Das Testament des heiligen Franziskus von Assisi. Quellenkritische Untersuchung zu seinem letzten Willen


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,3

Lucius Müller (Autor)


Leseprobe

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Quellen- und Literaturbericht
1.3 Methode und Aufbau der Arbeit

2. Historischer Kontext
2.1 Grundzüge der Bettelorden
2.2 Der Lebensweg des heiligen Franziskus
2.2.1 Problematik einer objektiven Lebensbeschreibung
2.2.2 Schlüsselereignisse im Leben des Franziskus
2.2.3 Ordensentwicklung während der letzten Lebensjahre

3. Quellenkritische Betrachtung des Testaments
3.1 Quellenbeschreibung und äußere Kritik
3.2 Inhaltliche Aspekte des Testaments

4. Fazit

6.Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Vor allem sein vorbehaltsloses Gelübde zur Armut und Christusnachfolge, sowie auch die tiefe Überzeugung und Originalität, mit welcher er für seine Gesinnung einstand, sind es die den 1228 heiliggesprochenen Franziskus von Assisi als Ordensbegründer auszeichneten. In seinen letzten Lebensjahren fand jedoch eine Abkehr der Bruderschaft, von ihren radikalen Anfängen, statt. Die immens angewachsene Gemeinschaft der Minderbrüder entwickelte sich, unter dem Einfluss der neuen Ordensleitung und des Papstes, mehr und mehr zu einem gemäßigten, kirchlich-regulierten Orden. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen ließ der totkranke Franziskus von Assisi vermutlich seinen letzten Willen festhalten, welcher uns heute durch Überlieferungen als sein Testament bekannt ist.

Ausgehend davon richtet sich die Leitfrage der vorliegenden Arbeit nach der Bedeutung, die dem Testament, im Rahmen der von Franziskus begründeten Glaubensbewegung, zugeschrieben werde kann.

1.2 Quellen- und Literaturbericht

Be i den Inhalten über die Biographie des heiligen Franziskus, sowie auch bei der quellenkritischen Betrachtung seines Testaments, habe ich auf das von Dieter Berg herausgegebenes Werk „ Franziskus-Quellen. Die Schriften des Heiligen Franziskus, Lebensbeschreibung, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seinen Orden“ zurückgegriffen. Des Weiteren ist im Bereich der Quellen Kajetan Essers Werk „Die Opuscula des Hl. Franziskus von Assisi“ miteingeflossen, sowie auch von Engelbert Grau „Thomas von Celano. Leben und Wunder des hl. Franziskus von Assisi“, und von Lothar Hardick und Engelbert Grau, „Leben und Schriften der hl. Klara“.

Im Bereich der Literatur gehört zu den wesentlich miteinbezogenen Werken, von Kajetan Esser „Das Testament des Heiligen Franziskus von Assisi. Eine Untersuchung über seine Echtheit und seine Bedeutung“, von Helmut Feld „Franziskus von Assisi“ und „ Franziskus von Assisi und seine Bewegung“, sowie von Georg Schwaiger „Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte“.

1.3 Methode und Aufbau der Arbeit

Um der Leitfrage nachzugehen, welche Bedeutung man Franziskus Testament, im Rahmen der von ihm begründeten Glaubensbewegung, zuschrieben kann, wurde die vorliegende Arbeit in zwei wesentliche Schwerpunkte gegliedert.

Den ersten Schwerpunkt bildet der historische Kontext unter welchem das Testament zu betrachten ist. Es werden von uns zu diesem Zweck einführend die Grundzüge der hochmittelalterlichen Bettelorden dargelegt. Hierbei liegt unser Fokus insbesondere auf den Fragen, inwiefern sich die Bettelorden von vorrangegangenen Armutsbewegungen unterscheiden, und inwiefern Franziskus mit deren Ideale konform geht.

Anschließend folgt eine Betrachtung zum Lebensweg des heiligen Franziskus, um darin Bezüge zu seinem Testament herauszuarbeiten. Hierfür kommen wir als erstes auf die Problematik einer objektiven Lebensbeschreibung zu sprechen, als zweites gehen wir chronologisch auf die wichtigsten Schlüsselereignisse im Leben des Franziskus ein, ehe wir uns abschließend der Ordensentwicklung während seiner letzten Lebensjahre widmen.

Den zweiten Schwerpunkt bildet eine quellenkritische Betrachtung des Testaments. Hierzu beginnen wir mit Ausführungen zu der Quelle und ihrer Überlieferung. Zudem thematisieren wir an dieser Stelle die Frage nach der Echtheit des Testaments, sowie auch die Annahmen, die in der Forschung darüber bestehen.

Anschließend skizzieren wir die inhaltlichen Aspekte des Testaments, nach einem Schema von Kajetan Esser, um so dessen Kernaussagen zu erfassen, wie auch die wesentlichen Bezüge zu Franziskus Leben und seinem letzten Willen. Das abschließende Fazit soll zur Reflektion dienen, über die Frage, welche Intention Franziskus in sein Testament gelegt haben könnte, und welche Bedeutung es für die von ihm Begründete Glaubensbewegung letztendlich hat.

2. Historischer Kontext

Um die Inhalte des Testaments besser nachvollziehen zu können, gehen wir zunächst auf den, für die Betrachtung relevanten, historischen Kontext ein. Dabei widmen wir uns als erstes den Grundzügen der im Hochmittelalter entstandenen Bettelorden. Danach folgt ein Überblick zu den Schlüsselereignissen im Leben des Heiligen Franziskus. Anschließend kommen die Ordensentwicklungen während seiner letzten Lebensjahre zur Sprache.

2.1 Grundzüge der Bettelorden

Im 13. Jahrhundert entwickelte sich der Ordenstypus der Mendikanten, zu Deutsch auch Bettelorden genannt, aus den vielschichtigen Armutsbewegungen des Hochmittelalters.1 Die Bettelorden, sind als sogenannte Reformorden entstanden, und breiteten sich rasch über das gesamte West- und Mitteleuropa der Christenheit aus. Als Reaktion auf die zunehmende Ausbreitung von sogenannten "Irrlehren", versuchten die Bettelorden, in höherem Maße als ihre Vorgänger des 11. und 12. Jahrhunderts, die Botschaft des Evangeliums mit aktivem Einsatz zu verbreiten.2 Die Bettelorden unterscheiden sich zudem von bereits existierenden monastischen und kanonikalen Gemeinschaften dadurch, dass sie für ihre Niederlassungen nicht mehr räumliche Abgeschiedenheit bevorzugten. Stattdessen suchten sie zunehmend die Stadtnähe, wo ihre Mitglieder vermehrt als Seelsorger, Lehrer und Prediger auftraten. Hinzu kam, dass sich die Mitglieder zwar immer noch auf Lebzeiten einem Orden verpflichten, aber dadurch nicht gezwungenermaßen an ein bestimmtes Kloster gebunden waren.3

Was ihr leitendes Armutsideal betrifft, so ist der gravierende Unterschied zu vorhergegangenen Bewegungen darin festzumachen, dass die Bettelorden nicht nur persönliches Eigentum abgelehnten, sondern auch versuchten weitgehend auf Gemeinschaftsbesitz zu verzichten. Dieser strenge Verzicht auf Besitztümer hängt mit dem Grundgedanken zusammen, ein Leben gemäß dem Vorbild der christlichen Urgemeinschaft zu führen. Besonders Franziskus von Assisi war in dieser Überzeugung sehr radikal, was dazu führte, dass er in der Anfangszeit seines Ordens selbst feste klösterliche Behausungen mit Entschiedenheit ablehnte.4

Bereits vor den Bettelorden gab es Bestrebungen dem Ideal der „vita apostolica“ nachzukommen. Dieses wurde geprägt durch die Vorstellung des engelsgleichen, ärmlichen Lebens, welches Jesus und seine Apostel geführt haben sollen.5 Dieser Versuch der Christusnachfolge fand Ausdruck in einer strengen, nach dem Evangelium ausgerichteten Lebensführung, in Armut und Buße. Hinzu kamen insbesondere bei den Bettelorden Elemente wie die christliche Predigt und tätige Nächstenliebe,6 die sich beispielsweise in der Pflege von Aussätzigen äußerte. Wie zentral und allgegenwertig dieser Grundgedanke war, wird auch Thomas von Celanos Beschreibung des heiligen Franziskus deutlich: „Immer war er mit Jesus beschäftigt, Jesus trug er stets im Herzen, Jesus im Munde, Jesus in den Ohren, Jesus in den Augen, Jesus in den Händen, Jesus in seinen übrigen Gliedern.“7

Unter den Bettelorden konnten sich vier große Ordensgemeinschaften kirchenrechtlich etablieren. Zu diesen zählt zum einen der Orden der Franziskaner, dessen Mitglieder sich selbst auch Minderbrüder nannten (Ordo Fratrum Minorum). Des Weiteren zählen dazu: der Orden der Dominikaner, auch Predigerorden genannt (Ordo Fratrum Praedicatorum), sowie der Orden der Augustiner-Eremiten (Ordo Eremitarum Sancti Augustini), und der Orden der Karmeliten (Ordo Fratrum beatae Mariae Virginis de Monte Carmelo)8

2.2 Der Lebensweg des heiligen Franziskus

Nach dieser Einführung zu den Bettelorden, soll an dieser Stelle der Lebensweg des heiligen Franziskus skizziert werden. Hierbei gehen wir zunächst auf die Problematik ein, die sich bei dem Versuch einer objektiven Lebensbeschreibung des Heiligen ergibt. Danach widmen wir uns, in chronologischer Vorgehensweise,9 den wichtigsten Schlüsselereignissen seines Lebens. Abschließend werden wir gesondert auf die Ordensentwicklungen während der letzten Lebensjahren eingehen, um so eine fundierte Basis für die Betrachtung seines Testaments zu schaffen.

2.2.1 Problematik einer objektiven Lebensbeschreibung

Das heutige Wissen zur Biographie des Franziskus verdanken wir zum Großteil Überlieferungen und Legenden, die von seinen Ordensbrüdern festgehalten worden sind. Obwohl besagte Zeugnisse äußerst wichtige Quellen zur Person des Heiligen darstellen, sind sie in gewissen Aspekten durchaus als tendenziös aufzufassen. Gleiches gilt auch für diejenigen Schriften, von denen nach heutigem Forschungsstand ausgegangen wird, dass es sich um authentische Selbstzeugnisse handelt. Dies ist so, da auch sie Elemente beinhalten, mit denen Franziskus bewusst versuchte sein Bild, als Ordensstifter und Heiliger, für die Nachwelt zu inszenieren.10

Aus diesem Grund darf auch das hier thematisierte Testament, welches durchaus das wichtigste autobiographische Zeugnis des Heiligen darstellen könnte, sofern man von dessen Echtheit ausgeht, nicht als Messlatte für die Zuverlässigkeit aller anderen Quellen herangezogen werden.11

2.2.2 Schlüsselereignisse im Leben des Franziskus

Als der Sohn eines reichen Stoffwarenhändlers aus Assisi, wurde Giovanni di Pietro di Bernadone Ende 1181 geboren. Nachdem sein Vater von einer Geschäftsreise aus Frankreich zurückgekehrt ist, veranlasste dieser, dass sein Sohn fortan den Namen Franziskus (it. Francesco) tragen sollte.12 Franziskus, ursprünglich Giovanni, wurde während der Herrschaft von Kaiser Friedrich I. Barbarossa geboren, die bis ins Jahr 1190 andauerte, sowie auch während des Pontifikats von Papst Lucius III., dessen Dauer sich von 1181 bis 1185 belief. In der Pfarrschule S. Giorgio lernte der junge Franziskus schreiben, lesen und rechnen13. Er verlebte zunächst eine unbeschwerte Jugend und träumte von Festen und dem Rittertum.14

Im Zeitraum von 1190 bis 1197 lebte er dann unter der Regierung von Kaiser Heinrich VI., welche unerwartete mit dem frühen Tod des Kaisers September 1197 endete. Bald darauf trat Innocenz III. im Jahre 1198 die Papstwürde an. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts setzte ein dann schwerer Konflikt zwischen den Städten Assisi und Perugia ein, der einen entscheidenden Einschnitt im Leben des Franziskus markierte. Während der Schlacht bei Collestrada, im November 1202, erlitt die Stadt Assisi gegen Perugia eine schwere Niederlage, infolge derer Franziskus in Kriegsgefangenschaft geriet.15 Nach einem Jahr kehrte er schließlich schwerkrank aus der Gefangenschaft zurück, und seine Genesung zog sich bis ins Jahr 1204 hin. Wieder gesund schloss sich Franziskus im Zeitraum zwischen 1204 und 1205 dem Kreuzzug nach Apulien an, mit dem Besterben es doch noch als Ritter zu Ruhm und Ansehen zu bringen. Bereits bei Stadt Spoleto veranlasste ihn jedoch Gott in einer nächtlichen Vision dazu, seinen Traum vom Rittertum zu verwerfen und nach Assisi zurück zu kehren.16

Vermutlich 1205 machte Franziskus in der Ebene von Assisi seine erste Begegnung mit einem Aussätzigen, welche seine Gesinnung für sein weiteres Leben nachhaltig prägte. Im Jahre 1206 hatte Franziskus vor dem byzantinischen Kreuzbild der verfallenen Kirche S. Damiano eine Vision, die ihn dazu veranlasste die Kirche eigenhändig wieder aufzubauen.17 Als sein Vater aber feststellte, dass Franziskus sein Geld zur Restauration des Kirchengebäudes verwendete, und an die Armen verschenkte, entschloss dieser sich seinen Sohn zu enterben.18 Dadurch kommt es im Jahre 1207 schließlich dazu, dass sich Franziskus endgültig von seinem Vater lossagte. Dieser Akt der Lossagung, spielte sich vor dem Bischofspalast ab. Franziskus soll sich dabei vor der Öffentlichkeit und seinem Vater komplett entkleidet haben, um auf seine gesamten irdischen Besitztümer, wie auch auf sein Erbe freiwillig zu verzichten. Mit dieser Handlung geht sein Entschluss einher, fortan nur noch den Himmel seinen Vater zu nennen, und ein Leben in völliger Armut zu führen.19

[...]


1 Vgl. Georg Schwaiger, Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, 3. Aufl., München 2008. S. 44.

2 Vgl. Gabriela Signori, Das 13. Jahrhundert. Eine Einführung in die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas, Stuttgart 2007. S. 68.

3 Vgl. Georg Schwaiger, Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, 3. Aufl., München 2008. S. 44-45.

4 Vgl. Ebd., S.45.

5 Vgl. Gabriela Signori, Das 13. Jahrhundert. Eine Einführung in die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas, Stuttgart 2007. S. 68.

6 Vgl. Georg Schwaiger, Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, 3. Aufl., München 2008. S. 44.

7 Engelbert Grau/Thomas von Celano, Leben und Wunder des hl. Franziskus von Assisi, Kevelaer 2001. S. 115.

8 Vgl. Anette Pelizaeus, Die Predigerkirche in Erfurt. Studien zur gotischen Bettelordens- und Pfarrkirchenarchitektur in Thüringen, Köln 2004. S. 10.

9 Vorliegende chronologische Lebensdarstellung orientiert sich, was die Jahresangaben betrifft, an der Zeittafel in: Helmut Feld, Franziskus von Assisi, 3. Aufl., München 2013. S. 103

10 Vgl. Helmut Feld, Franziskus von Assisi, 3. Aufl., München 2013. S. 11.

11 Vgl. Ebd., S. 12.

12 Vgl. Engelbert Grau/Thomas von Celano. Leben und Wunder des hl. Franziskus von Assisi, Kevelaer 2001. S. 222-223.

13 Vgl. Ebd., S. 98.

14 Vgl. Ebd., S. 226-227.

15 Vgl. Helmut Feld, Franziskus von Assisi, 3. Aufl., München 2013. S. 18-19.

16 Vgl. Ebd. S. 19.

17 Vgl. Ebd. S. 20.

18 Vgl. Engelbert Grau/Thomas von Celano. Leben und Wunder des hl. Franziskus von Assisi, Kevelaer 2001. S. 232.

19 Vgl. Ebd., S. 95-97.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Testament des heiligen Franziskus von Assisi. Quellenkritische Untersuchung zu seinem letzten Willen
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V458086
ISBN (eBook)
9783668893467
ISBN (Buch)
9783668893474
Sprache
Deutsch
Schlagworte
testament, franziskus, assisi, quellenkritische, untersuchung, willen
Arbeit zitieren
Lucius Müller (Autor), 2013, Das Testament des heiligen Franziskus von Assisi. Quellenkritische Untersuchung zu seinem letzten Willen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458086

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