Die Beziehung zwischen Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in "Stolz und Vorurteil"

Gegenüberstellung der literarischen und filmischen Darstellung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

30 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Beziehung zwischen Elizabeth und Darcy

3. Analyse und Vergleich des „Zusammenfindens“
von Elizabeth und Mr. Darcy in Roman und Film
3.1 Analyse von Kapitel 58 im Roman Stolz und Vorurteil
3.2 Analyse der Filmsequenz
3.3 Vergleich Roman und Film

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife.“1 So lautet der berühmte Eingangssatz aus Jane Austens Roman Stolz und Vorurteil, welcher im englischen Originaltitel Pride and Prejudice 1813 das erste Mal veröffentlicht wurde. Die großen Themen dieses Romans sind die gesellschaftlichen Unterschiede im England des 19. Jahrhundert, die sich auf Ehe, Wohlstand und Glück der Individuen auswirken. Die vorliegende Hausarbeit soll sich dem Roman im Vergleich mit der gleichnamigen Verfilmung von Joe Wright aus dem Jahre 2005 widmen. Dabei werden hauptsächlich der englischsprachige Roman sowie der Film in Originalsprache verwendet, um eine möglichst genaue Wiedergabe der Dialoge und Handlungen zu ermöglichen. Der Fokus im Vergleich von Roman und Film liegt auf der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten Elizabeth Bennet und Mr. Darcy. Es sollen die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der literarischen und der filmischen Umsetzung herausgearbeitet werden. Dabei werden auch die möglichen Gründe für eine unterschiedliche Darstellung der Beziehung im Roman und im Film betrachtet.

Zunächst soll in Kapitel 2 die Entwicklung, welche die Beziehung von Elizabeth und Darcy im Laufe des Romans durchläuft, geschildert und analysiert werden. Zu diesem Zweck werden in chronologischer Reihenfolge die wichtigsten Ereignisse und Begegnungen der beiden Protagonisten von Anfang bis Ende des Romans miteinbezogen. Auf dieser Grundlage wird anschließend das Kapitel 58 des Romans im Detail analysiert. Dieses Kapitel ist von besonderer Bedeutung, da Elizabeth und Darcy hier letztendlich zueinander finden. Dabei soll verdeutlicht werden, wie sich die Persönlichkeiten und Gefühle von Elizabeth und Darcy während der Handlung verändert haben. In Kapitel 3.2 wird dann Sequenz Nr. 36, entsprechend dem im Anhang befindlichen Sequenzprotokoll, behandelt. Diese Sequenz entspricht inhaltlich dem Kapitel 58 des Romans und soll zunächst parallel auf bildlicher und auditiver Ebene analysiert werden. Anschließend wird der Inhalt des Dialogs zwischen Elizabeth und Darcy genauer betrachtet. Im letzten Teil des Kapitels erfolgt ein Vergleich des Romankapitels mit der Filmsequenz, wobei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug auf Zeit, Ort und Handlung untersucht werden. Abschließend wird im Fazit eine Zusammenfassung der gewonnen Erkenntnisse sowie eine kurze Bewertung der literarischen sowie filmischen Umsetzung von Stolz und Vorurteil gegeben.

Grundlegend für die erwähnten Untersuchungen ist die Tatsache, dass in der Handlung einige Zeit vergehen muss, bis die beiden Protagonisten ein Paar werden. Viele Missverständnisse und Vorurteile stehen den beiden im Weg. Dabei soll die These untersucht werden, dass Elizabeth und Darcy zunächst selbst eine Veränderung durchlaufen müssen, bevor sie ein Paar werden können.

2. Entwicklung der Beziehung zwischen Elizabeth und Darcy

Zu Beginn von Jane Austens Roman Stolz und Vorurteil erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass die beiden Protagonisten Elizabeth und Mr. Darcy ein Paar werden.2 Bei ihrem Kennenlernen auf dem Ball in Hertfordshire gibt sich Darcy nach außen sehr arrogant und distanziert.3 So äußert er sich gegenüber seinem Freund Mr. Bingley abwertend über Elizabeths Äußeres, als sei sie nicht gut genug für ihn: „She is tolerable; but not handsome enough to tempt me “.4 Elizabeth hört diese Äußerung zufällig mit an, sodass sie aus Kränkung direkt negative Gefühle gegenüber Darcy entwickelt. Sie bildet sofort das Vorurteil von Darcys Stolz und Hochmut.5 Interessanterweise fällt dem Leser jedoch auf, dass beide Charaktere einander sofort auffallen.6 Insbesondere Elizabeth erregt Darcys Aufmerksamkeit und er entwickelt schon bald den Wunsch, sie näher kennenzulernen.7 Obwohl er sich zunächst abfällig über ihr Aussehen geäußert hat, fällt ihm später im Roman ihre Schönheit auf:

But no sooner had he made it clear to himself and his friends that she had hardly a good feature in her face, than he began to find it was rendered uncommonly intelligent by the beautiful expression of her dark eyes. To this discovery succeeded some others equally mortifying. Though he had detected with a critical eye more than one failure of perfect symmetry in her form, he was forced to acknowledge her figure to be light and pleasing; and in spite of his asserting that her manners were not those of the fashionable world, he was caught by their easy playfulness.8

Darcy fühlt sich von Elizabeths Aussehen und ihrer Natürlichkeit angezogen, obwohl er sich innerlich dagegen zu wehren versucht. Jedoch steigert sich seine Zuneigung für sie mit jeder weiteren Begegnung der beiden. Elizabeth äußert sich in Darcys Gegenwart ironisch und spöttisch über seine Worte und sein Auftreten, beispielsweise bei einer

Gesellschaft im Hause der Familie Lucas: „'Mr. Darcy is all politeness,' said Elizabeth, smiling“.9 Ihre forsche und spöttische Art schreckt Darcy jedoch keineswegs ab, sondern macht sie für ihn nur noch interessanter.10 Elizabeth schafft durch ihren Zynismus eine gewisse Nähe und Intimität zwischen sich und Darcy:

Despite the pride and prejudice on each side, which for so long keep them apart, their conversations together have what only they can share. Elizabeth's lively and challenging remarks arouse his interest in a special way; and in demanding an immediate return, they put him on his mettle.11

Ihre Gespräche entwickeln sich somit zu einem exklusiven und besonderen Bestandteil ihrer Beziehung. Elizabeths Natürlichkeit und Intelligenz sind ausschlaggebend für Darcys Interesse.12 Zudem wird Darcy durch Elizabeths kritische Bemerkungen dazu gezwungen, seine Vorurteile und seinen Hochmut anderen gegenüber zu hinterfragen.13 Dies ist zum Beispiel der Fall, als Elizabeth ihre kranke Schwester Jane auf Bingleys Anwesen Netherfield besucht. In mehreren Situationen macht Elizabeth Darcy auf seine Charakterschwächen aufmerksam: „You appear to me, Mr. Darcy, to allow nothing for the influence of friendship and affection“.14 Dieser Einfluss, den Elizabeth auf Darcy hat, nimmt im weiteren Verlauf der Handlung noch zu.

Trotz dass Darcy allmählich Gefühle für Elizabeth aufbaut, gibt es in der Entwicklung ihrer Beziehung einige Hindernisse. So sieht Darcy sich aufgrund Elizabeths niedrigem Stand zunächst nicht in der Lage, seinen Gefühlen nachzugehen: „[...] Darcy had never been so bewitched by any woman as he was by her. He really believed, that were it not for the inferiority of her connections, he should be in some danger”.15 Darcy hat somit Vorbehalte gegen Elizabeths familiären Hintergrund. Auch auf Elizabeths Seite entwickeln sich weiterhin Vorurteile gegenüber Darcys Charakter. Darcys ehemaliger Freund Mr. Wickham, mit dem er aufgewachsen ist, verstärkt Elizabeths Voreingenommenheit durch falsche Erzählungen. Aufgrund seines charismatischen Auftretens glaubt Elizabeth Wickham, ohne seine Geschichte zu hinterfragen.16 Ihre Abneigung gegenüber Darcy wächst, während sie Wickham überaus zugetan ist: „Attention, forbearance, patience with Darcy was injury to Wickham. She was resolved against any sort of conversation with him, and turned away with a degree of ill humour [...]“.17 Als Elizabeth und Darcy bei dem Ball in Netherfield miteinander tanzen, lenkt Elizabeth das Gespräch bewusst auf Wickham, um Darcy zu testen. Die beiden diskutieren über Darcys Charakter und Elizabeth gesteht, dass sie ihn nicht recht einzuschätzen weiß.18

Nach diesem Zusammentreffen in Netherfield vergeht einige Zeit, bis Elizabeth und Darcy sich das nächste Mal begegnen. Während seine Gefühle sich intensivieren, verstärken sich Elizabeths Vorurteile weiterhin. Durch Wickhams Anwesenheit in Hertfordshire wird die allgemeine Abneigung gegen Darcy gesteigert.19 Als Elizabeth ihre frisch verheiratete Freundin Charlotte in Hunsford besucht, wird sie ebenfalls auf Lady Catherine de Bourghs Anwesen eingeladen.20 Dort trifft sie auf ihren Neffen Mr. Darcy, der gemeinsam mit seinem Freund Oberst Fitzwilliam zu Besuch ist.21 Es kommt zu einigen Begegnungen zwischen den beiden, die teilweise von Darcy beabsichtigt scheinen. Elizabeth wundert sich über Darcys häufige Besuche, ohne zu merken, dass er ihre Nähe sucht.22 Auch als Charlotte vermutet, dass Darcy in Elizabeth verliebt sei, schenkt sie dieser Beobachtung keinen Glauben.23 Während eines Gesprächs mit Oberst Fitzwilliam findet Elizabeth heraus, dass Darcy dazu beigetragen hat, dass Bingley sich von ihrer Schwester Jane abgewendet hat.24 Darcy hat seinem Freund aufgrund dem niedrigen Stand der Familie Bennet davon abgeraten, eine Heirat mit Jane zu erwägen.25 Da Darcy somit Schuld an Janes Unglück hat, verstärkt sich Elizabeths Abneigung gegen ihn.

Dahingegen sind Darcys Gefühle für Elizabeth so stark, dass er ihr in Kapitel 34 einen Heiratsantrag macht.26 Elizabeth lehnt diesen Antrag jedoch ab. Dies Darcy kann nicht verstehen, da er überzeugt davon war, dass sie seinen Antrag annehmen würde. Als er sie nach ihren Gründen fragt, wirft Elizabeth Darcy zwei Vergehen vor: seine Einmischung in die Beziehung von Jane und Bingley sowie sein Verhalten Wickham gegenüber.27 Das Gespräch artet daraufhin in eine Diskussion aus und Elizabeth lässt Darcy ihre Abneigung offen spüren:

From the very beginning, from the first moment I may almost say, of my acquaintance with you, your manners impressing me with the fullest belief of your arrogance, your conceit, and your selfish disdain of the feelings of others, were such as to form that ground-work of disapprobation, on which succeeding events have built so immovable a dislike; and I had not known you a month before I felt that you were the last man in the world whom I could ever be prevailed to marry.28

Diese Worte zeigen Elizabeths starke Abneigung gegen Darcy und dass ihre Vorurteile zu festen Überzeugungen geworden sind. Ihre schonungslose Ehrlichkeit verletzt Darcy sehr und er verabschiedet sich hinterher sofort.29 Elizabeths Aussage markiert einen Wendepunkt für Darcy, da sie die erste ist, die ihn auf diese Weise kritisiert. Er beginnt, sein Verhalten zu reflektieren und schreibt einen Brief an Elizabeth, in welchem er Stellung zu ihren Vorwürfen bezieht und seine Handlungsmotive offenbart.30 Als Elizabeth diesen Brief erhält, kann sie es kaum glauben, dass ihre Vorurteile so falsch sein konnten.31 Sie beginnt, die vergangenen Gespräche mit Wickham zu rekonstruieren und merkt dabei, wie verblendet ihr eigenes Verhalten war:

How despicably have I acted!' she cried. - 'I, who have prided myself on discernment […] Pleased with the preference of one, and offended by the neglect of the other, on the very beginning of our acquaintance, I have courted prepossession and ignorance, and driven reason away, where either were concerned. Till this moment, I never knew myself.'32

Der Brief Darcys markiert wiederum einen Wendepunkt in Elizabeths Denken, da sie gezwungen ist, ihre Vorurteile zu berichtigen und ihre eigenen Schwächen zu erkennen.33 Zudem ändern sich Elizabeths Gefühle Darcy gegenüber, auch wenn sie weiterhin noch keine Zuneigung für ihn empfindet: „His attachment excited gratitude, his general character respect; but she could not approve him; nor could she for a moment repent her refusal […]“.34

Das nächste Wiedersehen der beiden Protagonisten erfolgt, als Elizabeth während einer Reise mit Verwandten Darcys Anwesen Pemberley besucht.35 Sie lernt sein Zuhause kennen und wird dadurch zwangsläufig vertrauter mit seiner Person. Elizabeth ist beeindruckt von dem Anwesen und bekennt, dass Darcy einen guten Geschmack hat. Auch Darcys Haushälterin Mrs. Reynolds schwärmt von ihm und beschreibt ihn als sehr sympathischen und wohlwollenden Hausherren.36 Darüber ist Elizabeth sehr überrascht, da dieses Lob ihren eigenen Vorurteilen gänzlich widerspricht.37 Jedoch ist von Mrs. Reynolds Erzählungen gefesselt und möchte mehr erfahren.38 Es ist zu erkennen, dass Elizabeths Gefühle für Darcy sich grundlegend ändern. Als sie beispielsweise ein Porträt Darcys betrachtet, ist sie gefangen von seinem Anblick und ihm überaus zugetan: „There was certainly at this moment, in Elizabeth's mind, a more gentle sensation towards the original, than she had ever felt in the height of their acquaintance“.39 Später am Tag begegnen Elizabeth und Darcy sich zufällig. Beide sind sehr geschockt und erröten vor Aufregung.40 Darcy gibt sich Elizabeth gegenüber freundlicher und höflicher als je zuvor.41 Elizabeth ist sehr überrascht und sucht nach Gründen für sein verändertes Benehmen.42 Dabei schließt sie aus, dass Darcy immer noch Gefühle für sie haben könnte.43 Nach dem Treffen analysieren Elizabeths Tante und Onkel Darcys Verhalten. Sie finden ihn sehr sympathisch und wundern sich deswegen über die Gerüchte über Darcys Verhalten Wickham gegenüber.44 An dieser Stelle fühlt Elizabeth sich verpflichtet, diese Gerüchte richtigzustellen und Darcys Verhalten zu erklären.45 Dies zeigt, dass Elizabeth aus ihrem Verhalten gelernt hat und ihre Einstellung zu Darcy sich maßgeblich verändert hat. Während ihres Aufenthalts in Pemberley lernt Elizabeth auch Darcys Schwester kennen.46 Darcy möchte Elizabeth also mit seiner Familie vertraut machen, was dem Leser verdeutlicht, dass er immer noch tiefe Gefühle für Elizabeth hegt.

Als Elizabeth die Nachricht von einem Unglück in ihrer Familie erhält, ist sie gezwungen, sofort nach Hause aufzubrechen. Ihre jüngste Schwester Lydia ist mit Mr. Wickham davongelaufen und steht kurz davor, sich und ihre gesamte Familie zu entehren.47 Es dauert einige Zeit, bis sich das Problem gelöst hat. Erst hinterher erfährt Elizabeth durch einen Brief ihrer Tante, dass Darcy dabei eine entscheidende Rolle gespielt hat.48 Er hat Lydia und Wickham aufgespürt und den beiden eine Hochzeit finanziert, um Lydias Entehrung zu verhindern.49 Als Elizabeth davon erfährt, ist sie zutiefst gerührt, dass Darcy diese Mühe auf sich genommen hat.50 Sie begreift dabei nicht, dass er das für sie getan hat.51

Einige Wochen nach Erhalt des Briefes kehren Darcy und Mr. Bingley nach Netherfield zurück und es kommt zu mehreren Treffen mit der Familie Bennet. Während dieser Treffen sucht Elizabeth Darcys Nähe und beobachtet ihn die meiste Zeit über.52 Dem Leser wird klar, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits sehr verliebt in Darcy sein muss. Wenige Wochen später macht Bingley Jane einen Heiratsantrag, worüber die gesamte Familie Bennet sehr glücklich ist.53 Ein weiteres wichtiges Ereignis während Darcys Aufenthalt in Hertfordshire ist der Besuch von Lady Catherine de Bourgh, die ein Gespräch mit Elizabeth führen möchte.54 Dabei erklärt Lady Catherine, sie habe von dem Gerücht erfahren, ihr Neffe Mr. Darcy würde eine Verlobung mit Elizabeth erwägen.55 Sie möchte Elizabeth dazu bewegen, einen möglichen Heiratsantrag auszuschlagen, da sie aufgrund ihres niedrigen Standes keine geeignete Partnerin für Mr. Darcy sei.56 Es kommt zu einer langen Diskussion, bei der Elizabeth Lady Catherine klar macht, dass sie einen Heiratsantrag Darcys gewiss nicht ablehnen und damit auf ihr eigenes Glück verzichten würde: „I am only resolved to act in that manner, which will, in my own opinion, constitute my happiness, without reference to you, or any person so wholly unconnected with me“.57 Hierbei kommen sowohl Elizabeths Charakterstärke als auch ihre Gefühle für Darcy zum Ausdruck. Wenn Elizabeth kein Interesse an Darcy hätte, würde sie Lady Catherine gegenüber nicht solch eine Aussage machen, da diese sozial über ihr steht.

Einige Tage nach dem Gespräch zwischen Elizabeth und Lady Catherine kommt es in Kapitel 58 zu Darcys zweitem Heiratsantrag an Elizabeth. Diese Szene soll in Kapitel 3 genauer analysiert werden, da sie den wichtigsten Punkt in der Entwicklung von Elizabeths und Darcys Beziehung markiert. Anschließend an diese Szene kommt es in Kapitel 60 zu einem letzten wichtigen Gespräch zwischen den beiden Protagonisten. Elizabeth fragt Darcy dabei, warum er sich in sie verliebt hätte.58 Da dieser ihr keinen genauen Zeitpunkt oder Grund nennen kann, gibt Elizabeth ihm gewissermaßen selbst die Antwort:

The fact is, that you were sick of civility, of deference, of officious attention. You were disgusted with the women who were always speaking and looking, and thinking for your approbation alone. I roused, and interested you, because I was so unlike them. Had you not been really amiable you would have hated me for it; but in spite of the pains you took to disguise yourself, your feelings were always noble and just; and in your heart, you thoroughly despised the persons who so assiduously courted you.59

An dieser Stelle wird deutlich, dass Elizabeth Darcys Charakter durchschaut hat und ihn nun bestens einzuschätzen weiß. Darcy ist von Elizabeths natürlichem und unverstelltem Charakter beeindruckt, da ihm solche Frauen in seinem eigenen Umfeld nie begegnet sind. Elizabeth sticht aus der Masse hervor und verhält sich in Vergleich zu anderen Frauen dieser Zeit untypisch, da sie auf ihre eigenen Bedürfnisse und Werte achtet, statt blind den vorgegebenen Normen zu folgen. Sie wird dadurch zu einer ebenbürtigen Partnerin für Darcy und es scheint sicher, dass er auch im weiteren Verlauf ihrer Beziehung von ihrem Charakter gefesselt sein wird.60

3. Analyse und Vergleich des „Zusammenfindens“ von Elizabeth und Mr. Darcy in Roman und Film

3.1 Analyse von Kapitel 58 im Roman Stolz und Vorurteil

In Jane Austens Roman Stolz und Vorurteil finden Elizabeth und Mr. Darcy in Kapitel 58 zueinander.61 Die Handlung des Kapitels beginnt damit, dass Mr. Bingley und Mr. Darcy ein paar Tage nach dem Gespräch zwischen Lady Catherine und Elizabeth bei den Bennets zu Besuch kommen. Anschließend brechen Bingley, Jane, Elizabeth, Kitty und Darcy zu einem Spaziergang auf, bei welchem sich das verliebte Paar Bingley und Jane bald absondert. Da Kitty den Spaziergang für einen Besuch der Familie Lucas abbricht, gehen Elizabeth und Darcy bald alleine weiter. Diesen Zeitpunkt nutzt Elizabeth, um Darcy ihren Dank für seine Hilfe in der Angelegenheit um ihre Schwester Lydia zu danken. Sie beginnt das Gespräch wie folgt:

'Mr. Darcy, I'm a very selfish creature; and, for the sake of giving relief to my own feelings, care not how much I may be wounding your's. I can no longer help thanking you for your unexampled kindness to my poor sister. Ever since I have known it, I have been most anxious to acknowledge to you how gratefully I feel it. Were it known to the rest of my family, I should not have merely my own gratitude to express.'62

An dieser Stelle wird deutlich, wie überaus dankbar Elizabeth Mr. Darcy für seine große Güte und sein Mitgefühl ist. Sie bringt den Dank ihm gegenüber in dem Wissen zum Ausdruck, dass er seine Rolle in der Angelegenheit eigentlich geheim halten wollte. Dies zeigt, dass Elizabeth vor Darcy und auch vor sich selbst eine Wiedergutmachung für ihre frühere Voreingenommenheit und Ablehnung ihm gegenüber leisten möchte. Sie ist also an der Besserung ihres Verhältnisses interessiert. Darcy reagiert zunächst mit Bedauern, dass Elizabeth überhaupt von diesen Umständen erfahren hat und vermutet ihre Tante Mrs. Gardiner dahinter. Elizabeth stellt daraufhin richtig, dass die erste Andeutung zu seinem Einsatz von Lydia gemacht wurde und dankt Darcy erneut in hohem Maße, nun auch im Namen ihrer Familie. Daraufhin erklärt Darcy, dass die Familie Bennet ihm nichts schuldig sei und er aus seinen Gefühlen für Elizabeth heraus gehandelt habe. Daraufhin entwickelt sich die Szene wie folgt:

Elizabeth was too much embarrassed to say a word. After a short pause, her companion added, 'You are too generous to trifle with me. If your feelings are still what they were last April, tell me so at once. My affections and wishes are unchanged, but one word from you will silence me on this subject for ever.' Elizabeth feeling all the more than common awkwardness and anxiety of his situation, now forced herself to speak; and immediately, though not very fluently, gave him to understand, that her sentiments had undergone so material a change, since the period to which he alluded, as to make her receive with gratitude and pleasure, his present assurances. The happiness which this reply produced, was such as he had probably never felt before; and he expressed himself on the occasion as sensibly and as warmly as a man violently in love can be supposed to.63

Darcys Angst, erneut Elizabeths Ablehnung zu erfahren, zeigt die Intensität seiner Gefühle für sie. Die Entwicklung ihrer Beziehung ist nun von Elizabeths Reaktion abhängig. Um der Ungewissheit von Mr. Darcy ein Ende zu bereiten, gesteht sie ihm „unverzüglich, wenn auch stockend“64, dass ihre Gefühle sich in Liebe gewandelt haben. Ihre Gefühle äußert Elizabeth auf unsichere und sehr höfliche Weise, so wie es im Kontext der damaligen Beziehung zwischen Mann und Frau angemessen scheint. Wie anhand des Zitats deutlich wird, ist Mr. Darcy überaus glücklich über ihre Erwiderung seiner Gefühle und macht Elizabeth eine tiefgehende Liebeserklärung, die den damaligen Konventionen ebenfalls entspricht. Elizabeth ist außerstande, auf diese Liebeserklärung zu reagieren, ist aber innerlich sehr bewegt, als sie realisiert, welche

[...]


1 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 51.

2 Vgl. Hardy, John: Jane Austen's Heroines, 1984, S. 36.

3 Ebd.

4 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 59.

5 Vgl. Hardy, John: Jane Austen's Heroines, 1984, S. 36.

6 Ebd.

7 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 70.

8 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 70.

9 Ebd., S. 72.

10 Vgl. Hardy, John: Jane Austen's Heroines, 1984, S. 38.

11 Hardy, John: Jane Austen's Heroines, 1984, S. 43.

12 Vgl. Hardy, John: Jane Austen's Heroines, 1984, S. 43.

13 Ebd.

14 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 95.

15 Ebd., S. 96.

16 Vgl. Teachman, Debra: Understanding Pride & Prejudice, 1997, S. 20.

17 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 132.

18 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 136.

19 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 176.

20 Ebd., S. 195.

21 Ebd., S. 204.

22 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 214.

23 Ebd.

24 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 217 f.

25 Ebd.

26 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 220-225.

27 Ebd., S. 222 f.

28 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 224.

29 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 224.

30 Ebd., S. 226 f.

31 Ebd., S. 236.

32 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 236-37.

33 Vgl. Teachman, Debra: Understanding Pride & Prejudice, 1997, S. 21.

34 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 241.

35 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 267 f.

36 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 270 f.

37 Ebd., S. 270.

38 Ebd.

39 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 272.

40 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 272.

41 Ebd., S. 273.

42 Ebd., S. 276.

43 Ebd., S. 276.

44 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 278 f.

45 Ebd.

46 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 280.

47 Ebd., S. 292 f.

48 Ebd., S. 334 f.

49 Ebd., S. 334 f.

50 Ebd., S. 337-38.

51 Ebd., S. 338.

52 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 350-51.

53 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 357.

54 Ebd., S. 362.

55 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 363.

56 Ebd., S. 364.

57 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 367.

58 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 388.

59 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 388.

60 Vgl. Hardy, John: Jane Austen's Heroines, 1984, S. 57.

61 Vgl. Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 374-380.

62 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 374.

63 Austen, Jane: Pride and Prejudice, 1813, S. 375.

64 Austen, Jane: Stolz und Vorurteil, 1977, S. 415.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Beziehung zwischen Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in "Stolz und Vorurteil"
Untertitel
Gegenüberstellung der literarischen und filmischen Darstellung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Hauptseminar: Literaturverfilmung
Note
1,8
Autor
Jahr
2014
Seiten
30
Katalognummer
V458709
ISBN (eBook)
9783668893184
ISBN (Buch)
9783668893191
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jane Austen, Stolz und Vorurteil, Elizabeth Bennet, Mr. Darcy, Literaturverfilmung
Arbeit zitieren
Alisa Mahler (Autor), 2014, Die Beziehung zwischen Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in "Stolz und Vorurteil", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458709

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