Theorie und Empirie von Present-Bias-Experimenten. Schnittmengen, Probleme, Herausforderungen


Seminararbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Wohlfahrtsanalyse
2.2 Commitment

3. Das Effort-Experiment
3.1 Aufbau
3.2 Ergebnisse

4. Diskussion von Theorie und Empirie

5. Fazit und Ausblick

A. Anhang

B. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zeitinkonsistenz betrifft unseren Alltag in fast allen Lebensbereichen, seien es die guten Neujahrsvorsätze oder der Wunsch, endlich das Rauchen aufzugeben; nur selten sind diese Vorhaben von Erfolg gekrönt. Die Folgen dynamischer Zeitinkonsistenz können sowohl auf persönlicher als auch auf volkswirtschaftlicher Ebene große Schäden anrichten, weswegen es nicht verwunderlich ist, dass ein breites wissenschaftliches Spektrum ein großes Interesse daran hat, Inkonsistenzen detailliert zu analysieren.

Die Volkswirtschaftslehre fragt sich, ob sich beobachtete Zeitinkonsistenz modelltheoretisch integrieren lässt und inwiefern Individuen sich ihrer Inkonsistenz bewusst sind (Sophistication). Nicht zuletzt versucht sie, Auswirkungen inkonsistenten Verhaltens auf die Wohlfahrt zu erforschen und die Frage zu beantworten, welche Rolle die Möglichkeit der Selbstbindung spielt (Commitment).

Diese Seminararbeit setzt den Fokus auf experimentell beobachtbare Zeitinkonsistenten bezüglich Anstrengungen und geht der Frage nach, inwiefern theoretische Überlegungen zur Zeitinkonsistenz mit empirischen Ergebnissen harmonieren; weiter soll diskutiert werden, welche forschungsrelevanten Probleme entstehen und wie diese gelöst werden könnten.

Zunächst werden wir die Überlegungen von O'Donoghue und Rabin (1999) betrachten, die Verhalten und Wohlstandsimplikationen von drei Konsumententypen analysieren; anschließend fokussieren wir uns auf die Beobachtungen eines Experiments von Augenblick et al. (2013), das dynamische Inkonsistenzen bezüglich Anstrengungen untersucht.1

2. Theoretische Grundlagen

Modelltheoretische Grundlage ist ein Zeitverlauf mit T Perioden, in denen der Konsument jeweils die Entscheidung trifft, eine Aktion auszuführen oder zu warten; die Aktion kann nur einmalig ausgeführt werden. Der Konsument wählt also in jeder Periode zwischen Ausführung und Warten, um seine Nutzenfunktion zu maximieren. Wir betrachten die Beta-Delta- Nutzenfunktion des Konsumenten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei U' den aufsummierten Nutzen zukünftiger Perioden darstellt und τ die Periode repräsentiert, in der unser Konsument die Aktion ausführt; mit <5 implementieren wir einen zeitkonsistenten Diskontfaktor, für den wir aus Gründen der Einfachheit zukünftig (5 = 1 annehmen. Vorrangig interessieren wir uns für den Present-Bias-Faktor ß, der zeitinkonsistentes Diskontieren repräsentiert. Für alle ß < 1 sprechen wir von Present-Bias-Präferenzen.

Unser Konsument maximiert in jeder Periode als separater Agent seinen Nutzen, wobei sein Zukunfts-Selbst zukünftige Entscheidungen kontrolliert. Wir sprechen von zeitkonsistenten Konsumenten (Kons), falls ß = 1 gilt. Ist der Konsument present-biased, sich aber bewusst, dass seine zukünftigen Präferenzen von seinen heutigen Präferenzen abweichen, sprechen wir fortan von Sophis.2 Ist der Konsument present-biased sowie der Überzeugung, dass sein zukünftiges Verhalten seinem heutigen Verhalten entspricht, sprechen wir von naiven Konsumenten (Naives).

Zudem existieren in unserem Modell Kosten und Erträge. Wird der Ertrag ϋ umgehend nach Ausführung fällig, die Kosten c jedoch erst in Endperiode T, sprechen wir vom Fall der sofortigen Kosten. Tauschen wir die Bedingungen für ΰ und c, so sprechen wir vom Fall der sofortigen

Erträge. Beispielhaft für den Fall der sofortigen Kosten betrachten wir die Nutzenfunkton

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Befinden wir uns im oberen Fall, betrachtet der Konsument seinen Nutzen aus Sicht der Periode, in der er ausführt; die Kosten c fallen sofort an, die Erträge ϋ aber erst in der Zukunft; entsprechend werden die zukünftigen Erträge mit ß diskontiert. Im unteren Fall, die Ausführung ist zukünftig, fallen sowohl Kosten als auch Erträge in der Zukunft an, sodass wir sowohl ϋ als auch c diskontieren. In dieser Arbeit wird nur der Sofortige-Kosten- Fall betrachtet.

Nun betrachten wir verschiedene Lösungsmöglichkeiten dieses Nutzenmaximierungsproblems, abhängig vom Konsumententyp:

Kons wählen stets die ergebnismaximierende Periode (max ϋτ - cf).

Naives verfolgen denselben Lösungsansatz, da zwar ß < 1 gilt, sie sich jedoch für zeitkonsistent halten. Aufgrund ihrer Present-Bias-Präferenzen neigen sie zur Prokrastination; sie warten mit der Ausführung - verglichen mit Kons - also zu lange (TKons < TNaives).

Sophis verfolgen, bedingt durch die Antizipation ihrer Selbstkontrollprobleme, eine andere Lösungsstrategie; sie wählen mittels Rückwärtsinduktion die Periode, die sie gegenüber der Periode besserstellt, die sie aufgrund ihres Present-Bias hypothetisch gewählt hätten. Angesichts pessimistischer Erwartungen rechnen sie also damit, dass ihr zukünftiges Selbst Fehlentscheidungen in Form von Prokrastination trifft und wählen deswegen stets eine frühere Periode als die Naives, um Fehlverhalten vorzubeugen (TSophis <

Bei Aussagen zu möglichen Ursachen müssen wir allerdings vorsichtig sein, denn die Entscheidungen der Sophis könnten zum einen durch ihren Present-Bias, zum anderen durch den Sophistication-Effekt, der jetzigen Erwartungshaltung über zukünftige Präferenzen, beeinflusst werden.3

Beispiel 1: Sei dt = {13,19,19} und ct = {4,9,12}, T=3 sowie ß =\- Daraus folgt, dass T-Kons 1/ tSophis 2/ T-Naives

Während Naives ihr zukünftiges Selbstkontrollproblem unterschätzen und bis zur Ausführung in Periode 3 prokrastinieren, antizipieren Sophis, dass sie aufgrund ihres Present-Bias bis Periode 3 warten würden, die sie schlechter stellen würde; folglich beugen sie diesem Verhalten durch Wahl von Periode 2 vor.

2.1 Wohlfahrtsanalyse

Ist die Wohlfahrt von Sophis höher als die Wohlfahrt der Naives? Als Vergleichswert definieren wir mit U°=ßT-cT den fiktiven Langzeitnutzen einer Periode 0, die durch gleiche Gewichtung aller Folgeperioden charakterisiert ist.4

Das Verhalten von Naives und Sophis unterscheidet sich lediglich in Perioden, in denen Naives aufgrund ihrer Naivität prokrastinieren, Sophis hingegen mehrfach wiederholte und wohlstandsmindernde Prokrastination vermeiden ( U¡ophis > ulives)■

Besonders interessant ist die Frage, ob bereits geringe Present-Bias- Präferenzen große Auswirkungen auf die Wohlfahrt haben können.

Sofern Kosten und Erträge durch eine Schranke X begrenzt sind, summieren Naives die durch wiederholte Fehlentscheidungen entstandenen - womöglich geringen - Wohlstandsverluste auf, während Sophis sich einmalig für Prokrastination entscheiden, wohlwissend, in welcher Periode sie ausführen werden.

[...]


1 Mit Anstrengungen bezeichnen wir zukünftig wenig spannende, nervige und nicht erfüllende Tätigkeiten; in Zukunft bezeichnen wir genanntes Experiment als ״Effort- Experiment".

2 Der gängige Begriff in der englischen Fachliteratur lautet ״Sophistication", weswegen wir diese Abkürzung wählen.

3 O'Donogue und Rabin (2012) unterscheiden zwischen dem ״pessimism effect" und dem ״incentive effect", die durchaus gegenläufig wirken können.

4 Wir erkennen, dass der Present-Bias-Faktor ß in der Langzeitnutzenfunkion keine Verwendung mehr findet.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Theorie und Empirie von Present-Bias-Experimenten. Schnittmengen, Probleme, Herausforderungen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institute for Applied Microeconomics (IAME))
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V452720
ISBN (eBook)
9783668850828
ISBN (Buch)
9783668850835
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Present-Bias, Present bias, Rabin, O'Donoghue, Time discounting, Doing it now or later, American Economic Review, hyperbolic discounting, present biased, Verhaltensökonomie, Bahavioral Economics, Experimental Economics, Sophistication, Zeitinkonsistenz
Arbeit zitieren
John-Lukas Langkamp (Autor), 2017, Theorie und Empirie von Present-Bias-Experimenten. Schnittmengen, Probleme, Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452720

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