Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den Leserinnen und Lesern ein dem aktuellen Forschungsstand entsprechendes Bild über Aufstieg, Etablierung und Rolle von Albert Speer im NS-Regime aufzuzeigen. Vor allem soll die Frage beantwortet werden, inwieweit das sogenannte "Rüstungswunder" Wahrheit oder Fiktion in sich birgt.
Albert Speer ist der vermutlich ambivalenteste aller Protagonisten des NS-Regimes, was vordringlich der Tatsache geschuldet ist, dass er als eine der wenigen Führungspersönlichkeiten des „Dritten Reiches“ im Zuge der Nürnberger Prozesse nicht hingerichtet wurde und somit seine Legende als vom „Führer“ verführter Architekt und Technokrat eigenhändig stricken konnte. Während seiner zwanzigjährigen Haft in Spandau verfasste er zwei Memoiren, "Erinnerungen" und die "Spandauer Tagebücher", die in der Nachkriegszeit Auflagen in Millionenhöhe erreichten und überdies ein hohes Interesse im Ausland auf sich zogen. In seiner Rolle als Zeitzeuge und Insider der nationalsozialistischen Diktatur fungierte er nach seiner Haftentlassung häufig als Interviewpartner. Nach 1966 startete er eine zweite Karriere, indem er sich – mal distanzierend, mal reumütig – als mahnender Bekenner an die Nachkriegsgesellschaft wandte und als Kronzeuge für die Zeit der Terrorherrschaft auftrat, in der es niemandem – selbst ihm nicht – leichtgefallen war, rechtschaffen und integer zu bleiben. Viele Deutsche lasen derartige Geschichten gern, verhalfen sie ihnen doch dabei, persönliche Verantwortung für aktive Handlungen oder passives Unterlassen während dieser Zeit vor sich selbst und anderen zu legitimieren.
Es existieren heutzutage immer noch zwei divergente Bilder Albert Speers. Das eine zeichnet ihn als fleißigen Architekten und unpolitischen Technokraten, der stets nur seine Arbeit und seinen Profit im Blick hatte und von den Verbrechen um ihn herum unbehelligt blieb (an dem er selbst tüchtig mitgearbeitet hat), und das andere, wissenschaftlich fundierte Bild, das ihn als das darstellt, was er tatsächlich war: ein überzeugter und engagierter Nationalsozialist, Vertrauter Hitlers, Kriegslogistiker und Kriegstreiber, Rüstungsorganisator, Mitbetreiber der NS-Rassenpolitik und Zentralfigur des Eroberungs- und Vernichtungskrieges.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Aufstieg im Nationalsozialismus
- Speers Amtszeit als Minister
- Der Amtsantritt und der Ausbau der Machtposition.
- Speers wirtschaftliche Veränderungen.......
- Das Speersche „Rüstungswunder“.
- Fazit............
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das "Rüstungswunder", das Albert Speer zugeschrieben wird, und seine Rolle innerhalb des nationalsozialistischen Regimes. Die Analyse konzentriert sich auf Speers Aufstieg und seine Position im NS-System, seine Amtszeit als Minister und seine wirtschaftlichen Reformen sowie die Debatte um das "Rüstungswunder".
- Speers Aufstieg im Nationalsozialismus
- Speers Rolle als Minister und seine Reformen
- Der Mythos vom "Rüstungswunder"
- Speers Rolle in der NS-Rassenpolitik
- Die Debatte um Speers Verantwortung und sein Nachkriegsbild
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung stellt Albert Speer als einen der ambivalentesten Protagonisten des NS-Regimes vor und beleuchtet die Entstehung seiner Legende. Sie führt die zwei gegensätzlichen Bilder Speers ein, das eine als unpolitischen Technokraten, das andere als überzeugten Nationalsozialisten. Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Speers Memoiren und seiner späteren Karriere als Zeitzeuge.
- Aufstieg im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel zeichnet Speers Aufstieg innerhalb des NS-Regimes nach und beleuchtet seine engen Beziehungen zu Hitler und seine Position als Kriegslogistiker und Rüstungsorganisator.
- Speers Amtszeit als Minister: Dieses Kapitel befasst sich mit Speers Amtszeit als Minister und analysiert seinen Amtsantritt, den Ausbau seiner Machtposition und die von ihm eingeleiteten wirtschaftlichen Veränderungen.
- Das Speersche „Rüstungswunder“: Dieses Kapitel untersucht das "Rüstungswunder" und stellt die Entstehung und Persistenz dieses Mythos in Frage. Es analysiert die Kritik an Speers Rolle und die wissenschaftliche Rezeption des "Rüstungswunders".
Schlüsselwörter
Albert Speer, "Rüstungswunder", Nationalsozialismus, Kriegslogistik, Rüstungsorganisator, NS-Rassenpolitik, "Erinnerungen", "Spandauer Tagebücher", Zeitzeuge, Kriegswirtschaft, Mythos, Geschichte, Historiographie, Entmythologisierung.
Häufig gestellte Fragen
War das "Rüstungswunder" von Albert Speer real?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Produktionssteigerungen tatsächlich auf Speers Genie zurückzuführen waren oder ob es sich teils um eine geschickte Legendenbildung handelt.
Wie stellte sich Albert Speer nach dem Krieg dar?
Er stilisierte sich als unpolitischer Technokrat und verführter Architekt, der von den Verbrechen des NS-Regimes angeblich nichts wusste.
Welche Rolle spielten Speers Memoiren?
Seine Bücher „Erinnerungen“ und „Spandauer Tagebücher“ halfen ihm, seine Legende in der Nachkriegsgesellschaft zu festigen und Verantwortung von sich zu weisen.
Was sagt die moderne Forschung über Albert Speer?
Wissenschaftlich fundierte Bilder zeigen ihn als überzeugten Nationalsozialisten, engen Hitler-Vertrauten und zentralen Akteur des Vernichtungskrieges.
War Speer in die NS-Rassenpolitik involviert?
Ja, die Arbeit beschreibt ihn als Mitbetreiber der Rassenpolitik und als Verantwortlichen für die Organisation der Rüstung unter Einsatz von Zwangsarbeit.
- Arbeit zitieren
- Henning Isenberg (Autor:in), 2017, Albert Speer und seine Rolle im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453898