Stadtbilder aus der Sicht María Zambranos


Hausarbeit, 2018
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Maria Zambrano und ihre Denkweise über Städte
2.1 Maria Zambranos Leben
2.2 Maria Zambranos Denkweise über Städte

3 Stadtbilder aus der Sicht von Maria Zambrano
3.1 Athen
3.2 Paris
3.3 Rom

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Una ciudad es el signo máximo de la cultura. Y no hay gran cultura que no esté simbolizada y dirigida por una gran ciudad. A cada ‘imperio’ histórico corresponde una. Mas, la grandeza suprema de una ciudad es la que no corresponde a ningún Imperio, a ningún poder, sino que resulta ser órgano de la cultura misma; el substrato de una civilización.1

Dieses Zitat von María Zambrano entstammt aus ihrem Text Una cindad:Paris, welchen sie während ihrer Zeit im Exil geschrieben hat und welcher 1957 in der Zeitschrift Lyceum erschienen ist. Maria Zambrano war eine spanische Philosophin, Lyrikerin und Essayistin, die viele ihrer Jahre im Exil leben musste auf Grund des Franco Regimes. In dieser Zeit verfasste sie viele verschiedene Texte, in denen die Philosophin kleine Portraits von Städten erschuf, in denen sie unter anderem selbst gelebt hat.2 Ihre Faszination für Städte hat schon früh in dem Artikel Ciudad ausente Ausdruck gefunden und exemplifiziert ihre Erfahrungen ihrer Kindheit in Segovia. Viele ihrer kurzen Essays sind autobiographische Betrachtungen von Städten, die die Städte zu einem ״konzeptuellen Schema, zu einem in sich stimmigen Bild werden [lassen] [...], das die Stadtbiographie oft unbekümmert durcheinander wirbelt, ohne sich notwendig an die engen Vorgaben der Stadtkarte zu halten“3. Für Zambrano sind nicht die geographischen Angaben einer Stadt wichtig, sondern für sie zählen die kulturellen Aspekte einer Stadt, welche durch die eigenen Erfahrungen, sowie Emotionen und Sinneseindrücke geprägt sein können. Zambrano bezieht sich zudem auf die antike Stadt und lässt immer wieder deutlich werden, dass die Stadt als kulturelle Stätte bei ihr im Vordergrund steht und nicht als Machtzentrum.

In der vorliegenden Arbeit wird sich hauptsächlich mit den Städten Paris, Rom und Athen beschäftigt. Paris und Rom weisen jeweils einen bedeutenden Einschnitt in ihrer Biographie vor, wie zu Beispiel den Tod ihrer Mutter in Paris oder die Bezeichnung Roms als neue Heimat, was später ausführlicher beleuchtet wird. Athen hat für Zambrano keinen autobiographischen Bezug, jedoch ist die Stadt für die Philosophin eine Stadt par excellence, weshalb auch sie in die Untersuchung mit einbezogen wird. Bevor es zur Analyse der Stadtbilder aus Sicht Maria Zambranos kommt, wird kurz ein biographischer Überblick gegeben und versucht, die Denkweise der Philosophin gegenüber Städten zu erörtern. Als literarische Grundlage diente vor allem die Zeitschrift Aurora, welche mehrere Artikel über Maria Zambranos Denken über Städte publizierte. Das Weiteren wurde das Werk Maria Zambrano und die Stadt verwendet, welches Übersetzungen von Texten Maria Zambranos enthält und einige Anmerkungen, die die Texte kurz analysieren oder ergänzen.

2 Maria Zambrano und ihre Denkweise über Städte

2.1 Maria Zambranos Leben

Maria Zambrano wurde am 22. April 1904 in Vêlez Malaga geboren und ist am 6. Februar 1991 in Madrid gestorben. Als die Philosophin vier Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Madrid und von dort aus nach Segovia, wo sie den Großteil ihrer Jugend verbrachte.4 Von 1924 bis 1927 studierte sie Philosophie in Madrid und nahm unter anderem Teil an Kurse von José Ortega y Gasset, welcher ihr Mentor war. Ihr erstes Werk Nuevo del liberalismo veröffentlichte sie 1930 und ein Jahr später lehrte sie selbst Philosophie als Professorin in Madrid bis zum Jahre 1936. Während des spanischen Bürgerkriegs engagierte sich Zambrano auf Seite der Republikaner, so dass sie nach Francos Sieg 1939 ins Exil fliehen musste.5 Sie passierte unter anderem Paris, Havanna, New York und ließ sich letztlich in México nieder, um dort an der Universidad de San Nicoläs Philosophie zu unterrichten. In diesem Jahr begann Zambrano ihre aktive Phase als Schriftstellerin und die Zeit und die Erfahrungen im Exil prägten ihre Texte. Im Jahr 1946 reiste sie nach Paris, wo sie sich für kurze Zeit niederließ. Wenig später zog sie mit ihrer Schwester nach Rom, wo sie sich allerdings nicht lange aufhielten, da sie zurück nach Havanna musste.6 Doch 1953 kehrte sie nach Rom zurück und verweilte dort ca. 10 Jahre. Hier lernte sie viele italienische Intellektuelle kennen und anderen spanische Exilanten. Ihre Zeit im Exil prägte Maria Zambrano sehr und den Großteil ihrer literarischen Werke verfasste sie als Ausgestoßene. Obwohl sie erst 1984 nach Spanien zurückkehrte, wurde ihr Werk bereits drei Jahre früher mit dem Premio Principe de Asturias ausgezeichnet und 1988 erhielt sie als erste Frau den Cervantespreis. Fünf Jahre später starb die Philosophin Maria Zambrano in Madrid.7

2.2 Maria Zambranos Denkweise über Städte

Maria Zambrano bezieht sich in ihren Texten vorwiegend auf drei Konzepte, die sie bei verschiedenen Städten anwendet. Sie geht zum einen auf den historischen Hintergrund ein und auf der anderen Seite erwähnt sie immer wieder die kulturellen Vorzüge einer Stadt. Doch nicht nur kulturell und historisch betrachtet sie ihre Städte, sondern auch als Individuum, welches ihre eigenen Charakteristika vorweist. Sie zieht Parallelen zwischen Städten und Individuen und vergleicht diese. Für sie hat die Stadt selbst Lebenserfahrungen, welche sich beispielsweise anhand der Ruinen nachvollziehen lassen.

Gerade diese eben spielen bei Zambranos Denken eine große Rolle, denn sie sind der Spiegel der Geschichte.

La contemplación de las ruinas lia producido siempre una peculiar fascinación, sólo explicable si es que en ella se contiene algún secreto de la vida [...] Y las ruinas producen una fascinación derivada de ser algo raro: una tragedia más sin autor. Una tragedia cuyo auto es simplemente el tiempo; nadie la lia hecho, se lia hecho.8

Sie zeigen eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, in der sich das historische manifestiert. Zudem zeigen die Ruinen den Triumph der Natur über die Bauten der Menschen. Die Ruine wird von Maria Zambrano als Metapher verwendet, um die Wechselseitigkeit zwischen Natur und Geschichte aufzuzeigen. Diese Wechselseitigkeit lässt sich im Efeu der Ruinen erkennen, denn dieser verkörpert gleichzeitig Hoffnung und Scheitern: Das Scheitern, weil nicht alle Träume der Menschen Realität werden können, die Hoffnung, weil die Ruinen wiedergeboren werden.9 Eine perfekte Ruine vergleicht Zambrano mit einem antiken Tempel, einen Ort, an dem sich die Menschen dem göttlichen und Profanem gleichzeigt nahe fühlen können, ein Ort, der die Gemeinschaft fördert und die Menschen ihrer Einsamkeit teilen können mit den anderen.10 In diesem Zusammenhang stellt Maria Zambrano zugleich die Verbindung zur antiken Stadt her, welche für sie den Ursprung des Staates darstellt. Die antike Stadt, damals unter dem Begriff Polis zusammengefasst, gründete sich um einen Tempel herum, welcher das Zentrum der Polis darstellte.11 Die Stadt fugierte als Tempel, mit dem Unterschied, dass der ursprüngliche Tempel den Göttern Vorbehalten war, dieser jedoch den Menschen. Die Stadt glich einem offenen Tempel, der die Menschen in sich aufnahm und bildet so einen kreativen Brennpunkt.12

Berücksichtigt man die Verbindung zwischen Ruinen und Polis bei Zambrano und zieht heran, dass sie sehr gute Kenntnisse über die Antike verfügt, ergibt sich, dass für die Philosophin die Stadt an erster Stelle ein Schauplatz der Geschichte ist. Doch die Stadt spiegelt diese nicht nur wieder, sondern entwickelt sich auch immer weiter, indem die Menschen etwas Neues erschaffen. Die Stadt wächst und ist somit Heimat der Entwicklung: ״[...] la ciudad no es sólo historia, sino lugar de algo que engendra13 Für sie sind Städte das kreativste, was die Menschheitsgeschichte zu bieten hat und es gibt wenige Dinge, die dieses Schaffen übertreffen. Städte sind die Orte, in denen die Schöpfung des menschlichen Geistes sichtbar wird und die Bewohner ihre Träume verwirklichen können.14 Zambrano meint mit Geschichte nicht nur die Geschichte, die die Menschen erlebt haben, sondern die Geschichte der Städte, in diesem Zusammenhang vor allem die Traditionen, welche eine Stadt entwickelt: die Sprache, Gewohnheiten, bestimmte Formen des Ausdrucks, der Lebensstil, welcher in jeder Stadt einzigartig ist.15 Hier zieht sie gleichzeitig eine

[...]


1 Zambrano, María: ״Um ciudad: Paris“, in: Aurora 2 (1992), s. 129 - 132. [Zuerst publiziert in: Lyceum 26 (1951), s. 13 - 17.]

2 Vgl. Erdozáin, Isabel Am, Gómez-Montero, Javier: Maria Zambrano - Europa und die Stadt. Gesammelte Aufsätze. Kiel: Ludwig Verlag 2015, s. 261.

3 Gómcz-Montcro: Maria Zambrano, s. 262.

4 Vgl. https://www.cervantes.es/bibhotecas_documentacion_espanol/biograf1as/roma_maria_zambrano.htm

5 Vgl. https://www.cervantes.es/bibhotecas_documentacion_espanol/biograf1as/ron1a_maria_zambrano.htm

6 Vgl. https://www.cervantes.es/bibhotecas_documentacion_espanol/biograf1as/roma_maria_zambrano.htm

7 Vgl. https://www.cervantes.es/bibhotecas_documentacion_espanol/biograf1as/roma_maria_zambrano.htm

8 Zambrano, Maria: ״El hombre y lo divino“, in: Moreno Sanz, Jesús (Hgg.): Obras completas. Libros (1955 - 1973). Barcelona^ Galaxia Gutenberg 2011, s. 99 - 359, hier s. 171.

9 Vgl. Tarantino, Stefania: ״Ciudad histórica y ciudad del alma“, in: Aurora 2 (1999), s. 31 - 34, liier S. 34.

10 Vgl. Zambrano, Maria: ״La ciudad, creación histórica“, in: Aurora 3 (2001), S.140 - 141, liier 141. [Zuerst publiziert in: Semana, Puerto Rico 1964.]

11 Vgl. Gómcz-Montcro: Maria Zambrano, s. 266.

12 Zambrano: Paris/. Iumrą 2, s. 129.

13 Zambrano, María: ״Un lugar de la palabra: Segovia“, in: Moreno Sanz, Jesús (Hgg.): Obras completas. Libros (1955 - 1973). Barcelona: Galaxia Gutenberg 2011, s. 787 - 802, luer s. 788. [Zuerst publiziert in: Papeles de Son Armadans 98 (1964), s. 187 - 198.]

14 Vgl. Zambrano: La ciudad, creación histórica/. Iurora 3, liier 140.

15 Vgl. Zambrano, María: ״La ciudad“, in: Aurora 3 (2001), s. 141 - 142, liier s. 142.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Stadtbilder aus der Sicht María Zambranos
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V452145
ISBN (eBook)
9783668847224
ISBN (Buch)
9783668847231
Sprache
Deutsch
Schlagworte
María Zambrano, Stadtbilder
Arbeit zitieren
Isabelle Warnke (Autor), 2018, Stadtbilder aus der Sicht María Zambranos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452145

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Stadtbilder aus der Sicht María Zambranos


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden