Ziele der Erzieher in der Montessori-Pädagogik


Term Paper, 2017
20 Pages, Grade: 1,7

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Maria Montessori
2.1. Zur Person Maria Montessori
2. 2. Maria Montessoris Bild vom Kind

3. Grundgedanken der Montessoripädagogik
3.1. Rolle der Erzieher in der Montessoripädagogik

4. Die Ziele der Montessoripädagogik
4.1. Vergleich zwischen Zielen der Erzieher in den Bildungs-grundsätzen und der Montessoripädagogik

5. Fazit/ Kritik

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einer Zeit, in der das deutsche Schulsystem stark kritisiert wird, zerbrechen sich die Menschen den Kopf darüber, wie Schule dem Kind wieder nähergebracht werden kann und wie das Interesse der Schüler nachhaltig geweckt wird. Unterricht soll nicht länger die bloße Aneignung von Wissen oder die Erfüllung bestimmter Bildungsstandards sein, sondern vielmehr den Schüler und dessen Individualität als Ausgangspunkt berücksichtigen.

Ziel soll es daher sein, die Selbstständig- und Selbsttätigkeit sowie die Kreativität der Kinder gezielt zu fördern und nicht länger standardisierte inhaltliche Lernziele als Voraussetzung für Erfolg zu sehen. Die Förderung der Selbstständig- und Selbsttätigkeit und das daraus resultierende intrinsisch motivierte Interesse des Kindes wird ausschlaggebend für dessen Lernerfolg sein. Doch wie kann ein Kind gezielt darin unterstützt werden, zu einem mündigen, freihandelnden und selbstständigen Individuum heranzuwachsen? Genau dieser Thematik widmet sich diese Arbeit.

Beschäftigt man sich eine Zeit lang mit den verschiedenen pädagogischen Ansätzen, die sich genau dieses Ziel gesetzt haben, so wird vermutlich recht schnell der Name Maria Montessori auftauchen. Sie gilt bis heute als eine der bekanntesten Pädagoginnen der Reformpädagogik. Nicht nur sie als Person, sondern vor allem ihre Idee, veränderte die Pädagogik bedeutsam. Aus der einfachen Bitte eines Kindes – „Hilf mir, es selbst zu tun“ – entwickelt Maria Montessori ein bisher völlig fremdes Bild von Pädagogik. Sie nimmt gezielt das Kind mit all seinen Bedürfnissen und seiner eigenen Persönlichkeit in den Blick und baut ihren reformpädagogischen Ansatz darauf auf.

Ihr Konzept wird bis heute in zahlreichen Kindergärten und Schulen umgesetzt. Konkret gibt es aktuell in Deutschland über 1000 Montessori-Einrichtungen, davon ca. 600 Kindergärten und über 400 Schulen (vgl. www.montessori-deutschland.de/einrichtungen.html).

Um die Hausarbeit einzuleiten, gilt es zunächst die Philosophin und Reformpädagogin Maria Montessori im Hinblick auf die Entstehung ihres Ansatzes vorzustellen. Hierbei wird auch ihr Bild vom Kind beleuchtet, da dieses eine wichtige Thematik in der Ausarbeitung ihres reformpädagogischen Konzepts war.

Darauf folgt eine Darstellung der Grundlagen und Grundgedanken der Montessoripädagogik, wobei die Leitfrage der Arbeit: „Welche Ziele verfolgen die Erzieher in der Montessori- Pädagogik?“ eine relevante Thematik darstellt und explizit herausgearbeitet wird.

Im nächsten Schritt werden noch einmal kurz die Ziele der Montessoripädagogik zusammengefasst und anschließend mit denen in den Bildungsgrundsätzen NRW 2016 verglichen. Den Schluss der Arbeit bildet ein Fazit, das eine kritische Stellungnahme zu Maria Montessoris reformpädagogischen Ansatz beinhaltet.

Um sich nun der ersten Thematik zu widmen, gilt es, die Pädagogin Maria Montessori vorzustellen, um sich ein Bild von ihr als Person machen zu können. Hierzu werden einige relevante Lebensereignisse im Hinblick auf die Entstehung ihres Ansatzes genannt.

2. Maria Montessori

2.1. Zur Person Maria Montessori

Maria Montessori lebte von 1870 bis 1952. Sie wurde am 31. August 1870 als einziges Kind eines Finanzbeamten und dessen Frau in der Nähe der italienischen Stadt Ancona geboren und wuchs in guten Verhältnissen auf. 1875 zog sie mit ihrer Familie nach Rom. Nach dem Besuch einer naturwissenschaftlich-technischen Sekundarschule begann Montessori an der Universität Rom Naturwissenschaften zu studieren (vgl. Schulz-Benesch, G. 2012, S.259). 1892 schloss sie ein Medizinstudium an und promovierte 1896 als erste Ärztin Italiens. 2 Jahre später, am 31. März 1898, wurde ihr Sohn Mario Montessori unehelich geboren. Die Schwangerschaft hielt Montessori geheim und gab Mario kurz nach der Geburt in Pflege. Erst viele Jahre später bekannte sie sich zu ihrem Sohn und nahm ihn zu sich. 1900 wurde sie Leiterin eines medizinisch-pädagogischen Instituts der Nationalen Liga zur Erziehung behinderter Kinder in Rom. Dort wurden Lehrer für behinderte Kinder ausgebildet und Montessori entwickelte ihren Ansatz zur Erziehung und Unterrichtung geistig behinderter Kinder (vgl. Schulz-Benesch, G. 2012, S.259). Diesen pädagogischen Ansatz, der auch heute in der Pädagogik noch sehr bekannt ist, nannte sie „Hilf mir, es selbst zu tun“. 1902 begann sie erneut zu studieren, diesmal Pädagogik, Psychologie und Anthropologie. Während dieser Studien beschäftigte sie sich intensiv mit psychiatrischen Fragen und entwickelte großes Interesse an Förderungsmöglichkeiten „schwachsinniger“ Menschen. 1907 gründete sie das Kinderhaus „Casa dei bambini“ in einem Armenviertel von Rom, indem sie Kinder aus ärmlichen Verhältnissen geistig förderte. Im „Haus der Kinder“ beobachtete Montessori ein Kind, welches sich hochkonzentriert einer Aufgabe widmete und sich durch keinerlei Umwelteindrücke ablenken lässt. Nach erfolgreicher Bewältigung der Aufgabe schien das Kind überaus erleichtert. Dieser Beobachtung gab Montessori den Namen „Polarisierte Aufmerksamkeit“ (vgl. Hedderich, I. 2005, S.16).

1909 publizierte Montessori ihr erstes Buch mit dem Titel „Il methodo della pedagogica“, die Methode der wissenschaftlichen Pädagogik. 1913 erschien daraufhin die deutsche Übersetzung „Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter“ (vgl. Hedderich, I. 2005, S.16).

In ihrem späteren Leben konzentrierte sich Montessori auf Ausbildungen von Erziehern, in Form von Vorträgen, Kursen und Materialübungen. Auch im Ausland fand Montessori Beachtung, indem sie 1929 die „Association Montessori International“, einen Zusammenschluss der nationalen Vereine, gründete (Hedderich, I. 2005, S.16).

Am 6. Mai 1952 starb Maria Montessori in Nordwijk aan Zee und hinterließ eine Idee, die sich daraufhin weltweit verbreitete. Sie gilt damit als eine der bekanntesten Begründer der Reformpädagogik. Ihr Sohn Mario Montessori führte ihr Lebenswerk und ihre pädagogischen Überlegungen weiter. In der heutigen Zeit gibt es zahlreiche pädagogische Einrichtungen, die sich an zentralen Leitgedanken der Montessori-Pädagogik orientieren und ihr Konzept danach ausrichten. Vor allem in den USA ist ihr Ansatz sehr verbreitet und beliebt (http://dibb.de/montessori-paedagogik.php).

Um Maria Montessoris Denkweise, vor allem ihre Überlegungen zur Rolle des Erziehers in der Montessoripädagogik nachvollziehen zu können, ist es von Interesse, welches Bild sie vom Kind hat.

2. 2. Maria Montessoris Bild vom Kind

Grundsätzlich geht Maria Montessori von einem vollkommenen Menschen aus, der eine „einzige universale harmonische Gesellschaft“ bilden kann (Storck, C. 2013, S. 66). Hierbei ist es wichtig, dass die Pädagogik die Entfaltungsmöglichkeiten der Entwicklung des Kindes erkennt und ihm hilft, diese auszuleben. Das Kind ist von Natur aus eine Persönlichkeit mit erheblicher Eigenaktivität und Konzentrationsfähigkeit (vgl. Storck, C. 2013, S.66). Den Gedanken vieler Pädagogen, das Kind sei als unbeschriebenes, leeres Blatt auf die Welt gekommen, verwirft Montessori und geht viel eher vom Dasein eines inneren Bauplans aus, der die Entwicklung des Kindes bestimmt und durch Beobachtung erforscht werden muss.

Außerdem benötigt ein Kind für seine Entwicklung Umwelteindrücke, die es durch seinen absorbierenden Geist und unter Beachtung der sensiblen Phasen aufnimmt. Unter dem absorbierenden Geist versteht Montessori die Eigenschaft, dass der menschliche Geist von Anfang an ein Verlangen danach hat, alles aufzunehmen und zu verarbeiten, was um ihn herum abläuft. Sensible Phasen sind Lebensabschnitte, in denen ein Kind besondere Aufnahme- und Lernbereitschaft zeigt und für diese besonders empfänglich ist (vgl. Storck, C. 2013, S.66). Diese Phasen müssen pädagogisch besonders beachtet und berücksichtigt werden, da sich „Versäumnisse in diesen Phasen […] als schädigende Deviationen auswirken, als Abweichungen auf dem Weg zur Normalisierung, ihre Folgen können später, wenn überhaupt, nur schwer kompensiert werden“ (Storck, C. 2013, S. 66-67).

Mit dem aktuellen Wissensstand über das Bild vom Kind können in Folge die Grundlagen und Grundgedanken von Maria Montessoris reformpädagogischen Konzept dargestellt werden.

3. Grundgedanken der Montessoripädagogik

Ein wichtiger Grundsatz von Montessori lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Mit diesem Leitsatz in Maria Montessoris pädagogischen Ansatz ist gemeint, dass der Pädagoge dem Kind dazu verhelfen soll, selbstständig zu agieren (vgl. Seitz, M. & Hallwachs, U. 1996, S.54). Montessoris Gedanke hinter dieser These ist, dass „die spontane Energie des Kindes in der Selbsttätigkeit einen Ausdruck findet und realisiert werden kann“ (Seitz, M. & Hallwachs, U. 1996, S.55).

Eine weitere wichtige Thematik in ihrer Pädagogik ist die Freiarbeit. Um zu erklären, was Maria Montessori mit dem Begriff Freiarbeit meint, muss zunächst geklärt werden, was sie unter Freiheit versteht. Sie meint hierbei „die Befreiung des Lebens, das durch unzählige, sich seiner harmonischen, organischen und geistigen Entwicklung entgegenstellende Hindernisse unterdrückt wird“ (Schaub, H. 2013, S.60). Montessori geht davon aus, das Kind könne nur dann frei sein, wenn es sich den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechend entfalten kann und von der erdrückenden Energie der Erwachsenen unabhängig geworden ist. Freiheit ist für Maria Montessori der Grundbaustein für die Entwicklung des Kindes und damit auch ein Teil des Charakters. Eine Bindung zwischen Freiheit und Unabhängigkeit ist erkennbar (vgl. Schaub, H. 2013, S.60). Diese zeigt sich in dem Bemühen des Kindes nach „Selbsttätigkeit und Unabhängigkeit,“ die nach Montessori Vorstufen zur Freiheit darstellen (Schaub, H. 2013, S.60). Edward Standing erklärt: „Ein Wesen kann zum Beispiel unabhängig sein, ohne frei zu sein; aber man kann nicht wirklich frei sein, ohne zuvor Unabhängigkeit erlangt zu haben“ (Schaub, H. 2013, S.60). Durch die große Relevanz der Freiarbeit in der Montessori- Pädagogik sah Maria Montessori Möglichkeiten in Bezug auf die Entwicklung bestimmter Kompetenzen des Kindes. Vor allem die Entwicklung der Selbstständigkeit wird durch die Freiarbeit enorm gefördert, da das Kind unabhängig von anderen selbst entscheidet, wann es sich welchem Themengebiet zuwenden möchte.

Grundsätzlich sind die drei Entwicklungsstufen des Kindes nach Maria Montessori zu beachten, die sie wiederum in drei sensible Phasen gliedert. Mit Hilfe dieser Stufen lässt sich erkennen, wann das Kind zu welchem Lernprozess bereit ist:

In der ersten Phase, vom 1.-3. Lebensjahr, dem „psychischen Embryo“, benötigt der Mensch in erster Linie Milch und Liebe (Storck, C. 2013, S.67). Die Umwelteindrücke sind zu dieser Zeit zentral für die weitere Entwicklung des Kindes. In diesen Lebensjahren durchläuft das Kind drei entscheidende Perioden, für die es besonders sensibel ist: Die Bewegung, die Ordnung und die Sprache.

Die Bewegung

Die Empfänglichkeit für Bewegung zeichnet sich durch die Entwicklung der Hand, des Gleichgewichts und des Laufens aus. Das Gelingen dieser Fertigkeiten ist jedoch immer davon abhängig, inwiefern das Kind Eindrücke sammeln kan und diese klar geordnet behalten kann (vgl. Eichelberger, H., S.18).

Die Ordnung

Der Ordnungssinn ist in dieser Phase besonders prägend, muss allerdings grundlegend vom Verständnis des erwachsenen Ordnungssinns unterschieden werden. Im Kind gibt es zwei zentrale Gedanken von Ordnung: Zum einen ist das Kind fähig, mit seinem Sinn für Ordnung Zusammenhänge zu bemerken, sich zu orientieren und zu reagieren. Diese Fertigkeit des Kindes nennt Maria Montessori Sinn für äußere Ordnung. Die Fähigkeit zur Körperkoordination, auch als „Orientierungssinn“ zu betiteln, bezeichnet den Sinn für innere Ordnung (vgl. Eichelberger, H. 1997, S.18).

Die Sprache

Das Kind zeigt außerdem eine besondere Sensibilität für Sprache. Diese wird allerdings nur erlernt, wenn man in einem Umfeld lebt, in dem sie gesprochen wird. In dieser Phase ist nicht allein das Hören der gesprochenen Sprache von Bedeutung, sondern auch die visuelle Beobachtung des Sprechenden durch das Kind (vgl. Eichelberger, H. 1997, S.19).

In den drei folgenden Lebensjahren (3.-6. Lebensjahr), in der Phase als „sozialer Embryo“ (Storck, C. 2013, S.67), greifen die Kinder auf ihre zuvor erworbenen Kenntnisse im Bereich Bewegung, Ordnung und Sprache zurück, bilden diese weiter aus und ergänzen sie. Außerdem nimmt das Kind sich selbst durch seine Umwelt wahr und entwickelt das Verlangen zu spielen und Kontakte zu anderen Kindern aufzubauen. Diese Kontaktaufnahmen und die Interaktion mit anderen Kindern benötigt das Kind zur Ausbildung als Individuum (vgl. Eichelberger, H. 1997, o. S.). Zudem beginnt das Kind in dieser Zeit ein Gruppengefühl zu entwickeln und sich dementsprechend zu verhalten. Durch dieses Zugehörigkeitsgefühl sieht es sich als Teil einer sozialen Gruppe, der sich jedes Kind verbunden fühlt. Grundsätzlich ist die Arbeit des Kindes an sich selbst ein zentrales Merkmal dieser Entwicklungsstufe. Maria Montessori sieht die Entwicklung im sozialen Kontext als Voraussetzung für die erfolgreiche Bildung der Persönlichkeit (vgl. Storck, C. 2013, S. 67).

[...]

Excerpt out of 20 pages

Details

Title
Ziele der Erzieher in der Montessori-Pädagogik
College
Fliedner University of Applied Sciences Düsseldorf
Grade
1,7
Author
Year
2017
Pages
20
Catalog Number
V446354
ISBN (eBook)
9783668829893
ISBN (Book)
9783668829909
Language
German
Tags
Montessori
Quote paper
Alina Welke (Author), 2017, Ziele der Erzieher in der Montessori-Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446354

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