Der Einfluss der perzipierten medialen Reichhaltigkeit auf das soziale Präsenzerleben bei WhatsApp


Forschungsarbeit, 2016

64 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1.Theoretischer Hintergrund
1.1 Theorien zur Medienwahl
1.2 Theorien zur computervermittelten Kommunikation
1.3 Herleitung der Forschungshypothesen

2.Methodel
2.1 Stichprobe
2.2 Untersuchungsmaterial
2.3 Untersuchungsdurchführung und Fragebogenaufbau

3.Ergebnisse
3.1 Analyse des Nutzerverhaltens
3.2 Überprüfung der Forschungshypothesen

4.Diskussion
4.1 Diskussion der Ergebnisse
4.2 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Benutzeroberfläche von WhatsApp 20

Abbildung 2: Nutzerprofil

Abbildung 3: Standortangabe

Abbildung 4: Nachrichteninfo

Abbildung 5: Nutzungsverhalten bei WhatsApp

Abbildung 6: Perzipierte mediale Reichhaltigkeit bei WhatsApp und E-Mail

Abbildung 7: Perzipierte soziale Präsenz bei WhatsApp und E-Mail

Abbildung 8: Perzipierter kommunikativer Nutzen technisch-funktionaler Komponenten bei WhatsApp

Abbildung 9: Anzahl der mit Bekanntem A ausgetauschten Nachrichten

Abbildung 10: Anzahl der mit Bekanntem B ausgetauschten Nachrichten

Abbildung 11: Erster Beitrag zum Aufruf zur Versuchsteilnahme

Abbildung 12: Aufruf der Männer zur Versuchsteilnehmer

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beobachtungsergebnisse des eigenen Kommunikationsverhaltens

Tabelle 2: Reliabilitäten einzelner Fragebögen

Tabelle 3: Deskriptive Statistik der perzipierten medialen Reichhaltigkeit (UV1)

Tabelle 4: Deskriptive Statistik der „semantic differential questionnaires" (AV1)

Tabelle 5: Deskriptive Statistik der „statements about system qualities“ (AV2)

Tabelle 6: Deskriptive Statistik des perzipierten kommunikativen Nutzens technisch-funktionaler Komponenten bei WhatsApp (UV2)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

„Das ist mir alles viel zu unpersönlich!“ – mit diesem Hinweis lehnen viele Menschen die Nutzung technischer Kommunikationsmedien ab (Döring 2008a: 290). Doch inwiefern ist diese Aussage in Zeiten von IM-Diensten wie WhatsApp oder Facebook Messenger noch zutreffend? Beobachtungen zeigen, dass Anbieter von Kommunikations-Apps durch eine große Palette verschiedener Funktionen dem persönlichen Gespräch als optimale Kommunikationsform entsprechen wollen. Mit der Einführung des Live-Videos in Facebook erreichte diese Entwicklung vor einigen Wochen den Höhepunkt (Facebook Inc. 2016). Nutzer können zukünftig Videobeiträge in Echtzeit senden – sozusagen „live auf Sendung gehen“.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Technologisierung und der damit gleichzeitig einhergehenden Anonymität, wird der Aufschrei in der Gesellschaft nach Möglichkeiten zur Individualisierung und Personalisierung immer größer. Anbieter von IM-Diensten versuchen deshalb kontinuierlich dieses menschliche Bedürfnis als Bestandteil sozialer Normen und Werte (Values) zu befriedigen. Technik soll mit Technik bekämpft werden, indem Defizite „alter“ Medien, wie E-Mail-Dienste oder Handy-Kurzmitteilungen, durch neue Entwicklungen kompensiert werden. Diese Gedanken werden von dem Konzept der Agency aufgegriffen: “agency of objects is essentially human agency transferred to material objects. [It] refers to the power to do or to act […]” (Dant 2004: 60). Demnach steht der Mensch bei der Konzeption neuer Technologien im Mittelpunkt. Die Technik befähigt das Individuum allerdings nicht nur nach seinen Vorstellungen und Wünschen zu handeln, sondern fordert ihn explizit auf, die ihm zur Verfügung gestellten Möglichkeiten zu nutzen. Diese Überlegungen entsprechen dem von Kurt Lewin geprägten Begriff des Aufforderungscharakters, der Eingang in das Konzept der Affordances findet (ebd: 73) , welches sich auf die “perceived characteristics of material objects” (ebd: 71) bezieht.

Die beiden Konzepte Agency und Affordances sowie die auf der Meta-Ebene übergeordnete Größe Values stellen die Wechselbeziehungen zwischen Technologie und Gesellschaft dar (Dant 2004: 60) und spielen folglich bei der Ausgestaltung von IM-Diensten eine entscheidende Rolle. Besonders wichtig in dem Zusammenhang ist die Vermittlung von Emotionen, so betont bereits Dante (ebd: 66): “the agency […] emphasizes their capacity as a vehicle for the feelings of particular individuals”. Durch verschiedene Funktionen der Apps soll zwischen den Kommunikationspartnern trotz der bei der cvK einhergehenden physikalischen Distanz ein Gefühl von Nähe entstehen, was somit einer F-t-F-Kommunikation gleichkommt (Rüggenberg 2008: 318). Doch wie präsent sind Menschen wirklich, die einer Person nicht direkt gegenüberstehen, sondern von ihr räumlich getrennt sind?

Genau hier setzt die vorliegende Forschungsarbeit an. Sie beschäftigt sich mit dem Einfluss der perzipierten medialen Reichhaltigkeit auf das Präsenzerleben bei WhatsApp. Die Notwendigkeit dieser Untersuchung ergibt sich aufgrund der Tatsache, dass die dem Forschungsgegenstand zugrundeliegenden Theorien in den 1980er Jahren formuliert wurden und sich deshalb die meisten Studien kaum auf aktuelle Kommunikationsmedien beziehen (vgl. Trevino/Daft/Lengel 1990). So sind beispielsweise IM hinsichtlich ihrer Reichhaltigkeit im medialen Vergleich nur unzureichend eingeordnet (Chen/Yen/Huang 2004: 389) und das obwohl die Nutzerzahlen immer weiter steigen (Statista 2014: 17). Vor allem der seit 2009 verfügbare IM-Dienst WhatsApp ist zentraler Bestandteil der Kommunikation junger Erwachsener (Dürscheid/Frick 2014: 154). Wie die ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 zeigt, wird WhatsApp sogar stärker genutzt als Facebook (Tippelt/Kupferschmitt 2015: 444). So gaben 69% der 14-29-Jährigen an WhatsApp täglich zu verwenden, während es bei Facebook 45% waren. Diese Arbeit versucht deshalb auf den nachfolgenden Seiten unter Berücksichtigung von praktischen Implikationen einen wertvollen Beitrag zu diesem bisher dünnbesiedelten Forschungsgebiet zu leisten.

1.Theoretischer Hintergrund

In diesem Abschnitt der Forschungsarbeit werden zu Beginn die Motive der Medienwahl aufbauend auf den beiden Theorien der Media Richness und Media Synchronicity erläutert. Anschließend werden auf Basis des Reduced Social Cues-Ansatzes, des Modells der Cuelessness und der Theorie der Electronic Propinquity verschiedene Annahmen zur cvK dargestellt, wobei das in diesem Zusammenhang beschriebene Konzept der sozialen Präsenz im Vordergrund steht. Ausgehend von diesen theoretischen Überlegungen erfolgt letztendlich die Herleitung der Hypothesen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass im Hinblick auf die Forschungsfrage die Theorien nur ausschnitthaft erläutert werden.

1.1 Theorien zur Medienwahl

Die Konzepte der Media Richness von Daft und Lengl (1984, 1986) und Media Synchronicity von Dennis und Valacich (1999) treffen Aussagen darüber, wann eine effektive und wann eine ineffektive Individualkommunikation zu Stande kommt (vgl. Daft/Lengel/Trevino 1987; Dennis/Valacich/Speier/Morris 1998; Fischer 2008c, 2008d; Schmitz/Fulk 1991; Trevino/Daft et al. 1990; Trevino/Lengel/Bodensteiner/Gerloff/Muir 1990; Trevino/Lengel/Daft 1987). Beiden Ansätzen gemeinsam ist die Annahme, dass der Erfolg cvK von der Passung der zu bearbeitenden Aufgabe und des dafür gewählten Mediums abhängt (vgl. Fischer 2008c, 2008d). Dabei unterscheiden sich die Theorien hinsichtlich der Bestimmung einzelner Aufgaben- und Medienmerkmale und somit in den Aussagen über die Kontingenz von Aufgaben und Medien.

Das Konzept der Media Richness geht davon aus, dass eine effektive Kommunikation dadurch erreicht wird, wenn die Reichhaltigkeit des Mediums der Komplexität der Aufgabe entspricht (Daft/Lengel 1984: 14). Daft et al. (1987: 358) definieren mediale Reichhaltigkeit als Möglichkeit eines Mediums Ambiguität zu reduzieren: “Communication can be characterized as ‘rich’ or ‘lean’ based upon their capacity to facilitate shared meaning”. Konkret setzt sich Media Richness aus vier Merkmalen zusammen: Rückmeldungsgeschwindigkeit, Anzahl verfügbarer Kanäle, Vielfalt verwendeter Sprachcodes und Möglichkeit zur Personalisierung und Vermittlung persönlicher Gefühle. Die einzelnen Charakteristiken bilden in der Summe ein objektives Merkmal, nach dem sich Medien einordnen lassen (Fischer 2008c: 48). So steht ein Merkblatt, nach der Hierarchisierung medialer Reichhaltigkeit von Trevino, Daft et al. (1990: 76) auf der untersten Stufe, gefolgt von einem Bericht, einem Memo, einer Notiz, einem Brief, einer E-Mail, einem Telefonat und schlussendlich einer F-t-F-Kommunikation, die die oberste Stufe und somit die beste Kommunikationsform darstellt. Um unnötige Verwirrung zu vermeiden, sollten bei Aufgaben mit einer niedrigen Ambiguität arme beziehungsweise schlanke Medien verwendet werden (Schmitz/Fulk 1991: 488–490). Reichhaltige Medien sollten dagegen bei Aufgaben mit einer hohen Ambiguität eingesetzt werden, sodass ein gemeinsames Aufgabenverständnis ermöglicht wird. Dementsprechend liegt eine ineffektive Kommunikation vor, wenn zwischen der Reichhaltigkeit des Mediums und der Komplexität der Aufgabe ein Ungleichgewicht besteht (Daft/Lengel 1984: 14).

Demgegenüber besagt das Konzept der Media Synchronicity, dass eine effektive Kommunikation dadurch erzielt wird, wenn die Synchronizität des Mediums dem Kommunikationsprozess gerecht wird (Dennis/Valacich 1999: 7). Dennis und Valacich (ebd: 5) definieren Mediensynchronizität als “[…] the extent to which individuals work together on the same activity at the same time […]”, sprich die Fähigkeit eines Mediums Kommunikatoren zu ermöglichen, dass sie zur selben Zeit an derselben Aufgabe arbeiten können. Folglich setzt sich das Konstrukt der Media Synchronicity aus den beiden Facetten Rückmeldungsgeschwindigkeit und Grad an Parallelität zusammen (Fischer 2008d: 60). Dabei lassen sich die Medien nach ihrer Synchronizität in eine Rangfolge bringen, welche mit der Hierarchisierung nach medialer Reichhaltigkeit zu vergleichen ist (Dennis/Valacich 1999: 3). Im Gegensatz zur Media Richness besteht allerdings die Annahme, dass kein Medium, auch nicht die F-t-F-Kommunikation, in allen Dimensionen den optimalsten Grad erreicht und somit als die beste Kommunikationsform bezeichnet werden kann. Dennoch gilt: Während für die Vermittlung von Informationen Medien mit einer niedrigen Synchronizität eingesetzt werden sollten, sollten Medien mit einer hohen Synchronizität für die Entwicklung eines Problemlöseverständnisses verwendet werden (Dennis et al. 1998: 4–6). Demzufolge resultiert eine ineffektive Kommunikation, wenn zwischen der Synchronizität des Mediums und dem Kommunikationsprozess eine Disparität vorliegt (Dennis/Valacich 1999: 7). Zusätzlich nimmt die Theorie der Media Synchronicity an, dass die Passung von Medium und Kommunikationsprozess von dem sozialen Umfeld der Kommunikationsteilnehmer beeinflusst wird (Fischer 2008d: 61). So sinkt der Bedarf an medialer Synchronizität mit zunehmender Vertrautheit der Gruppenmitglieder, da bereits Normen etabliert sind. Überlegungen zu weiteren Einflussvariablen auf die Medienwahl liefert auch das Social Influence Modell of Technology Use (vgl. Fischer 2008e).

Die Annahmen der Media Richness und Media Synchonicity wurden in verschiedenen Untersuchungen mehrfach bestätigt (vgl. Daft et al. 1987; Dennis et al. 1998; Trevino/Lengel et al. 1990; Trevino et al. 1987). So konnte beispielsweise die Studie von Daft et al. (1987: 362) zeigen, dass adressierte Dokumente, wie Briefe oder Notizzettel, von ca. 62% der Manager für eindeutige Aufgaben genutzt wurden, für mehrdeutige Aufgaben das aber nur zu knapp 11% der Fall war. Diese Ergebnisse konnten auch unter Verwendung anderer Methoden mit anderen Stichproben repliziert werden, so zum Beispiel in Studien von Trevino et al. (1987) sowie Trevino, Lengel et al. (1990).

1.2 Theorien zur computervermittelten Kommunikation

Im Nachfolgenden werden verschiedene Theorien zur cvK dargestellt, die Effekte medialer Kommunikation in Abgrenzung zur F-t-F-Kommunikation beschreiben (Krämer 2008: 252). Dabei lassen sich die Theorien in zwei Gruppen unterteilen. Zum einen der Reduced Social Cues-Ansatz, der medienvermittelte Kommunikation als grundsätzlich defizitär beurteilt, und zum anderen das Modell der Cuelessness und die Theorie der Electronic Propinquity sowie das Konzept der sozialen Präsenz, die über die technikpessimistische Sichtweise hinausgehen, indem sie beispielsweise Bedingungen dafür aufstellen, wie die erlebte Nähe zwischen Gesprächspartnern bei cvK gesteigert werden kann.

Der von Sara Kiesler postulierte Reduced Social Cues -Ansatz bewertet direkte Kommunikation als optimal, cvK als eingeschränkt (vgl. Döring 2008a; Kiesler/Siegel/McGuire 1984; Siegel/Dubrovsky/Kiesler/McGuire 1986; Sproull/ Kiesler, 1986). Es handelt sich somit um ein Defizitmodell technisch vermittelter Kommunikation (Döring 2008a: 296). Hintergrund dafür bildet die Annahme, dass “all communications media attenuate to at least some degree the social […] cues available in face-to-face conversation” (Sproull/Kiesler 1986: 1486), also, dass alle technischen Kommunikationsmedien, im Gegensatz zur F-t-F-Kommunikation, aufgrund der fehlenden Sinneskanälen soziale Hinweisreize und Hintergrundinformationen in irgendeiner Form filtern. Damit knüpft der Reduced Social Cues-Ansatz an die Überlegungen des Konzepts der Media Richness und der Media Synchonicity an (vgl. Daft/Lengel 1984; Dennis/Valacich 1999). Bei cvK fehlen Hinweise über die Eigenschaften des Gegenübers, wie regionale Herkunft oder sozialer Status, die Zustände des Gegenübers, wie körperliche Verfassung oder Stimmung, sowie die Beziehung zum Gegenüber, wie Vertrautheit oder Distanz (Döring 2008a: 292–293). Des Weiteren werden Informationen über die Eigenschaften der Umgebung, in der sich der Gesprächspartner befindet, gefiltert. Darüber hinaus werden keine für die Interaktionssteuerung zentralen Kommunikationsmaßnahmen, wie Bekräftigung der Zuhörerrolle oder Vorbereitung des Sprecherwechsels, übermittelt. Diese Defizite können, laut dem Reduced Social Cues-Ansatz, die Kommunikation zwischen Gesprächspartnern erschweren. Sie führen zu einer beschränkten Wahrnehmung des Kommunikationspartners und des sozialen Kommunikationskontextes, zu einer erschwerten Regulation der Interaktion, als auch zu einer enthemmten Kommunikation. Letztes kann als sozial destruktiv, in Form von ausfallenden oder beleidigenden Bemerkungen, erlebt werden (Döring 2008b: 298). Genauere Überlegungen dazu liefern klassische Deindividuationstheorien, die von dem Social Identity Model of Deindividuation Effects (SIDE) von Spears und Lea (1992) erweitert und schließlich abgelöst wurden.

In verschiedenen Untersuchungen wurden die Folgen der oben beschriebenen Defizite cvK für den Verlauf und das Ergebnis der Kommunikation bestätigt (vgl. Kiesler et al. 1984; Siegel et al. 1986; Sproull/Kiesler 1986). So konnte beispielsweise Kiesler et al. (1984: 1128-1129; Experiment 1, 3) in zwei Experimenten zeigen, dass in den Online-Chat-Gruppen die Kommunikationseffizienz, definiert als Fähigkeit Fakten, Ideen, Meinungen oder Gefühle zu übermitteln (Siegel et al. 1986: 159), geringer war, als in den F-t-F-Gruppen (Kiesler et al. 1984: 1128–1129; Experiment 1, 3). Das zeigte sich darin, dass die Gruppenmitglieder mehr Zeit zur gemeinsamen Konsensfindung benötigten, da sie durch mangelndes nonverbales Feedback nicht mitbekommen hatten, dass andere Teilnehmer der Entscheidung längst zustimmten und deshalb überflüssige Wortbeiträge entstanden. Diese Befunde sind aber nicht für alle technischen Kommunikationsmedien zu generalisieren, vielmehr wird der Unterschied zur F-t-F-Kommunikation mit Zunahme der zur Verfügung stehenden Reize geringer (Siegel et al. 1986: S. 179; Experiment 3). So nimmt auch der Reduced Social Cues-Ansatz, gemäß den Theorien der Media Richness und Media Synchronicity (vgl. Dennis/Valacich 1999; Trevino/Daft et al. 1990), eine Hierarchisierung technischer Kommunikationsmedien vor. Während bei dem Telefon „nur“ verbale Reize fehlen, werden bei der reinen textbasierten Kommunikation sowohl visuelle als auch verbale Hinweise gefiltert.

Aufbauend auf den Theorien der Media Richness und Media Synchonicity sowie dem Reduced Social Cues-Ansatz wurde eine Pilotstudie entwickelt, bei der das eigene Kommunikationsverhalten beobachtet wurde. In dem Zeitraum vom 30.11. bis 06.12.2015 wurden verschiedene Kommunikationsmedien, unter anderem E-Mail, IM/WhatsApp und Telefon, hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit und – dauer, des Interaktionspartners (Familienangehörige(r), gute(r) Freund(in), Bekannte(r), Fremde(r)), der Verwendungssituation (reine Informationsvermittlung, Entwicklung eines gemeinsamen Problemlöseverständnisses) sowie der erlebten Emotion (Vertrautheit, Fremdheit) analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass WhatsApp am häufigsten verwendet wurde - vor allem zur Kommunikation mit Freunden und Bekannten (Anhang A). Dabei waren zwei Aspekte besonders auffällig. Zum einen belegten die Chatinhalte, dass nicht nur über oberflächliche, sondern auch über tiefgründige Themen diskutiert wurde. Zum anderen entstand trotz der physikalischen Distanz ein Gefühl von Vertrautheit zum Gesprächspartner, was allerdings von der Anzahl der gesendeten und empfangenen Nachrichten abhing. Ein Vergleich der erlebten Emotionen bei dem Bekannten A und dem Bekannten B zeigte, dass mit der Menge der ausgetauschten Daten die wahrgenommene Vertrautheit zum Gesprächspartner anstieg. Über den Untersuchungszeitraum der Pilotstudie hinaus konnte zudem beobachtet werden, dass zu dem Bekannten A eine sehr enge, persönliche Beziehung aufgebaut werden konnte, die von Ehrlichkeit, Vertrauen und Intimität geprägt ist, und das obwohl reale Verabredungen selten waren. Dafür war der virtuelle Kontakt aber umso intensiver, wie die Anzahl der Nachrichten zeigt (Anhang B).

Diese Befunde, die charakteristisch für die F-t-F-Kommunikation sind, stehen entgegen den Annahmen der Media Richness, der Media Synchronicity und des Reduced Social Cues-Ansatzes, da sie davon ausgehen, dass cvK generell defizitär ist. Mögliche Erklärungsansätze für die Ergebnisse aus der Pilotstudie, speziell hinsichtlich der erlebten Vertrautheit, liefern das Modell der Cuelessness, die Theorie der Electronic Propinquity sowie das Konzept der sozialen Präsenz, die im Nachfolgenden erläutert werden.

Das Modell der Cuelessness von Rutter und Stephenson (1977), die Theorie der Electronic Propinquity von Korzenny (1979) sowie die Ansätze zur Social Presence (vgl. Biocca/Harms/Burgoon 2003) greifen die technikdeterministische Sichtweise des Reduced Social Cues-Ansatzes auf (vgl. Sproull/Kiesler 1986), da sie ebenso davon ausgehen, dass der mit der Verwendung technischer Medien einhergehende Mangel an sozialen Hinweisen die Kommunikation beeinträchtigen kann. Zwar handelt es sich bei den drei Theorien auch um Defizitmodelle vermittelter Kommunikation, allerdings wird dieser Grundgedanke noch ausgebaut. Sie beschäftigen sich mit dem Einfluss fehlender sozialer Hinweisreize und Hintergrundinformationen auf die wahrgenommene interpersonale Distanz der Kommunikationspartner (vgl. Biocca/Burgoon/Harms/Stoner 2001; Biocca et al. 2003; De Greef/Ijsselsteijn 2000; Fischer 2008a; Korzenny/Bauer 1981; Korzenny 1979; Rüggenberg 2008; Rutter/Stephenson/Dewey 1981; Rutter/Stephenson 1977; Wilson/Williams 1977). Es wird folgende Kausalkette angenommen: Je mehr unterschiedliche Kommunikationskanäle den Nutzern zur Verfügung stehen, desto geringer ist die wahrgenommene interpersonale Distanz zwischen den Gesprächspartnern, was sich wiederum positiv auf den Verlauf und das Ergebnis der Kommunikation auswirkt (Rüggenberg 2008: 318). Demnach gehen diese Theorien davon aus, dass F-t-F-Kommunikation die optimalste Kommunikationsform darstellt, da hierbei das Präsenzerleben am größten ist. Das Konstrukt der Nähe ist somit ein für die Kommunikation unverzichtbares Element. So betont Korzenny (1979: 3) “propinquity is considered to be the system’s trait which is essential for the continuation of the human communication […]”. In Anlehnung an Collins und Raven (1969) nimmt Korzenny (1979: 6) eine Unterscheidung zwischen physikalischer und funktionaler „Propinquity“ vor. Handelt es sich bei der physikalischen Nähe, um die tatsächliche räumliche Entfernung der Gesprächspartner, stellt die funktionale Nähe eine subjektiv wahrgenommene Größe dar. Demnach kann Nähe auch über lange Distanzen hinweg entstehen. Korzenny und Bauer (1981: 481) definieren Propinquity somit als Variable: “[…] the psychological distance between communicators or the degree of perceived closeness [in terms of psychological presence and participation potential] of another person or group of people”. Das Konstrukt der Nähe bildet nicht nur die Grundlage für die Theorie der Electronic Propinquity, sondern findet auch Eingang bei dem Cuelessness-Modell und dem Konzept der sozialen Präsenz. In Bezug auf das Modell der Cuelessness wird dabei von „psychologischer Distanz“ gesprochen, welches als “[…] the feeling that someone is ‘there’ or not […]” (Rutter et al. 1981: 49) definiert wird. Es geht somit um die wahrgenommene, erlebte und gefühlte Anwesenheit, also die Präsenz anderer Menschen. Damit steht die psychologische Distanz in direktem Zusammenhang mit dem Konstrukt der „sozialen Präsenz“. Soziale Präsenz meint “[…] perceived characteristic[s] of media, and is definded as the extent to which a medium is perceived to allow psychologically close, interpersonal, communication.” (Ebd.). In Anlehnung an die jeweiligen Betrachtungsschwerpunkte verschiedener Forscher lässt sich soziale Präsenz in unterschiedliche Subkonzepte einteilen (Biocca et al. 2003: 11–15; Rüggenberg 2008: 319). So kann Social Presence als Co-Präsenz, also die Wahrnehmung der Anwesenheit des Interaktionspartners, verstanden werden. Social Presence kann aber auch die kognitive und sozio-emotionale Verbindung zum Gesprächspartner betreffen. Des Weiteren kann Social Presence als Verhaltensabhängigkeit, sprich die Wahrnehmung, dass das eigene Verhalten zu einer entsprechenden Reaktion beim Interaktionspartner führt, gedeutet werden. Schlussendlich kann sich Social Presence auf das Erleben gegenseitiger Wahrnehmung und Beeinflussung in Form eines reziproken Prozesses beziehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konzeptualisierungen der „Propinquity“ der Electronic Propinquity-Theorie, der „psychologischen Distanz“ des Cuelessness-Modells sowie der „sozialen Präsenz“ der Ansätze zur Social Presence als Synonym verwendet werden können (vgl. Korzenny/Bauer 1981; Rutter et al. 1981). Zwar sind die drei Ansätze in ihrem theoretischen Kern identisch, allerdings setzten sie unterschiedliche Schwerpunkte. Während das Cuelessness-Modell Konsequenzen psychologischer Distanz beschreibt, definiert das Modell der Electronic Propinquity in erster Linie Determinanten, die das Gefühl von Nähe erhöhen (Fischer 2008a: 305–306). Das Konzept der Social Presence wiederum beschäftigt sich konkret mit der wahrgenommenen Präsenz anderer Menschen bei räumlicher Distanz (Rüggenberg 2008: 318).

Der Theorie der Cuelessness zufolge führt der für cvK charakteristische Mangel an sozialen Hinweisreizen und Hintergrundinformationen zu einem Gefühl psychologischer Distanz gegenüber dem Kommunikationspartner (Rutter et al. 1981: 42). Dieses Gefühl psychologischer Distanz, so die Annahme, bewirkt wiederum eine Versachlichung der Kommunikation, die Einfluss auf den Kommunikationsinhalt, den Kommunikationsstil und das Kommunikationsergebnis hat (ebd: 51).

Im Rahmen der Theorie der Electronic Propinquity definiert Korzenny (1979) verschiedene Variablen, die bei cvK die Propinquity determinieren. Entscheidend für die Propinquity ist zunächst die psychologische Bandbreite als perzipierte Menge an Informationen (ebd: 13–20). Demnach nimmt das Gefühl von Nähe mit steigendender Bandbreite, also mit der Anzahl der einbezogenen Sinnesmodalitäten, zu. Des Weiteren wird die Propinquity von der wahrgenommenen Kapazität des Kanals für Bidirektionalität beeinflusst. So wächst das Gefühl von Nähe mit steigender Bidirektionalität, sprich mit der Möglichkeit zu direktem Feedback. Überlegungen zu diesen beiden Größen wurden bereits im Zusammenhang mit den Theorien der Media Richness und Media Synchronicity als auch im Rahmen des Reduced Social Cues-Ansatzes besprochen (vgl. Daft/Lengel 1984; Dennis/Valacich 1999; Sproull/Kiesler, 1986). Zusätzlich ist für die Propinquity die perzipierte Auswahl an Kommunikationskanälen relevant (Korzenny 1979: 13–20). Folglich steigt das Gefühl der Nähe mit geringer werdender Kanalauswahl, also mit der Anzahl der zur Verfügung stehenden Kommunikationsalternativen. So ist davon auszugehen, dass die Wahrnehmung der Reichhaltigkeit beispielsweise bei der Chat-Kommunikation davon abhängt, ob in der Situation auch F-t-F-Kommunikation möglich gewesen wäre (Fischer 2008a: 307). Darüber hinaus wird die Propinquity von den vorhandenen Kommunikationsfertigkeiten bedingt (Korzenny 1979: 13–20). Demzufolge nimmt das Gefühl der Nähe mit steigender Kommunikationsfertigkeit, also mit der Fähigkeit einer Person, die Optionen eines Mediums adäquat zu nutzen, zu. Die beiden letzten Ausführungen verdeutlichen, dass das Konstrukt der Nähe nicht als stabile Eigenschaft eines Mediums zu verstehen ist. Vielmehr spielen situative und personale Faktoren eine Rolle.

Aufgrund der enormen Komplexität wurden die Annahmen der Electronic Propinquity nur einmal überprüft (Korzenny/Bauer 1981). Dabei konnten die Untersuchungsergebnisse die Theorie nicht stützen. Allerdings kann an dieser Stelle auf die empirischen Befunde des Cuelessness-Modells und des Konzepts der Social Presence verwiesen werden (vgl. De Greef/Ijsselsteijn 2000; Rutter et al. 1981; Rutter/Stephenson 1977; Wilson/Williams 1977). Während die Studien zu den Theorien der Media Richness und Media Synchronicity sowie zu dem Reduced Social Cues-Ansatz in erster Linie Situationen aus dem Arbeitsalltag zum Gegenstand hatten (vgl. Daft et al. 1987; Kiesler et al. 1984), da diese ursprünglich zur Optimierung von Kommunikationsprozessen in Organisationen formuliert wurden (Fischer 2008c: 47), stand bei den Untersuchungen zum Cuelessness-Modell und zum Konzept der Social Presence die informelle Kommunikation im Vordergrund (Rüggenberg 2008: 318). Analysiert wurden die Entwicklung persönlicher Eindrücke sowie interpersonaler Beziehungen (vgl. De Greef/Ijsselsteijn 2000; Wilson/Williams 1977). In Bezug auf den Zusammenhang von Kommunikationsstil und psychologischer Distanz lässt sich die Untersuchung von Wilson und Williams (1977: 174–177) anführen. Hier wurde der Sprachstil des ehemaligen US-Präsidenten Nixon bei F-t-F-Unterhaltungen mit seinem Sprachstil bei Telefongesprächen mit denselben Personen verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Telefonate im Vergleich zu den F-t-F-Gesprächen kürzer waren, mehr Uneinigkeiten enthielten und von externen Beurteilern als weniger angenehm und persönlich beurteilt wurden. Hinsichtlich des Einflusses der medialen Reichhaltigkeit auf das soziale Präsenzerleben liefert die Studie von De Greef und Ijsselsteijn (2000: 6) interessante Resultate. Zum einen konnten sie zeigen, dass die Teilnehmer die erlebte Anwesenheit bei der Videokommunikation im Vergleich zur reinen Audiokommunikation höher einschätzten und zum anderen fanden sie heraus, dass Frauen insgesamt ein höheres Maß an empfundener sozialer Präsenz angegeben hatten als Männer.

1.3 Herleitung der Forschungshypothesen

Aufbauend auf den theoretischen Überlegungen kann davon ausgegangen werden, dass die mediale Reichhaltigkeit eines Mediums umso höher eingeschätzt wird, desto schneller Feedbackprozesse möglich sind, desto höher die Anzahl der zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle und der zu verwendenden Sprachcodes ist und desto mehr Möglichkeiten zur Personalisierung und Vermittlung persönlicher Gefühle bestehen (Daft et al. 1987: 358). Die mediale Reichhaltigkeit nimmt dabei Einfluss auf die erlebte soziale Präsenz, sprich sich der Anwesenheit anderer Personen auch im medialen Kommunikationsumfeld bewusst zu sein (Rüggenberg 2008: 318). Wird die E-Mail als reine Textkommunikation und der IM-Dienst WhatsApp als Plattform integrierter Kommunikationsformen betrachtet, lassen sich folgende Hypothesen ableiten (Chen et al. 2004: 388):

H1: Die perzipierte mediale Reichhaltigkeit ist bei WhatsApp im Vergleich zur E-Mail höher.

H2: Die perzipierte soziale Präsenz ist bei WhatsApp im Vergleich zur E-Mail höher.

Aufbauend auf der Forschungsfrage, inwiefern das soziale Präsenzerleben (AV) bei WhatsApp von der wahrgenommenen medialer Reichhaltigkeit (UV1) abhängt, ergeben sich folgende Hypothesen:

H3: Umso höher die perzipierte mediale Reichhaltigkeit bei WhatsApp ist, desto höher ist dessen perzipierte soziale Präsenz.

Media Richness meint dabei nichts anderes als die Summe der wahrgenommenen Funktionen, die ein Medium dem Nutzer für die Kommunikation zur Verfügung stellt. Somit ergibt sich als Variante zur klassischen Konzeptionalisierung der Media Richness von Daft et al. (1987: 358) der perzipierte kommunikative Nutzen technisch-funktionaler Komponenten (UV2) mit konkreter Anwendung auf die Funktionen von WhatsApp.

H4: Umso höher der perzipierte kommunikative Nutzen technisch-funktionaler Komponenten bei WhatsApp ist, desto höher ist dessen perzipierte soziale Präsenz.

2.Methode

Auf Grundlage der Forschungsfrage, inwiefern das Präsenzerleben bei WhatsApp von der medialen Reichhaltigkeit abhängt, wurde eine Untersuchung konzipiert, die zur Überprüfung der Hypothesen diente. Dieser Abschnitt der Arbeit widmet sich daher der Planung und Realisierung dieser Studie. Im Folgenden wird zuerst die erhobene Stichprobe beschrieben, bevor auf das Untersuchungsmaterial eingegangen wird. In diesem Zusammenhang werden die technisch-funktionalen Komponenten bei WhatsApp sowie die einzelnen Untersuchungsgegenstände mit den zugrunde liegenden Messinstrumenten der UV und AV erläutert. Die Methodik schließt mit der Beschreibung der Untersuchungsdurchführung und des Fragebogenaufbaus.

2.1 Stichprobe

Im Hinblick auf die Untersuchungskonzeption wurde zunächst die intendierte Stichprobe festgelegt. Da die Annahmen auf den Ergebnissen der vorher durchgeführten Pilotstudie basieren, bei der das eigene Kommunikationsverhalten beobachtet wurde, sollte sich die Umfrage an einen Personenkreis richten, deren demographische Merkmale mit meinen vergleichbar waren (zum Beispiel 23 Jahre alt, Student).

Zur Rekrutierung von Probanden wurde die Studie online über das soziale Netzwerk Facebook verbreitet. Dort wurden Freunde und Bekannte sowie Mitglieder von verschiedenen Facebook-Gruppen, wie „Uni Siegen“, zur Versuchsteilnahme aufgerufen (siehe Anhang C). Die Online-Rekrutierung speziell über Facebook war in zweierlei Hinsicht von Nutzen. Auf der einen Seite war dieses Verfahren aufgrund der intendierten Stichprobe vorteilhaft, da primär ein junges Publikum angesprochen werden konnte (allfacebook.de 2014). Auf der anderen Seite war diese Methode angesichts des Untersuchungsgegenstands sinnvoll. So konnten Personen erreicht werden, die mit großer Wahrscheinlichkeit eine hohe Medienaffinität aufwiesen und folglich auch WhatsApp verwendeten (Möhring/Schlütz 2010: 133). Die oft kritisierte Selbstselektion der Teilnehmer bei Online-Umfragen war somit von Vorteil (ebd: 136).

Insgesamt nahmen an der Studie 956 Probanden teil. Abzüglich der Personen, die die Befragung vorzeitig beendeten, die jünger als 16 und älter als 30 Jahre alt waren sowie den Personen, die angegeben hatten WhatsApp nie, selten oder gelegentlich zu nutzen, konnten 631 verwertbare Datensätze erzielt werden. Unter den Versuchspersonen waren 410 Frauen (65%) und 221 Männer (35%). Das sind fast doppelt so viele weibliche wie männliche Probanden. Diese Ungleichverteilung war bereits bei vergangen Studien zu beobachten, da die Teilnahmebereitschaft bei Frauen generell höher ist als bei Männern. Das Alter der Teilnehmer lag im Schnitt bei 22,84 Jahren. Von den Probanden hatten 90% (Fach-) Abitur oder bereits einen (Fach-) Hochschulabschluss erworben. Zu dem Zeitpunkt der Umfrage studierten 82,7% der Teilnehmer. Diese kamen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, wobei am stärksten die Gesellschafts- und Sozialwissenschaften (23,9%), die Wirtschaftswissenschaften (17,3%) sowie die Sprach-, Kulturwissenschaften und Gestaltung (16,3%) vertreten waren. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die untersuchte Stichprobe vorwiegend aus jungen, angehenden Akademikern zusammensetzt. Folglich stimmt die erreichte mit der intendierten Stichprobe überein.

2.2 Untersuchungsmaterial

Im Nachfolgenden werden zum einen aufbauend auf der Analyse von WhatsApp, die von dem IM-Dienst bereitgestellten Funktionen zur Ausgestaltung der Kommunikation beschrieben und zum anderen die in der Umfrage verwendeten Messinstrumente der UV und AV erläutert.

Analyse von WhatsApp

Auf Basis der Ergebnisse der Pilotstudie hinsichtlich der Beobachtung des eigenen Kommunikationsverhaltens, welche zeigen, dass über WhatsApp auch über tiefgründige Themen diskutiert wurde und sich bei den Gesprächspartnern trotz physikalischer Distanz ein Gefühl von Vertrautheit entwickelte (Anhang A), war fraglich, wie der IM-Dienst durch die Ausgestaltung der App Bedingungen zu schaffen versucht, die der F-t-F-Kommunikation als optimale Kommunikationsform nahe kommen. In Anlehnung an den von dem Reduced Social Cues-Ansatz postulierten Defiziten der cvK wurde WhatsApp bezüglich technisch-funktionaler Komponenten und folglich Möglichkeiten zur Vermittlung von Informationen über den Kommunikationspartner und den sozialen Kommunikationskontext sowie Maßnahmen zur Steuerung der Interaktion ausschnitthaft analysiert (Döring 2008a: 292–293). Die Abbildung 1 zeigt die Benutzeroberfläche bei einem geöffneten Chat-Verlauf in WhatsApp. Hier sind einige wichtige Funktionen für die Kommunikation hervorgehoben.

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Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der perzipierten medialen Reichhaltigkeit auf das soziale Präsenzerleben bei WhatsApp
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Theorien der Kulturtechniken
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
64
Katalognummer
V455329
ISBN (eBook)
9783668883703
ISBN (Buch)
9783668883710
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienwissenschaft, Medienwahl, CvK, Computervermittelte Kommunikation, Theorie der Media Richness, Konzept der Media Synchronicity, Reduced Social Cues-Ansatz, Modell der Cuelessness, Theorie der Electronic Propinquity, Social Presence, mediale Reichhaltigkeit, Medien, WhatsApp, quantitative Untersuchung, quantitative Befragung, soziale Präsenz, E-Mail
Arbeit zitieren
Nina Langer (Autor:in), 2016, Der Einfluss der perzipierten medialen Reichhaltigkeit auf das soziale Präsenzerleben bei WhatsApp, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455329

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