Die Europäische Union (EU) erstreckt sich über eine Fläche von ca. 4 Millionen km², mit einer Bevölkerung von ca. 457 Millionen Menschen. Verglichen mit den USA ist die Fläche der EU lediglich ungefähr halb so groß, bei einer Bevölkerung von ca. 290 Millionen Menschen in den USA.
Wenn man sich die Geschichte der EU ansieht, erkennt man, dass sich die EU von einem wirtschaftlichen Abkommen zwischen sechs Nachbarstaaten im Jahre 1951 zu einer supranationalen Staatengemeinschaft mit inzwischen 25 Mitgliedern entwickelt hat. Weitere Staaten, wie zum Beispiel die Türkei, stehen in absehbarer Zeit vor dem Eintritt in die EU.
Am 1. Januar 1999 wurde die gemeinsame Währung Euro (€) in die Finanzmärkte eingeführt und von allen Mitgliedsstaaten, außer England, Schweden und Dänemark seit dem 1. Januar 2002 in Form von Scheinen und Münzen genutzt. Wechselkursrisiken bestehen somit nicht mehr, was erhebliche Vorteile für den Handel bedeutet.
Bezogen auf die Entwicklung der Produktivität in Europa lässt sich sagen, dass nach einer 50zig-jährigen Aufholjagd auf die USA Europa seit 1995 wieder an Boden verliert. In den Jahren 1995-2003 hatte Europa lediglich ein halb so großes Wachstum von Output pro Stunde, verglichen mit den USA.
Die Konsequenz ist, dass die Produktivität Europas von 94 % auf 85 % der Produktivität der USA zurückgefallen ist. Also ungefähr einfünftel der Steigerung von 44% auf 94 % ist seit 1995 verloren gegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Produktivität?
3. Warum sind die USA so produktiv und Europa nicht?
3.1 Welche Rolle spielt IT in den USA und Europa?
3.2 Finanzieller Lebensstandard vs. Freizeit
3.3 Regulierungen
3.4 Weitere Gründe
4. Zusammenfassung und Kritik
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Ursachen für das Produktivitätsgefälle zwischen Europa und den USA, wobei insbesondere der Einfluss von Informationstechnologie (IT), regulatorischen Rahmenbedingungen sowie sozioökonomischen Faktoren analysiert wird.
- Rolle von IT bei der Produktivitätssteigerung
- Einfluss von Regulierungen auf Innovation und Markteintritt
- Vergleich von Lebensstandard und Freizeitnutzung
- Bedeutung von Anreizstrukturen und Kapitalausstattung
- Herausforderungen der europäischen Wirtschaftspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 Welche Rolle spielt IT in den USA und Europa?
Offen ist aber immer noch die Frage, in welcher Weise IT zu der Produktivitätssteigerung beigetragen haben könnte. Im OECD-Bericht werden drei Möglichkeiten genannt, wie IT Auswirkungen auf die Produktivität haben kann: (i) Durch Wachstum im Sektor selbst, (ii) durch verbesserte Kapitalausstattung und (iii) durch Spillover- bzw. Netzwerkeffekte. Dabei ist auch zu beachten, dass in bestimmten Bereichen der Einsatz von IT weniger wichtig ist, als in anderen Bereichen. So sind zum Beispiel PCs in Restaurants nicht ganz so wichtig, wie in Beratungsunternehmen, wo das Arbeiten ohne PC, Internet und Emails heute gar nicht mehr möglich wäre.
Um (ii) zu analysieren kann man das Produktivitätswachstum in seine Bestandteile zerlegen und auf das „growth accounting model“ zurückgreifen. Arbeitsproduktivität kann definiert werden als das Verhältnis Output pro gearbeiteter Stunde. Eine weitere Unterteilung ist nun möglich in die Verbesserung der Kapitalausstattung. Hiermit ist zum Beispiel die Ausstattung der Mitarbeiter mit PCs usw. gemeint. Je schneller die PCs, zum Beispiel in LAN’S, bestimmte Aufgaben erledigen können, desto produktiver kann der Mitarbeiter sein. Zusätzlich lässt sich die Arbeitsproduktivität in den Bereich der verbesserten Ausbildung einteilen. Je besser die Mitarbeiter ausgebildet sind, desto besser und schneller werden sie entsprechende Aufgaben erledigen können.
Als drittes Element und zur Analyse von (iii) kommt TFP (Total Factor Productivity) growth in die Betrachtung. Mit TFP growth werden alle restlichen Faktoren „aufgefangen“, die nicht den ersten beiden anderen Bestandteilen der Arbeitsproduktivität zugeordnet werden können.
Um untersuchen zu können, wie IT das Wachstum beeinflusst, kann man TFP growth noch in das Wachstum in den IT-Produzierenden Industrien und den restlichen Industrien unterteilen. Ebenfalls kann die Kapitalausstattung in IT-bezogen und nicht IT-bezogen unterteilt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Entwicklung der Europäischen Union und stellt die zentrale Fragestellung des Produktivitätsrückstands gegenüber den USA vor.
2. Was ist Produktivität?: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Produktivität als Verhältnis von Output zu Input und erörtert dessen Bedeutung für Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt.
3. Warum sind die USA so produktiv und Europa nicht?: Dieses Hauptkapitel analysiert kritisch die Treiber der US-Produktivität und vergleicht diese mit den strukturellen Bedingungen in Europa.
3.1 Welche Rolle spielt IT in den USA und Europa?: Hier wird untersucht, inwiefern Investitionen in Informationstechnologie zum Produktivitätswachstum beitragen und warum Europa bei der Nutzung dieser Vorteile hinter den USA zurückbleibt.
3.2 Finanzieller Lebensstandard vs. Freizeit: Das Kapitel diskutiert den Trade-off zwischen höherem Einkommen in den USA und dem höheren Freizeitwert in Europa.
3.3 Regulierungen: Diese Sektion untersucht den negativen Einfluss strenger Produktmarktregulierungen auf Innovation und Unternehmertum in Europa.
3.4 Weitere Gründe: Hier werden ergänzende Faktoren wie Venture Capital, Bildungssysteme und das Konsumverhalten als Erklärungsmodelle für die unterschiedliche wirtschaftliche Performance herangezogen.
4. Zusammenfassung und Kritik: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die bisherigen Reformansätze, wie die Agenda 2010, als notwendige, aber noch unzureichende Schritte.
Schlüsselwörter
Produktivität, USA, Europa, IT-Investitionen, Growth Accounting, Regulierungen, Arbeitsmarkt, Privatisierung, Wettbewerb, Lebensstandard, Kapitalausstattung, Spillover-Effekte, Strukturwandel, Innovation, Agenda 2010.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Gründe, warum die USA seit Mitte der 1990er Jahre eine höhere Produktivitätsentwicklung aufweisen als die Länder der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Aspekte sind der Einfluss von Informationstechnologie (IT), der regulatorische Rahmen, Unterschiede in der Arbeitskultur sowie makroökonomische Faktoren wie Kapitalausstattung und Innovationsfähigkeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, warum Europa im Vergleich zu den USA weniger produktiv ist und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Wachstum der Jahre 1950–1995 wieder zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive Analyse sowie ein Vergleich anhand volkswirtschaftlicher Daten und verschiedener ökonomischer Studien (z. B. Growth Accounting) vorgenommen, um die Korrelationen zwischen Regulierungen und Produktivitätswachstum zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der IT-Nutzung, den Vergleich von Lebensstandard und Freizeit, die Auswirkungen von Marktzugangsbarrieren und Regulierungen sowie sonstige Faktoren wie das Venture-Capital-Umfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Produktivität, Informationstechnologie, Marktregulierung, Wettbewerbsfähigkeit und Strukturwandel beschreiben.
Inwiefern spielt der Arbeitsmarkt eine Rolle für die Produktivität?
Die Arbeit führt aus, dass strenger Kündigungsschutz und Regulierungen die Flexibilität von Unternehmen einschränken und somit die Anreize für Prozessinnovationen reduzieren können.
Welche Rolle spielt die Sparquote beim Vergleich der USA und Deutschland?
Ein Kapitel zeigt, dass das unterschiedliche Konsum- und Sparverhalten – insbesondere die deutlich niedrigere Sparquote in den USA – eine höhere Nachfrage generiert, was das Wirtschaftswachstum dort stützen kann.
- Quote paper
- Guido Gussenhofen (Author), 2005, (Warum) Ist Europa weniger produktiv als die USA?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45529