Der Slawenaufstand von 983 und seine Rezeption in den früh- und hochmittelalterlichen Quellen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1. Einleitung

2. Der Slawenaufstand von
2.1. Sächsisch-slawische Beziehungen vor 983
2.2. Der Slawenaufstand von 983
2.3. Die Folgen des Aufstandes

3. Der Slawenaufstand in den früh- und hochmittelalterlichen Chroniken
3.1. Zur Rezeption der Slawenpolitik bei Widukind von Corvey
3.2. Zur Rezeption des Aufstandes bei Thietmar von Merseburg
3.3. Zur Rezeption des Aufstandes bei Helmold von Bosau

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Dank der Geschichtswissenschaft befinden wir uns heute dazu in der Lage, mitunter recht detaillierte Aussagen über Ereignisse treffen zu können, die sich weit in der Vergangenheit ereignet haben. Dabei ist es der modernen Geschichtswissenschaft ein Bestreben, diese Ereignisse und Prozesse möglichst objektiv darzustellen. Dies bedeutet, dass persönliche Wertungen, der eigene kulturelle Hintergrund und weitere subjektive Aspekte bestmöglich aus den Darstellungen herausgehalten werden sollen. Da es sich bei dieser Objektivität jedoch um ein modernes Bestreben handelt und auch die heutige Geschichtsschreibung dem Prädikat „objektiv“ oft nicht gerecht wird, ist eine kritische Auseinandersetzung mit Quellen und Literatur unerlässlich.

Insbesondere zu jüngeren Ereignissen finden sich oft eine Vielzahl von zeitgenössischen Schilderungen und sonstigen Quellen, welche zur Untersuchung eines Sachverhaltes herangezogen werden können. Doch je weiter das zu untersuchende Ereignis in der Vergangenheit liegt, desto schwieriger gestaltet sich zumeist die Quellenlage, da diese immer dünner wird. Problematisch wird es vor allem dann, wenn es sich um einen Konflikt zweier oder mehrerer Parteien handelt, welcher aber nur aus einer Sichtweise überliefert ist.

Ein solcher Fall soll in dieser Arbeit thematisiert werden. Es handelt sich dabei um ein frühmittelalterliches Ereignis, nämlich um den Slawenaufstand von 983, welcher sich in den an das damalige Sachsen angrenzenden Regionen östlich der Elbe ereignete. Wie bereits angedeutet wird auch von diesem Ereignis in den zeitgenössischen Quellen lediglich einseitig berichtet, sodass eine vollkommen objektive Darstellung der Ereignisse schwerlich realisierbar ist. Berichtet wird über dieses Ereignis lediglich von sächsischer Seite, Gegendarstellungen gibt es keine. Es muss sich also zwingend auf diese Quellen gestützt werden, wobei diese im Rahmen der Möglichkeiten natürlich dennoch kritisch untersucht werden müssen.

Der Slawen- bzw. Lutizenaufstand von 983 wird von mehreren frühmittelalterlichen Chronisten überliefert, in dieser Arbeit soll sich jedoch auf die Rezeption des Aufstandes und seiner Vorgeschichte bei Widukind von Corvey1, Thietmar von Merseburg2 und Helmold von Bosau3 beschränkt werden, wobei mitunter auch auf Adam von Bremen4 eingegangen werden muss. Die Auswahl dieser drei Chronisten erfolgt derweil nicht grundlos. Während es sich bei Widukind von Corvey um einen Zeugen der Zeit vor dem Aufstand handelt, ist Thietmar von Merseburg zeitlich wie räumlich diesem Aufstand am nächsten. Helmold von Bosau hingegen betrachtet die Ereignisse erst über einhundert Jahre später, sodass er uns eine Nachbetrachtung liefert, welche analysiert werden kann.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, nicht allein die einzelnen Überlieferungen untereinander zu vergleichen, sondern darüber hinaus auch den Bezug zur aktuellen Forschung herzustellen, da in der Forschung heute unterschiedliche Ansichten über die Bedeutung des Aufstandes für das Ostfrankenreich bzw. Heilige Römische Reich vertreten werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll im ersten Teil der Arbeit der aktuelle Forschungsstand dargelegt werden. Um den Aufstand und dessen Folgen für Sachsen und das Reich hinreichend darstellen zu können, müssen auch die Prozesse und Ereignisse im Reich und dessen nordöstlichen Grenzgebieten geschildert werden, welche im Jahre 983 letztlich zu eben jenem Aufstand führten.

Der zweite Teil widmet sich der Darstellung und Rezeption der Ereignisse in den oben genannten Quellen. Anhand der jeweiligen Schilderungen der Ereignisse soll auf die Rezeption des Aufstandes bzw. der sächsisch-slawischen Beziehungen beim jeweiligen Chronisten eingegangen werden. Die Ergebnisse sollen abschließend in Bezug zur Forschungskontroverse gestellt werden, um zu dieser Stellung beziehen zu können.

2. DER SLAWENAUFSTAND VON 983

2.1. SÄCHSISCH-SLAWISCHE BEZIEHUNGEN VOR 983

Konflikte zwischen Sachsen und Westslawen ziehen sich wie ein roter Faden durch das 10. Jahrhundert. Immer wieder kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen slawischen und sächsischen Kriegerverbänden, welche sich in Form von Beutezügen in das jeweilige Gebiet des anderen äußern. Festgelegte, geografische Grenzen bestehen zu dieser Zeit nicht, sodass die Übergänge zwischen den Einflussbereichen der slawischen Stämme und der Sachsen fließend sind. Die Interessenssphären der beiden Parteien reichen jedoch deutlich in die Gebiete des jeweils anderen hinein, sodass es naturgemäß zu rivalisierenden Ansprüche und somit entsprechend hohem Konfliktpotenzial kommt.5

Wie bereits erwähnt gipfeln diese Konflikte oft in militärischen Auseinandersetzungen zwischen Elbslawen und Sachsen, doch es werden durchaus auch diplomatische Mittel ergriffen, um weiteren Scharmützeln vorzubeugen. So bindet man sich politisch einander, schafft Bündnisse, um die eigenen Ansprüche im Grenzgebiet zu untermauern und abzusichern, und besiegelt diese zuweilen mit politischen Ehen.6 Solche Ehen zwischen sächsischem Adel und slawischen Fürstenfamilien sind keine große Seltenheit: Selbst Otto I. geht vor seiner Krönung eine, wenngleich uneheliche, Verbindung mit einer kriegsgefangenen, hevellischen Fürstentochter ein, welcher auch Ottos erstgeborener Sohn Wilhelm entspringt.7 Die Tatsache, dass dieser im Laufe seiner geistlichen Karriere bis in den Rang des Erzbischofes von Mainz erhoben wird, zeugt aber nicht zwingend davon, dass seine slawische Abkunft nicht als negativ empfunden wird, sondern viel mehr davon, dass Adel auch über Stammesgrenzen hinweg geachtet wird.8

Schon seit der Regierungszeit Heinrichs I. ist der elbslawische Raum den Sachsen tributpflichtig. Nachdem Heinrich einen mehrjährigen Waffenstillstand mit den Ungarn, der unmittelbarsten äußeren Gefahr für das Reich, schließen konnte, nutzt er nun die damit gewonnene Möglichkeit, auch an den nördlicheren Ostgrenzen des Reiches für ruhigere Verhältnisse zu sorgen, indem er die slawischen Stämme jenseits der Elbe unterwirft. Bis zu seinem Tod im Jahre 936 besiegt er die Abodriten, Wilzen, Heveller, Dalminzier, Böhmen, Redarier, Lausitzer, Milzener und Ukranen und zwingt sie zu Tributzahlungen an das Reich.9 Von einer festen Herrschaft über die besiegten Stämme kann jedoch keineswegs die Rede sein, wie sich aus den andauernden militärischen Konflikten zwischen Sachsen und slawischen Stämmen auch in den folgenden Jahren ableiten lässt. So führt nach Heinrichs Tod dessen Sohn und Nachfolger, Otto I., seinen ersten Feldzug als König in eben jene Gebiete jenseits der Elbe, nämlich gegen den Stamm der Redarier, welcher bereits zu Zeiten seines Vaters gegen die sächsische Oberhoheit rebelliert hatte.10

Unter der Regentschaft Ottos I. wird die sächsische Slawenpolitik jedoch nicht bloß weitergeführt, sondern noch weiter intensiviert. Hier sind insbesondere zwei Aspekte hervorzuheben, welche von maßgeblicher Bedeutung sind: Zum einen gibt es eine Veränderung in der Politik der sächsischen Markgrafen. Bereits im Jahre seiner Krönung, also 936, setzt Otto I. Herrmann Billung als Markgraf in jenen Regionen ein, welche heute in etwa Mecklenburg und Vorpommern entsprechen.11 Für die südlicheren Slawenstämme ist der Markgraf Gero zuständig. Die Existenz dieser Markgrafschaften an sich stellt noch kein Novum in der Reichspolitik dar, waren diese Ämter doch bereits von Heinrich I. vergeben worden. Doch wo Herrmann Billung die Politik der lockeren Oberherrschaft im Norden fortführt, geht Gero im Süden aggressiver vor. 939 lässt er dreißig slawische Stammesfürsten, die er zu sich eingeladen hatte, hinrichten und unterstellt deren im Hevellerland gelegenen Territorien direkt sächsischer Herrschaft. Die bis dahin erhaltene Autonomie der slawischen Stämme geht in diesen Bereichen somit verloren, was einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Slawenpolitik darstellt.12

Die Bedeutung des Schrittes Markgraf Geros, den Slawen gewaltsam ihre Selbstbestimmung zu nehmen, spiegelt sich auch im Aufstand des Jahres 955 wider. Ermutigt durch den Umstand, dass Otto I. durch den Einfall der Ungarn im Süden gebunden war, und unterstützt von Wichmann II. und Ekbert vom Ambergau, zwei aufrührerischen Billungern, die sich durch die Ernennung Herrmann Billungs zum Markgrafen benachteiligt sahen,13 kommt es zum Aufstand eines Bündnisses aus Obotriten, Wilzen, Zirzipanen und Tolensanen gegen die sächsische Oberherrschaft. Gelöst werden kann dieser Konflikt erst, als Otto I. mit seinem Heer nach dem Sieg auf dem Lechfeld auch gegen die slawischen Aufständischen ausrückt. Das Angebot der Slawen, weiterhin Tribute zu entrichten, wenn sie nur ihre Autonomie behalten dürften, lehnt Otto ab. So kommt es zur Schlacht an der Raxa14, welche in einer vernichtenden Niederlage für das aufständische Slawenbündnis endet.15

Die vor der Schlacht von slawischer Seite gestellte Forderung nach der Wahrung der eigenen Herrschaft zeugt von der Bedeutung des Vorgehens Markgraf Geros sechzehn Jahre zuvor, denn aus dieser lässt sich schließen, dass die Aufständischen nun fürchten mussten, das selbe Schicksal wie die in Geros Markgrafschaft eingegliederten Heveller zu erleiden. Trotz des Widerstandes gegen das drohende Schicksal sollte es durch die Niederlage an der Raxa dennoch zu einer Oberherrschaft der Sachsen in den elbslawischen Gebieten kommen, auch wenn diese nicht von Bestand sein sollte.16

Die zweite, für die Ausgangssituation des Aufstandes von 983 wohl nicht minder bedeutsame Veränderung während der Regierungszeit Ottos I. ist die Erweiterung der Kirchenstrukturen über die Elbe hinaus. Um die nun unterworfenen Stämme zu christianisieren, wurde im Jahre 968 das Erzbistum Magdeburg mitsamt seiner Suffraganbistümer Brandenburg, Havelberg (beide wohl schon 948), Merseburg, Zeitz und Meißen begründet.17 In den folgenden Jahren, aber noch vor 972, wird auch das Bistum Oldenburg errichtet, welches jedoch nicht dem Erzbistum Magdeburg, sondern Hamburg-Bremen unterstellt wird.

Für die slawischen Stämme bedeutet die Intensivierung der christlichen Missionsbestrebungen nicht nur den drohenden Verlust ihres heidnischen Kultes, sondern damit einhergehend auch die Umwälzung ihrer gesellschaftlichen und politischen Ordnung, denn die einzelnen Stammesfürsten kennen kein gemeinsames Oberhaupt, welchem sie sich unterordnen. Stattdessen scheint die Tempelburg Rethra,18 welches auch das Hauptheiligtum der Region darstellte, eine wichtige Rolle in der Organisation der elbslawischen Stämme zu spielen. Dort werden gemeinschaftliche Entschlüsse gefasst und durch ein Orakel abgesegnet oder verworfen. Missachtung dieser Entschlüsse oder Zuwiderhandlung wird streng bestraft. Die Gesellschaft der lutizischen Stämme ist somit vorwiegend durch den Kult geprägt und organisiert, sodass es für die Elbslawen als ein natürliches Streben betrachtet werden kann, diesen erhalten zu wollen. Insofern ist es auch keineswegs verwunderlich, dass der Lutizenaufstand von 983 von eben jenem Heiligtum Rethra ausging.19

2.2. DER SLAWENAUFSTAND VON 983

Im Lutizenbund vereinigen sich jedoch nicht alle slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder. Der Stamm der Ranen etwa, der auf Rügen und dessen Umland ansässig ist und ebenfalls noch den eigenen, heidnischen Kult pflegt, ist kein Teil des Bundes. Die Tatsache, dass man mit der Tempelburg Arkona über ein eigenes, bedeutsames Heiligtum verfügt, dürfte bei der Abgrenzung eine gewichtige Rolle spielen. Denn wie oben ausgeführt ist Rethra nicht allein das religiöse, sondern eben auch das organisatorische Zentrum des Lutizenbundes. Da die Ranen sich nicht an den dortigen Versammlungen beteiligen, werden sie sich auch nicht als Teil dieses Bündnisses verstehen. Ganz im Gegenteil, im Jahre 955 beteiligen sie sich in der Schlacht an der Raxa sogar auf sächsischer Seite.20 Ein „slawisches“ Zusammengehörigkeitsgefühl besteht zu dieser Zeit also nicht, vielmehr ist es das Hauptheiligtum Rethra, welches für den Lutizenbund identitätsstiftend wirkt.

Der Keim des Aufstandes 983 wird bei den weletischen Stämmen der Tollenser an der Tollense und den Redarieren am südlichen Ende des Tollensesees zu finden sein, in deren Siedlungsgebiet sich auch das Heiligtum Rethra befindet. Zu den weiteren Kernstämmen des späteren Lutizenbundes gehören darüber hinaus die Kessiner an der unteren Warnow und die Zirzipanen an der Peene. Ob diese vier Stämme mit den vier Stämmen des wilzischen Stammesverbandes, der im 8. und 9. Jahrhundert in diesem Gebiet siedelte, übereinstimmen, ist nicht eindeutig geklärt.21 Sollte es sich dabei jedoch um Nachfolgestämme des ehemaligen Wilzenbündnisses handeln, hätte der Zusammenhalt der lutizischen Kernstämme jahrhundertelange Tradition, was den frühen Anschluss der Kessiner und Zirzipanen, welche eigentlich Teil des obotritischen Stammesverbandes sind, erklären würde.

Der Großteil der Obotriten wird zu Beginn des Aufstandes noch nicht an diesem beteiligt gewesen sein. Ganz im Gegenteil, denn der Samtherrscher der Obotriten, Mistivoj, dürfte eher auf ein Scheitern der lutizischen Bestrebungen hoffen, da deren religiöse und gesellschaftliche Organisation nicht mit seiner eigenen Politik vereinbar ist. Denn Mistivoj selbst ist Christ und ermöglichte durch seine Unterstützung Herrmann Billungs gegen den wagrischen Teilstammfürsten Selibur 967 sogar die Errichtung des Bistums Oldenburg.22 Die führerlose Struktur der Lutizen bringt zudem auch seine eigene Position als Samtherrscher der Obotriten in Gefahr. Als logische Konsequenz sucht er sich Unterstützung im Reich und erscheint 984 auf dem Osterhoftag Heinrichs des Zänkers zu Quedlinburg, von welchem er sich womöglich ein Bündnis gegen die lutizische Bedrohung erhofft.23 Im folgenden Jahr empfängt er gar den jungen Otto III. auf dessen Feldzug gegen die Zirzipanen.24 Der Umstand, dass Mistivoj selbst Christ ist, bedeutet jedoch keinesfalls, dass auch alle anderen Obotriten sich von ihrer heidnischen Religion getrennt haben. Zwar verlassen zunächst nur die Kessiner und Zirzipanen den Stammesverband und schließen sich mit Redariern und Tollensern zum Lutizenbund zusammen,25 doch schließen sich nach und nach weitere obotritische Teilstämme den Aufständen an.

Den eigentlichen Beginn des Aufstandes markiert der lutizische Angriff auf Havelberg am 29. Juni 983: Die sächsische Besatzung der Stadt wurde vernichtend geschlagen und der Bischofssitz zerstört. Drei Tage später geschieht selbiges in Brandenburg. Der Zeitpunkt dieser Überfälle ist geschickt gewählt, denn im Jahre zuvor erlitt Otto II. mit seinem Heer eine schwere Niederlage gegen die Sarazenen am Kap Colonna in Süditalien. Anders als 955, dem Jahre, in welchem Otto I., beflügelt von seinem bedeutungsvollen Sieg auf dem Lechfeld, die slawischen Aufständischen in der Schlacht an der Raxa vernichtend schlagen konnte, war das Heer Ottos II. zu diesem Zeitpunkt bereits geschlagen.26

Für 983 wird zudem auch die Zerstörung Hamburgs durch die Obotriten unter der Führung Mistivojs überliefert. Da dies jedoch eine aktive Beteiligung Mistivojs an den Aufständen voraussetzen würde, wird diese Datierung stark bezweifelt. Eine spätere Zerstörung gilt als wahrscheinlicher: Womöglich sogar erst nach Ende der Herrschaft Mistivojs Sohnes Mistislav und somit nach 1018.27 Besonders unwahrscheinlich wird die Datierung auf das Aufstandsjahr 983 dann, wenn berücksichtigt wird, dass Mistivoj selbst ein großes Kontingent Panzerreiter, welches er Otto II. stellen musste, in der Schlacht am Kap Colonna verlor.28 Somit ist fraglich, ob er 983 militärisch überhaupt dazu in der Lage wäre, ein Heer nach Hamburg zu entsenden, um die Stadt niederzubrennen.

Eine erste Niederlage müssen die Lutizen hinnehmen, als sie sich im August 983 in Richtung Magdeburg wenden und sich ihnen an der Tanger ein sächsisches Heer unter der Führung des Erzbischofes von Magdeburg, des Bischofs von Halberstadt, der Markgrafen von der Nordmark, von Meißen und von der Lausitz sowie weiterer Grafen entgegenstellt.29 Um eine allzu schwere Niederlage wird es sich hier allerdings nicht handeln, denn in seiner Folge können die Aufständischen nicht weiter als bis hinter die Elbe zurückgedrängt werden. Zu ernsthaften Rückeroberungsversuchen der verlorenen Gebiete kommt es zunächst nicht.30

[...]


1 Widukind von Corvey: Res Gestae Saxonicae. Die Sachsengeschichte. Übersetzt und herausgegeben von Ekkehart Rotter und Bernd Schneidmüller, Stuttgart 2002.

2 Thietmar von Merseburg: Chronicon. Chronik. Neu übertragen und erläutert von Werner Trillmich (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Band 9), Berlin 1962.

3 Helmold von Bosau: Chronica Slavorum. Slawenchronik. Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Band 19), Darmstadt 1963.

4 [4] Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum. Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche. Neu übertragen und bearbeitet von Werner Trillmich, in: Rudolf Buchner / Franz-Josef Schmale (Hgg.): Quelle des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches (Ausgewählte Schriften zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Band 11), Darmstadt 61990, S. 136-499.

5 Schubert, Ernst: Sachsen um das Jahr 1000, in: Michael Brandt / Arne Eggebrecht (Hgg.): Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen. Katalog der Ausstellung (Band 1), Hildesheim 1993, S. 209-216, hier: S. 210.

6 Körntgen, Ludger: Ottonen und Salier, Darmstadt ²2008, S. 23.

7 Zu Wilhelm von Mainz, vergleiche Widukind von Corvey III, 74 und Thietmar von Merseburg II, 35. Ausführlicher z.B. bei Glocker (Glocker, Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Studien zur Familienpolitik und zur Genealogie des sächsischen Kaiserhauses, Köln 1989, S. 135-154.)

8 Schröder, Franz Josef: Völker und Herrscher des östlichen Europa im Weltbild Widukinds von Korvei und Thietmars von Merseburg, Münster 1974, S. 23f.

9 Petke, Wolfgang: Sachsen und Slaven um das Jahr 1000, in: Michael Brandt / Arne Eggebrecht (Hgg.): Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen. Katalog der Ausstellung (Band 1), Hildesheim 1993, S. 217-224, hier: S. 219.

10 Partenheimer, Lutz: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang, Weimar / Wien 2007, S. 26.

11 Häufig findet sich in der Literatur daher auch die Bezeichnung dieser Region als „Billunger Mark“.

12 Petke, Sachsen und Slawen, S. 219.

13 Müller-Mertens, Eckhart: The Ottonians as Kings and Emperors, in: Timothy Reuter [Hg.]: The New Cambridge Medieval History. Volume III c. 900 – c. 1024, Cambridge 1999, S. 233-266, hier: S. 248.

14 Obwohl die Raxa nicht mit Sicherheit der Recknitz entspricht, gilt diese doch als wahrscheinlichste Entsprechung.

15 Partenheimer, Brandenburg, S. 29-31.

16 Petke, Sachsen und Slawen, S. 219f.

17 Körntgen, Ottonen und Salier, S. 24.

18 Sowohl „Rethra“ als auch „Riedegost“ sind gängige Bezeichnungen. Der genaue Standort der Tempelburg ist unbekannt, wird jedoch am südlichen Ende des Tollensesees vermutet, vgl. z.B.: Schmidt, Volker: Rethra - Lieps, am Südende des Tollensesees, in: Studia Mythologica Slavica (Band 2), Ljubljana 1999, S. 33-46.

19 Petke, Sachsen und Slawen, S. 220f.

20 Mehr zu den Ranen z.B. bei Ziemann. (Ziehmann, Peter: Ranen, Rügen und Meer. Die Geschichte eines versunkenen, slawischen Volksstammes, Elmenhorst 2015.)

21 So sieht z.B. Brüske (Brüske, Wolfgang: Untersuchungen zur Geschichte des Lutizenbundes [Mitteldeutsche Forschungen, Bd. 3], Köln / Wien ²1983, z.B. S. 9) sieht die lutizischen Stämme eindeutig als Nachfolger der wilzischen Stämme, während etwa Lübke (Brather, Sebastian / Lübke, Christian: Lutizen, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 19, Berlin / New York ²2001, S. 51-56, hier: S. 51) eine solche Kontinuität als unbewiesen zurückweist. Siedlungsangaben ebenfalls nach: Brather / Lübke, Lutizen, S. 51.

22 Vgl. dazu: Widukind von Corvey III, 68.

23 Althoff, Gerd: Saxony and the Elbe Slavs in the tenth century, in: Timothy Reuter [Hg.]: The New Cambridge Medieval History. Volume III c. 900 – c. 1024, Cambridge 1999, S. 267-292, hier: S. 283. Und: Petersohn, Jürgen: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg, in: Wolfram Drews / Bruno Quast (Hgg.): Frühmittelalterliche Studien (Band 37), Berlin 2003, S. 99-139, hier: S. 111.

24 Ruchhöft, Fred: Vom slawischem Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 4), Rahden (Westfalen) 2008, S. 127.

25 Labuda, Gerard: Zur Gliederung der Slawischen Stämme in der Mark Brandenburg (10.-12. Jahrhundert), in: Otto Büsch / Klaus Zernack (Hgg.): Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands (Band 42), München / u.a. 1994, S. 103-139, hier: S. 133f.

26 Brüske, Untersuchungen, S. 39f.

27 Ruchhöft, Stammesgebiet, S. 124-128.

28 Brüske, Untersuchungen, S. 42f.

29 Partenheimer, Brandenburg, S. 37.

30 Brüske, Untersuchungen, S. 44.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der Slawenaufstand von 983 und seine Rezeption in den früh- und hochmittelalterlichen Quellen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V456742
ISBN (eBook)
9783668882591
ISBN (Buch)
9783668882607
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Slawenaufstand, Lutizenaustand, 983, Frühmittelalter, Hochmittelalter, Ottonisches Reich, Ottonen, Widukind von Corvey, Thietmar von Merseburg, Helmold von Bosau, Rezeptionsgeschichte
Arbeit zitieren
Mario Polzin (Autor), 2018, Der Slawenaufstand von 983 und seine Rezeption in den früh- und hochmittelalterlichen Quellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456742

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