Die Theorie der "Schweigespirale". Eine Anwendung auf den Bundestagswahlkampf 2013


Hausarbeit, 2017
10 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Schweigespirale im Bundestagswahlkampf
2.1 Theorie der Schweigespirale
2.2 Die Bundestagswahl

3. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

Die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann entwickelte seit den 1960er Jahren die Theorie der Schweigespirale, welche Teil einer größeren Theorie zur öffentlichen Meinung ist. Noelle-Neumann definiert dabei öffentliche Meinung als „wertgeladene, insbesondere moralisch aufgeladene Meinungen und Verhaltens- weisen, die man (…) öffentlich zeigen muß, wenn man sich nicht isolieren will (…)“ (Noelle-Neumann 1996: S. 343-344). Die Theorie der Schweigespirale untersucht die Veränderung von Mehrheitsverhältnissen öffentlicher Meinungen in einer Gesellschaft und deren Entstehung lässt sich auf die Bundestagswahlen 1965 und 1972 zurückführen (Noelle-Neumann 2001). Noelle-Neumann erforschte gemeinsam mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in dem von ihr gegründeten Institut für Demoskopie Allensbach das Wahlverhalten der deutschen Bevölkerung, um möglichst genaue Prognosen über den Wahlausgang treffen zu können. Hierbei zeigte sich, dass die Wahlabsichten für die SPD und die CDU/CSU im Wahljahr 1965 für beide Parteien monatelang kaum schwankten und die Parteien ein Kopf-an-Kopf- Rennen austrugen. In Bezug auf die Siegeserwartung stieg die CDU/CSU jedoch an, wohingegen die SPD trotz konstanter Wahlabsichten abfiel. Kurz vor dem Wahltermin konnte man nun einen Effekt durch Mitläufer in letzter Minute (Noelle- Neumann 2001: S. 19) in Richtung der allgemeinen Siegeserwartung beobachten: Die CDU/CSU erhielten 47,6 %, die SPD lediglich 39,3 % der Stimmen. Auch bei der Wahl 1972 zeigte sich ein derartiger Effekt. Eine Erklärung für dieses Phänomen sah Noelle-Neumann schließlich in einem Zusammenhang zwischen der eigenen Wahlabsicht und der in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Meinung über den Wahlsieger.

In dieser Hausarbeit soll daher untersucht werden, ob sich die Theorie der Schweigespirale auch auf die letzte Bundestagswahl übertragen lässt. Zunächst werden zentrale Aspekte der Theorie skizziert, um diese anschließend auf die Bundestagswahl 2013 anzuwenden. Hierbei erfolgt ein Vergleich mit Befunden aus den Jahren 1965 und 1972. Im abschließenden Teil wird ein kritisches Fazit gezogen und ein Ausblick auf weitere mögliche Forschungsideen gegeben.

2. Die Schweigespirale im Bundestagswahlkampf 2013

2.1 Theorie der Schweigespirale

Die soziale Natur eines Individuums und dessen Furcht vor Isolation bilden den Antrieb in der Theorie zur Schweigespirale: Menschen beobachten das Meinungsklima in ihrem Umfeld, um erkennen zu können, welche Meinungen öffentlich anerkannt werden und welche nicht. Wenn Menschen davon ausgehen, dass sie Isolationsdruck ausgesetzt sind, tendieren sie dazu, ihre Meinung zu verschweigen, während Personen, die öffentliche Anerkennung ihrer Position annehmen, ihre Meinung laut artikulieren. Folglich kommt es zu einer wahr- genommenen Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse und ein Schweige- spiralenprozess wird in Gang gesetzt. Massenmedien spielen im Prozess der Schweigespirale ebenfalls eine wesentliche Rolle, da diese vermitteln, welche Meinung populär ist (Vgl. Noelle-Neumann/Petersen 2004: S. 349).

2.2 Die Bundestagswahl 2013

Am 22. September fand die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag statt. Mit 41,5 % der gültigen Zweitstimmen wurden die CDU/CSU zur stärksten Partei gewählt, gefolgt von der SPD mit 25,7 %. Während die Union im Vergleich zum Wahljahr 2009 einen Stimmengewinn von 7,7 %-Punkten verzeichnen konnte, sind es bei der SPD lediglich 2,7 %-Punkte, wodurch sich der Abstand zwischen den Parteien vergrößerte (Der Bundeswahlleiter, 2015). Hinsichtlich des tatsächlichen Wahlergebnisses liegt die CDU/CSU also mit einem Vorsprung von 15,8 %-Punkten eindeutig vor der SPD. Im Jahr 1965 erreichte die CDU/CSU 47,6 % und die SPD 39,3 % der Wählerstimmen (Noelle-Neumann 2001), das Ergebnis war also weniger eindeutig als 2013. Um zu überprüfen, inwiefern die öffentliche Meinung beziehungsweise eine Schweigespirale den tatsächlichen Wahlausgang beeinflusst hat, lohnt es sich, die Wahlabsichten im Zeitverlauf zu betrachten. 1965 schwankten die Wahlabsichten von Januar bis August ziemlich gleichmäßig für beide Parteien um 45 %, anschließend kam es zu einem plötzlichen Umschwung, bei dem die CDU/CSU Stimmen gewann. Wie bereits eingangs erwähnt führt Noelle-Neumann den Effekt auf die öffentliche Meinung, den erwarteten Wahlgewinner, zurück (Noelle-Neumann 2001). Die Wahrnehmung einer öffentlichen Meinung kann so möglicherweise die eigene Meinung und das eigene Wahlverhalten beeinflussen. Auch bei der Bundestagswahl 2002 gab es einen kurzfristigen Umschwung in der Wahlabsicht zugunsten der SPD. Eine positive Medienberichterstattung über die SPD in Folge einer Überschwemmung zog eine zunehmende Wahlabsicht für die SPD nach sich, auch erhöhte sich die Redebereitschaft von SPD-Anhängern (Noelle- Neumann/Petersen 2005). Die Medienberichterstattung und die Äußerung der eigenen Meinung schufen ein positives Klima für die SPD und eine Mehrheitsmeinung wurde sichtbar.

Weniger spektakulär fallen die Befunde der Bundestagswahl 2013 aus: Im Zeit- raum vom April bis September 2013 prognostizierten verschiedene Forschungs- institute einen eindeutigen und kontinuierlichen Vorsprung der CDU/CSU (lpb 2017), der sich schließlich auch im tatsächlichen Wahlausgang widerspiegelte. Die Werte für die CDU/CSU schwankten um 40 %, die für die SPD um 25 %. Ebenso eindeutig verhält es sich bei Betrachtung der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Peer Steinbrück: 40 % der Befragten gehen von einem Sieg im TV- Duell für Angela Merkel aus und nur 14 % für Peer Steinbrück (Petersen 2013). Auch bei den Parteien Die Grünen, FDP, Die Linke und Sonstige gab es im zeit- lichen Verlauf keine nennenswerten Veränderungen in der Wahlabsicht (lpb 2017). Wahlprognosen beruhen üblicherweise auf der sogenannten Sonntags- frage.

Während bei den Bundestagswahlen 1965, 1972 und 2002 von einer Veränderung des öffentlichen Klimas auszugehen ist, welche sich in einer Veränderung der Mehrheitsmeinung für eine politische Partei niedergeschlagen hat, dürfte es gemäß der Theorie der Schweigespirale im Wahlkampf 2013 keine derartige Verschiebung der gesellschaftlichen Meinungslager gegeben haben. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass der Wahlkampf 2013 allgemein als eher uninteressant gilt, der Grund hierfür liegt vermutlich darin, dass kein Machtwechsel erwartet wurde (Zeh/Schulz 2015: S. 175).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Theorie der "Schweigespirale". Eine Anwendung auf den Bundestagswahlkampf 2013
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V456102
ISBN (eBook)
9783668879416
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theorie, schweigespirale, eine, anwendung, bundestagswahlkampf
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Theorie der "Schweigespirale". Eine Anwendung auf den Bundestagswahlkampf 2013, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456102

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