Die protestantische Ethik


Referat (Ausarbeitung), 2004

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung (Claudia Breisa)

II. Die Entstehung des okzidentalen Kapitalismus (Claudia Breisa)
1. Faktoren der Entstehung
2. Binnenmoral und Außenmoral
3. Die Ethik der Kirchen

III. Webers Religionssoziologie (Anke Seifert)
1. Die Magiefeindlichkeit und der westliche Kapitalismus
2. Die Alltagstauglichkeit der Religionen
3. Die lutherische Reformation
4. Der Calvinismus

IV. Schlussbemerkung (Anke Seifert)

I. Einleitung

Unter den von Max Weber geschaffenen soziologischen Arbeiten stel­len seine Ausführungen zur protestantischen Ethik und dem Geist des Kapitalismus ein besonderes Beispiel der angewandten Soziologie dar. Eigentlich eher durch Zufall fand Weber heraus, dass reiche Kapi­tal­besitzer, erfolgreiche Geschäftsleute und Führungspersönlichkeiten in Baden überdurchschnittlich oft Protestanten waren. Im Verlauf weite­rer Forschungen stellte er fest, dass dieses soziologische Phänomen immer in protestantisch und nie katholisch geprägten Gegenden auf­trat.[1] Die Erforschung dieses „Phänomens“ passt genau in die von Max Weber selbst definierte Arbeitsweise der Soziologie. Nach Weber versucht die Soziologie mit ihrer Forschung herauszufinden, „ob sie damit der historisch kausalen Zurechnung der kulturellen Erscheinungen einen Dienst leisten kann.“[2] Im Folgenden möchten wir die protestantische Ethik und Max Webers Religionssoziologie näher betrachten.

II. Die Entstehung des okzidentalen Kapitalismus

1. Faktoren der Entstehung

Zu Beginn seiner Erläuterungen versucht Weber einige, seiner Mei­nung nach, irrtümliche Schlussfolgerungen zur Entstehung des okzi­den­talen Kapitalismus aus dem Weg zu räumen. Demnach war die, vor allem zur Zeit der Industrialisierung, rapide wachsende Zahl der Bevölkerung nicht Ausschlag gebend für die Entstehung des Kapita­lis­mus im europäischen Raum. Doch ebenfalls genau in diesem Zeit­raum, zwischen dem Anfang des 18. Jahrhunderts und dem Ende des 19. Jahrhunderts, findet ein insgesamt großer, schneller Schritt in der Weiterentwicklung der okzidentalen Bevölkerung statt. Jedoch ist die Bevölkerungszunahme, laut Weber, nicht entscheidend, da z.B. China ebenfalls in dieser Zeit eine Bevölkerungszunahme „von mindestens gleicher Stärke erlebt“ hat.[3] Ein geringeres Wachstum innerhalb der Bevölkerung hätte dem Kapitalismus auch nicht die entsprechenden Arbeitskräfte zuführen können. Innerhalb Europas fand dieses Wachs­tum vor allem innerhalb der Arbeiterschicht statt. In China, um ein Gegenbeispiel zu nennen, fand das gleiche Wachstum fast auss­chließ­lich innerhalb anderer Schichten statt. Es wurde so zu „einem Gewim­mel von Kleinbauern.“[4] Auch der Edelmetallzufluss ist nach Webers Meinung nicht entscheidend gewesen für die Entstehung des okziden­talen Kapitalismus. Hier führt er als Beispiel Indien an, wo große Men­gen Edelmetall ins Land strömten, dort aber in den Schatz­kammern der Regenten verschwanden und ebenfalls keine Form von Kapitalismus auslösten.[5] Begünstigend für die Entwicklung des Kapi­talismus im Okzident wirkten die innereuropäischen Verbindungs­wege zu Wasser und zu Land, sowie das Mittelmeer, die den inter­kontinentalen Handel enorm erleichterten.[6] Somit waren die Bevöl­kerungszunahme und der Zufluss von Edelmetallen Faktoren, aber nicht entscheidend für den okzidentalen Kapitalismus. Weber definiert die Entstehung des Kapitalismus folgendermaßen:

„Was letzten Endes den Kapitalismus geschaffen hat, ist die rationale Dauerunternehmung, rationale Buchführung, rationale Technik, das rationale Recht, aber auch nicht sie allein; es muss ergänzend hinzu­treten: die rationale Gesinnung, die Rationalisierung der Lebens­führung, das rationale Wirtschaftsethos.“[7]

Der Kapitalismus hatte also die besten Entstehungs- und Ver­brei­tungschancen zur Zeit der Industrialisierung. In früheren Zeiten, so Weber weiter, konnte er nicht entstehen, da das Denken der Menschen ein anderes war. Tief sitzender Traditionalismus band sie an einge­lebte Gewohnheiten, über lange Zeit hinweg angewöhnte Hand­lungsschemen.[8] Die Menschen hatten Angst, Änderungen in ihrem Leben zu tätigen, weil sie misstrauisch gegenüber magischen, schick­salhaften Nachteilen waren. Zudem befürchteten sie Nachteile mate­rieller Art, z.B. Einkommensverluste.[9] Hierbei handelt es sich laut Weber, soziologisch gesehen, nicht um sinnhaftes Handeln bzw. um einfaches, durch Generationen überliefertes, Sichverhalten.[10] Der heu­tige Erwerbstrieb ist nichts anderes als der in früheren Jahr­hunderten, jedoch haben die Menschen dort nicht an eine rationale Form der Wirtschaft gedacht. Weber führt als Beispiel die spanischen Eroberer Pizarro und Cortez an, denen es nur um die Menge des geraubten Goldes, nicht um dessen erneute Investition ging.[11]

[...]


[1] Korte, Hermann, Einführung in die Geschichte der Soziologie, 5. Aufl., Opladen 1999, S. 105

[2] Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft – Grundriss der verstehenden Soziologie, 19.-23. Aufl., Tübingen 1985, S.9

[3] Weber Max, Die protestantische Ethik I – Eine Aufsatzsammlung, Hrsg. Johannes Winckelmann, 8. Aufl., Gütersloh 1976, S. 358

[4] Weber Max, Die protestantische Ethik, S. 358

[5] Weber, Max, Die protestantische Ethik, S. 359

[6] Weber, Max, Die protestantische Ethik, S. 360

[7] Weber, Max, Die protestantische Ethik, S. 360

[8] Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft, S. 12

[9] Weber, Max, Die protestantische Ethik, S. 361

[10] Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft, S. 2

[11] Weber, Max, Die protestantische Ethik, S. 361

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die protestantische Ethik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autoren
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V45122
ISBN (eBook)
9783638425803
ISBN (Buch)
9783656519911
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis
Schlagworte
Ethik
Arbeit zitieren
Anke Seifert (Autor)Claudia Breisa (Autor), 2004, Die protestantische Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45122

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