Training als primäre Intervention des Sportunterrichts. Geht das?

Darstellung von Trainingsinterventionen im Sportunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Training

3. Ziele des Sportunterrichts nach dem Lehrplan

4. Probleme bei der Durchführung des Sportunterrichts
4.1 Studie: Bewegungszeit als Qualitätskriterium des Sportunterrichts
4.1.1 Ergebnisse
4.1.2 Diskussion
4.2 Studie: Belastungszeiten und Anstrengung im Sportunterricht
4.2.1 Ergebnisse
4.2.2 Diskussion

5. Darstellung von Trainingsinterventionen
5.1 Studie: Trainierbarkeit Fitness im Schulsport
5.1.1 Untersuchungsmethodik
5.1.2 Hypothesen
5.1.3 Ergebnisse
5.1.4 Diskussion
5.2 Studie: Hochintensives Intervalltraining im Sportunterricht
5.2.1 Einleitung
5.2.2 Untersuchungsmethodik und Ergebnisse
5.2.3 Diskussion

6. Fazit

7. Abbildungsverzeichnis

8. Tabellenverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Training als primäre Intervention des Sportunterrichts - geht das?“

Immer wieder wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, welche primäre Zielsetzung der Sportunterricht haben sollte. Muss der Unterricht dazu dienen, die motorische Leistungsfähigkeit der SchülerInnen zu verbessern oder sollten primär andere Ziele, wie beispielsweise die Förderung des sozialen Lernens verfolgt werden?

Im Rahmen dieser Arbeit soll versucht werden, die Zielsetzungen des Sportunterrichts herauszuarbeiten um zu klären, ob Training als primäre Intervention verfolgt werden kann.

Dafür werden zunächst die Ergebnisse zweier Studien zusammengefasst, welche die organisatorischen Probleme und Rahmenbedingungen des Sportunterrichts thematisieren. Anschließend werden zwei Studien analysiert, welche mögliche Trainingsinterventionen im Sportunterricht darstellen.

Darauf aufbauend wird eine mögliche Beantwortung der Einstiegsfrage im Fazit dargestellt.

2. Definition Training

Carl (1989) definiert sportliches Training als:

„komplexen Handlungsprozess mit dem Ziel der planmäßigen und sachorientierten Einwirkung auf den sportlichen Leistungszustand und auf die Fähigkeit zur bestmöglichen Leistungspräsentation in Bewährungssituationen.“

Das heißt, Training verfolgt immer das Ziel der Leistungssteigerung und des Erzielens von Trainingseffekten. Die Trainingsziele werden im Vorfeld definiert und somit werden unterschiedliche Trainingsarten realisiert, wie z.B. das Fitnesstraining oder das Hochleistungstraining (Weineck 2004).

3. Ziele des Sportunterrichts nach dem Lehrplan

Laut dem Bildungsplan des Landes Baden-Württembergs für das Gymnasium verfolgt der Sportunterricht einen Doppelauftrag (Bildungsplan S. 3). Zum einen wird die Erziehung zum Sport angestrebt. Den Schülerinnen und Schülern werden vielfältige Aufgaben angeboten, um ihre motorischen Grundfertigkeiten weiter auszubauen und zu verbessern. Durch ein breites Sportangebot sollen die Jugendlichen für sich den passenden Sport finden, um diesen in ihren Lebensalltag zu integrieren.

Zum anderen wird die Erziehung im und durch den Sport verfolgt, das heißt der Schulsport leistet einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung. Den Schülerinnen und Schülern werden unterschiedliche Situationen geboten, in denen sie ihre Bewegungshandlungen unter verschiedenen Sinnperspektiven ausüben können. Neben den motorischen Kompetenzen werden auch personale, soziale, kognitive und reflexive Kompetenzen angesprochen. Dadurch sollen sie ihr Sporttreiben selbstbestimmt entscheiden und im Sinne einer gesunden Lebensführung zu lebenslangem Sporttreiben motiviert werden. Sie setzen sich kritisch mit den Chancen und Risiken von Bewegung, Spiel und Sport auseinander.

Der Begriff Training taucht somit nicht auf, jedoch die Verbesserung der motorischen Grundfertigkeiten als ein Teilbereich.

4. Probleme bei der Durchführung des Sportunterrichts

4.1 Studie: Bewegungszeit als Qualitätskriterium des Sportunterrichts

Die Studie von Hoffmann aus dem Jahr 2009 ist eine Replikationsstudie in Anlehnung an Hoppe und Vogt aus dem Jahr 1979.

Es wurden 224 Sportstunden von allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg (Klasse 5 – 13) analysiert. Die Daten stammen aus 54 Städten von 158 Schulen in Baden-Württemberg. 84 Einzel- und 140 Doppelstunden wurden hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Bewegungszeit und der tatsächlich realisierten Bewegungszeit von sportschwachen und durchschnittlichen Schülerinnen und Schülern ausgewertet. Es nahmen durchschnittlich 20 aktive Teilnehmer an einer Sportstunde teil und drei Beobachter untersuchten jeweils die Zeitabläufe in der Sportstunde mittels Stoppuhr, die Bewegungszeit sportschwacher und die Bewegungszeit durchschnittlicher Schüler. Die so ermittelte Bewegungszeit der Klasse in einer Sportstunde bedeutet aber nicht, dass sich in dieser Zeit tatsächlich alle Schülerinnen und Schüler körperlich aktiv sind (Hoffmann 2009).

Die Bewegungszeit der sportschwachen und durchschnittlichen Schüler wurde ermittelt durch das Erfüllen einer gestellten motorischen Aufgabe. Das Hingehen zu- oder Weggehen von einem Gerät oder Bewegungen beim Geräteaufbau werden nicht als sportliche Aktivität der Bewegungszeit zugerechnet. Darüber hinaus wurde ein Gespräch mit dem jeweiligen Sportlehrer und den Beobachtern geführt hinsichtlich der Selbsteinschätzung der genutzten Bewegungszeit im Sportunterricht allgemein und der beiden Schülergruppen Die Beobachter sollten angeben wo Ursachen für geringe Bewegungszeiten liegen könnten. (Hoffmann 2009)

Tab. 1: Gemessene Bewegungszeiten im Sportunterricht (Hoffmann 2011, S.40)

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

4.1.1 Ergebnisse

Ein Blick auf die Daten zeigt, dass einer Klasse im Durschnitt die Hälfte der Zeit einer Einzelstunde (52%) als Bewegungszeit zur Verfügung steht (Sollzeit). Das entspricht einem Mittelwert von 23 Minuten und 48 Sekunden von zur Verfügung stehenden 45 Minuten. Die tatsächliche sportliche Aktivität von sportschwachen Schülern beträgt hier 18% (8min 9 s) und von durchschnittlichen Schülern 21% (9min 37 sec).

In der Doppelstunde (90 min) ist die zur Verfügung stehende Bewegungszeit mit 55% (49min 25sec) leicht höher als in der Einzelstunde, jedoch ist hier die tatsächliche sportliche Aktivität von sportschwachen Schülern mit 16% (9 min 1 sec) und von durchschnittlichen Schülern mit 19% (10 min 45 sec) leicht geringer als in der Einzelstunde.

Tab. 2: Zeiten, die nicht für Bewegung zur Verfügung stehen (Hoffmann 2011, S. 42)

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Insgesamt stehen durchschnittlich in Einzel- und Doppelstunde zusammengefasst 46,8% der Zeit nicht für Bewegung zur Verfügung. Am zeitaufwendigsten sind Erklärungen mit 13,2% der Sollzeit in einer Sportstunde. Die Verlustzeit am Stundenanfang beträgt 8.6% und die am Stundenende 7,4 % und sind somit am zweithöchsten.

Die Daten zeigen, dass in den Doppelstunden für fast alle gemessenen Bereiche auch absolut mehr Zeit verwendet wurde. Dies sogar für den Zeitaufwand für die Begrüßung und Anwesenheitskontrolle Hoffmann. Dagegen ist die absolute Zeit für Konfliktregelungen in Einzel- und Doppelstunden nahezu identisch. (Hoffmann 2009)

Tab. 3: Ursachen für geringe Bewegungszeiten im Sportunterricht (Hoffmann 2011, S. 45)

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Hier zeigt sich abschließend, dass die Ursachen für die geringen Bewegungszeiten von den Beobachtern bei den Schülerinnen und Schülern selbst gesehen werden. Die Lehrer und Rahmenbedingungen werden nur in rund einem Drittel der Fälle als mitverantwortliche Faktoren gesehen.

4.1.2 Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass nur ungefähr die Hälfte der Zeit einer Sportstunde als Bewegungszeit zur Verfügung steht. Erschreckend ist hierbei, dass die Schülerinnen und Schüler von der Ist-Zeit weniger als ein Drittel der Zeit sportlich aktiv sind. Zu bemängeln ist hierbei, dass lediglich der Umfang der Bewegungszeit, aber nicht die Intensität der Bewegungen gemessen wurde. So können hier zwischen einzelnen Schülern große Unterschiede bestehen. Auch zeigen die Einschätzungen der Beobachter, dass geringen Bewegungszeiten zum größten Teil von den Schülern selbst abhängen. Das heißt ihre Bewegungszeit geht auch immer mit ihrer Motivation und Bereitschaft für körperliche Aktivität einher.

Unabhängig davon zeigt sich jedoch, dass durchschnittlich 46,8 % der Sportstunde für die Rahmenbedingungen und organisatorische Aufgaben wegfallen. Die Lehrkraft hat demnach wenig Einfluss für die optimale Zeitnutzung. Trotzdem kann sie die gegebenen Rahmenbedingungen optimieren. So sollte mit den Schülern ein schnelles Umziehen trainiert werden, die Anwesenheit könnte per Liste von den Schülern selbst abgeharkt werden, wenn sie in die Halle kommen, wer früher in der Halle ist kann schonmal Material nutzen und Aufbauten könnten aus vorherigen Stunden genutzt oder schon vorher in der Pause aufgebaut werden. Ebenfalls sprechen die Daten für die Einzelstunde, da die Schüler sich mehr bewegen und sich die Lehrkraft in den Doppelstunden mehr Zeit für organisatorische Aufgaben nimmt. Durch das geringere Zeitfenster in den Doppelstunden wird die Zeit weniger ökonomisch genutzt, wie in der Einzelstunde.

4.2 Studie: Belastungszeiten und Anstrengung im Sportunterricht

Wydras Studie aus dem Jahr 2009 setzt sich mit der Frage auseinander, wie stark sich die SchülerInnen im Sportunterricht anstrengen und wie gut die zur Verfügung stehende Zeit für Bewegung genutzt wird. Dafür wurden 237 Schulklassen aus dem Saarland, Luxemburg und Rheinland-Pfalz mittels Fragebogenerhebungen und Beobachtungen begleitet. Die TeilnehmerInnen besuchten die dritte bis 13. Klasse, wobei alle Schulformen vertreten waren. Die Stichprobengröße lag insgesamt bei 4524 Schülerinnen und Schülern (46,7% Schülerinnen und 53,3% Schüler).

4.2.1 Ergebnisse

Die Auswertung der Fragebögen und Beobachtungen während des Sportunterricht zeigten einen sehr hohen Zeitverlust durch organisatorische Angelegenheiten. Eine offizielle Sportunterrichtsstunde dauert durchschnittlich 70 Minuten. Die Netto- Unterrichtszeit liegt jedoch nur bei 51,5 und die Netto-Bewegungszeit bei 44,5 Minuten.

Tab. 4: Prozentualer Anteil der Nennungen auf der Borg-Skala (n=4511) (Sportunterricht, 58 (2009), Heft 5, S. 132)

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Mit Hilfe der Borg Skala stellt Tabelle 4 das Anstrengungsniveau der SchülerInnen dar. Demnach epfinden circa 58% der SchülerInnen den Sportunterricht als gar nicht bis kaum anstrengend. Dadruch kann die anfängliche Vermutung besätigt werden, dass sich die Kinder im Sportunterricht zu wenig anstrengen. (Wydra 2009)

Weitere Erhebungen bestärken diese Ergebnisse. 132 Schüler wurden während des Sportunterrichts mit einem Pulsmessgerät begleitet. Durch die Messung der Herzfrequenz konnte ermittelt werden, wie viele Minuten sich die Schüler in den bestimmten Belastungszonen bewegten.

[...]

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Details

Titel
Training als primäre Intervention des Sportunterrichts. Geht das?
Untertitel
Darstellung von Trainingsinterventionen im Sportunterricht
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V446469
ISBN (eBook)
9783668832251
ISBN (Buch)
9783668832268
Sprache
Deutsch
Schlagworte
training, intervention, sportunterrichts, geht, darstellung, trainingsinterventionen, sportunterricht
Arbeit zitieren
Torben Tesche (Autor), 2018, Training als primäre Intervention des Sportunterrichts. Geht das?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446469

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