Das Reich der Azteken. Eine mesoamerikanische Hochkultur


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bezeichnung und Herkunft

3. Das aztekische Reich
3.1. Das Land
3.2. Soziale Infrastruktur

4. Religion und Kult

5. Die politische Ordnung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mayas, Inkas, Azteken: Ahnen und Ureinwohner der amerikanischen Kontinente und Völker einer mystischen, fremdländischen Kultur. Oftmals werden diese Hochkulturen der “Neuen Welt“ in einen Topf geworfen, doch unterscheiden sie sich durch mehr als nur ihre geographische Lage. Um genau eine dieser fremden Kulturen soll es in dieser Arbeit gehen. Sie soll den Versuch wagen die komplexe, überaus faszinierende Hochkultur der Azteken in einem kurzen historischen Überblick darzustellen, eine Vorstellung von dem bevölkerten Areal des aztekischen Reiches, ihrer politischen Organisation und Gesellschaftsstruktur zu vermitteln, sowie ihre religiösen Bräuche und Glaubenssysteme aufzuzeigen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf der Hochphase der Azteken unter der Regentschaft von Moctezuma II. und des Aztekischen Dreibundes. All dies zwangsläufig hinführend zum überaus raschen Untergang des Aztekenreiches, herbeigeführt durch die spanische Eroberung und Kolonialisierung, welche in dieser Arbeit jedoch nicht genauer thematisiert werden soll.

Um diesem Vorhaben gerecht zu werden bedarf es einer umfassenden und kritischen Literaturrecherche, um eine möglichst genaue, wahrheitsgetreue und vor allem objektive Perspektive auf die Geschichte und das Leben der Azteken in Mesoamerika zu gewinnen. Dabei ist es durchweg nötig die Azteken als Volk aus ihrer Zeit heraus zu verstehen und sich bewusst zu machen, dass bis heute große Lücken in der Erkenntnismöglichkeit zu dem realen Leben der Azteken bestehen.

Wer also war dieses faszinierende, sagenumwobene Volk dessen Niedergang so plötzlich wie grausam durch die spanische Eroberung herbeigeführt wurde? Bevor wir versuchen darauf eine wissenschaftlich fundierte Antwort zu finden, ist es nötig, grundlegende Begrifflichkeiten zur Identität und Herkunft dieses indigenen Volkes zu klären.

2. Bezeichnung und Herkunft

Die Hochkultur der Azteken in Mesoamerika gelang erst durch ihren Niedergang, welcher durch die Spanier, angeführt von Hernán Cortés, herbeigeführt wurde, in das Blickfeld Europas. Die historisch wirklich fassbaren Nachweise über die Azteken reichen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Ihre Existenz vor diesem Zeitfenster verliert sich nach etwa 1 bis 2 Jahrhunderten in Sagen und Mythen, was ihre Geschichte als sehr kurzweilig erscheinen lässt.

Die einzigen Nachweise, die uns Informationen über die frühe Geschichte der Azteken zu liefern vermögen, stammen von ihnen selbst und zeichnen sich durch ihre deutlich erkennbare Selektivität und Ideologisierung aus. Ihre Geschichte, wie wir sie aus diesen Hinterlassenschaften festhalten können, unterlag der Zensur und Korrektur der Führer jener Zeit, dem was es in ihren Augen über die Azteken zu wissen geben sollte. Das entsprach im Großen und Ganzen einer vollständigen Legitimierung der damaligen bestehenden Ordnung, welche dem göttlichen Willen entsprach und daher nicht in Zweifel zu ziehen war (Prem 2006: 13).

Dieser undurchdringliche Filter mit dem wir uns daher konfrontiert sehen müssen, begegnet uns jedoch nicht nur in der frühen Geschichte. Auch der darauffolgende Untergang der Azteken und die Berichterstattungen und Nachweise dessen, zeichnen sich durch enorme individuelle Verzerrungen aus, um dem eigenen Zweck und Ziel zu dienen. Auf der einen Seite finden wir indianische Autoren, welche dazu tendierten ihre Ebenbürtigkeit mit den Staaten und Kulturen der Alten Welt zu unterstreichen und die Bedeutsamkeit des eigenen Volkes hervorzuheben, um damit ihre mögliche Rolle in einem geheimen, göttlichen Heilsplan aufzuspüren (Prem 2006: 13).

Konträr dazu standen die europäisch geprägten und ausgerichteten Autoren, deren Ziel es war, anhand ihrer Version der indianischen Vergangenheit, die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Eroberung, Christianisierung und Unterwerfung durch ihre Kolonialisierung aufzuzeigen. Damit sollte eine Grundlage zur Rechtfertigung ihrer grausamen Zerschlagung und ausbeutenden Unterdrückung geschaffen werden, um die aktuelle koloniale Situation und ihr Vorgehen zu legitimieren und ihr Rechtmäßigkeit zu verleihen (Prem 2006: 13).

Setzt man sich mit diesen Geschichtsdarstellungen auseinander, ist es wie offenbar wird, äußerst wichtig sich dieser Filter und Zensuren bewusst zu sein und sie aus diesem Wissen heraus zu bewerten und zu handhaben.

Kommen wir nun zum Gründungsmythos und der Bezeichnung dieses indigenen Volkes.

Die Bezeichnung „Azteken“, wie wir sie heutzutage verwenden um diese Volksgruppen zusammenzufassen, wurde erst im 18. Jahrhundert durch den jesuitischen Historiker Clavigero verbreitet und diesem mächtigen Reich zugeschrieben (Prem 2006: 10). Der Begriff - in der indigenen aztekischen Sprache Nahuatl: Azteca' – galt ursprünglich der Bezeichnung der Bewohner eines mythischen Ortes namens Aztlan, auf den die Bevölkerung der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán und der Stadt Tlatelolco ihren Urspung zurückführten. Die Völker dieser beiden Städte nannten sich jeweils Tenochca' und Tlatelolca' und führten den gemeinsamen Name Mexi'ca' (Prem 2006: 9f.).

Statt der damaligen Bezeichnung “Mexikaner“ setzte sich schließlich der Begriff Azteken durch, offenbar auch um Verwechslungen mit dem modernen Staatsvolk Mexikos zu vermeiden. Im engeren Sinne zählen zu dem indigenen Volk der Azteken die Bevölkerung der Hauptstadt Tenochtitlán und die der beiden Städte Texcoco und Tlacopán, welche gemeinsam den “Aztekischen Dreibund“ ergeben. Nach heutigem Standpunkt jedoch, wird die gesamte Bevölkerung des Beckens von Mexiko unter der Bezeichnung Azteken gefasst, sofern sie die aztekische Sprache Nahuatl sprach und keine präzisere Unterscheidung bezüglich ihres Wohnortes vonnöten war (Prem 2006: 10).

Welcher Gründungsmythos steckt hinter der Entstehung dieser besonderen Hochkultur?

Wir müssen an dieser Stelle von einem Mythos sprechen, weil der Ursprung der Azteken auch heute noch nicht geklärt ist und wir ebenso wenig eine genaue zeitliche Einordnung vorliegen haben. Einer uns bekannten aztekischen Legende nach machte sich das aztekische Volk etwa um das 14. Jahrhundert herum, unter der Führung ihres Gottes Huitzilopochtli, aus dem im Norden Mexikos gelegenen Aztlán auf, um den Texcoco-See in Zentralmexiko zu erreichen. Dort angekommen entdeckten die Azteken einen Adler, der auf einer kleinen Insel inmitten des Sees auf einem Kaktus saß und eine Schlange fraß. Sie erkannten darin eine göttliche Prophezeiung, nach derer sie an diesem Ort ihr neues Reich um die Haupstadt Tenochtitlán erbauen sollten (Brown 1992: 41). Das Bild der Prophezeiung finden wir noch heute im Wappen der mexikanischen Flagge als nationales Symbol Mexikos abgebildet.

Zur realistischen, historischen Datierung und Einordnung in einen Zeitstrahl der Entstehung, des Aufbaus des aztekischen Reiches und seiner Hauptstadt, gibt es in der Forschung unterschiedliche Auffassungen. Der erstmaligen Niederlassung der Azteken in Zentralmexiko wird ein Zeitfenster von etwa Mitte des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 14. Jahrhunderts eingeräumt. Dabei wird meist die Meinung vertreten, dass es sich bei der Ankunft der Azteken höchstwahrscheinlich um keine Erstbesiedlung handeln konnte. In der Archäologie wird dieser Zeitpunkt auf den Anfang der sogenannten „Middle Postclassic Period“ welche von 1150-1350 n. Chr. reicht, datiert. In dieser Epoche etablierten sich sowohl die meisten aztekischen Städte und Dörfer, als auch die ersten Dynastien (Smith 1996: 33).

3. Das aztekische Reich

3.1. Das Land

„Next morning, we came to a broad causeway and continued our march towards Iztapalapa. And when we saw all those cities and villages built in the water, and other great towns on dry land, and that straight and level causeway leading to Mexico, we were astounded. These great towns and cues [temple-pyramids] and buildings rising from the water, all made of stone, seemed like an enchanted vision from the tale of Amadis. Indeed, some of our soldiers asked whether it was not at all a dream. It is not suprising therefore that I should write in this vein. It was all so wonderful that I do not know how to describe this first glimpse of things never heard of, seen or dreamed of before.“ (Smith 1996: 1)

Anhand dieses Zitates von Bernal Díaz del Castillo (1495-1584), Verfasser von „Historia verdadera de la conquista de la Nueva España“ (1495) und beteiligter Soldat an der Eroberung und Kolonialisierung des aztekischen Reiches, bekommen wir einen Einblick in die Gedanken und Eindrücke, die sich den Spaniern auftaten als sie sich erstmals 1519 der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán näherten. Für die Spanier muss sich ein Anblick geboten haben, der sich gänzlich von allem unterschied was sie bis dahin kannten. Bernal Díaz del Castillo hinterließ mit seinem oben genannten Buch, verglichen mit anderen Berichterstattungen, die genauesten und ausführlichsten Aufzeichnungen, die es aus der damaligen Zeit von Augenzeugen gab. Er versuchte eine Gegenposition zu Berichten einzunehmen, die Hernán Cortés als die wichtigste Rolle in der Eroberung Mexikos darstellten und versuchten sein Vorgehen zu rechtfertigen.

Wie sah dieses Land aus, das Heimat einer Reihe komplexer, historischer Kulturen war und zur Aztekischen Zivilisation führte?

Bereits durch die Berichterstattungen, die von den Spaniern die 1519 in das Land einmarschierten, verfasst wurden, bekommen wir einen Eindruck von der Landschaft des Aztekenreiches, die für sie offenbar mühsam zu durchqueren war.

Bei den Azteken handelt es sich um eine mesoamerikanische Zivilisation. Mesoamerika beschreibt ein sehr charakteristisches, kulturelles Areal, das von Nord-Zentralmexiko bis zum pazifischen Costa Rica reicht. Die Entstehung dieses Areals als Lebensraum für verschiedenste Zivilisationen, nahm, wie in der Archäologie angenommen, ihren Anfang mit der Ausbreitung von Bauerndörfern ungefähr um 2,000 v. Chr. (Smith 1996: 6f.) Springen wir nun zu dem Jahr 1519 in dem die Spanier in das Land einfielen, so bietet sich uns in gesamt Mesoamerika eine große Anzahl verschiedenster Völker und Kulturen, die das Land besiedelten und einander sehr viel eher ähnelten, als denen der restlichen „Neuen Welt“. Sogar nach der spanischen Eroberung und Kolonialisierung schafften es die einheimischen mesoamerikanischen Völker, Teile ihrer fundamentalen Bräuche und Glaubensvorstellungen beizubehalten. Bis zum heutigen Tag werden in diesem Areal noch einige der indigenen Sprachen gesprochen, wie beispielsweise: Nahuatl, Yucatec Maya, Zapotec, Mixtec und Otomi (Smith 1996: 6).

Der Bereich den die Azteken zu ihrer Heimat machten, Zentralmexiko, ist besonders durch seine bergige Landschaft und seine großen Täler im Hochland gekennzeichnet, deren fruchtbarer Boden und ergiebige Ressourcen ein ideales Areal für die Ansiedlung der Azteken darstellte (Smith 1996: 9). Das “Tal von Mexiko“ oder auch “Becken von Mexiko“, bildete für die Aztekische Zivilisation das Zentrum, mit deren Hauptstadt Tenochtitlán und einer geschätzten Bevölkerungszahl von 1 Million im Jahr seiner Eroberung. Den umliegenden Tälern wird schätzungsweise eine Bevölkerung von 2 Millionen Azteken zugeschrieben (Smith 1996: 11). Die aztekische Hauptstadt im Becken von Mexiko - heute Mexiko-Stadt – lag in 2240 Metern Höhe, die außer im Norden von vulkanischen Bergketten bis zu einer Höhe von 5000 Metern umgeben war. Der abflusslose Texcoco-See nahm dabei den größten Teil ein und erstreckte sich über 70 Kilometer. Die Hauptstadt sowie andere kleinere Orte waren auf den zahlreichen Inseln innerhalb des Sees und an dessen Ufer gelegen (Prem 2006: 16).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Reich der Azteken. Eine mesoamerikanische Hochkultur
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Politik - und Religionsethnologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V451162
ISBN (eBook)
9783668843110
ISBN (Buch)
9783668843127
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reich, azteken, eine, hochkultur
Arbeit zitieren
Natalie Ruf (Autor), 2018, Das Reich der Azteken. Eine mesoamerikanische Hochkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451162

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