Die Ambivalenz des Sports in Bezug auf die Gesundheitserziehung im Schulsport


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen

3 Die Bedeutung von Bewegung für Grundschulkinder

4 Gesundheitserziehung als Aufgabe der Grundschule und des Faches Sport in besonderer Weise

5 Die Ambivalenz des Sports – Gegenüberstellung der Chancen und Probleme

6 Fazit

Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört körperliche Inaktivität zu „[...] den meist verbreiteten […] gesundheitlichen Risiken in Industrieländern“ (Schlicht; Brand 2007, S. 9). Die zunehmende Technisierung ermöglicht unserer Gesellschaft einen immer bequemeren aber auch bewegungsärmeren Alltag.

„Viele Studien zum Bewegungsverhalten weltweit belegen [...], dass Kinder sich im Vergleich zu vor 20 Jahren objektiv und subjektiv gemessen immer weniger bewegen […]. Parallel hat die Prävalenz von kindlichem Übergewicht zugenommen und haben sich die koordinativen Fähigkeiten […] von Kindern verschlechtert“ (Geuter; Hollederer 2012, S. 131).

Die Folgen des Bewegungsmangels sind weitreichend. Zu den möglichen psychosozialen Folgen kommen die teils schwerwiegenden gesundheitlichen Defizite, wie Rückenschmerzen, Haltungsschäden, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten (vgl. Prätorius; Milani 2004, S. 172 f).

Trotz der in den Schulen stattfindenden Gesundheitserziehung verschlechtert sich der Gesund- heitszustand unserer Gesellschaft zunehmend. Insbesondere das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen stellt ein Problem unserer Zeit dar, welches nicht nur in wissenschaftlichen Krei- sen, sondern auch in den Medien zunehmend thematisiert wird. Gerade im Kindesalter sind präventive Maßnahmen besonders wichtig, da möglichen zukünftigen Gesundheitsschäden so entgegengewirkt werden kann und die entscheidenden Grundlagen für das spätere Gesund- heitsverhalten im Erwachsenenalter gelegt werden (vgl. Hintze 2013, S. 30 ff).

„Gerade in Bezug auf die Erhaltung der Gesundheit ist es besonders wichtig, nicht nur das Wissen zu besitzen, sondern dieses Wissen auch adäquat anwenden zu können, weil der Mensch mit der Er - haltung der Gesundheit jeden Tag zu tun hat bzw. zu tun haben sollte“ (ebenda1, S. 30).

Das bedeutet, die Schülerinnen und Schüler müssen dazu angeregt und motiviert werden, über Gesundheit nachzudenken, zu reflektieren und Rückschlüsse für ihr eigenes Verhalten daraus zu ziehen.

Die positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Sport auf die Gesundheit und das Wohlbefinden sind mittlerweile allgemein bekannt und auch wissenschaftlich evidenzbasiert abgesichert (vgl. Geuter; Hollederer 2012, S. 9). „Körperliches Aktivitätsverhalten zählt zu den bedeutendsten Einflussfaktoren auf die Lebenserwartung, die Lebensqualität und das Wohlbefinden“ (ebd. 2012, S. 9). Und dennoch ist die gesundheitliche Situation eines Groß- teils der Bevölkerung alarmierend, insbesondere auch der Kinder und Jugendlichen.

Durch das Schulfach Sport sollen sich die Kinder die Sport- und Bewegungskultur erschließen und ihre Entwicklung soll gefördert werden. Gleichzeitig entsteht im Sport eine (pädagogische) Ambivalenz. „Damit ist gemeint, dass neben pädagogisch wünschenswerten Wirkungen sportlicher Aktivität auch pädagogisch unerwünschte Wirkungen auftreten können. Deshalb bedarf es einer aufmerksamen und kompetenten Gestaltung des Sports“ (Bundesinstitut für Sportwissenschaft).

Wie dies Umsetzung finden kann und was es mit der Ambivalenz des Sports hinsichtlich der Gesundheitserziehung auf sich hat, damit beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Es stellt sich die Frage danach, wie die Ambivalenz des Sports hinsichtlich der Gesundheitserziehung im Sportunterricht der Grundschule einzuschätzen und wie damit umzugehen ist.

Um dieser Frage nachzugehen, erfolgen zunächst einige wichtige Begriffsbestimmungen (Kapitel 2), auf deren Grundlage die Thematik basiert. Anschließend wird auf die Bedeutung von körperlicher Aktivität für Grundschulkinder eingegangen (3) und warum diese im Rahmen der Gesundheitserziehung in der Schule gefördert werden muss und welche besondere Rolle der Sportunterricht spielt (4). Es folgt die Gegenüberstellung der Chancen und möglichen Probleme, die durch den Sport entstehen können – die Ambivalenz des Sports (5). Ein abschließendes Resümee fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen (6).

2 Begriffsbestimmungen

Da sich die vorliegende Arbeit mit der Förderung von Gesundheit und der Erziehung zu einer gesundheitsbewussten Einstellung als Aufgabe des Sportunterrichts beschäftigt, ist es unerlässlich, im Vorfeld einige wichtige Termini, allen voran der Gesundheitsbegriff, zu erläutern. Anschließend wird die Gesundheitserziehung in den Blick genommen.

Zur Definition des Gesundheitsbegriffs stellte die Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1948 folgende ganzheitliche Definition von Gesundheit vor: „Gesundheit ist der Zustand des völli - gen körperlichen und seelischen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheiten und Gebrechen. [...]“ (zitiert aus: Giest Hintze 2009, S. 204). Als ganzheitlich kann dieser Gesundheitsbegriff bezeichnet werden, da er nicht nur das körperliche Wohlergehen umfasst, sondern auch das geistige und somit die soziale Dimension mit einschließt.

Trotzdem wird dieses Verständnis von Gesundheit kritisiert, denn es suggeriert, dass fast jeder Mensch krank bzw. nicht gesund ist. Schließlich kann kaum jemand den idealen Soll-Zustand des ,völligen körperlichen und seelischen Wohlbefindens‘ erreichen. Gesundheit wird hier als ein statischer Zustand beschrieben, der sich in der Realität kaum erreichen lässt. Hinzu kommt, dass diese Definition keine objektiven und überprüfbaren Kriterien enthält, weshalb sie nicht wissenschaftlichen Standards entspricht.

An dieser Stelle kommt der aktuelle salutogenetische Gesundheitsbegriff zum Tragen. Aaron Antonovskij, ein ungarisch-amerikanischer Medizinsoziologe, entwickelte das Konzept der Salutogenese und regte damit die Entwicklung eines neuen und dynamischen Gesundheitsbe - griffs an. Er legte den Fokus auf die Frage, welche Faktoren die Gesundheit eines Menschen beeinflussen und erhalten können (vgl. Giest Hintze 2009, S. 204 ff). „Salutogenese meint, alle Menschen als mehr oder weniger gesund und gleichzeitig als mehr oder weniger krank zu betrachten“ (ebd., S. 206). Das bedeutet, Gesundheit und Krankheit müssen als zwei Pole ei - nes Kontinuums betrachtet werden, auf welchem jeder Mensch eine veränderliche Position einnimmt.

„Die Frage, die Antonovskij stellt, ist nicht, ob jemand gesund oder krank ist, sondern wie er sich möglichst an den Pol der Gesundheit annähern kann“ (ebd.). Durch dieses moderne Ver- ständnis von Gesundheit wird verstärkt die Handlungsmöglichkeit und die Einflussnahme des Menschen auf seinen individuellen Gesundheitszustand berücksichtigt, sodass Gesundheit und Krankheit nicht als schicksalhaft angesehen werden, sondern als etwas, worauf wir als Indivi- duen Einfluss nehmen können (vgl. ebd.).

Ein Mensch fühlt sich demnach

„[...] umso gesünder, je besser es ihm gelingt, die ständig auf ihn einwirkenden Stressoren auszuba - lancieren: Krankheitserreger, Umweltbelastungen, berufliche oder familiäre Überforderungen, so - ziale Diskriminierungen und eine Reihe weiterer Faktoren können die Balance in Frage stellen“ (Kottmann; Küpper 1996, S. 3).

Was ist mit dem Begriff Gesundheitserziehung gemeint? Zunächst lässt sich sagen, dass die Termini Gesundheitserziehung, -förderung und -bildung sich nicht trennscharf voneinander abgrenzen lassen und teilweise nicht eindeutig verwendet werden. Allen gemeinsam ist, dass sie es zum Ziel haben, durch bestimmte Aktivitäten Krankheiten zu verhüten oder die beste - hende Gesundheit aufrechtzuerhalten bzw. zu fördern. Es geht auch darum, Wissen zu vermit- teln und die Entwicklung von Einstellungen, Kompetenzen und Fertigkeiten zu unterstützen, wobei ein gesundheitsbewusstes Verhalten entstehen soll (vgl. Wulfhorst 2002, S. 25 f).

Auch für die Gesundheitserziehung in der Grundschule spielt das salutogenetische Gesund - heitsverständnis eine Rolle und findet Berücksichtigung hinsichtlich der Aufgaben und Ziele der Grundschule zum Thema Gesundheit. Dazu gehört es gemäß der Kultusministerkonferenz in Deutschland unter anderem, die Kinder dazu zu befähigen, selbstständig gesundheitsför- derliche Entscheidungen zu treffen und dabei auch die Verantwortung für sich selbst und für ihre Umwelt zu übernehmen. Außerdem sollen Kenntnisse vermittelt und Fähigkeiten entwi- ckelt werden, um selbstständig eine gesunde Lebensweise an den Tag zu legen (vgl. Kultusmi- nister Konferenz 1992).

Nach Neuhaus (in Laaser et. al. (Hrsg.) 1987) ist Gesundheitserziehung die Einflussnahme auf Verhalten und Ansichten hinsichtlich der Gesundheit. Dafür wird vor allem Wissen vermittelt, damit die Zusammenwirkung zwischen der eigenen Lebensweise, Körpervorgängen und der Gesundheit verstanden wird und dieses Wissen angewandt werden kann. Zur Gesundheitser- ziehung gehören auch konkrete Anregungen zu einer gesunden Lebensweise, sodass jeder Ein- zelne danach streben sollte, eine gesundheitsbewusste Haltung und Handlungsweisen an den Tag zu legen (vgl. S. 517).

„Gesundheitserziehung soll den Menschen befähigen, selbstbestimmt und verantwortungsvoll seine Gesundheit zu stabilisieren oder zu verbessern, mit Störungen des Wohlbefindens richtig umzuge - hen und auf seine Mitmenschen und seine Umwelt gesundheitsfördernd einzuwirken“ (Rothenfluh 1992, S. 12).

Hauptansatz der modernen Gesundheitserziehung ist es, den Kindern „[...] den aktiven Ge- sundheitsbegriff [zu vermitteln] und die damit in Verbindung stehende Übernahme von Ver - antwortung für die eigene Gesundheit [...]“ (Giest & Hintze 2009, S. 220).

Deshalb sollte es das Anliegen der Schule sein, zu einer Gesundheitserziehung zu gelangen, die Schülerinnen und Schüler befähigt, Entscheidungen und Handlungsweisen aufgrund von grundlegendem Wissen über die Bedingungen von Gesundheit zu treffen. Die Kinder sollen sich bewusst und selbstständig zu gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen entscheiden kön- nen (vgl. ebd., S. 210 f).

3 Die Bedeutung von Bewegung für Grundschulkinder

Nach der im Jahr 2010 veröffentlichten Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation sollten Kinder und Jugendliche „[...] jeden Tag mindestens 60 Minuten mit zumindest mittlerer Bewegungsintensität körperlich aktiv sein“ (Geuter; Hollederer 2012, S. 10).

[...]


1 im Folgenden abgekürzt mit ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Ambivalenz des Sports in Bezug auf die Gesundheitserziehung im Schulsport
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V456962
ISBN (eBook)
9783668887824
ISBN (Buch)
9783668887831
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ambivalenz, sports, bezug, gesundheitserziehung, schulsport
Arbeit zitieren
Jennifer Siehms (Autor), 2017, Die Ambivalenz des Sports in Bezug auf die Gesundheitserziehung im Schulsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456962

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