Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Literature - General

Implizite Homosexualität und Sex-Gender-Ambivalenz in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg"

Achill und seiner Freundschaft zu Patroclus. Warum kein Platz für die Minne zweier Männer war

Title: Implizite Homosexualität und Sex-Gender-Ambivalenz in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg"

Term Paper , 2018 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kevin Kiy (Author)

Literature - General
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Im Verlauf der Arbeit soll untersucht werden, wie Konrad die Beziehung zwischen Achill und Patroclus inszeniert und ob eine Form der homosexuellen Liebe implizit oder explizit ausgedrückt wird. Ebenfalls wird Augenmerk auf Konrads Konzeption von Männlichkeit und Weiblichkeit gelegt, welche insbesondere in der Achill-Deidamia-Episode zum Ausdruck kommt. Zunächst werden im folgenden Kapitel Begriffe aus der Geschlechterforschung, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit benutzt werden, kurz definiert und erläutert.

Sowohl der 2004 erschienene Film „Troy“ mit Brad Pitt als auch die in diesem Jahr veröffentlichte gleichnamige Netflix-Serie und ebenso der von Madeline Miller verfasste Roman „Das Lied des Achill“ sind Beispiele dafür, dass die antike Trojasage auch heute noch insofern ‚aktuell‘ ist, dass ihre Rezipienten Gefallen an ihr finden. Vor allem die beiden letzteren Beispiele behandeln eine Thematik, die im alten Griechenland als selbstverständlich aufgefasst wurde, nämlich die Liebe zwischen zwei Männern.

Viele antike Autoren, darunter Plato und Aeschylus, nahmen eine romantische Beziehung der antiken Waffenbrüder Achill und Patroclus an. Dass eben jene Beziehung, sowohl in der Serie „Troy“, als auch in Millers Roman thematisiert wird, ist in einem Zeitalter, in dem ‚Gender-Studies‘ so sehr wie noch nie zuvor im Fokus der Forschung und der Öffentlichkeit stehen, nicht verwunderlich. Innerhalb der mediävistischen Forschung ist der Blick auf die Geschlechterkonstellationen und die Geschlechterrollen nichts Neues. Während zuvor meist das durch Literatur vermittelte Frauenbild im Vordergrund stand, konzentrieren sich aktuelle Arbeiten immer häufiger auf literarisch vermittelte Konzepte von Männlichkeit. Konrads von Würzburg Trojanerkrieg ist einer der am häufigsten untersuchten, aus dem deutschen Mittelalter stammenden, Trojatexte und wahrscheinlich auch der größte: 40424 Reimpaarverse umfasst das Werk, wobei Konrad die Geschichte nicht mehr selbst beenden konnte und noch weitere 9412 Verse von einem anonymen Fortsetzer hinzugefügt wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gender Studies in der Mediävistik?

3. Die Achill-Deidamia-Episode

3.1 Konrads Konzeption von manheit, wîbheit und minne

3.2 Implizierte Homosexualität

4. Freundschaftsgeschichte der Waffenbrüder Achill und Patroclus

4.1 Gemeinsame Erziehung beim Zentauren Schyron

4.2 Erfundene Begrüßungsszene vor Troja

4.3 Die Totenklage des Achill um Patroclus

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Inszenierung der Beziehung zwischen Achill und Patroclus in Konrads von Würzburg Trojanerkrieg, wobei analysiert wird, inwieweit Konzepte von Männlichkeit, Weiblichkeit und homosexuellem Begehren innerhalb des höfischen und christlichen Rahmens des Epos verhandelt werden.

  • Analyse der geschlechtertheoretischen Konzepte von manheit, wîbheit und minne.
  • Untersuchung der Achill-Deidamia-Episode hinsichtlich Sex-Gender-Ambivalenz.
  • Deutung der Waffenbrüderschaft als konkurrierendes Liebeskonzept zur höfischen minne.
  • Betrachtung der Totenklage des Achill als Moment der Identitätsüberschneidung.

Auszug aus dem Buch

Die Achill-Deidamia-Episode

Der Begriff „Geschlecht“ ist in der mittelhochdeutschen Literatur ein essenzielles Element für die innere und äußere Motivierung des Erzählten und wird genau dann explizit thematisiert, wenn die Verhaltensweise einer einzelnen Figur dem antizipierten Verhaltensmuster des gesamten Geschlechts widerspricht und gegenübergestellt wird. Sowohl männlichen als auch weiblichen Handlungsträgern der Minnelyrik sind geschlechtstypische Zuschreibungen beigeordnet, die auf geschlechterstereotypischen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit basieren. Somit wird ein geschlechtsabhängiges Normen- und Rollenverständnis konstituiert, welches dem Leser auch in Konrads Trojanerkrieg immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Insbesondere während der Achill-Deidamia-Episode (~V. 13900-17400) wird die Konzeption von manheit und wîbheit explizit thematisiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Rezeption der Trojasage ein und formuliert das Ziel der Untersuchung der Geschlechterrollen und der Beziehung zwischen Achill und Patroclus bei Konrad von Würzburg.

2. Gender Studies in der Mediävistik?: Dieses Kapitel erläutert die Anwendbarkeit moderner Begriffe der Geschlechterforschung auf mittelalterliche Texte als Instrumentarium zur Analyse gesellschaftlicher Strukturverhältnisse.

3. Die Achill-Deidamia-Episode: Das Kapitel analysiert die explizite Thematisierung von manheit und wîbheit und untersucht, wie Achill durch die Verkleidung als Jocundille eine Sex-Gender-Ambivalenz verkörpert.

4. Freundschaftsgeschichte der Waffenbrüder Achill und Patroclus: Hier wird die Inszenierung der Freundschaft als treues Liebeskonzept analysiert, welches sich durch Verdopplung der Figuren und emotionale Gemeinsamkeiten von der höfischen minne absetzt.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Beziehung der Waffenbrüder als idealisierte Freundesminne konzipiert ist, die eine Alternative zum heteronormativen Liebesideal der Zeit darstellt.

Schlüsselwörter

Konrad von Würzburg, Trojanerkrieg, Achill, Patroclus, Gender Studies, manheit, wîbheit, minne, Freundschaftsliebe, Sex-Gender-Ambivalenz, Mittelalter, Geschlechterrollen, Deidamia, Höfische Literatur, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Darstellung der Waffenbrüder Achill und Patroclus in Konrads von Würzburg Trojanerkrieg vor dem Hintergrund mittelalterlicher Geschlechterkonzepte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Konzepte von Männlichkeit (manheit) und Weiblichkeit (wîbheit), die höfische Liebe (minne) sowie die Dynamik einer gleichgeschlechtlich konnotierten Freundschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, wie Konrad die traditionelle Geschichte um Achill und Patroclus durch ein alternatives Konzept der Freundschaftsminne umformt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt gender-theoretische Ansätze und literaturwissenschaftliche Analysen mittelalterlicher Textpassagen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Geschlechterbilder in der Deidamia-Episode sowie die Untersuchung der Waffenbrüderschaft anhand der gemeinsamen Erziehung, einer erfundenen Begrüßungsszene und der Totenklage.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Sex-Gender-Ambivalenz, triuwe, minne, Maskulinität und der Vergleich von Freundschafts- gegenüber Frauenminne sind essentiell.

Warum spielt die Achill-Deidamia-Episode eine so wichtige Rolle?

Sie dient als Basis für das Verständnis von Konrads Konzeption von Geschlecht, da Achill hier durch sein Crossdressing die binären Rollenmuster der Zeit dekonstruiert.

Welche Bedeutung hat die Totenklage für die These der Arbeit?

Die Totenklage fungiert als Höhepunkt der Verdopplung beider Figuren, in der Achill weiblich konnotierte Trauerriten übernimmt und dadurch die Einheit der beiden Freunde festigt.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Implizite Homosexualität und Sex-Gender-Ambivalenz in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg"
Subtitle
Achill und seiner Freundschaft zu Patroclus. Warum kein Platz für die Minne zweier Männer war
College
Ruhr-University of Bochum  (Institut für Germanistik)
Course
Konrad von Würzburg: Trojanerkrieg
Grade
1,0
Author
Kevin Kiy (Author)
Publication Year
2018
Pages
19
Catalog Number
V454822
ISBN (eBook)
9783668880412
ISBN (Book)
9783668880429
Language
German
Tags
Trojanerkrieg Konrad von Würzburg Gender Studies Mediävistik Achill minn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kevin Kiy (Author), 2018, Implizite Homosexualität und Sex-Gender-Ambivalenz in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454822
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint