Soziale Unruhen in Deutschland während der Französischen Revolution


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung/ Problemstellung

2. Deutsche Jakobiner

3. Verlauf und Ursachen des sächsischen Bauernaufstandes zu Beginn der Französischen Revolution 1789-1793

4. Unruhen im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zu Beginn der Französischen Revolution 1789-1793

5. Soziale Unruhen im westfälischen, niedersächsischen und hessischen Gebiet

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Bildverzeichnis

1. Einleitung

Die Französische Revolution von 1789 bis 1799 hat in Europa anhaltende Spuren hinterlassen. Neben der kulturellen, sozialen und politischen Veränderung in Frankreich, hatte sie auch Auswirkungen auf das Ausland und regte dort zahlreiche Wandlungsprozesse an. Die deutsche Bevölkerung scheint von der Revolution zunächst unberührt geblieben zu sein. Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen von Frankreich auf Deutschland1 übertragen wurden und in welchem Umfang sich revolutionäre Bestrebungen auch in Deutschland entfalteten. Der genaue Blick auf die sozialen Unruhen in Deutschland soll die Rezeption der Französischen Revolution jenseits des Rheins aufzeigen.

In dieser Arbeit geht es darum, wie die Französische Revolution in den Unterschichten der deutschen Gesellschaft rezipiert worden ist. Dazu wird versucht, das Revolutionsverhalten in diesen Schichten zu identifizieren. Im Blickpunkt sollen dabei deutsche Territorien stehen, in denen während der Revolution Unruhen ausbrachen. Diese Arbeit zielt darauf ab, die Auswirkungen der Französische Revolution auf diese sozialen Unruhen zu analysieren. So soll untersucht werden, ob die Unruhen sich zu einer Revolution nach französischem Vorbild ausweiteten oder ob die Bevölkerung ein davon abweichendes Muster der Unruhen weiter fortführten. Des Weiteren soll geklärt werden, ob die Träger der Unruhen der Unterschicht zugeordnet werden können.

Diese Forschungsfrage wurde erstmals systematisch in den 80er Jahren mit dem Buch „Soziale Unruhen in Deutschland während der Französischen Revolution“ von Helmut Berding (Hg.) umfassend bearbeitet. Diese Publikation dient demnach als Leitwerk. Somit ist der Forschungsstand für dieses Thema nicht aktuell, weshalb des Öfteren ältere Literaturangaben zu finden sein werden. Die Arbeit folgt dem Vorbild von Helmut Berdings Werk und analysiert nicht die verschiedenen Arten der Öffentlichkeit, sondern stellt die sozialen Unruhen in den Vordergrund.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In einem ersten Schritt wird die Situation in Deutschland zwischen 1789 und 1793/94 erläutert. Danach wird auf die Rezeption der Französischen Re-volution in den deutschen Unterschichten eingegangen. Dies erfolgt für verschiedene Gebiete Deutschlands, da sie jeweils unterschiedlich starke Ausprägungen der Unruhen aufweisen. Zuletzt wird die Auswirkung der Französischen Revolution auf Deutschland analysiert und ein Fazit zur gesamten Situation der Unruhen im Deutschen Reich gezogen.

2. Deutscher Jakobinismus

Um die revolutionäre Idee zu verstehen, ist zunächst ein Blick auf die Ursprünge der deutschen Revolutionsidee notwendig. Mit den Worten „Deutsch“, „Freiheit“ und „Gleichheit“ wird der Anspruch, den die politische Gruppierung der deutschen Jakobiner vertrat, verdeutlicht. Walter Grab weist darauf hin, dass ihr Ideal darin lag, einen Verfassungsstaat zu errichten, in welchem die Entscheidungsgewalt einer frei gewählten Vertretung des Volkes übertragen werden sollte.

„Da die Jakobiner ihren Glauben an eine evolutionäre Umwandlung des Ständesystems in einen parlamentarischen Rechtsstaat verloren hatten und sich auf die soziale Besserstellung der plebejischen Massen orientieren, richteten sie Umsturzappelle ans Volk: die dumpfe Unzufriedenheit der Bauern und Stadtarmut mußte auf politische Ziele gerichtet und die Revolutionsbereitschaft verwandelt werden.“2

Die revolutionären Ideen sollten an jene Bevölkerungsgruppen herangetragen werden, welche unter den feudalen Strukturen litten. Deren Abschaffung im Deutschen Reich war eine der Hauptforderungen der Jakobiner, die in der einfachen Bevölkerung die Einsicht über die Notwendigkeit der Freiheits- und Gleichheitsforderungen verbreiten wollten. Nach Grab sei die jakobinische Bewegung revolutionär, da die Verbreitung der Vorstellung eines einheitlichen Volkswillens, welcher die alte Ordnung ablösen sollte, im direkten Widerspruch zu diesem. Die deutschen Jakobiner dienten demzufolge als Sprachrohr der unteren beziehungsweise mittleren Gesellschaftsschicht des eigenen Landes.3

Die Unruhen der städtischen Bevölkerung und die Proteste der Bauern gegen den Adel stellten demnach in den Augen des Jakobinismus praktische Aktionen zum Sturz der traditionellen feudalen Gesellschaft dar.4

Im Folgenden werden einige Protestbewegungen analysiert, um eine Aussage zu den Auswirkungen der Französischen Revolution auf Deutschland treffen zu können.

3. Verlauf und Ursachen des sächsischen Bauernaufstandes zu Beginn der Französischen Revolution

Der Bauernaufstand in Sachsen des Jahres 1790 soll mit seinen Ereignissen und Bewegungen einen ähnlichen revolutionären Charakter wie in Frankreich gehabt haben. Es waren die Bauern, die sich gegen die schon seit Jahrhunderten bestehende Feudalordnung und die Adelsprivilegien erhoben. Daher kann dieser Aufstand als soziale Unruhe charakterisiert werden. Nach Siegfried Hoyer sei der Widerstand vor allem gegen die Wildplage auf den Feldern gerichtet gewesen. Der anschließende Aufstand sei Teil einer der größten antifeudalen Aktion in Deutschland gewesen, deren Ausdehnung in der bisherigen Forschung unterschätzt wurde.5

Im folgenden Kapitel wird zuerst ein kurzer Abriss des Verlaufes gegeben. Anschließend wird der Zusammenhang des Bauernaufstandes mit der Französischen Revolution aufgezeigt.

Der Bauernaufstand vom August des Jahres 1790 gehörte zu einer Reihe von ländlichen und städtischen Unruhen. Dem eigentlichen Aufstand gingen zahlreiche Unruhen voraus, in denen sich die sächsischen Bauern gegen die gewaltsame Vertreibung von Wildbeständen auf ihren eigenen Feldern richteten. Das folgende Zitat ist eine zeitgenössische Aussage, welche die Kritik an der freien Jagd und das Eingreifen in die Rechte der Bauern verdeutlicht: „Ihr Bauern hier im Sachsenland, Erlegt das Wild mit eigener Hand, Ihr tödtet Rehe, Hirsche, Schweine, Ein jeder spricht: die Jagd ist meine, Das treibt ihr jetzt ganz ohne Scheu, Habt ihr das Recht zu jagen frey?“6 Der Kurfürst von Sachsen verzichtete aber auf eine gewaltsame Unterdrückung dieses Aufbegehrens, weshalb die Unruhen sich vorerst beruhigten.

Mit dem 3. August 1790 beginnt der eigentliche Bauernaufstand in den Dörfern Schleifnitz und Petzschwitz nordwestlich von Meißen, indem die Bauern Frondienste verweigerten und die Schafherden der Gutsherren von ihren Feldern trieben. Diese Aktion stellte eine Antwort auf die jahrelangen Prozesse gegen die Bauern dar. Sie steht für die Ablehnung der Intensivierung der Fronen, die Gesindezwangsdienste und die Ausübung des Hutungsrechts. Der Aufstand selbst verbreitete sich innerhalb von wenigen Wochen in verschiedenen Teilen Sachsens. Dazu zählten unter anderem das Meißner Tiefland, die Oberlausitz, das Erzgebirge, das Vogtland und Gebiete im nordwestlichen Teil von Sachsen bis in die Gegend von Leipzig. Anfänglich unterschätzten die sächsischen Kurfürsten das Aufbegehren der sächsischen Bauern, weshalb sie erst in den letzten Augusttagen 1790 eingriffen und die Unruhen zu bekämpfen versuchten. Im Folgenden werden die Ursachen und der Zusammenhang mit der Französischen Revolution aufgezeigt.7

[...]


1 Deutschland bezeichnet in dieser Arbeit das Heilige Römische Reich deutscher Nation bzw. deren Territorien.

2 Grab,Walter, Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern, Zur Geschichte der deutschen Jakobiner. Frankfurt am Main, Olten, Wien 1984, S.51.

3 Vgl. ebd. S.51.

4 Vgl. ebd. S. 51 und Grab, Walter. Zur Geschichte der deutschen Jakobiner. In: Blasche, Siegfried, u.a. (Hg): Die Ideen von 1789 in der deutschen Rezeption. Frankfurt am Main 1989, S.72.

5 Vgl. Hoyer, Siegfried, Der Beginn der Französischen Revolution und Kursachsen, Verbindungen im sächsischen Bauernaufstand. In: Timmermann, Heiner (Hg.): Die Französische Revolution und Europa 1789-1799. Hallstadt 1989, S. 369.

6 Emmrich, Brigitte: „Wir haben’s Recht, ganz ungefragt“, Zur Rolle antifeudaler und demokratisch-revolutionärer Lieder und Gedichte des werktätigen Volkes in der Zeit nach der Französischen Revolution, dargestellt für das Gebiet des ehemaligen Kursachsen. In: Weinhold, Rudolf (Hg.); Volksleben zwischen Zunft und Fabrik, Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte. Bd. 69, Berlin 1982, S. 446.

7 Vgl. Demel, Walter u.a. Handbuch der deutschen Geschichte, Reich, Reformen und Sozialer Wandel 1763-1806. Stuttgart 2005, S. 198.

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Details

Titel
Soziale Unruhen in Deutschland während der Französischen Revolution
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V456380
ISBN (eBook)
9783668896604
ISBN (Buch)
9783668896611
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Unruhen Deutschland Jakobiner jakobinisch freiheitsbaum
Arbeit zitieren
Nico Seifert (Autor), 2018, Soziale Unruhen in Deutschland während der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456380

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