Diese Arbeit widmet sich der Praktik der Leihmutterschaft und stellt die Frage, inwiefern sie eine geeignete Möglichkeit ist, Kinderlosigkeit zu überwinden.
Das Thema Leihmutterschaft wurde in Deutschland bislang nicht umfassend öffentlich diskutiert. Häufig wird es als eine Randerscheinung der künstlichen Befruchtung thematisiert. Dabei ist das Thema interdisziplinär relevant, unter anderem in der Philosophie und Theologie, der Medizin und Psychologie, der Soziologie, der Politik und der Rechtswissenschaft. Eine differenzierte Auseinandersetzung erfolgte bislang vor allem in der Rechtswissenschaft und auf politischer Ebene.
Diese Arbeit leistet einen Beitrag dazu, die Themen Kinderlosigkeit und Leihmutterschaft aus dem Blickwinkel des Fachbereiches Religion zugänglich zu machen. Die religiöse Sichtweise soll an andere Fachdisziplinen anschlussfähig sein und auch vom nicht religiös geprägten Leser nachvollzogen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Familie, Keimzelle der Gesellschaft
2.1 Was ist Familie?
2.2 Familie und Kinderwunsch im Wandel der Zeit
2.3 Auswirkungen der gesellschaftlichen Entwicklung
2.3.1 Kinder sind „Kopfgeburten“
2.3.2 Steigende Kinderlosigkeit
2.3.3 Kinderwunsch und Heilserwartung
2.3.4 Gesellschaftliche Entwicklung zu Lasten der Kinder
3 Der unerfüllte Kinderwunsch
4 Mit der Kinderwunschbehandlung zum Wunschkind
4.1 Die künstliche Befruchtung: IVF und ICSI
4.2 Kryokonservierung und Gametenspende
5 Leihmutterschaft
5.1 Zum Begriff Leihmutter
5.2 Die Perspektive der Leihmutter
5.3 Die Perspektive der Wunscheltern
5.4 Die Perspektive der Kinder
6 Diskussion ausgewählter Aspekte
6.1 Verletzt Leihmutterschaft die Würde des Menschen?
6.2 Reproduktion als Lohnarbeit
6.3 Die Leihmutter als Stellvertreterin?
6.4 Gibt es ein Recht auf Kinder?
6.5 Umgang mit Kinderlosigkeit in der Bibel
7 Leihmutterschaft als Ausweg aus der Kinderlosigkeit?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Praktik der Leihmutterschaft als Antwort auf ungewollte Kinderlosigkeit und analysiert deren Eignung unter ethischen, gesellschaftlichen und psychologischen Gesichtspunkten.
- Gesellschaftlicher Wandel von Familie und Kinderwunsch
- Methoden der Reproduktionsmedizin als Voraussetzung der Leihmutterschaft
- Die Perspektiven von Leihmüttern, Wunscheltern und Kindern
- Ethische Diskussion zu Menschenwürde, Kommerzialisierung und Kinderrechten
Auszug aus dem Buch
5 Leihmutterschaft
Bekannt ist, dass es im Laufe der Geschichte zu allen Zeiten Unfruchtbarkeit gegeben hat. Um eine Familienlinie dennoch weiterführen zu können, gab es verschiedene Praktiken wie Polygynie, Scheidung und Wiederheirat oder Adoption. Gab es in einer Familie keine männlichen Nachkommen, konnten die Töchter eine Verwandtenehe eingehen, so blieb Besitz in der Familie. Mit der Christianisierung wurden diese Praktiken weitestgehend verboten. Monogamie wurde gestärkt, Polygynie abgewertet und nichteheliche Kinder von der Erbschaft ausgeschlossen. Eine Vaterschaft wurde auf blutsverwandte Nachkommen beschränkt und war fortan nicht mehr durch Adoption möglich. Verwandte konnten außerdem nur noch mit Erlaubnis der Kirche heiraten. Die neuen Verbote stellten Familien, die zudem mit hoher Kindersterblichkeit rechnen mussten, vor existentielle Herausforderungen und führten schrittweise zur Schwächung der Sippenverbände.
Unter einer Leihmutter wird in der heutigen Debatte eine Frau verstanden, die gegen Geld ein mit ihr nicht genetisch verwandtes, künstlich gezeugtes Kind austrägt und nach der Geburt den Wunscheltern übergibt. Sie ist „eine Frau, die stellvertretend für eine andere Frau ein Kind austrägt und ihr das Kind nach der Geburt überlässt […].“ Leihmutterschaft in ihrer heutigen Form ist erst durch die gesellschaftlichen Entwicklungen hin zur Zwei-Eltern-Familie, die Aufwertung des Kindes zum Wunschkind und die neuen reproduktionsmedizinischen Techniken möglich geworden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Leihmutterschaft als Reaktion auf späten Kinderwunsch und reproduktionsmedizinische Möglichkeiten ein und skizziert den interdisziplinären Untersuchungsrahmen.
2 Familie, Keimzelle der Gesellschaft: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen und gesellschaftlichen Wandel des Familienbegriffs sowie die Faktoren, die heute den intensiven Wunsch nach einem „Wunschkind“ beeinflussen.
3 Der unerfüllte Kinderwunsch: Es wird untersucht, was ungewollte Kinderlosigkeit für betroffene Paare psychisch bedeutet und welche Rolle körperliche sowie gesellschaftliche Faktoren dabei spielen.
4 Mit der Kinderwunschbehandlung zum Wunschkind: Das Kapitel stellt die medizinischen Verfahren wie IVF, ICSI und Kryokonservierung dar, die die technische Basis für moderne Formen der Leihmutterschaft bilden.
5 Leihmutterschaft: Hier werden die Definitionen, die Perspektiven der beteiligten Parteien (Leihmutter, Wunscheltern, Kinder) und die rechtliche Situation analysiert.
6 Diskussion ausgewählter Aspekte: Das Kapitel reflektiert kritisch Fragen zur Menschenwürde, der Kommerzialisierung von Reproduktion als „Lohnarbeit“ sowie die theologische Auseinandersetzung mit Unfruchtbarkeit.
7 Leihmutterschaft als Ausweg aus der Kinderlosigkeit?: Das Fazit wägt die Risiken des Reproduktionstourismus und die ethischen Bedenken gegen den Wunsch nach individueller Familiengründung ab.
Schlüsselwörter
Leihmutterschaft, Kinderlosigkeit, Reproduktionsmedizin, Wunschkind, Menschenwürde, Familie, Reproduktionstourismus, Eizellspende, Elternschaft, Ethik, Kindeswohl, Kinderwunsch, Kommerzialisierung, Selbstbestimmung, Stellvertretung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Praxis der Leihmutterschaft und hinterfragt, inwiefern sie eine ethisch vertretbare und geeignete Lösung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den gesellschaftlichen Wandel von Familie, die technischen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin, die psychologischen Folgen für alle Beteiligten sowie ethische und rechtliche Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Frage, ob Leihmutterschaft ein geeigneter Ausweg aus der Kinderlosigkeit ist, unter Berücksichtigung moralischer und interdisziplinärer Perspektiven.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer, psychologischer, theologischer und rechtswissenschaftlicher Diskurse sowie einer Auswertung relevanter Fachliteratur und Medienquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Kinderwunsches, die Techniken der künstlichen Befruchtung, die verschiedenen Rollen in der Leihmutterschaft sowie die kritische Diskussion über Menschenwürde und Kommerzialisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Leihmutterschaft, Kinderlosigkeit, Reproduktionsmedizin, Menschenwürde, Kindeswohl und Ethik.
Warum wird im biblischen Kontext nach Lösungen für Kinderlosigkeit gesucht?
Die Autorin nutzt biblische Narrative wie die von Sara und Hagar, um aufzuzeigen, wie bereits in der Antike mit dem Leid der Kinderlosigkeit und den daraus resultierenden eigenmächtigen (und oft problematischen) menschlichen Lösungsversuchen umgegangen wurde.
Welches Dilemma entsteht durch den sogenannten Reproduktionstourismus?
Es entsteht ein rechtliches und moralisches Dilemma, da einerseits das Kindeswohl (Recht auf Eltern) gewahrt werden soll, während andererseits die Praxis in Deutschland verboten ist, um die Ausbeutung von Frauen und eine Kommerzialisierung von Kindern zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Hester Sedl (Autor:in), 2017, Auf der Suche nach dem Glück. Leihmutterschaft als Ausweg aus der Kinderlosigkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455594