Psychische Belastungen nach einem Schusswaffengebrauch


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ermächtigung zum Schusswaffengebrauch

3. Psychische Belastungen
3.1 Akute Belastungsreaktionen
3.2 Welche Phasen durchlebt eine Person beim Angriff um Leib und Leben?
3.3 Posttraumatische Belastungsstörung

4. Wie können posttraumatische Belastungsstörungen behandelt werden?

5. Wie werden posttraumatische Belastungsstörungen vorgebeugt?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Aufgabe der Polizei ist es, Gefahren von der Allgemeinheit oder dem Einzelnen abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit bedroht wird. Somit haben Polizeibeamte1 das Recht, die Schusswaffe als Mittel des unmittelbaren Zwangs einzusetzen.

Bevor man sich bei der Polizei bewirbt, sollte man sich mit den Pflichten und Aufgaben des Polizeiberufs auseinandersetzen, da unter anderem das Thema des Schusswaffengebrauchs eine große Rolle spielen wird. Unter dem Begriff der Schusswaffe versteht man alle Gegenstände, die zum Angriff oder zur Verteidigung bestimmt sind und bei denen Geschosse durch den Lauf getrieben werden.2 Insgesamt 12768 Schüsse wurden im Jahr 2016 in Deutschland abgegeben. Dadurch kam es zu 28 Verletzten und 11 Toten.3 Durch diese Zahlen wird deutlich, dass jeder Polizeibeamtein eine Situation gelangen kann, in der die Schusswaffe das einzige Mittel zur Abwehr einer Gefahr ist.

Jeden Tag werden viele Anforderungen an die Polizeibeamten gestellt, mit denen sie konfrontiert werden. Nicht selten stellen diese Konfrontationen eine extreme Stresssituation dar. Doch die Polizeibeamten sind gezwungen damit umgehen zu können, um handlungsfähig zu bleiben.

Durch den Schusswaffengebrauch greift die Polizei in die Grundrechte einer Person ein. Denn durch den Schusswaffengebrauch kann es zu einer Verletzung der körperlichen Unversehrtheit kommen, indem eine Person in ihrer Gesundheit beeinträchtigt wird oder stirbt. Aber auch für den Schützen ist die Abgabe eines Schusses eine extreme psychische Belastung, welche sich beispielsweise zu einer posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln kann.4 In dieser Arbeit wird zunächst auf die Ermächtigungsgrundlage des Schusswaffengebrauchs eingegangen, da nach Abgabe eines Schusses die Rechtsmäßigkeit geprüft wird. Danach liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf die psychischen Belastungen für den Schützen während und nach der Schussabgabe. Es ist wichtig, dass die Symptome einer psychischen Belastung erkannt und zeitnah bewältigt werden, da es sonst zur Posttraumatischen Belastungsstörung kommen kann, wodurch Polizeibeamte dienstunfähig werden können.5 Die Bewältigung der psychischen Belastungen wird als nächstes behandelt. Im Anschluss daran, werden Möglichkeiten der Prävention aufgelistet und zum Schluss wird ein Fazit erstellt.

2. Die Ermächtigung zum Schusswaffengebrauch

Der Schusswaffengebrauch zählt zu den Mitteln des unmittelbaren Zwangs und ist spezialgesetzlich im Polizeigesetz NRW gemäß §55 PolG NRW geregelt.6 Der unmittelbare Zwang ist ein zur Verfügung stehendes Mittel, welches die hoheitlichen Organe zur Erfüllung ihrer Aufgaben benutzen dürfen.7 Außerdem ist es das schwerste und an letzter Stelle stehende Zwangsmittel, welches nur anwendbar ist, wenn Ersatzvornahmen nicht zum Ziel führen oder unzweckmäßig sind. Somit benötigt man, als Voraussetzung für den Schusswaffengebrauch, eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage, da nur in Extremsituationen geschossen werden darf. Gemäß §64 PolG NRW darf ein Polizeibeamter die Schusswaffe gegen Personen nur gebrauchen, um unter anderem eine gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben abzuwehren.

Außerdem ist der Schusswaffengebrauch möglich:

- Zur Verhinderung von Verbrechen und besonders qualifizierten Vergehen
- Zur Verfolgung von Verbrechen und besonders qualifizierten Vergehen
- Zur Verhinderung der Flucht einer Person aus amtlichem Gewahrsam und zur Wiederergreifung
- Zur Verhinderung der gewaltsamen Befreiung einer Person aus amtlichem Gewahrsam8

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass es grundsätzlich einer Androhung des Schusswaffengebrauchs bedarf. Dazu zählt als Beispiel die Abgabe eines Warnschusses. Sollte aber eine gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben bestehen, darf die Schusswaffe auch ohne Androhung genutzt werden.9

3. Psychische Belastungen

Unter einer psychischen Belastung versteht man die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.10 Oftmals wird eine psychische Belastung aber auch als „Stressor“ bezeichnet. Denn bei psychischen Belastungen wurde zur Begründung das Stressmodel von Lazarus herangezogen, wonach die kognitive Bewertung entscheidet ob eine Situation von einem Individuum als belastend bewertet wird oder nicht.11 Dies hängt von biologischen, psychologischen, sozialen Faktoren und Prozessen ab, die sich gegenseitig beeinflussen.

Vor allem im Polizeiberuf treten täglich belastende Situationen auf, mit denen die Polizeibeamten konfrontiert werden. Durch solche Stresssituationen laufen im Organismus einer Person, auf den motorischen, physiologischen, emotionalen und kognitiven Verhaltensebenen sogenannte unspezifische Reaktionen ab.

Motorische Reaktion: Sobald der Polizeibeamte einen möglichen Stressor wahrnimmt, kommt es zu einer Voranspannung der willkürlichen Muskulatur. Dadurch gelingt es ihm schneller angreifen und ggf. schneller seine Schusswaffe greifen zu können.

Physiologische Reaktion: Hierbei werden die Kreislauf- und Stoffwechselprozesse angeregt, wodurch die Hormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet werden. Außerdem werden Zucker- und Fettvorräte bereitgestellt.

Emotionale Reaktion: Emotionen, die im Rahmen einer Stresssituation auftreten können, sind z.B. Angst, Ärger, Wut, aber auch Freude. Hier wird deutlich, dass sich eine Stresssituation nicht nur negativ auf den Organismus auswirken muss, denn nach dem Konzept von Hans Selye wird zwischen dem positiven Stress (Eustres) und dem negativen Stress (Disstress) unterschieden.12 Doch im Rahmen dieser Arbeit, wird aufgrund des Umfangs, ausschließlich auf die negativen Folgen einer Stresssituation eingegangen.

Kognitive Reaktionen: Unsere Wahrnehmung konzentriert sich verstärkt auf den Stressor, wodurch bei vielen Polizeibeamten der Tunnelblick eintritt. Somit lässt er sich weniger von Nebensächlichkeiten ablenken.

Aufgrund der Faktoren, kann gesagt werden, dass eine einzige belastende Situation, viele verschiedene Reaktionen des menschlichen Organismus hervorrufen kann, die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

3.1 Akute Belastungsreaktionen

Die akute Belastungsreaktion ist eine Reaktion auf außergewöhnlichen psychischen und physischen Belastungen, die zu einer vorübergehenden Störung führen. „Sie gilt nicht als psychische Erkrankung, sondern als normale Reaktion auf eine außergewöhnlich belastende Erfahrung.“13 Allerdings verschwindet diese Reaktion meistens innerhalb mehrerer Stunden oder Tage.

Die Betroffenen sind nach so einem Erlebnis oft wie betäubt, sehr unkonzentriert und können keine neuen Reize verarbeiten. Dadurch haben sie das Gefühl nicht sie selber zu sein oder alles nur durch einen Filter erleben zu können. Außerdem leiden sie an Gefühlsschwankungen, bei denen sich starke Trauer, Wut und ein Gefühl der Gleichgültigkeit abwechseln.14 Im weiteren Verlauf dieser Belastungsreaktion ziehen sich viele Personen zurück, während andere sehr unruhig und ungewöhnlich aktiv sind. Hinzu kommt, dass die Geschehnisse, in Form von Alpträumen oder intensiven, sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks), wiederkehren und der Betroffene diese Situation wiedererlebt. Diese Flashbacks werden häufig durch Reize, die an das Ereignis erinnern, ausgelöst.15 Oftmals sind es Reize wie Gerüche oder Geräusche. Vergleicht man dies mit dem Schusswaffengebrauch, könnte ein lauter Knall dafür sorgen, dass die sogenannten Flashbacks auftreten, wodurch der Betroffene wieder an den Schusswechsel erinnert wird.

Typisches Verhalten der Betroffenen ist dann, dass sie das Erlebte verdrängen wollen. Dadurch werden sie im ersten Moment entlastet, doch auf Dauer kann dies zu chronischen Gefühlen von Frustration und Aggression führen. Es tauchen Schuldgefühle auf und sie fühlen sich überfordert.

Sobald bei einem Betroffenen eine psychische und soziale Beeinträchtigung zu merken ist und die oben genannten Symptome länger als vier Wochen andauern, spricht man von einer posttraumatischen Belastungsstörung, auf die im weiteren Verlauf dieser Arbeit eingegangen wird.16

[...]


1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.

2 Vgl. Neuwirth, D. (2006). Polizeilicher Schusswaffengebrauch gegen Personen. Nach Bundesrecht unter Einbeziehung landesrechtlicher Regelungen. (2. Aufl.). Hilden: Verlag Deutsche Polizeiliteratur, S.23.

3 Vgl. Lorei, C. (2017). Statistiken zum polizeilichen Schusswaffengebrauch in Deutschland, URL:http://schusswaffeneinsatz.de/Statistiken_files/Statistiken.pdf (zuletzt aufgerufen 18.03.2018), S.6.

4 Vgl. Latscha, K. (2012). Posttraumatische Belastungsstörung. In H. Schmalzl & M. Hermanutz (Hrsg.). Moderne Polizeipsychologie in Schlüsselbegriffen. Stuttgart: Boorberg Verlag, S.220.

5 Vgl. Latscha: Posttraumatische Belastungsstörung, S.220.

6 Vgl. Neuwirth: Polizeilicher Schusswaffengebrauch gegen Personen, S.23.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. ebd., S.92.

10 Vgl. Bartsch, N. (2011). Belastungs- und Führungserleben im Polizeidienst. Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaft, S.32.

11 Vgl. Gasch, B. & Lasogga, F. (2011). Notfallpsychologie. (2. Aufl.). Berlin u.a.: Springer Verlag, S.131.

12 Vgl. Bartsch: Belastungs- und Führungserleben im Polizeidienst. S.32.

13 Vgl. Propach, F. (2018). Die akute Belastungsreaktion, URL: https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/trauma/akute-belastungsreaktion/ (zuletzt aufgerufen 02.04.2018).

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Propach: Die akute Belastungsreaktion.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Psychische Belastungen nach einem Schusswaffengebrauch
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Duisburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V456239
ISBN (eBook)
9783668883741
ISBN (Buch)
9783668883758
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychische, belastungen, schusswaffengebrauch
Arbeit zitieren
Lena Keyzers (Autor), 2017, Psychische Belastungen nach einem Schusswaffengebrauch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456239

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