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Welche Ursachen hatte der Aufstand vom 17. Juni 1953?

Title: Welche Ursachen hatte der Aufstand vom 17. Juni 1953?

Seminar Paper , 2005 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Benjamin van Well (Author)

Politics - History of Political Systems
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Die Frage nach den Ursachen für den Aufstand vom 17. Juni 1953 impliziert ihrerseits einen komplexen Fragenkatalog: Kam der Aufstand zum Ausbruch, weil sich die DDR seit Monaten in einer tiefen wirtschaftlichen Krise befand und der Lebensstandart der Menschen vor diesem Hintergrund drastisch gesunken war? Waren es die repressiven Maßnahmen der Regierung, der „totale soziale Krieg“ (Werkentin 2002) gegen die eigene Bevölkerung – insbesondere gegen die Bauern –, der einen offenen Konflikt heraufbeschwor? Bestand ein Zusammenhang zwischen Aufstand und „Republikflucht“? Stimulierte der Beschluss der SED-Regierung, die Produktionsnormen um mindestens zehn Prozent zu erhöhen, den Ausbruch des Aufstandes oder die Tatsache, dass dieser Beschluss, selbst im Rahmen des Neuen Kurses, nicht zurückgenommen wurde? War es das selbstkritische Fehlereingeständnis der Regierung, das die Massen mobilisierte? Brach der Aufstand aus, weil das Regime mit diesem Fehlereingeständnis erstmals Schwäche zeigte? Eskalierte der Aufstand, weil die Menschen den Neuen Kurs als eine Bankrotterklärung des Regimes auffassten?
In jedem Falle – darauf weisen die hier gestellten Fragen hin – kann ein Zusammenhang zwischen dem Aufstand und bestimmten krisenhaften Verhältnissen, die im Vorfeld des 17. Juni innerhalb der DDR herrschten, angenommen werden. Von dieser Annahme ausgehend impliziert die Frage nach den Ursachen des Aufstandes, zum einen die Frage nach dem Ausmaß und den wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Konsequenzen jener Krisen und zum anderen die Frage, inwieweit diese den Aufstand provoziert bzw. ausgelöst haben könnten. In diesem Zusammenhang werden vier Maßnahmen der SED-Regierung sowie deren Hintergründe, ihre krisenhaften Folgen und die Reaktionen der DDR-Bevölkerung auf diese Umstände analysiert.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwangskollektivierung und Enteignung – eine Ursache für den Aufstand?

2.1 Politik nach der 2. Parteikonferenz

2.2 Politik gegen die Großbauern als Ursache für den Aufstand?

2.3 Folgen der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft

2.3.1 Angst und Misstrauen – Protest und Republikflucht

2.3.2 Verschlechterung der Versorgung der Bevölkerung

2.4 Ursachen für den Aufstand: Ergebnisse eines totalen sozialen Krieges

3. Die Militarisierung – eine Ursache für den Aufstand?

3.1 Vorgeschichte: Gründe für das militärökonomische Denken der UdSSR

3.2 Konzentration auf die Schwerindustrie, Vernachlässigung der Leichtindustrie

3.3 Folgen für das zivile Bauwesen

3.4 Folgen für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln

3.5 Reaktionen auf den niedrigen Lebensstandart

3.6 Ablehnung der Militarisierung – Verschärfung des Konflikts?

3.7 Ursachen für den Aufstand: Die Aufrüstung und ihre Folgen

4. Die Normenerhöhung und ihre Folgen

4.1 Haushaltslöcher als Voraussetzung

4.2 Die Normenerhöhung – eine genuine Ursache für Protesthaltung?

4.3 Ursachen für den Aufstand: Normenerhöhung

5. Der Neue Kurs

5.1 Gründe für die Kurskorrektur

5.2 Keine Rücknahme der Normenerhöhung – eine unmittelbare Ursache für den Aufstand?

5.3 Eingestehen von Fehlern – eine Mobilisierung der Massen?

5.4 Eine geschwächte SED wirkt mobilisierend?

5.5 Staatsbankrott

5.6 Ursachen für den Aufstand: Der Neue Kurs

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR. Dabei wird analysiert, inwieweit wirtschaftliche Krisen, der staatliche Druck der SED-Regierung und spezifische politische Fehlentscheidungen als Auslöser für die landesweiten Proteste identifiziert werden können.

  • Politik der Zwangskollektivierung und ihre Folgen in der Landwirtschaft
  • Die Auswirkungen der forcierten Militarisierung auf die Versorgung der Bevölkerung
  • Zusammenhang zwischen Arbeitsnormenerhöhungen und der existenziellen Not der Arbeiterschaft
  • Der „Neue Kurs“ als Symptom staatlicher Schwäche und Bankrotterklärung
  • Die Rolle von Fehlereingeständnissen der SED bei der Mobilisierung der Massen

Auszug aus dem Buch

3.2 Konzentration auf die Schwerindustrie, Vernachlässigung der Leichtindustrie

Bei der Umsetzung des stalinistischen Wirtschaftsmodells, der „beschleunigten Militarisierung der Gesellschaft und dem Aufbau eigener Streitkräfte“, wurde ein besonderer Akzent auf die Schwerindustrie, den intensiven und beschleunigten Aufbau der Energiewirtschaft, des Hüttenwesens und des Schwermaschinenbaus gelegt.

Die Rüstungsindustrie erlangte gegenüber zivilen Wirtschaftszweigen sogar absolute Priorität und erhielt bevorzugt Investitionsmittel, Produktionsmittel, Arbeitskräfte und vor allem so genannte Engpassmaterialien, die man der Konsumindustrie entzog. Nahezu alle anderen politisch-gesellschaftlichen Ziele waren in der Folgezeit dem Aufbau einer Armee untergeordnet. Häufig wurde die Wirtschaft durch diese bevorzugte Behandlung der Rüstungsbereiche vollkommen unvorbereitet getroffen. So wurden viele Betriebe häufig mit unvorhergesehenen Zusatzaufgaben konfrontiert, die ihrerseits zur Stornierung von Aufträgen für den zivilen Sektor führten. Als Konsequenz wurde die Produktion für zivile Zwecke zurückgestuft und damit auch die Verbrauchsgüterindustrie stark vernachlässigt. Somit wurden der Bevölkerung als Folge der militärischen Aufrüstung der DDR „erhebliche ökonomische Einschränkungen und finanzielle Lasten“ auferlegt. Die Lebenslage der Menschen verschlechterte sich vor diesem Hintergrund zunehmend.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung steckt den komplexen Fragenkatalog ab und legt dar, wie vier zentrale Maßnahmen der SED-Regierung in den folgenden Kapiteln auf ihren Beitrag zum Aufstand untersucht werden.

2. Zwangskollektivierung und Enteignung – eine Ursache für den Aufstand?: Dieses Kapitel analysiert die Politik gegen die Bauernschaft, die zu massiver Republikflucht und existentiellen Problemen führte.

3. Die Militarisierung – eine Ursache für den Aufstand?: Hier wird die Vernachlässigung der Leichtindustrie zugunsten der Rüstung beleuchtet, die zu gravierenden Versorgungsengpässen und einer sinkenden Lebensqualität führte.

4. Die Normenerhöhung und ihre Folgen: Das Kapitel befasst sich mit der administrativen Erhöhung der Produktionsnormen, die die Stimmung der Arbeiter nachhaltig verschlechterte und in Existenzängste mündete.

5. Der Neue Kurs: Hier wird untersucht, wie die späte und inkonsequente politische Kursänderung der SED die Massen weiter gegen das Regime aufbrachte und als Bankrotterklärung wahrgenommen wurde.

6. Fazit: Das Fazit führt die verschiedenen Krisenstränge zusammen und bewertet den Aufstand als Resultat der kumulierten wirtschaftlichen und sozialen Druckverhältnisse unter dem SED-Regime.

Schlüsselwörter

DDR, 17. Juni 1953, Aufstand, SED, Zwangskollektivierung, Militarisierung, Normenerhöhung, Lebensstandard, Versorgungskrise, Republikflucht, Neuer Kurs, Arbeiter, Planwirtschaft, Staatshaushalt, Klassenkampf

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Ursachen, die zum Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der Deutschen Demokratischen Republik geführt haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die landwirtschaftliche Zwangskollektivierung, die forcierte Militarisierung der Wirtschaft, die Erhöhung der Arbeitsnormen sowie die politische Wende durch den sogenannten Neuen Kurs.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Es wird gefragt, ob und wie der Aufstand aus den krisenhaften ökonomischen und sozialen Verhältnissen, die durch die SED-Politik im Vorfeld geschaffen wurden, direkt resultierte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin oder der Autor verwendet eine deskriptive und analytische Literatur- und Quellenanalyse, basierend auf Berichten, Dokumenten der SED und historischer Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert vier spezifische staatliche Maßnahmenpakete und deren fatale Auswirkungen auf den Lebensstandard und die Stimmung der verschiedenen sozialen Gruppen in der DDR.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?

Die wichtigsten Schlagworte sind DDR, 17. Juni 1953, Zwangskollektivierung, Normenerhöhung, Versorgungskrise, Militarisierung und SED.

Warum war die Normenerhöhung eine besonders schwere Provokation für die Arbeiter?

Da die Arbeitsnormen trotz massiver Materialmängel erhöht wurden, führte dies faktisch zu einer Lohnkürzung von bis zu 40 Prozent, was viele Familien in eine unmittelbare Existenzkrise stürzte.

Welche Rolle spielte der Neue Kurs bei der Eskalation des Konflikts?

Der Neue Kurs wurde als Schwächezeichen der Regierung wahrgenommen. Da ausgerechnet die verhasste Normenerhöhung bestehen blieb, empfanden die Arbeiter das Handeln der SED als bewusste Provokation.

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Details

Title
Welche Ursachen hatte der Aufstand vom 17. Juni 1953?
College
Free University of Berlin  (Institut für Politik- und Sozialwissenschaften)
Course
Der 17. Juni 1953
Grade
1,0
Author
Benjamin van Well (Author)
Publication Year
2005
Pages
29
Catalog Number
V45848
ISBN (eBook)
9783638431828
ISBN (Book)
9783638658263
Language
German
Tags
Welche Ursachen Aufstand Juni
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benjamin van Well (Author), 2005, Welche Ursachen hatte der Aufstand vom 17. Juni 1953?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45848
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