Texterfahrung durch Vorlesen in der vorschulischen Zeit

Über Schriftsprache bei Kindern


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Arten der Begegnung mit Schriftsprache in der vorschulischen Zeit

3 Die Entwicklung von Geschichten vor dem Hintergrund der Texterfahrung

4 Zusammenfassung und Reflexion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Texterfahrung durch Vorlesen in der vorschulischen Zeit und mit der Frage, wie Kinder das Vorgelesene mit ihren bisherigen Wahrnehmungen verknüpfen und mit eigenen Vorstellungen derart belegen, dass sie schließlich selbst erzählen wollen und dazu auch mehr und mehr und mit zunehmendem Alter detaillierter und strukturierter in der Lage sind. Im ersten Teil der Arbeit wird auf die Arten der Begegnung mit Schriftsprache in der vorschulischen Zeit eingegangen. Danach wird im zweiten Teil betrachtet, wie Kinder vor dem Hintergrund dieser Texterfahrung eigene Geschichten entwickeln, wie sie Fortschritte machen und welche Schwierigkeiten sich dabei ergeben können. Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, ob und in welcher Weise die Texterfahrung durch Vorlesen, insbesondere von Bilderbüchern, hilfreich ist für die Entwicklung der Schriftsprache von Kindern und welche weiteren Fähigkeiten Kinder eventuell aus den Erfahrungen mit Texten in der Vorschulzeit erwerben können.

2 Arten der Begegnung mit Schriftsprache in der vorschulischen Zeit

Die auch heute im Zeitalter elektronischer Medien unverzichtbare Fähigkeit, durch Sprache und Schrift zu kommunizieren, ist eine Schlüsselqualifikation, für welche die Grundsteine bei Kindern im besten Fall schon lange vor dem Eintritt in die Grund-schule gelegt werden. Diese Qualifikation wird im Englischen als ‚Literacy‘ bezeichnet. Der Begriff beinhaltet im engeren Sinne die Kompetenz, lesen und schreiben zu können; im weiteren Sinne bezieht er aber auch alle Erfahrungen und Grundfertig-keiten rund um die Sprach-, Erzähl- und Schriftkultur mit ein. (vgl. Näger 2005) Diese Erfahrungen können in der vorschulischen Zeit durch das Erzählen von Geschichten, das Vorlesen von Gutenachtgeschichten, durch vielfältige Arten von Gesprächen innerhalb der Familie, das Auftauchen und Hinterfragen von Schrift- und Zahlsymbo- len, die gemeinsame Betrachtung von Bilderbüchern und natürlich auch in Verbindung mit elektronischen Medien gemacht werden. Die Möglichkeiten sind ebenso wie die Ausprägungen – etwa aufgrund familiärer Unterschiede – sehr unterschiedlich und vielfältig. Die Familie ist dabei wahrscheinlich die ausschlaggebende Instanz für die Entwicklung von Vorläuferfähigkeiten des Lesens, von Leseinteressen und Lesebe-dürfnissen. (vgl. Kruse/Kruse 2017) Und auch „Schreibfähigkeiten entwickeln sich sukzessiv vom frühen ersten Notieren von schriftähnlichen Zeichen (Kritzelbuch-staben) bis zum kommunikativen Schreiben mit zunehmender Orientierung an jeweils passenden Textformen.“ (Kruse/Kruse 2017, S. 4) Kinder orientieren sich hierbei an Erwachsenen und profitieren für den späteren Umgang mit Schriftkultur dadurch, dass sie von früh an die Bedeutung und die selbstverständliche und vielfältige Nutzung von Büchern und Lesetätigkeiten im Alltag sehen und miterleben. (vgl. Näger 2005) Frühe Literacy-Erfahrungen fördern die phonologische Bewusstheit, welche eine wichtige Vorläuferfähigkeit für den späteren Schrifterwerb ist, wobei vor allem Kinder aus bildungsfernen Milieus und aus Migrantenfamilien mehr auf Literacy-Erfahrungen im Kindergarten angewiesen sind, da sie diese oft nicht in gleichem Maße in ihrer Familie erfahren wie Kinder aus bildungsnahen deutschen Familien. „Wie der gesamte Prozess sprachlich-kulturellen Lernens ist auch die Ausbildung narrativer Fähigkeiten den Einflüssen der jeweils gegebenen und sich in unserer Gegenwart in rasantem Tempo verändernden Medienumgebung in besonderer Weise unterworfen.“ (Wieler 2005, S. 6) Dabei ist das große Angebot natürlich auch eine Herausforderung im Hinblick auf die Strukturierung und Mitteilung von Erfahrungen und Erlebnissen mittels des Mediums Sprache. (vgl. Wieler 2005) Dies lässt Gesprächs- und Erzähl-zusammenhänge zur Entstehung und Förderung narrativer Fähigkeiten umso wichtiger erscheinen, da diese nicht ohne Weiteres durch die neuen Medien zu ersetzen sind. (vgl. Wieler 2005)

Neben der Familie ist die Vorschule mit einer der wichtigsten Orte, an dem Kinder frühe Literacy-Erfahrungen sammeln können. Kinder, die in einer ‚gesprächigen‘ Umgebung aufwachsen, haben einen größeren Wortschatz als Kinder mit eher ‚schweigsamen‘ Bezugspersonen. (vgl. Näger 2005) „Der Spracherwerb wird angeregt durch kommunikative Situationen in vielfältigen Handlungszusammen-hängen.“ (Näger 2005, S. 21)

„Kinder lernen lange vor dem Schuleintritt sehr viel über das Schreiben und Lesen, indem sie beobachten, welchen Stellenwert Reden, Schreiben, Lesen, das Festhalten von Informationen in ihrer Umgebung hat.“ (Näger 2005, S. 12) Durch das Erkennen dieses Stellenwertes als Mittel der Kommunikation innerhalb der ersten Lebensjahre wird bei den meisten Kindern ein starkes Interesse an Schriftsymbolen und -zeichen gebildet. „Schrift wird somit als Möglichkeit verstanden, sich auszutauschen und etwas weitergeben zu können. Diese Stufe der kindlichen Entwicklung rekapituliert wohl die Entstehung der Schriftlichkeit im Laufe der Menschheitsgeschichte.“ (Haug-Schnabel/ Bensel 2005, S. 51)

Das Bilderbuch ist innerhalb dieser Begegnungen mit Schriftsprache in der vorschuli-schen Zeit hervorzuheben, da Kinder hiermit erste Erfahrungen mit der Lesekultur sammeln und Zugewandtheit beim Vorlesen und Betrachten der Bilder erfahren. Zugänge zum Bildverstehen sind ebenso wie Einsichten in die Bild-Text-Interdepen-denz gerade im Hinblick auf steigendes Internetnutzungsverhalten von Kindern unverzichtbar. (vgl. Schulz 2013) Dabei geht es um das einfache Benennen sicht-barer Gegenstände, Be- und Umschreibungen sowie das Herstellen von Zusammen-hängen zwischen Bild und Text bis hin zu Deutungen und Darstellungen eigener Sichtweisen. (vgl. Näger 2005) „Diese Form des Dialogs zwischen Kind und Erwach-senem ermöglicht dem Kind eine spezifische Erzählsituation, in dem der Dialog und die Beziehung zwischen Kind und Erwachsenem im Mittelpunkt steht: Es geht um das Formulieren und Nachdenken über Zusammenhänge, das Präzisieren von Gemeintem und nicht zuletzt um den kreativen Umgang mit Sprache.“ (Näger 2005, S.13) Das Vorlesen von Bilderbüchern hat die Funktion einer Brücke zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit und macht Kinder mit diesem Übergang vertraut, welchen sie im späteren Schulalter zu erlernen und bewältigen haben. Beim Vorlesen erhält ein schriftsprachlicher Text eine Stimme und wird durch Varianten von Stimme, Gestik, Mimik, Tempo und Pausen in einer besonderen Art und Weise lebendig. (vgl. Näger 2005) Um mit dem Vorlesen einen positiven Beitrag für das Leseklima zu leisten, sollte dabei die literarische Geselligkeit und Unterhaltung hervorgehoben werden anstatt es auf die Inhaltsvermittlung oder Wortschatzübung auszurichten. (vgl. Näger 2005) Den Kindern muss ebenfalls die Möglichkeit zur Fragestellung gegeben sein. Nach Näger (2005) gibt es einige Kriterien für gute Vorlesetexte, aus denen ich im Folgenden sinngemäß anführe:

- Handlungsbögen für eine spannende fortschreitende Erzählung,
- überzeugend charakterisierte Identifikationsfiguren,
- eine Hauptfigur mit Wünschen und aufgezeigten Widerständen gegen die Wunscherfüllung,
- Situationen, die Anlass zum Lachen geben
- und eine sorgfältig gestaltete (und zugleich nicht zu komplexe) Sprache.

Die bereits oben kurz erwähnte Begegnung von Schriftsprache in Dialogform wird heute in vielen Kindergärten praktiziert. Dieses so genannte ‚Dialogische Lesen‘ basiert gegenüber dem klassischen Vorlesen, bei dem der Erwachsene vorliest und die Kinder zuhören, auf ständiger Interaktion. Das Buch dient als Gesprächsanlass und ‚Aufhänger‘ für Fragen, Erzählungen, Ansichten und Vorstellungen der Kinder, und der Erwachsene animiert die Kinder zum Sprechen und wird selbst zum ‚aktiven Zuhörer‘, indem er Fragen stellt, Impulse gibt und die ausdrücklich begrüßten Aus- sagen der Kinder ergänzt und erweitert. So führt das dialogische Lesen zu einer Erweiterung und Verbesserung der Sprech- und Sprachfähigkeit, zu einer verbes- serten Sprachkompetenz der Kinder. Außerdem begegnen die Kinder beim dialogi- schen Lesen zwanglos und spielerisch auch den bisherigen Wahrnehmungen Gleich- altriger als oft andersartigen und mitunter differenzierteren Erfahrungen. Dialogisches Lesen eignet sich von daher insbesondere auch als Mittel der Förderung von Kindern, die in ihrer sprachlichen Entwicklung hinter ihren Altersgenossen zurückliegen, mit dem Ziel, allen Kindern gleiche Entwicklungschancen zu ermöglichen. Vertiefend hierzu ist beispielsweise „Dialogisches Lesen - neue Wege der Sprachförderung in Kindergarten und Familie“ von Karoline Kraus (2005) als Lektüre zu empfehlen (siehe Literaturliste).

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Details

Titel
Texterfahrung durch Vorlesen in der vorschulischen Zeit
Untertitel
Über Schriftsprache bei Kindern
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Dahlem School of Education)
Veranstaltung
Schriftspracherwerb
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V456238
ISBN (eBook)
9783668887756
ISBN (Buch)
9783668887763
Sprache
Deutsch
Schlagworte
texterfahrung, vorlesen, zeit, über, schriftsprache, kindern
Arbeit zitieren
Robin Kern (Autor), 2018, Texterfahrung durch Vorlesen in der vorschulischen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456238

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