Rettung oder Fluch? Die Rolle der Mongolen in den politischen Entwicklungen des Nahen Ostens im Hochmittelalter


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die politische Lage um 1250 in Europa und im Nahen Osten

III. Die Entstehung des mongolischen Weltreiches
a. Die Eroberung Irans
b. Mongolen und Religion

IV. Politik und Diplomatie 1250-1265

V. Politik und Diplomatie 1265-1300

VI. Abschlussbetrachtung

VII. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit wird sich mit den (außen)politischen Entwicklungen im Hochmittel-alter in den Kreuzfahrerstaaten beschäftigen. Dabei darf die Lage in Europa nicht außer Acht gelassen werden. Besondere Beachtung soll den Mongolen des Ilkhanats gewidmet werden und es soll geklärt werden, welche Rolle sie in jener Zeit in der Außenpolitik spielten.

Zu Beginn dieser Arbeit soll ein Überblick der politischen Situation in Europa und im Heiligen Land um 1240 gegeben werden. Dabei werden vor allem die damaligen weltlichen Großmächte, sowie der Vatikan einbezogen. Im Anschluss daran werde ich die Geschichte der Mongolen, ihre Beziehung zur Religion und ihre Eroberungen kurz darstellen, damit ihre diplomatischen Manöver mit Christen und Muslimen besser verständlich werden. Hierbei sollen die Mongolen des Ilkhanats im Mittelpunkt stehen. Danach wird der Verlauf der Geschichte bis etwa 1300 dargestellt und zuletzt ein Resümee gezogen.

Zur Quellenlage ist anzumerken, dass die Literatur sich maßgeblich auf folgende Gelehrte stützt. Bar Hebraeus, das Oberhaupt der Jakobitischen Kirche im 13.Jahrhundert, Abdullah Wassaf und Rashid al-Din, welche beides persische Geschichtsschreiber sind und letzterer am Hofe des Ilkhans Ghazan eine hohe Position einnahm, sowie Jean de Joinville, ein französischer Adliger. Natürlich sind diese Personen nur eine kleine Auswahl der großen Zahl von Quellen.

Nachdem Saladin sich 1171 zum Sultan Ägyptens machte und die Dynastie der Aiyubiden begründete, gelang ihm die Angliederung von Damaskus, Aleppo und Mossul an sein Reich. Dies gab ihm die Macht, den Kreuzfahrern, auch Franken genannt, eine vernichtende Niederlage bei Hattin im Juli 1187 beizubringen. Er eroberte Akkon und Jerusalem, sodass den Franken nur noch wenige Besitztümer blieben, welche auch noch durch muslimische Gebiete getrennt waren. Daraufhin behauptete er Jerusalem trotz des Verlustes von Akkon im Dritten Kreuzzug und einiger Niederlagen gegen Richard I. von England. 1193 starb Saladin, was den Franken erst einmal eine Ruhepause bescherte.

Sein Nachfolger Sultan al-Adil I. schloss 1200 einen Friedensvertrag auf vier Jahre, da er über die „zu ernsthafter Bedrohung nicht mehr fähige Militärmacht der Franken im Heiligen Lande“[1] informiert war und zunächst nach Mesopotamien expandieren wollte. Nach Ende des Vertrages folgten kleinere Raubzüge beider Seiten, bevor 1211 ein neuer Frieden geschlossen wurde. Zum Sechsten Kreuzzug zog Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen 1228. Vorher war dieser exkommuniziert worden, da er seinen Kreuzzug mehrmals verschob. Im Heiligen Land erreichte er auf diplomatischem Wege die Übergabe Jerusalems, sowie Sidons, Bethlehems und anderer Städte.

Seit 1240 regierte Sultan as-Salih die Aiyubiden in Ägypten, dessen Oberhoheit vom Herr-scher von Damaskus nicht anerkannt wurde. Die Franken verbündeten sich mit Damaskus gegen Ägypten und die Hwarizmier. Im Sommer 1244 wurde durch Letztere Jerusalem ero-bert und geplündert, während im Herbst desselben Jahres die Entscheidungsschlacht bei Gaza „für die Franken mit einer vernichtenden, nur Hattin vergleichbaren Niederlage“[2] endete.

Der Verlust Jerusalems förderte das Entstehen eines neuen Kreuzzuges. Heinrich III. von England musste innere Probleme mit seinen Vasallen regeln und Friedrich II. war im Streit mit der Kurie. So nahm Ludwig IX. von Frankreich 1244 das Kreuz, landete 1249 in Ägypten, eroberte Damiette und wurde bei Mansura zusammen mit seiner Armee durch das Heer as-Salihs gefangengenommen. Er kaufte sich frei und schiffte sich Richtung Akkon ein.

In Ägypten folgte kurz nach dem Sieg eine Palastrevolution der Mamluken. Dies war die Leibgarde des Sultans, die aus türkischen und asiatischen Gebieten stammte. Sie wurden als Sklaven gekauft, soldatisch ausgebildet[3] und waren „als Elitetruppen schon immer wichtig gewesen.“[4] Turan Schah, der Nachfolger des kürzlich verstorbenen Sultans, wurde im Mai 1250 getötet[5] und Izz ed-Din Aibek begründete das Mamlukenreich.

Nun soll ein Blick auf Europa geworfen werden. An dessen Höfe wurde schon 1238 vom Herrscher der Assassinen in Persien eine Botschaft geschickt, „um vor der Gefahr [durch die Mongolen; A.M.] zu warnen und sie um Hilfe zu ersuchen.“[6] Allerdings hatte man in Europa noch nicht viel von der mongolischen Expansion mitbekommen, und so traf man keine Vorbereitungen. Die Großoffensive der Mongolen begann 1237 gegen die russischen Fürstentümer. Im Dezember 1240 eroberten sie Kiew, bevor sie im April des nächsten Jahres erst eine deutsch-polnische Armee bei Liegnitz schlugen und dann König Bela IV. von Ungarn bei Mohi vernichtend besiegten. Indes scheiterte Papst Gregor IX. bei seinem Ver-such, eine Allianz der europäischen Mächte zu bilden an deren gegenseitigen Streitigkeiten.[7]

Weiter nach Westen stießen die Mongolen allerdings nicht vor, da die Nachschublinien ansonsten zu stark überdehnt worden wären. Der Tod Großkhans Ögödei im Dezember 1241 veranlasste den Heerführer Batu dann endgültig, die Offensive zu beenden und nach Karakorum zurückzukehren, während er seine Stellung in Russland festigte.[8] Nach dem Abzug der Mongolen sandte Papst Innozenz IV. einige Gesandtschaften in die Mongolei. Deren vornehmlichen Ziele waren der Versuch der Bekehrung, sowie die Spionage, d.h. die „Erforschung der Lebensumstände und Kriegstechnik.“[9] Johannes von Plano Carpini kam 1246 zum Großkhan Güyük. Durch seine detaillierte Berichterstattung konnte er die Gerüchte um Johann den Priesterkönig zurückdrängen, aber diplomatisch brachte seine Reise nicht viel denn Güyük forderte in seinem Antwortschreiben den Papst auf, „seine Oberherrlichkeit anzuerkennen.“[10] Ascelinus der Dominikaner schlug die selbe Richtung ein und traf 1247 in Täbriz auf Baidschu, konnte aber aufgrund seines undiplomatischen Verhaltens nichts erreichen. Aber wie kamen die Mongolen überhaupt nach Täbriz?

Im Jahre 1190 einte Dschingis Khan die Stämme der mongolischen Steppe. Er reformierte seine Streitmacht und erreichte strengere Disziplin. Außerdem konnten nun auch Nicht-Mongolen, die der Armee beigetreten waren, Ansehen erreichen, denn die Beute wurde nach Loyalität verteilt. So gelang es Dschingis Khan Nordchina und Zentralasien zu erobern. Von ihm ging auch der Befehl aus, die ganze Welt zu unterwerfen. Wer sich nicht freiwillig unterwarf, wurde zerstört. Dschingis Khan teilte sein Reich zwischen seinen Söhnen auf, wobei allerdings die übergeordnete Stellung des Großkhans erhalten blieb. Nach seinem Tod 1227 wurde sein Sohn und Wunschnachfolger Ögödei neuer Großkhan. Dieser führte die Eroberungen fort und zwar nach Russland, China, sowie nach Nordwestpersien. Die Offensive nach Persien begann im Winter 1230 und führte nach Aserbaidschan, was wegen seiner Weidegebiete wertvoll war. 1235 fiel Georgien und 1239 die Hauptstadt von Großarmenien. 1243 unterwarf sich das Rum-Seldschukenreich und wurde Protektorat, während die Mongolen sich nach Täbriz zurückzogen.

Im Jahre 1241 war nämlich Großkhan Ögödei gestorben. Seine Frau führte die Regentschaft weiter und begünstigte ihren Sohn Güyük, der 1246 gegen den Willen Batus von der Stammesversammlung zum neuen Großkhan bestimmt wurde. Güyük starb allerdings schon 1248 und so gelang es Möngke mit Hilfe Batus an die Macht zu kommen.[11] Die Nachkommen Ögödeis und Tschagatais wurden entmachtet und die Aufspaltung des Mongolenreichs nahm zu. Möngkes Bruder Hülägü wurde zur Eroberung Persiens ausgesandt, während Möngke mit Khublai die Expansion in China voran treiben wollte.

Nach Möngkes Tod 1259 kam es zum Bruderkrieg zwischen Arigh Böke, der von Möngke als sein Nachfolger gewünscht war, und Khublai. Jener befehligte zu dem Zeitpunkt einen Großteil der mongolischen Truppen in China und deswegen genoss er „größere Unterstützung unter den Heerführern.“[12] Im Jahre 1261 besiegte er Arigh Böke und verlegte die Hauptstadt von Karakorum nach Peking. Mittlerweile war das Reich in mehrere kleinere Reiche zer-splittert, die faktisch unabhängig voneinander waren. Der neue Großkhan Khublai herrschte direkt über China, die Mandschurei, die Mongolei, Ostturkmenistan, Tibet, und Korea. Berke, der Nachfahr Jochis kontrollierte die russischen Fürstentümer, den Nordkaukasus und Nordwestusbekistan.[13] Sein Herrschaftsgebiet wurde als Reich der Goldenen Horde bezeichnet. Hülägü beherrschte das Ilkhanat, das im Mongolenreich „das schwächste Glied dar[stellte].”[14] Die Nachkommen Tschagatais regierten Kirgisistan, Usbekistan, Süd- und Ostkasachstan, sowie Nordafghanistan. Auch in den 1260er Jahren kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen diesen Teilreichen, was den Niedergang der Mongolen natürlich beschleunigte.

[...]


[1] Lupprian, Karl-Ernst: Die Beziehungen der Päpste zu islamischen und mongolischen Herrschern im 13. Jahrhundert anhand ihres Briefwechsels, Vatikanstadt 1981, S.32.

[2] Lupprian: Die Beziehungen der Päpste zu islamischen und mongolischen Herrschern, S.39.

[3] Vgl. Joinville, Jean de: Das Leben des heiligen Ludwig. Die Vita des Joinville, hrsg. v. Erich Kock, aus dem franz. übers. v. Eugen Mayser, Düsseldorf 1969, S.164.

[4] Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, 7. Aufl., Stuttgart / Berlin / Köln, 1989 [11965], S.232.

[5] Vgl. al-Dīn, Rashīd: The Successors of Genghis Khan, aus dem persischen übers. v. John Andrew Boyle, New York / London 1971, S.233

[6] Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, aus dem engl. übers. v. Peter de Mendelssohn, München 1968 [engl. Original: A History of the Crusades, Cambridge 1950 / 1954], S.1031

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. Lupprian: Die Beziehungen der Päpste zu islamischen und mongolischen Herrschern, S.47.

[9] Lupprian: Die Beziehungen der Päpste zu islamischen und mongolischen Herrschern, S.48.

[10] Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, S.1036.

[11] Vgl. Morgan, David: The Mongols, Malden 1986, S.142.

[12] Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, S.1087.

[13] Vgl. Allsen, Thomas T.: Culture and Conquest in Mongol Eurasia, Cambridge 2001, S.24.

[14] Brent, Peter: Das Weltreich der Mongolen, aus dem engl. übers. v. Horst Kube, Bergisch Gladbach 1977 [Engl. Original: The Mongol Empire, London 1976], S.180.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Rettung oder Fluch? Die Rolle der Mongolen in den politischen Entwicklungen des Nahen Ostens im Hochmittelalter
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Die Entdeckung Ostasiens im Mittelalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V45054
ISBN (eBook)
9783638425278
ISBN (Buch)
9783638750509
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rettung, Fluch, Rolle, Mongolen, Entwicklungen, Nahen, Ostens, Hochmittelalter, Entdeckung, Ostasiens, Mittelalter
Arbeit zitieren
Andreas Meier (Autor), 2005, Rettung oder Fluch? Die Rolle der Mongolen in den politischen Entwicklungen des Nahen Ostens im Hochmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45054

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