und der Zeitspanne. Nach der sogenannten „weichen Definition“ tritt Mobbing mehrmals pro Monat auf aber mindestens 6 Monate lang auf. Nach der „harten Definition“ tritt das Mobbing wöchentlich und häufiger innerhalb der letzten sechs Monate auf.

2. Verletzungsabsicht: Die Mobbing-Täter haben die klare Absicht ihre Opfer zu schädigen. Sie initiieren wiederholt verletzende Handlungen. Mobbing sollte hierbei als soziales Phänomen betrachtet werden, dass sich in relativ stabilen sozialen Gruppen ereignet (z.B. Schulklasse, Clique). Da es häufig so ist, dass Opfer und Täter sich gut kennen, ergibt sich die Möglichkeit für den Täter, Wissen über Schwächen der Opfer und Informationen über soziale Prozesse und Hierarchien innerhalb der Gruppe, gegen das Opfer zu nutzen. Aufgrund dieser Tatsache gehen Mobbing-Täter meistens strategisch und systematisch vor und selten spontan und unüberlegt.

3. Machtungleichgewicht: Beim Mobbing herrscht ein asymmetrisches Machtverhältnis zugunsten der Täter. Der Machtvorteil des Täters kann dabei auf unterschiedlichen Umständen beruhen (körperlich/ sozial/psychologisch). Die körperlichen Faktoren sind hierbei leicht zu erkennen z.B. ein älterer und körperlich überlegener Schüler sucht sich ein jüngeres schwächeres Opfer oder das Prinzip Mehrere gegen Einen herrscht vor. Psychologische oder soziale Faktoren hingegen lassen sich schwerer erkennen. Beispielsweise ein Schüler verfügt über die Fähigkeit andere Schüler zu seinen Gunsten zu beeinflussen oder er genießt einen hohen Grad an Beliebtheit in der Klasse und kann dadurch sein Opfer ungehindert mobben (vgl. Scheithauer/ Hess / Wachs / Schubarth, 2016, S.9).

Olweus sagt hierzu:

„Der Schüler oder die Schülerin, der oder die der negativen Handlung ausgesetzt ist, hat Mühe, sich selbst zu verteidigen, und ist in irgendeiner Weise hilflos gegenüber dem Schüler oder der Schülerin oder den Schülern oder den Schülerinnen, die ihn drangsalieren“ (Olweus, 2002, S. 23).

Gollnick folgt zunächst der grundlegenden Definition von Leymann, die er für den Arbeitsbereich entwickelt hat und verbindet sie mit Aspekten des Ansatzes von Olweus. Sie wurde in folgender Weise auf den Kontext Schule übertragen:

„Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation in der Klasse/ im Kurs, also unter Mitgliedern der Lerngruppe, oder zwischen Lehrperson(en) und Schülern/innen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder mehreren Personen systematisch, oft und während langer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt der Ausgrenzung aus der Lerngruppe direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet. Dabei sind die Angriffe in verletzender Weise intendiert (beabsichtigt) und können sich gegen einzelne, aber auch gegen eine Gruppe richten und von einzelnen oder von einer Gruppe ausgehen“ (Gollnick, 2008, S. 35).

[...]

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Mobbing im Schulkontext
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,8
Autor
Jahr
2018
Seiten
71
Katalognummer
V445243
ISBN (eBook)
9783668827448
ISBN (Buch)
9783668827455
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mobbing, schulkontext
Arbeit zitieren
Sarah Janßen (Autor), 2018, Mobbing im Schulkontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445243

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