Spricht man heute von Familie, das Individuum von „sich und seiner Familie“, so kann damit eine Fülle von Gruppenstrukturen gemeint sein, die sich deutlich von der, in der Gesellschaft oft als „die Familie“ angesehene neolokale Gattenfamilie, unterscheidet. Gemeint sein kann:
Die Adoptivfamilie, die Ehe ohne Trauschein, eine eheähnliche Beziehung, die Ein-Eltern-Familie, eine Großfamilie, die Kernfamilie, eine kinderlose Ehe, eine Kommune, eine Lebensabschnittspartnerschaft, eine Patchwork-Familie, eine Pflegefamilie, eine SOS-Kinderdorf-Familie, eine Stieffamilie, die Wohngemeinschaft oder eine Zwei-Kern- Familie.
Häufig findet man nicht das heterosexuelle, in erster Ehe verheiratete Paar mit durchschnittlich zwei Kindern vor, sondern stößt auf eine Vielzahl anderer Familienformen. Angesichts dieser Fülle von Bezeichnungen für verschiedene Strukturen innerhalb einer verwandtschaftlichen oder nicht- verwandtschaftlichen Gruppe und der Tatsache, dass in amtlichen Statistiken zunehmend so genannte Singlehaushalte zu finden sind, liegt die Vermutung nahe „die Familie“ sei in einer Krise oder bereits vor ihrem Zerfall. Dass in Zeiten eines großen demografischen Wandels, zunehmender Mobilität und einer Individualisierung der Familie nicht länger am Bild der traditionellen Familie, in der Eltern und Kinder am gleichen Ort bis zur Vollendung der Ausbildung des Nachwuchses leben, in der Kinder nach dem Auszug eine eigene Familie gründen und schon statistisch dann nicht mehr als Familie gelten, festgehalten werden kann, ist eine logische Konsequenz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Familie- gestern und heute
2.1. Die Familie der Vergangenheit – Groß-, neolokale Kern-, „Normalfamilie“?
2.2. Bedingungen von Multilokalität – Der demografische Wandel
2.3. Zum Begriff der multilokalen Mehrgenerationenfamilie
3. Bedingungen und Begrifflichkeiten
3.1. Das Problem der amtlichen Statistik
3.2. Die Netzwerktheoretische Analyse
4. Der Familienzyklus - Anordnung, Einordnung und Auswirkungen
4.1. Der Familienzyklus – ein veraltetes Modell?
5. Immaterielle und materielle Transferleistungen in multilokalen Mehrgenerationenfamilien
5.1. Einführung
5.2. Immaterielle Transfers - Solidarität und Fürsorge
5.3. Materielle Transfers
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das moderne Konzept der multilokalen Mehrgenerationenfamilie und setzt dieses in Kontrast zu traditionellen, häufig als veraltet angesehenen Familienmodellen wie der „Normalfamilie“. Es wird hinterfragt, inwiefern staatliche Statistiken, die primär auf Haushaltsgrenzen basieren, die tatsächliche Beziehungsqualität zwischen Generationen abbilden können, und wie Solidarität sowie Fürsorge in räumlich getrennten Familienstrukturen gelebt werden.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem traditionellen Familienbild und dem Familienzyklusmodell.
- Analyse der Auswirkungen des demografischen Wandels auf Familienstrukturen.
- Diskussion der Unzulänglichkeiten amtlicher Statistiken in Bezug auf den Familienbegriff.
- Einführung der netzwerktheoretischen Analyse als Instrument zur Erfassung gelebter Beziehungen.
- Untersuchung von materiellen und immateriellen Transferleistungen zwischen den Generationen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Spricht man heute von Familie, das Individuum von „sich und seiner Familie“, so kann damit eine Fülle von Gruppenstrukturen gemeint sein, die sich deutlich von der, in der Gesellschaft oft als „die Familie“ angesehene neolokale Gattenfamilie, unterscheidet. Gemeint sein kann: Die Adoptivfamilie, die Ehe ohne Trauschein, eine eheähnliche Beziehung, die Ein-Eltern-Familie, eine Großfamilie, die Kernfamilie, eine kinderlose Ehe, eine Kommune, eine Lebensabschnittspartnerschaft, eine Patchwork-Familie, eine Pflegefamilie, eine SOS-Kinderdorf-Familie, eine Stieffamilie, die Wohngemeinschaft oder eine Zwei-Kern- Familie.
Häufig findet man nicht das heterosexuelle, in erster Ehe verheiratete Paar mit durchschnittlich zwei Kindern vor, sondern stößt auf eine Vielzahl anderer Familienformen. Angesichts dieser Fülle von Bezeichnungen für verschiedene Strukturen innerhalb einer verwandtschaftlichen oder nicht verwandtschaftlichen Gruppe und der Tatsache, dass in amtlichen Statistiken zunehmend so genannte Singlehaushalte zu finden sind, liegt die Vermutung nahe „die Familie“ sei in einer Krise oder bereits vor ihrem Zerfall.
Dass in Zeiten eines großen demografischen Wandels, zunehmender Mobilität und einer Individualisierung der Familie nicht länger am Bild der traditionellen Familie, in der Eltern und Kinder am gleichen Ort bis zur Vollendung der Ausbildung des Nachwuchses leben, in der Kinder nach dem Auszug eine eigene Familie gründen und schon statistisch dann nicht mehr als Familie gelten, festgehalten werden kann, ist eine logische Konsequenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Vielfalt heutiger Familienformen und kritisiert das veraltete Verständnis der „traditionellen Familie“ sowie die Aussagekraft amtlicher Statistiken in einer Zeit des demografischen Wandels.
2. Die Familie- gestern und heute: Dieses Kapitel setzt sich mit historischen Familienbildern, dem demografischen Wandel und dem Begriff der multilokalen Mehrgenerationenfamilie auseinander.
3. Bedingungen und Begrifflichkeiten: Hier werden die methodischen Probleme der amtlichen Statistik bei der Definition von Haushalt und Familie diskutiert und die netzwerktheoretische Analyse als Alternative vorgestellt.
4. Der Familienzyklus - Anordnung, Einordnung und Auswirkungen: Das Kapitel hinterfragt die Gültigkeit des Familienzyklusmodells angesichts moderner, flexiblerer Familienformen.
5. Immaterielle und materielle Transferleistungen in multilokalen Mehrgenerationenfamilien: Hier werden die verschiedenen Arten der Solidarität (strukturell, assoziativ, affektuell, funktional, konsensual, normativ) sowie materielle Unterstützungsleistungen analysiert.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das Modell der multilokalen Mehrgenerationenfamilie ein adäquateres Verständnis moderner Familienbeziehungen bietet als traditionelle Konzepte.
Schlüsselwörter
Multilokale Mehrgenerationenfamilie, Familienwandel, demografischer Wandel, Solidarität, Netzwerktheoretische Analyse, Familienzyklus, Generationenbeziehungen, Intimität auf Distanz, Transferleistungen, Familienform, Sozialisation, Haushaltsstatistik, Soziologie, Fürsorge, Lebensphase.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der modernen Familienform der multilokalen Mehrgenerationenfamilie und untersucht, wie Generationen trotz räumlicher Distanz solidarisch miteinander verbunden bleiben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Familienwandel, die Kritik an veralteten Modellen wie dem Familienzyklus, die Erfassung gelebter Beziehungen durch Netzwerktheorie sowie die Analyse von immateriellen und materiellen Transfers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass räumliche Trennung zwischen Generationen nicht mit dem Zerfall der Familie gleichzusetzen ist, sondern neue Formen der Solidarität hervorbringt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Untersuchungen und Studien sowie der Anwendung netzwerktheoretischer Ansätze zur Abbildung egozentrierter Netzwerke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung der Familie, die methodische Kritik an amtlichen Statistiken, die Reflexion des Familienzykluskonzepts und eine detaillierte Betrachtung von Solidarität und Transferleistungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Multilokalität, Generationenbeziehungen, Solidarität, Familienzyklus, Netzwerktheorie und Demografischer Wandel.
Warum ist das Modell des Familienzyklus für die Autorin problematisch?
Die Autorin betrachtet das Modell als zu starr, da es moderne Lebensentwürfe, multilokale Strukturen und die Vielfalt der Familienformen nicht ausreichend abbilden kann.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Haushalt und Familie?
Es wird verdeutlicht, dass Haushalte eine ökonomische bzw. statistische Einheit darstellen, während Familie als sozio-biologische Einheit verstanden werden muss, die nicht zwingend an einen gemeinsamen Wohnort gebunden ist.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Harenberg (Autor:in), 2005, Die multilokale Mehrgenerationenfamilie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45465