Zeichnete sich die Ära des Fordismus noch durch industrielle Massenproduktion, den Aufbau des Sozialstaats und einer Steigerung der Kaufkraft aus, so vollzog sich ab den 1970er Jahren ein grundlegender Wandel dieser Phase dieser kapitalistischen Vergesellschaftungsform. Sich immer weiter entwickelnder technischer Fortschritt führte zu weitreichenden Umbrüchen, und gleichzeitig trafen eine durch die Ölkrisen ausgelöste Inflation und stagnierendes Wirtschaftswachstum aufeinander.
Vor allem die wirtschaftliche Globalisierung schwächte die fordistische Phase der Wirtschaftsstabilität in ihren Grundfesten: Um international mithalten zu können, mussten in der darauffolgenden Ära des Postfordismus, also der Phase nach der fordistischen Stabilitätsphase die sich bis heute vollzieht, Unternehmen ihre Produktionen vermehrt ins Ausland verlagern oder ihre Kosten durch Lohnsenkungen und Kündigungen kürzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Wandel vom Fordismus zum Postfordismus
3. Exklusionsmechanismen in der postfordistischen Stadt
3.1 Private Raumkontrolle und Konsumorientierung
3.2 Wohnraum, Aufwertung und Verdrängung
3.3 Personengebundene Ressourcen und kulturelles Kapital
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Übergang zu postfordistischen Stadtstrukturen zur Ausgrenzung einkommensschwacher Bevölkerungsschichten sowie jener Gruppen führt, die sich nicht an konsumorientierten Lebensstilen orientieren.
- Wandel städtischer Politik vom Wohlfahrtsstaat zum unternehmerischen Akteur
- Mechanismen der Raumkontrolle durch Privatisierung und Sicherheit
- Sozioökonomische Verdrängungsprozesse durch Aufwertung von Wohnraum
- Bedeutung von kulturellem Kapital für die Teilhabe an der Stadtentwicklung
Auszug aus dem Buch
Exklusionsmechanismen in der postfordistischen Stadt
Die Exklusion einer bestimmten Bevölkerungsgruppe lässt sich ganz trivial mit ihrer schlichten Abwesenheit in einem bestimmten Gebiet darlegen. Diese Abwesenheit wird in den Städten teilweise durch private Sicherheitsunternehmen und Kontrollmaßnahmen forciert, um bestimmte Gebiete für eine einkommensstarke Klientel interessant zu halten und ihren Vorstellung einer „guten Gegend“ zu entsprechen. (Jahn/Lanz/Ronneberger (1997):129). Im Zuge postfordistischer Wiederbelebung der Innenstädte wurden diese zentralen Stadtgebiete durch Aufwertungsmaßnahmen für einkommensstarke Schichten und Konzerne interessant gemacht. Ganze Viertel wurden in Kosumtionslandschaften umgestaltet, die den Ansprüchen eben dieser einkommensstarken Schichten entsprechen und von representativem Wert für potentielle Investoren und Konzerne sind (Vgl. Jahn/Lanz/Ronneberger (1997):135). Da die Betrieber der Läden in den meist zentral gelegenen Konsumtionslandschaften bestrebt sind, das Umfeld ihrer Läden in einem für ihre Kunden wünschenswerten Zustand zu halten, ergreifen diese Maßnahmen und engagieren eigens private Sicherheitsfirmen. Eigentlich öffentliche Räume wie beispielsweise Einkaufszentren, die jedoch unter privatwirtschaftlicher Obhut stehen und somit von ihrem Hausrecht Gebrauch machen können, werden so zu eklusiven Räumen, die unerwünschten Bevölkerungsgruppen verschlossen bleiben (Vgl. Jahn/Lanz/Ronneberger (1997):138f). Hier wird ein an Umsatzzahlen und Konsum orientiertes Bild davon propagiert, wie Bürger sich zu verhalten haben, wenn sie bestimmte Orte wie Einkaufszentren besuchen möchte. Das bevorzugt einkommensstarke Bevölkerungsgruppen und ihren Habitus. Abweichende Vorstellungen werden nicht geduldet und können mit einem Platzverweis geahndet werden. Dies hat einen ausschließenden Charakter für marginalisierte Bevölkerungsgruppen zur Folge, aber auch für jene, die sich nicht an Verhaltensweisen oder Äußerlichkeiten einkommensstarker Schichten orientieren, da sie schlichtweg an diesen konsumfördernden Orten unerwünscht sind und entfernt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Exklusion marginalisierter Gruppen im Kontext postfordistischer Stadtentwicklung.
2. Der Wandel vom Fordismus zum Postfordismus: Erläuterung des ökonomischen und politischen Strukturwandels, der zu einer unternehmerischen Orientierung der Städte führte.
3. Exklusionsmechanismen in der postfordistischen Stadt: Analyse der verschiedenen Formen der räumlichen und sozialen Ausgrenzung, von physischer Kontrolle bis hin zur Verdrängung durch Aufwertung.
3.1 Private Raumkontrolle und Konsumorientierung: Untersuchung, wie kommerzielle Sicherheitsmaßnahmen und Konsumzwänge den Zugang zu öffentlichen Räumen einschränken.
3.2 Wohnraum, Aufwertung und Verdrängung: Beschreibung der Prozesse, durch die steigende Mieten und Immobilienspekulation einkommensschwache Schichten aus ihren Wohnvierteln verdrängen.
3.3 Personengebundene Ressourcen und kulturelles Kapital: Diskussion über die Bedeutung von Bildung und sozialen Kompetenzen als Voraussetzung für die Mitbestimmung bei stadtplanerischen Entscheidungen.
4. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der negativen Auswirkungen postfordistischer Restrukturierung auf die soziale Inklusion in Städten.
Schlüsselwörter
Postfordismus, Stadtsoziologie, soziale Exklusion, Stadtpolitik, Konsumorientierung, Gentrifizierung, kulturelles Kapital, Raumkontrolle, soziale Ungleichheit, unternehmerische Stadt, Privatisierung, Marginalisierung, Stadtentwicklung, Wohnraum, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich der Übergang zur sogenannten „postfordistischen“ Ära auf das städtische Zusammenleben auswirkt und welche Gruppen dadurch aus dem städtischen Leben ausgeschlossen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der ökonomische Strukturwandel der Stadtplanung, die Privatisierung des öffentlichen Raums, Verdrängungsprozesse durch Wohnraumaufwertung sowie die Rolle von Bildung und Kapital bei der politischen Teilhabe.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob die postfordistische Stadt einkommensschwache Bevölkerungsschichten sowie Menschen, die sich dem Konsumzwang entziehen, aus dem urbanen Raum ausschließt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf soziologischen Fachbegriffen und der Auswertung von Literatur zum Thema Stadt- und Raumsoziologie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der postfordistischen Stadtpolitik, die Untersuchung von Raumkontrollmechanismen, Effekte der Wohnungsmarktprivatisierung und die Bedeutung von persönlichen Ressourcen für die gesellschaftliche Teilhabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Postfordismus, soziale Exklusion, unternehmerische Stadt, Gentrifizierung und kulturelles Kapital.
Wie trägt privates Sicherheitspersonal zur Exklusion bei?
Durch privates Sicherheitspersonal wird in Einkaufszentren ein Verhaltenskodex erzwungen, der auf Konsum und das Bild einkommensstarker Schichten ausgerichtet ist, wodurch andere Gruppen ausgeschlossen oder des Platzes verwiesen werden.
Welche Rolle spielt „kulturelles Kapital“ für Stadtbewohner?
Kulturelles Kapital, wie Bildung und soziale Kompetenz, bestimmt, inwieweit Bürger ihre Rechte wahrnehmen und in Verhandlungsprozessen um die Gestaltung städtischer Quartiere erfolgreich mitwirken können.
- Arbeit zitieren
- Larissa Mehl (Autor:in), 2017, Schließt die postfordistische Stadt einkommensschwache Gesellschaftsschichten und jene, die nicht konsumorientiert leben wollen, aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456577