Der Essay ist eine Antwort auf einen Beitrag des "European Network of Japanese Philosophy 2017", in dem es um einen Vergleich des Gottesverständnisses bzw. das Konzept des "Nichts" bei Meister Eckarts und dem japanischen Philosophen Nishitani Keji geht. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung zwischen Gott und Mensch, die durch Loslösung des Selbst erreicht werden kann, von dessen „Frieden“ vor allem in der buddhistischen Tradition oft gesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
Handeln aus dem Frieden des Nichts heraus
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay untersucht die philosophische Synthese zwischen dem Gottesverständnis von Meister Eckart und der Lehre des "Absoluten Nichts" der Kyoto-Schule, insbesondere unter Bezugnahme auf Nishitani Keiji. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der asketischen Abgeschiedenheit und der Notwendigkeit aktiven Handelns im modernen Alltag zu ergründen und die Rolle der menschlichen Intention im Einklang mit einem göttlichen Prinzip zu hinterfragen.
- Verbindung zwischen mystischer Kontemplation und Alltagspraxis
- Differenzierung zwischen Gott und Gottheit bei Meister Eckart
- Vergleich der Intentionslosigkeit mit dem Zen-buddhistischen "Nicht-Geist"
- Die Problematik des Bösen und des Leids aus der Perspektive des "Nichtseienden"
- Transformation des Ego-Willens in einen göttlichen Willen durch Liebe und Bewusstheit
Auszug aus dem Buch
Handeln aus dem Frieden des Nichts heraus
In der Zurücknahme unseres eigenen Willens, in der Loslösung, können wir also von Gottes Willen erfüllt werden, so Eckart. Dabei geht es jedoch nicht um ein friedliches Verweilen im Zustand höchster und eben abgeschiedener Meditation, so meine Meinung, sondern es geht erst recht darum, tätig zu werden. Bei Eckart ist dabei die Intentionslosigkeit des Handelns essentiell, kein „warum und wozu“: Entgegen unserer Vorstellungen in der modernen westlichen Gesellschaft, wir müssten unser Leben mit Zielen und Leistungsoptimierung des Selbst gestalten, geht es nicht um das Abschweifen in die Zukunft, sondern um das Jetzt. Im Jetzt liegt das einzige Seiende und somit die Wahrheit. Hier geschieht das Handeln um des Handelns Willen, das Schaffen um des Schaffens Willen, weil es nicht mit der Intention auf ein späteres Ziel oder zur Befriedigung eines Bedürfnisses geschieht. Diese Intentionslosigkeit könnte mit dem japanischen „Nicht-Geist“ verglichen werden, der im Zen-Buddhismus eine zentrale Rolle spielt und ebenfalls auf ein spontanes, befreites Handeln im Jetzt verweist.
Nach Meister Eckart gründen alle Gedanken an die Vergangenheit und die Zukunft in Unvernunft, da sie sich auf Nichtseiendes beziehen, und somit nicht vom Heiligen Geist erfüllt werden können. In Bezug auf diese Absichtslosigkeit, das Nicht-Beachten eines Vor und Nach, wird im Diskurs zu Eckarts Werk von einem „spirituellen Nihilismus“ gesprochen. Meiner Auffassung nach bezieht sich die Intentionslosigkeit der Handlungen während des Empfangens der göttlichen Gabe auf das Ego des Menschen, das nichts ohne Belohnung tun will.
Zusammenfassung der Kapitel
Handeln aus dem Frieden des Nichts heraus: Das Essay analysiert die Verbindung zwischen Meister Eckarts Mystik und dem japanischen Nichts-Begriff, um aufzuzeigen, wie ein tägliches Handeln aus der inneren Stille heraus möglich wird. Dabei wird die Bedeutung der Intentionslosigkeit und die Überwindung des Ego-Willens als Schlüssel für ein authentisches, göttlich inspiriertes Leben hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Meister Eckart, Kyoto-Schule, Nishitani Keiji, Abgeschiedenheit, Absolutes Nichts, Intentionslosigkeit, Zen-Buddhismus, Gottesverständnis, Gottheit, immanente Transzendenz, spiritueller Nihilismus, Ego-Wille, Heiliger Geist, Kontemplation, praktisches Handeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay grundsätzlich?
Das Essay verknüpft die mittelalterliche Mystik von Meister Eckart mit den philosophischen Konzepten der Kyoto-Schule, um Wege zu finden, wie spirituelle Tiefe mit den Anforderungen des modernen Alltags vereinbar gemacht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Natur Gottes, die Loslösung des Selbst (Abgeschiedenheit), der Umgang mit dem eigenen Willen sowie die Integration von Meditation und aktivem Wirken in der Welt.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, wie man aus einem Zustand der inneren Leere bzw. des "Friedens des Nichts" heraus handeln kann, ohne in einen spirituellen Nihilismus zu verfallen oder den Bezug zur physischen Realität zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende philosophische Analyse, die einen Vortrag über interkulturelle Philosophie (Eckart vs. Nishitani) als Ausgangspunkt für eine persönliche Reflexion und philosophische Auseinandersetzung nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung von Gott und Gottheit, der Intentionslosigkeit beim Handeln, der Rolle des Egos bei der Suche nach Sinn sowie der Frage, wie man das göttliche Prinzip im Alltag durch Liebe und Bewusstheit verkörpern kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Meister Eckart, Abgeschiedenheit, Absolutes Nichts, Intentionslosigkeit, Zen-Buddhismus und immanente Transzendenz.
Wie wird das "Nichtseiende" bei Meister Eckart in Bezug auf das Böse erklärt?
Das Böse wird als Mangel an Liebe definiert und dem "Nichtseienden" zugeordnet; durch Akzeptanz und Glauben kann man jedoch auch schwierige Situationen transformieren und als Bedingung für neues Wachstum begreifen.
Kann man den "Nicht-Geist" aus dem Zen-Buddhismus direkt mit Eckarts Lehre vergleichen?
Ja, der Autor vergleicht Eckarts Konzept der Intentionslosigkeit mit dem japanischen "Nicht-Geist", da beide auf ein spontanes und befreites Handeln im Jetzt abzielen, losgelöst von egozentrischen Zielen.
Warum ist Disziplin für den beschriebenen Weg so wichtig?
Die Distanzierung vom eigenen Ego-Willen und das Aufrechterhalten der Bewusstheit im Alltag sind ohne ein gewisses Maß an spiritueller Disziplin und Urvertrauen nicht dauerhaft realisierbar.
Was bedeutet der Satz "Das Sein ist Gott" im Kontext der Arbeit?
Diese Aussage unterstreicht die reziproke Beziehung zwischen Mensch und Gott; sie legt nahe, dass der Mensch ein machtvolles Einflussvermögen besitzt, Gottes Willen zu empfangen und schließlich selbst zu verkörpern.
- Quote paper
- Anna Lenz (Author), 2018, Handeln aus dem Frieden des Nichts heraus. Die Philosophie Meister Eckarts und Nishitani Keijis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453875