Regimetypen von Wohlfahrtsstaaten. Deutschland im Vergleich


Akademische Arbeit, 2012

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Esping-Andersens Regimetypologie
2.1 Ausgangspunkt
2.2 Konzeptspezifikation und zentrale Begriffe
2.3 Wohlfahrtsstaaten-Modelle von Esping-Andersen

3. Regimetypus des deutschen Wohlfahrtsstaates

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Arbeitslosigkeit, Krankheit und Sicherung der Altersvorsorge.

Jeder Staat kennt diese Probleme und kämpft auf unterschiedliche Weise gegen sie an. In Deutschland kreisen die Diskussionen darum, ob die Höhe von Hartz IV ausreichend oder zu gering ist.

Aber wo liegt Deutschland im europäischen Vergleich? Gibt es Länder, die mehr zahlen als die Deutschen oder Länder, die vielleicht gar nicht für die Versorgung ihrer Bürger aufkommen?

Die Fragestellung greift die Regimetypen von Gøsta Esping-Andersen auf. Zielsetzung ist es herauszuarbeiten, welcher Typus in der Bundesrepublik Deutschland vorherrscht und inwieweit die Regimetypologie auf unseren Staat als Realtypus übertragbar ist.

Diese Hausarbeit wird versuchen, diese Fragen zu erörtern. Da die oben aufgeführten Probleme global auftreten, ist es die Aufgabe eines jeden Staates, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen und verschiedenen Typen von Wohlfahrtsstaaten sollen im Verlauf dieser Arbeit beschrieben werden.

Zu Beginn wird als Einführung die Regimetypologie von Gøsta Esping-Andersen vorgestellt, in der Konzeptspezifikation und zentrale Begriffe erläutert werden. Danach werden die drei von Esping-Andersen entwickelten Regimetypen beschrieben. Besondere Aufmerksamkeit wird hier dem „konservativ-korporatistischen Wohlfahrtsstaat“ geschenkt.

Im weiteren Verlauf wird die Regimetypologie der Wohlfahrtstaaten auf „Deutschland“ übertragen und anhand der von Esping-Andersen entwickelten Merkmale herausgearbeitet, welche Eigenschaften sich in der Bundesrepublik wiederfinden. Folglich werden charakteristische Kennzeichen des deutschen Sozialwesens herangezogen, um eine Einteilung vornehmen zu können. Dabei werden eventuell entstandene Veränderungen zu diesem Thema seit 1990 ergänzt und deren Auswirkungen geschildert.

Nachdem der Regimetyp des Wohlfahrtstaates für die Bundesrepublik Deutschland festgestellt wurde, folgt im Fazit die Überprüfung, inwieweit sich Esping-Andersens Regimetypus in der BRD wiederfindet.

2. Esping-Andersens Regimetypologie

Mit seiner 1990 verfassten Arbeit „The Three Worlds of Welfare Capitalism” hat der dänische Sozialwissenschaftler Gøsta Esping-Andersen im Bereich der international vergleichenden Wohlfahrtsstaatenforschung Maßstäbe gesetzt.1

Errichtet seine deskriptive und analytische Zielsetzung auf „Wohlfahrtsstaatsregime“. Esping-Andersen wählt den „Regime“-Begriff bewusst aus, um die internen Strukturen und Interdependenzen wohlfahrtstaatlicher Programme und Arrangements herauszustellen. Somit hebt er die „systematische Verwobenheit“ institutioneller und inhaltlicher wohlfahrtsstaatlicher Politikarrangements sowie deren Effekt auf die soziale Schichtung und Beschäftigungsstruktur hervor.2

Den Wohlfahrtsstaat will Esping-Andersen als Verbindung von Markt, Staat und Familie verstanden wissen.3 Seine Typologie „erfasst nicht nur die institutionelle Struktur, die Finanzierung und die verteilungspolitischen Kriterien der Sozialpolitik, sondern nimmt auch deren politökonomische Voraussetzungen und arbeitsmarktpolitischen Regulationsformen in den Blick“ (Busch 2008: 29).4

2.1 Ausgangspunkt

Zu Beginn der vergleichenden Studien der Wohlfahrtsstaaten ging man davon aus, dass man rein quantitativ von der Höhe der Sozialausgaben sein Wohlfahrtsengagement eines Staates ablesen könne. Dies kritisierte Gøsta Esping-Andersen als ungenügend und nichtssagend.5 Denn Sozialausgaben sind nicht gleich Sozialausgaben. So geben manche Länder viel Geld aus, welches privilegierten Staatsbediensteten zu gute kommt. Andere Gesellschaftgruppen werden unterdessen mit Abgaben belastet. Zudem kommt hinzu, dass die Summe der Sozialabgaben stets in engem Zusammenhang mit der sozioökonomischen Situation eines Landes steht.6

Esping-Andersens Zielsetzung war das Verfassen einer qualitativen Beschreibung und Klassifizierung der Wohlfahrtsstaaten, um zu zeigen, wann Staaten als Wohlfahrtsstaaten gelten sowie deren Unterscheidung voneinander.7

2.2 Konzeptspezifikation und zentrale Begriffe

Wie bereits zuvor erwähnt, ist nach Esping-Andersen das Verhältnis von Markt, Staat und Familie das kennzeichnende Merkmal der Wohlfahrtsstaaten. Je nach Land ist dieses Verhältnis äußerst unterschiedlich entwickelt in seiner spezifischen institutionellen Ausgestaltung.8

Die Gewährung sozialer Rechte unterscheidet sich ebenfalls qualitativ in deren Ausmaß beim Vergleich der Wohlfahrtsstaaten. Zur Überprüfung, ob soziale Rechte gewährt werden, bedient sich Esping-Andersen zweier Prinzipien: der Dekommodifizierung sowie der sozialen Stratifizierung.9

Arbeiter sind auf dem Markt vollständig von ihrem Marktpreis abhängig. Soziale Rechte sehen in diesem Fall die Dekommodifizierung als eine Bereitstellung alternativer, nicht vom Markt abhängiger Einnahmen für den Arbeiter vor. Diese werden durch die Sozialausgaben des Staates finanziert. Entscheidend hierbei ist, dass die Verteilungsfragen vom Marktmechanismus getrennt werden. Der Grad der Dekommodifizierung drückt aus, inwieweit sozialstaatliche Rechte als individuelle Rechtsansprüche garantiert werden. Dekommodifizierung setzt erst dann ein, wenn Arbeiter von ihrer Marktabhängigkeit befreit sind und durch gewährte Sozialleistungen ihr Leben bestreiten können.10

Die Entwicklung der dekommodifizierenden Rechte ist in den Wohlfahrtsstaaten verschieden stark ausgeprägt. Es lassen sich drei Modelle herausbilden: Angefangen von Sozialfürsorge über staatliche Zwangsversicherungen bis gleichen Grundsicherungsleistungen für alle. Bei ersterem ist der Dekommodifizierungs-Effekt durch Bedarfsprüfungen und geringeren Leistungen wenig ausgeprägt, während das zweite Modell der Zwangsversicherungen weitreichendere Leistungen zulässt. Jedoch sind diese an bereits geleistet Beiträge geknüpft und damit von Arbeit und Beschäftigung abhängig. Das dritte Modell scheint somit am ehesten

Dekommodifizierung zu erreichen. Trotz seines solidarischen Ausbaus ist es aber nur selten in der Lage, solch hohe Leistungen auszuzahlen, dass es eine reizvolle Alternative zur Berufstätigkeit wäre. Um 1970 war eine Angleichung der normalen Löhne an die Sozialleistungen in fast allen Ländern festzustellen, was auf ein sehr hohes Dekommodifizierung-Niveau deutet. Ökonomische Abschreckungsmechanismen wie Vorlage von ärztlichen Attesten sollen dafür sorgen, dass nur Bedürftige Sozialleistungen beziehen. Diese Maßnahmen haben allerdings nur geringe beziehungsweise überhaupt keine Wirkung. Einige Staaten fordern eine sofortige Vorlage, andere verfahren mit längeren Karenzzeiten oder reduzieren die Dauer des Bezugs von Sozialleistungen.11

[...]


1 Vgl. Siegel, Nico A., 2007: Welten des Wohlfahrtskapitalismus und Typen wohlfahrtsstaatlicher Politik. In: Schmidt, Manfred G. (u.a.) (Hrsg.): Eine Einführung in den historischen und internationalen Vergleich, S. 261.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Esping-Andersen, Gøsta (1998): Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus. Zur Politischen Ökonomie des Wohlfahrtsstaates. In: Lessenich, Stephan (u.a.) (Hrsg.): Welten des Wohlfahrtskapitalismus. Der Sozialstaat in vergleichender Perspektive. Frankfurt/M.; New York: Campus, S. 36.

4 Busch, Klaus (2008): Wandel der Wohlfahrtsstaaten in Europa. Baden-Baden. S.29.

5 Vgl. ebd., S. 32-33.

6 Vgl. ebd., S. 33-34.

7 Vgl. ebd., S. 32.

8 Vgl. ebd., S. 36.

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. ebd., S. 36-37.

11 Vgl. ebd., S. 37-39.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Regimetypen von Wohlfahrtsstaaten. Deutschland im Vergleich
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V455238
ISBN (eBook)
9783668882355
ISBN (Buch)
9783668882362
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regimetypen, wohlfahrtsstaaten, deutschland, vergleich
Arbeit zitieren
Clemens Wandke (Autor), 2012, Regimetypen von Wohlfahrtsstaaten. Deutschland im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455238

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Regimetypen von Wohlfahrtsstaaten. Deutschland im Vergleich



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden