Das in einem Seminar über Merleau-Ponty's "Phänomenologie der Wahrnehmung" zur Übung gedachte Essay thematisiert analytisch den IV. Abschnitt des II. Teils des Werkes, der sich der Solipsismus-Problematik zuwendet. Im Kontext von der entwickelten und stufenweisen phänomenologischen Beschreibung des Autors wird das Solipsismus-Problem mit dem Erleben des Menschen konfrontiert und so über die Auffassung des alter Ego als ein letztlich sensuell von sich selbst aus konkret erlebtes beschrieben. Merleau-Ponty geht so phänomenologisch gegen eine Thematisierung des Solipsismus vor, die als Vertreter des rein Abstrakt-Rationalen und somit des nur Gedachten ohne Bewusstsein für den konkreten Erlebnisinhalt bliebe. Für ihn bleibt trotz einer Orientierung seiner Beschreibung an den phänomenologisch motivierten Termini des 'Anderen' und der 'Koexistenz' ein "erlebter Solipsismus", der sich in der stets vorgängigen Wahrnehmung zeigt, letztlich "unübersteigbar", worauf das Essay final hinweist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Problematik der Unüberwindlichkeit des Solipsismus im erlebten Solipsismus Merleau-Ponty´s
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Problematik des Solipsismus im Kontext der phänomenologischen Wahrnehmungstheorie von Maurice Merleau-Ponty. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Vorgängigkeit der leiblichen Wahrnehmung gegenüber dem „objektiven Denken“ zwar die Welt erschließt, den Einzelnen jedoch in einem „erlebten Solipsismus“ verhaftet lässt, da die Erfahrung des Anderen stets auf die eigene Perspektive zurückbezogen bleibt.
- Phänomenologische Begegnung mit dem Anderen
- Kritik am „objektiven Denken“ und der kartesischen cogito-Argumentation
- Die Rolle der Zeitlichkeit und Sedimentation für das Weltverständnis
- Unterscheidung zwischen intellektualistischem und erlebten Solipsismus
Auszug aus dem Buch
Die Problematik der Unüberwindlichkeit des Solipsismus im erlebten Solipsismus Merleau-Ponty´s
Im IV. Abschnitt des II.Teils der „Phänomenologie der Wahrnehmung“ („Die Anderen und die menschliche Welt“) führt Merleau-Ponty die phänomenale Begegnung, d.h. vielmehr die Wahrnehmung des Anderen als vermeintlich Koexistierenden, der im Sinne eines alter ego ebenso Bewusstsein habe explizit in den §§ 45-48 ein. Über die Verquickung von natürlicher Zeit als „[…] in mir selbst […] von selbst verlaufende Zeit […]“ und der geschichtlichen als die konkrete oder bisweilen abstrahierte Ereignishaftigkeit „[…] meiner Vergangenheit […]“ steht das Naturobjekt und somit die Natur als Gesamtheit als „[…] mein personales Leben bis in sein Zentrum [D]urchdring[endes]“ und Verflechtendes da, liefert mir eine die Kulturgegenstände vor-stellende Umwelt, über deren mir sinnhaft schon erschlossene Funktionalität ihres Gebrauchs [ - im Sinne der Kulturwelt - ] die Sedimentation meiner personalen Akte erfolgt.
Die somit initiierte Teilhabe an einer Zivilisation bietet mir vor dem Hintergrund ihrer über die Sedimentation per werkzeughafter Kulturgegenstände ein vermeintliches Verstehen des Tuns des Anderen. „Letzten Endes wäre das Tun der Anderen immer von dem meinigen her zu verstehen, das Man oder Wir vom Ich her. Doch da liegt eben die Frage: Wie kann das Wort Ich einen Plural annehmen, wie ist die Bildung einer Allgemeinidee von Ich möglich, […], wie kann ich wissen, dass es andere Ich gibt, […] ?“ usw. Merleau-Ponty thematisiert hierüber also erstmals (für den IV.Teil seines Werkes geltend) in §45 die Begegnung mit dem Anderen um in §46 in Kontrastierung zum sogenannten „objektiven Denken“ das Wahrnehmungsbewusstsein als „Möglichkeitsgrund der Koexistenz“ freizulegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieser Abschnitt führt in die Thematik der Begegnung mit dem Anderen nach Merleau-Ponty ein und skizziert die methodische Untersuchung der Wahrnehmung.
2. Die Problematik der Unüberwindlichkeit des Solipsismus im erlebten Solipsismus Merleau-Ponty´s: Dieses Kapitel analysiert das Scheitern des objektiven Denkens an der Solipsismus-Problematik und begründet, warum die menschliche Erfahrung des Anderen stets im eigenen erlebten Horizont verhaftet bleibt.
Schlüsselwörter
Solipsismus, Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie, Wahrnehmungsbewusstsein, Alter Ego, Koexistenz, objektives Denken, Leiblichkeit, Mitwelt, Fremdwahrnehmung, Cogito-Argument, Sedimentation, Subjektivität, Bewusstsein, Existenzphilosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und wie die Wahrnehmung des Anderen innerhalb einer phänomenologischen Weltsicht möglich ist, ohne in einen unüberwindbaren Solipsismus zu verfallen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Wahrnehmung, die Konstitution von Welt, die Begegnung mit dem Anderen als "alter ego" sowie die Kritik an klassischen erkenntnistheoretischen Positionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Freilegung des Wahrnehmungsbewusstseins als „Möglichkeitsgrund der Koexistenz“ und die Aufdeckung der Grenzen dieses Ansatzes im Sinne des „erlebten Solipsismus“.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine phänomenologische Analyse auf Basis des Werkes „Phänomenologie der Wahrnehmung“ von Maurice Merleau-Ponty durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die §§ 45-48 aus Merleau-Pontys Werk, kontrastiert das objektive Denken mit der gelebten Wahrnehmung und diskutiert die Konsequenzen für die menschliche Gegenseitigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Solipsismus, Phänomenologie, Wahrnehmung, Alter Ego und Koexistenz definieren.
Warum bezeichnet Merleau-Ponty den Solipsismus als "erlebt"?
Weil er zwar intellektualistisch überwunden werden kann, in der praktischen, gelebten Erfahrung des Individuums jedoch bestehen bleibt, da alles Erleben von der eigenen Perspektive ausgeht.
Was bedeutet das "Postulat zweier einziger Seinsweisen" im Text?
Es bezieht sich auf die Trennung von An-sich-Sein (Objekt) und Für-sich-Sein (Bewusstsein), welche das objektive Denken als unüberbrückbare Kluft konstruiert und so das Problem des Solipsismus erst erzeugt.
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- Clemens Deparade (Author), 2006, Die Problematik der Unüberwindlichkeit des Solipsismus im erlebten Solipsismus Merleau-Pontys, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455035