Einzug in ein neues Zeitalter der Pflege. Was bedeutet der Transhumanismus im Gesundheitswesen für Politik, Recht und Ethik?


Fachbuch, 2019
60 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Motivation, Ziele und Aufbau der Arbeit

2 Transhumanismus
2.1 Begriffsklärung

3 Künstliche Intelligenz in der Medizin
3.1 Technologie in einer alternden Bevölkerung
3.2 Medizintechnik
3.3 Roboter in Krankenhäusern und Altenheimen

4 Politische und rechtliche Betrachtung
4.1 Ethische Berücksichtigung
4.2 Verwaltung von gesundheitsbezogenen Daten

5 Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
5.1 Veränderungen durch Technik und künstliche Intelligenz
5.2 Wachstumsgrenzen

6 Allgemeine und spezielle Erkenntnisse

7 Evaluation und Fazit

Literaturverzeichnis
Onlinequellen
Zeitschriften

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 2015

Abbildung 2: Lebenserwartung bei Geburt in Jahren

Abbildung 3: Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik FIT, Projekt Appsist

Abbildung 4: HubSpot Global Al Survey 2016

Abbildung 5: Privatkrankenversicherte wollen Rechnungen Digital verwalten

Abbildung 6: Diese Sorgen treiben die Deutschen um

Abbildung 7: China auf dem Weg zur Forschungsweltmacht

Abbildung 8: Weihnachten 2017: Smarte Technik boomt

Abbildung 9: Werden Roboter unser Leben verändern?

Abbildung 10: Soziale Ungleichheit bei Einkommen nimmt zu

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stark gefährdete Berufe

Tabelle 2: Wenig gefährdete Berufe

1 Einleitung

Seit vielen Jahren unterliegt Deutschland einem gesellschaftlichen Wandel. Die Fortschritte der Technik sind enorm und die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet rasch voran. Begriffe wie „Health 2.0“ oder „Arbeit 4.0“ sollen die drastischen Veränderungen der verschiedenen Gesellschaftsbereiche zum Ausdruck bringen.

Dem technischen Fortschrittsdenken stehen wenige ethische Regulationsmechanismen gegenüber. Wissenschaftler verspüren den Drang, über sich hinaus zu wachsen um bisher noch technisch Unmögliches möglich zu machen (vgl. Hagemann 2017: 9). In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die philosophische Denkrichtung des Transhumanismus damit, Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz von technologischen Verfahren zu erweitern.

Bezogen auf das Gesundheitssystem bedeutet Transhumanismus, dass es Bereiche gibt und geben wird, in denen vermehrt Medizintechnik oder Roboter mit künstlicher Intelligenz (KI) eingesetzt werden. Im Bereich Gesundheit und Medizin werden Chancen gesehen, den Fachkräftemangel durch Technik auszugleichen. Dadurch entstehen viele Möglichkeiten, Dienstleistungsberufe im sozialen Sektor zu reorganisieren. Doch mit diesen Chancen entstehen auch Risiken, die beachtet und gesteuert werden müssen.

Durch Gesetze, Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft mit ihrer ethischen bzw. werteorientierten Betrachtungsweise wird Einfluss auf die Denkweise und das soziale Leben der Menschen genommen und ein offenes, neues, globales Zeitalter für eine transhumanistische Zukunft mit viel Potenzial geschaffen.

Dabei muss auf das Recht der informellen Selbstbestimmung des Menschen Rücksicht genommen werden.

Der Begriff „Sicherheit“ ist ein wichtiges Kriterium im Umgang mit künstlicher Intelligenz und im Kontext der Selbstbestimmung. Doch wie sieht es mit der Arbeitswelt aus? Bedrohen Roboter und KI am Ende unsere Arbeitsplätze? Sicher ist, dass die fortschreitende Digitalisierung unsere Beschäftigung verändern wird (vgl. Spiegel Wissen 3 2017: 10). Deutschland macht eine Entwicklung durch hin zur Digitalisierung und ist dabei auf Forschungsaktivitäten angewiesen. Um diese neuen Erkenntnisse zu gewinnen und richtungsweisend miteinander vergleichen und ausschöpfen zu können, bedarf es Computerunterstützung durch Big Data. Mit Big Data werden große Datenmengen bezeichnet, die u.a. aus dem Internet und dem Gesundheitswesen stammen und mit speziellen Lösungen gespeichert, verarbeitet und ausgewertet werden. Dadurch werden sich Unternehmen in ihrer Arbeitsweise verändern, wie wir es uns noch nicht vorstellen können. Auch wenn noch nicht soweit fortgeschritten wie in China oder den USA, so kann man dennoch in Deutschland einen Strukturwandel aufgrund der Digitalisierung erkennen. In einem Zeitalter, indem das Internet für Zusammenarbeit und Informationsaustausch sorgt, entstehen durch Big Data große Chancen für den Gesundheitssektor. Zusammenfassend kann man sagen, dass Transhumanismus, Digitalisierung und die Verwendung von Big Data den Gesundheitssektor in Deutschland zukünftig beeinflussen und verändern wird.

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

Künstliche Intelligenz beherrscht längst unser Leben, ohne dass es vielen bewusst ist (Mainzer 2016: V). In unserem Alltag wird künstliche Intelligenz in viele Arbeitsabläufe eingebunden und ist kaum mehr daraus wegzudenken. Elektronische Haushaltsgeräte mit technischen Assistenzsystemen, wie z.B. Spülmaschinen, Waschmaschinen oder elektronische Armbanduhren sind hier zu nennen. Doch auch der Computer, Drohnen, Autos oder Smartphones können unsere Daten aufzeichnen und speichern. Die Liste der technischen Assistenzsysteme lässt sich noch weiter fortsetzen und soll uns zeigen, wie sehr unser Alltag bereits von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz bestimmt wird (vgl. Mainzer 2016: V).

Technischer Fortschritt begeistert einerseits, doch er wird nicht jedem in der Zukunft Gutes bringen. Viele Berufe werden dadurch abgeschafft und Neue entstehen. Menschen, die ihren Beruf verlieren und arbeitslos werden, haben keine Einkommensquelle mehr. Doch um die Produkte und Dienstleistungen der digitalen Welt zu kaufen, braucht man Geld (vgl. Der Spiegel 36 2016: 12). Auch wenn bereits zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen durch KI in unserer Gesellschaft festzustellen sind, ist unklar, welche weiteren Auswirkungen KI auf bestimmte Berufsfelder zukünftig haben wird und wie sich das auf soziologischer Ebene für die Menschen darstellen kann. Ein weiteres Problem sind die Bedenken, die Menschen bzgl. der KI haben und die deshalb unter dem ethischen Aspekt berücksichtigt werden sollen.

Des Weiteren soll die rechtliche Einstufung von KI als künstliche Person näher betrachtet werden. Bisher hat die Rechtsordnung noch keine, im rechtlichen Sinne vorzuweisende Bezeichnung für KI (vgl. Mayinger 2017: 168). Auf die technische und rechtliche Bezeichnung wird unter 4. noch genauer eingegangen.

Erst wenn die künstliche Person von der juristischen Person abgegrenzt und definiert werden kann, wird es möglich sein, auch künstliche Personen (Roboter) als Rechtssubjekte zu behandeln. Ob dies Notwendig ist, soll hier nicht weiter vertieft werden, da unter 4. näher darauf eingegangen wird.

Im Gesundheitswesen ist ein Wandel zu verzeichnen, der des Weiteren darauf hinweist, dass durch den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ein personelles Problem besonderen Ausmaßes entsteht. Deshalb könnten die Ressourcen der künstlichen Intelligenz genutzt werden. Verstärkt wird dieser Effekt durch die demografischen Veränderungen, denen unsere Gesellschaft unterliegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland 2015

(vgl. statistisches Bundesamt 2017)

Die „Alterspyramide“ in Abbildung eins zeigt, dass derzeit der Großteil der Bevölkerung zwischen 50 und 60 Jahre alt ist. Es ist davon auszugehen, dass diese Altersgruppe in spätestens 20 Jahren eine Gruppe von älteren Bürgern mit verlängerter Lebenszeit durch bessere medizinische Versorgung darstellt. Gleichzeitig kann man in Abbildung eins erkennen, dass nicht genügend junge Menschen nachkommen, die diese alten Menschen dann gesundheitlich versorgen können. Hier könnte eine Chance für künstliche Intelligenz liegen, den Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen auszugleichen. Durch die qualitativ hohe medizinische Versorgung erhöht sich die Lebenserwartung und die Zahl der älteren Menschen nimmt kontinuierlich zu, wie nachfolgende Abbildung zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lebenserwartung bei Geburt in Jahren

(vgl. statistisches Bundesamt 2017)

In Abbildung zwei wird deutlich, dass die Lebenserwartung der Menschen stark zunimmt, wobei Frauen weiterhin etwas älter als Männer werden. Dies kann an dem unterschiedlichen Gesundheitsverhalten der Geschlechter liegen oder an den unterschiedlichen Belastungen durch die ausgeübten Berufe. Demnach gehen Frauen verantwortungsvoller mit ihrer Gesundheit um und gehen schneller zum Arzt als Männer, was wiederum zeigt, dass Männer häufig über Alarmsignale des Körpers hinweggehen und sich selbst überschätzen (vgl. Schnabel 1999: 99-123).

Die Menschen höheren Alters werden sich zum Großteil bester Gesundheit erfreuen. Doch mit zunehmenden Alter akkumulieren vor allem chronische Krankheiten, die sich in höherer Morbidität und vermehrter Pflege-und Hilfsbedürftigkeit niederschlagen (vgl. Dritter Bericht zur Lage der älteren Generation BMFSFJ 2001: 21). Allgemein gilt, dass Gesundheitsrisiken in einer Bevölkerung mit niedrigem Einkommen stärker verbreitet sind (vgl. Wehler 2013: 125). Gerade hier ist mit erhöhter Pflege- und Hilfsbedürftigkeit zu rechnen, was wiederum ausreichend qualifiziertes Fachpersonal im Gesundheitsbereich voraussetzt.

Die Problematik des Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich ist ein wichtiger Aspekt, der ausgeglichen werden muss, um dem Wandel gerecht zu werden.

Hier soll nun ein Bogen gespannt werden zwischen der Berücksichtigung und dem Nutzen des Transhumanismus für die Pflege sowie dem Entgegenwirken des bestehenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen.

Die aktuelle digitale Revolution beschreibt Transhumanismus als ein neues globales Zeitalter, das viel Potenzial für eine Zukunft mit Technologie und KI bietet. Unter Berücksichtigung der menschlichen Grenzen werden Zukunftstechnologien aufgezeigt und in Bezug zum gesellschaftlichen Wandel gestellt. Die Entwicklung in den vergangenen 80 Jahren soll die rasante Geschwindigkeit im Sektor Digitalisierung wiedergeben. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten des Einsatzes im Bereich Gesundheitssektor aufgezeigt.

Die fortschreitende Digitalisierung wird die Beschäftigung verändern (Der Spiegel 36/2016: 13). Unter 3.3.3 wird dies genauer analysiert. Dabei soll die Rolle des Qualitätsmanagements ins Blickfeld gerückt werden.

Durch die Erfindung von neuen Technologien, wie Roboter und KI, können Arbeitsplätze geschaffen werden, aber auch Jobs wegfallen (eigene Meinung des Autors). Im Bereich Gesundheit und Medizin werden Chancen gesehen den Fachkräftemangel durch Technik auszugleichen. Dabei sollen Roboter in Krankenhäusern und Altenheimen eingesetzt werden um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und einen Ausgleich für fehlendes Fachpersonal zu erreichen. Hierdurch soll die Qualität und Effizienz gesteigert werden. Aus gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht werden Gesundheitsberufe dadurch an Bedeutung gewinnen, was unter 5. ff näher beschrieben wird. Allerdings gibt es in der Geschichte hinreichend Beispiele, die zeigen, dass technischer Fortschritt nicht immer zu einer Verbesserung der Arbeits-und Lebenssituation beiträgt, was deshalb unter 3.3.3 näher erläutert werden soll. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist der Einsatz von technologischen Verfahren wichtig, birgt aber auch neben den Chancen Risiken, auf die in 3.3.4 näher eingegangen wird. Demnach müssen Organisationen und Institutionen auf technische Innovationen setzen, um den Herausforderungen der Digitalisierung, die im Bereich der Pflege, der Politik, des Rechts und der Ethik auf uns zukommen, gewachsen zu sein. Denn durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz kann es zu Ungleichheit zwischen Arm und Reich kommen (vgl. Christaller T. et al. 2001: 2). Hierauf wird bei 6. vermehrt eingegangen.

Besonderes Augenmerk soll auf dem Bereich Ethik liegen, denn hier gibt es Grenzerfahrungen, die mit keinem Roboter oder künstlicher Intelligenz aufzuwiegen sind und den Faktor Mensch durch nichts ersetzen können.

1.2 Motivation, Ziele und Aufbau der Arbeit

Transhumanismus, Digitalisierung und Arbeit 4.0 sind aktuelle Themen unserer Politik. Sie stellen eine komplexe Herausforderung für die gesamte Menschheit dar. Jeder wird an dieser Entwicklung teilhaben, gewollt oder ungewollt. In der vorliegenden Arbeit soll das Hauptaugenmerk auf dem Einsatz von technologischen Verfahren, besonders in der Pflege, liegen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, dem Fachkräftemangel und dem steigenden Personalbedarf in der Pflege ergibt sich die Notwendigkeit, KI zu nutzen und für einen sicheren Einsatz im Gesundheitsbereich zu sorgen. Gleichzeitig soll dargestellt werden, wie diese Verfahren durch KI unsere Gesellschaft, den Arbeitsplatz und den Menschen an sich verändern und beeinflussen. Unter Berücksichtigung der menschlichen Grenzen, werden Zukunftstechnologien aufgezeigt, die intellektuelle Möglichkeiten im Bereich Pflege bieten. Dabei motiviert diese Entwicklung besonders, sich mit der Ungleichheit zwischen Arm und Reich, den soziologischen sowie ethischen Auswirkungen zu beschäftigen. Die Arbeit verfolgt das Ziel, das neue globale Zeitalter im Gesundheitswesen, bezogen auf Transhumanismus und Digitalisierung darzustellen. Dabei sollen Chancen und Risiken aufgezeigt werden, um dem Leser einen Überblick über politische, rechtliche, ethische und pflegerische Aspekte zu verleihen. Es soll als wissenschaftliche Literatur, Informations- u. Aufklärungsunterlage dienen.

Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

- Was bedeutet Transhumanismus in der Pflege und welche Denkweisen sind für die Pflege besonders relevant?
- Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um technologische Verfahren im Gesundheitsbereich zu implementieren?
- Welchen Einfluss nehmen technologische Verfahren und künstliche Intelligenz auf die Arbeitsmarktlage gesamtwirtschaftlich und im Gesundheitswesen?
- Welche Chancen, aber auch Risiken ergeben sich durch die Zukunftstechnologie?
- Inwiefern kann Transhumanismus Ungleichheit zwischen Arm und Reich bewirken und wie kann dem entgegengewirkt werden?

Die vorliegende Bachelorarbeit stellt eine literaturgestützte Arbeit dar. Unter Berücksichtigung von Erkenntnissen aus Studien zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland finden auch technologische Entwicklungen statt. Daten, Zahlen und Fakten zu Akzeptanz, Nachfrage und Einfluss liefern Fachliteratur, Veröffentlichungen des statistischen Bundesamtes und Studien. Zudem wird auf politische, rechtliche, ethische und pflegerische Aspekte im Gesundheitswesen verwiesen und mit Fachliteratur sowie Publikationen belegt.

Den theoretischen Hintergrund dieser Arbeit bildet der gesellschaftliche Wandel in Bezug auf den Fachkräftemangel in der Pflege, dem mit künstlicher Intelligenz entgegengewirkt werden soll. Nachdem der Handlungsbedarf herausgestellt ist, soll die Begriffsklärung und die Denkweise darüber aufgezeigt werden. Dabei wird auch auf die Grenzen menschlicher Möglichkeiten aufmerksam gemacht.

In diesem Kontext wird anschließend auf KI in der Medizin und der Pflege eingegangen. Es wird eine Brücke geschlagen zwischen einer alternden Bevölkerung mit Fachkräftemangel aufgrund niedriger Geburtenraten und der neuen nachgefragten Technologie. Dabei wird auf die Entwicklung der letzten 80 Jahre eingegangen sowie das Qualitätsmanagement berücksichtigt. Nach Darlegung der Notwendigkeit wird die Verbrauchernachfrage in Deutschland, USA und China geklärt. Die Medizintechnik und der Einsatz der technologischen Verfahren spielen eine große Rolle für unterschiedliche Anwendungsbereiche der KI. Hierbei richtet sich der Schwerpunkt auf KI in Krankenhäusern und Altenheimen. Was die Zukunftstechnologie für uns bereit hält und welche Chancen sowie Risiken hier für das Gesundheits­wesen gesehen werden, wird erörtert. Dabei wird der Einfluss auf die Arbeitsmarktlage kritisch betrachtet, aber auch als Chance gesehen.

Unter dem Aspekt der politischen, rechtlichen, ethischen und pflegerischen Betrachtung wird auf die Problematik der Verwaltung von gesundheitsbezogenen Daten und die Kosten im Gesundheitssystem eingegangen. Hierdurch ergeben sich Wachstumsgrenzen, die unter dem Begriff Ungleichheit zwischen Arm und Reich unter Berücksichtigung der verschiedenen soziologischen Ebenen näher erläutert werden.

Den Abschluss der Arbeit bilden die allgemeinen und speziellen Erkenntnisse sowie die daraus ergebenden Schlussfolgerungen bezüglich der Fragestellungen, die im Rahmen der Arbeit behandelt wurden.

2 Transhumanismus

2.1 Begriffsklärung

Der Begriff „Transhumanismus“ setzt sich aus zwei Worten zusammen. Einerseits aus „Trans“, das aus dem Lateinischen übernommen ist und „über etwas hinaus“ oder „zu etwas übergehen/jenseits von etwas“, bedeutet.

Andererseits beschreibt „Humanismus“ „Das Menschliche“ und verweist auf eine Haltung, die von der Würde des Menschen geprägt ist. Demnach geht es bei diesem Begriff um eine Denkrichtung, die Grenzen aufzeigt, wenn es um den Einsatz von technologischen Verfahren und KI geht. KI ist ein Teilgebiet der Informatik und befasst sich mit der Erforschung des intelligenten, menschlichen Verhaltens. „Ein System ist dann intelligent, wenn es selbständig und effizient Probleme lösen kann“(Mainzer 2016: 3). Demnach behaupten Transhumanisten, „dass wir mit technischer Hilfe bald 1000 Jahre alt werden können“ (Spiegel Wissen 3 2017: 10). Welche Auswirkungen dies auf das Gesundheitssystem und den Menschen haben könnte, bleibt nur zu erahnen. Um das Ausmaß zu erfassen, soll in dieser Arbeit noch auf den Begriff der Digitalisierung eingegangen werden.

„Selbst wir Menschen des Digitalzeitalters sind noch buchstäblich an unsere Finger gebunden: „Digital“ kommt vom lateinischen Wort „digitus“ für Finger.

In die biologische Überlebensmatrix des Menschen ist die Technik als Extension seines Körpers essentiell eingeschrieben. Die Krafterweiterung des Körpers durch Technik ist darum ein Instrument der Macht. Soziale Macht bedeutet die Kontrolle und das Wissen über die technische Macht ...“(Becker 2015: 71). „Zwar können neue Technologien die Machtverhältnisse revolutionieren und zu neuen Machtstrukturen führen, doch auch dann wird die neue Macht immer versuchen, die Technologie in ihrem Interesse einzusetzen“ (Becker 2015: 71).

„Im Falle der neuen Körper-Transzendenzphantasien bedeutet dies, dass Forschungen durch Machtverhältnisse stattfinden, die von Effizienz (Rationalisierung, Standardisierung und Beschleunigung) definiert werden“ (Becker 2015: 73).

Die Mechanismen dieser Macht zielen auf transparente, kontrollierbare, manipulierbare und beherrschbare Individuen ab (vgl. Becker 2015: 74). Im Zeitalter der Digitalisierung bietet die virtuelle Welt neue Dynamiken und Möglichkeiten. Deshalb muss im Netz besonders auf Datenschutz, Recht auf geistiges Eigentum und das Recht auf Löschung von Daten usw. geachtet werden, um einer Macht auf Manipulation und Überwachung entgegenzuwirken. Im Gesundheitsbereich soll daher auf die Entwicklung einer posthumanen Umgebung und posthumaner Roboter geachtet werden (vgl. Becker 2015: 74).

Hier ist der Begriff der Selbstbestimmung zu nennen, auf den in 4.1 näher eingegangen wird.

2.1.1 Denkweise

„Transhumanisten verfolgen unterschiedliche Ansätze, um der Unsterblichkeit näher zu kommen“ (Spiegel Wissen 2017/3: 10). Doch auch die Möglichkeit, sich das Leben im Alltag zu erleichtern ist Antrieb genug, sich für KI einzusetzen. Transhumanisten haben die Vorstellung sich selbst zu göttlichen Wesen zu machen. Dabei versuchen sie ihre Angst vor dem Tod zu verbergen und suchen Unsterblichkeit in einem bestimmten Weltbild oder einem Roboter (vgl. Spiegel Wissen 2017/3: 10). Der Transhumanismus findet auf vielen Bühnen der Welt wie China, Deutschland oder USA statt. Menschenverbesserung, Selbstoptimierung und Selbstüberwindung sind Eigenschaften die dem Menschen in seiner ursprünglichen Erscheinungsform zum Verhängnis werden können, indem er sich selbst, seine Autonomie und seine Würde abschafft (vgl. Hansmann 2015: 8). „Wichtige Protagonisten des jüngsten transhumanistischen Projekts prognostizieren mit Nachdruck ... , dass im Jahr 2045 das Konstrukt der „Singularität“ in hybriden Gestalten der Verschmelzung von Mensch und Maschine ... in Erscheinung tritt“ (Hansmann 2015: 23). Unter Singularität versteht man verschiedene Theorien, die in der Zukunftsforschung zusammengefasst werden. Es beschreibt einen Zeitpunkt, bei dem sich Maschinen mittels KI schnell selbst verbessern und damit die Beschleunigung des technischen Fortschritts für die Zukunft der Menschen nicht mehr vorhersehbar ist. Die Kernaussage ist, dass es um digitale Vernetzung aller technologischen Singularitäten geht, wodurch die Steuerung zentral oder dezentral erfolgt und die Informationen gezielt adressiert werden (vgl. Hansmann 2015: 27). Diese populäre Bewegung der Technik wird unsere Welt verändern und damit auch die Menschen in ihrer Gesellschaft und Gemeinschaft. Denn, wie es scheint, werden Geburt und Tod verhandelbar. Das Lebensende soll zunächst verschoben, der Lebensverlauf geplant und gestaltet werden, mit dem Ziel, Sterben und Tod abzuschaffen. Somit soll die Geburt und der Tod nach belieben gestaltbar sein. Aus sozialpsychologischer Perspektive betrachtet, soll die eigene Kontrolle, der Angst vor dem Sterben entgegenwirken (vgl. Bauer 2007: 183-184). Es wird impliziert, dass Sterben nur noch ein technisches und wissenschaftliches Problem sei, das in 20 bis 50 Jahren behoben sein wird (vgl. Krüger 2004: 401). Demnach zielt das transhumanistische Versprechen auf die Verbesserung unseres irdischen Daseins. Kurzum sind trotz des immensen Fortschritts in der Wissenschaft und Technik die Menschen zurückgeblieben. Dieser Zustand soll überwunden werden, indem Informationstechnologien optimiert werden.

Selbst Nietzsche sprach von einem „Übermenschen“, der künstliche Natur als höherwertiger einschätzt und alles Denken als Lüge abqualifiziert (vgl. Hansmann 2016: 22-23). Verschiedene Forschungsansätze zeigen u. a., dass Gentechnik zur Beeinflussung des Genmaterials und Wissenschaften auf kognitiver Ebene zur Erschaffung von künstlichem Bewusstsein und zur „Erweiterung des menschlichen Geistes durch Kopplung des Gehirns an externe oder implantierbare Computer“ aus Sicht des Transhumanisten vorangetrieben werden müssen (Hilt et al. 2010: 152). Denn die Lösung liege darin, Bewusstsein auf externe Medien zu speichern, um so Unsterblichkeit zu erreichen (vgl. Hilt et al. 2010: 152). Inspirierend ist der Gedanke den Transhumanismus mit dem Humanismus zu verbinden und so zum Wohl der Menschheit beizutragen (vgl. Hansmann 2016: 30).

2.1.2 Grenzen menschlicher Möglichkeiten

Die Menschen haben es in der Hand, wie viel Digitalisierung sie in der Welt zulassen wollen. Der wirksamste Schutz vor einem Zeitalter der Technik, in einer Welt, die sich so schnell verändert, dass es keinen Sinn macht lebenslang zu arbeiten, ist Aufklärung und Information (vgl. Der Spiegel 36/ 2016: 18).

„Sebastian Thrun, einer der Vordenker im Silicon Valley“, ... hat eine Vorstellung davon, welche Potenziale in künstlicher Intelligenz stecken“ (Der Spiegel 36/2016: 18). Macht beispielsweise ein Autofahrer einen Fehler, lernt nur er daraus, wenn aber ein Roboter einen Fehler macht, teilen sie die Erfahrung und wiederholen nie wieder diesen Fehler (vgl. Der Spiegel 36/2016: 18). Dies zeigt uns, dass Menschen eine natürliche Grenze vor Möglichkeiten haben, Roboter aber nicht. Demnach ist im gesundheitlichen Bereich, wo wir mit kranken Menschen Kontakt haben, ein sensibler Umgang mit Technik und künstlicher Intelligenz notwendig, da hier menschliche Gefühle vorhanden sind.

Da Menschen jedoch fehlerbehaftet sind, kann Medizintechnik und künstliche Intelligenz dazu beitragen, die Qualität und Effizienz zu erhöhen. Alleine die Schnelligkeit mit der ein Computer im Vergleich zu einem menschlichen Gehirn arbeitet, ist enorm viel höher. Da Schnelligkeit in Notfällen der Medizin oft gefragt ist, dürfte klar sein, dass hier ein Mensch nicht mehr mithalten kann und eine Unterstützung durch Maschinen eine gute Lösung bietet. Maschinen mit künstlicher Intelligenz können eine unbegrenzte Zahl an Fällen im „Gedächtnis“ abrufen. Diese Technologie nennt sich „Deep Learning“. Es bedeutet soviel wie tiefgehendes Lernen und findet als Optimierungsmethode in künstlich neuronalen Netzen statt.

Eine weitere Grenze ist für den Menschen der Tod. Transhumanisten suchen die Unsterblichkeit und sind nahe daran, mit technischer Hilfe die Lebenserwartung deutlich höher auszudehnen, als bisher möglich (vgl. Spiegel Wissen 3/2017: 10). Sie teilen die Überzeugung, dass die menschliche Lebensform, wie wir sie heute kennen, überschritten ist und verbessert werden kann, um sich weiterzuentwickeln (vgl. Heilinger 2010: 44). Die Maschine erledigt viele Dinge mühelos, was für den Menschen schwierig ist. Andere Dinge, die den Maschinen schwer fallen, sind für Menschen einfach. Demnach kann ein Mensch viel besser trösten, ist feinfühliger und verfügt über soziale Kompetenz, die ein Computer oder eine Maschine nicht besitzt oder zumindest bisher nicht ausreichend emotional, wie ein Mensch, darstellen kann. So kommt man zu der Schlussfolgerung, dass ein Miteinander von Mensch und Maschine das Leben der Gesellschaft optimiert oder es im schlimmsten Fall auslöscht, wenn man an das Szenario der Singularität denkt.

3 Künstliche Intelligenz in der Medizin

Zweifellos stehen wir vor einer Epochenschwelle, die grundlegende Veränderungen für unsere Gesellschaft mitbringt, da die Digitalisierung unsere Zukunft technologisch prägt. Neben der Gen- und Reproduktionstechnologie und der Nanotechnologie wird die Informations- und Kommunikationstechnologie eine wichtige Rolle spielen. Dadurch wird erneut die Frage der Identität des Menschen oder was denn der Mensch sei, gestellt. Demnach steht die Gesellschaft heute vor der Entscheidung, die technische Zukunft Deutschlands im Gesundheitssystem zu realisieren und zu revolutionieren (vgl. Bamme’ 2014: 144).

Diesen Herausforderungen begegnen wir in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Zwischen Mensch und Maschine wird einerseits das Leben mit all seinen Emotionen, Leidenschaften und Erfahrungen gestellt und andererseits eine Maschine (vgl. Bamme’ 2014: 148). Durch den Einsatz von KI in der Medizin stehen wir vor genau dieser Herausforderung, dem Menschen mit seinen Emotionen noch gerecht zu werden und dabei das Menschliche nicht zu übersehen oder zu vergessen, aber dennoch die Technik in ausreichendem Maße zu nutzen.

3.1 Technologie in einer alternden Bevölkerung

3.1.1 Entwicklung in den letzten 80 Jahren

Künstliche Intelligenz unterlag zunächst einem Reifungsprozess und begann in den Jahren von 1943-1955, als Warren McCulloch und Walter Pitts ihre erste Arbeit darüber veröffentlichten. Hierbei ging es um die Erkenntnis, dass durch die Stimulation von Neuronen ein künstlicher Zustand von „an“ und „aus“ programmiert werden konnte. Sie zeigten, dass jede Funktion von verbundenen Neuronen berechnet und logisch verknüpft werden, um durch einfache Netzstrukturen implementiert zu werden (vgl. Russell 2012: 39). „McCulloch und Pitts behaupteten außerdem, dass definierte Netze lernfähig seien“ (Russell 2012: 39).

1950 bauten zwei Studenten den ersten Netzcomputer. Die vielleicht einflussreichste Vision war von Alan Turing (vgl. Russell 2012:40). „Bereits 1947 hielt er Vorträge zum Thema ... und führte den Turing-Test, Maschinenlernen, genetische Algorithmen und Reinforcement-Lernen (verstärkendes Lernen) ein“ (Russell 2012: 40). Er schlug vor, ein Programm zu erzeugen, das kindliche Intelligenz nachbildet (vgl. Russell 2012: 40). Im Sommer 1956 gab es zehn Teilnehmer, die eine zweimonatige Untersuchung zum Thema künstliche Intelligenz durchführten. Dabei wurde abgebildet, wie Maschinen Sprache verwenden können, Abstraktionen und Konzepte bilden, Probleme lösen und sich selbst verbessern. Ab hier wurde offiziell der Begriff der künstlichen Intelligenz geprägt (vgl. Russell 2012: 40).

1995 bis heute haben sich intelligente Agenten entwickelt in einer Umgebung wie dem Internet. KI-Technologien sind in vielen Suchmaschinen, Websites und Empfehlungssystemen vorhanden. Heute weiß man, dass sensorische Systeme keine zuverlässige Information liefern können. Deshalb müssen Unsicherheiten kompensiert werden. Folglich versuchen Wissenschaftler Maschinen, die denken, lernen und kreativ sein können, herzustellen. Sie haben das Bestreben, KI auf menschlicher Ebene zu entwickeln. Hierfür sind große Datenbanken erforderlich (vgl. Russell 2012: 51).

Heute kann die künstliche Intelligenz viele Bereiche abdecken. Zum einen gibt es führerlose Roboterautos, die Verkehrsregeln beachten und möglichen Zusammenstößen mit anderen Verkehrsteilnehmern entgehen. Zum anderen gibt es Spracherkennung wie z.B. eine automatisierte Sprachansage, autonomes Planen und Zeitplanen, Computerspiele, Spam-Bekämpfung und logistische Planung (vgl. Russell 2012: 52-53). Die medizinischen Erfindungen werden nachfolgend unter 3.2.2 vorgestellt.

Vor dem kulturellen Hintergrund sollen alle beteiligten Wissenschaften genannt werden. Angefangen bei den Philosophen, die KI wahrnehmbar machten, indem sie Theorien aufstellten. Mathematiker stellten Aussagen, berechneten und benutzten Algorithmen. Wirtschaftswissenschaftler trafen Entscheidungen und Neurowissenschaftler entdeckten Fakten. Auch Psychologen und Computertechniker hatten ihre Daseinsberechtigung. Durch die Anwendung von wissenschaftlichen Methoden, ist KI in den letzten zehn Jahren schnell vorangekommen. Die KI fand mit anderen Disziplinen eine gemeinsame Grundlage (vgl. Russell 2012: 55).

3.1.2 Rolle des Qualitätsmanagements

Wenn Pflege durch KI und Digitalisierung unterstützt werden soll, ist besonders auf die Erfüllung von Qualitätskriterien zu achten, da der Mensch das höchste Gut darstellt. Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen Medizinprodukten, die einer DIN Norm unterliegen und Nicht-Medizinprodukten, wie Computer oder Robotern (vgl. Gärtner 2014: 99).

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Einzug in ein neues Zeitalter der Pflege. Was bedeutet der Transhumanismus im Gesundheitswesen für Politik, Recht und Ethik?
Autor
Jahr
2019
Seiten
60
Katalognummer
V446700
ISBN (eBook)
9783960954828
ISBN (Buch)
9783960954835
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transhumanismus in der Pflege, Digitalisierung, E-Health, Health 2.0, Medizintechnik, Altenpflege, Krankenpflege
Arbeit zitieren
Melissa Lutzner (Autor), 2019, Einzug in ein neues Zeitalter der Pflege. Was bedeutet der Transhumanismus im Gesundheitswesen für Politik, Recht und Ethik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446700

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