Die vorliegende Hausarbeit wird sich mit dem Thema der Trümmerliteratur ausführlich auseinandersetzen. Erst wird zunächst der historische Kontext geschildert. Dann folgt eine analytische Beschreibung der Trümmerliteratur. Da Wolfgang Borchert ein sehr bekannter Vertreter dieser Literaturrichtung war, wird seine Biographie kurz vorgestellt und auch, in welchem Maß sein Schicksal seine Werke beeinflusste. Danach wird die Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Borchert genauer analysiert. Dabei stehen die Merkmale der Trümmerliteratur und das Prinzip von Borchert im Vordergrund.
„Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“ Dieses Zitat beschreibt den Krieg aus Sicht der Kriegsopfer und Hinterbliebenen zutreffend. Normalerweise wird das Thema Krieg in der Literatur für Propaganda verwendet. Es wird heldenhaft und positiv beschrieben, um die jungen Männer für den Kriegsdienst zu begeistern. Sie möchten heldenhafte Taten vollbringen und ihr Land vertreten und dabei ehrenhaft sein. Dabei werden jedoch die eigentlichen, realistisch eintretenden Folgen außer Acht gelassen. Wenn der Krieg dann vorbei ist, macht sich die Zerstörung und das Elend erst richtig bemerkbar. Es geht dabei nicht nur um materielle Opfer, sondern auch um die psychischen Opfer. Die psychischen Folgen können sich noch lange, nachdem der Krieg vorbei ist, bemerkbar machen, wobei viele psychische Schäden nicht mehr zu beseitigen sind. Viele junge Soldaten merken erst viel zu spät, dass der Krieg viele Opfer von ihnen fordert.
Das Leben mitten im Krieg, das ständige Leiden, die Angst vor dem Tod, die Zerstörung, die Krankheiten, die verlorenen „Kameraden“, der Aufenthalt in Lazaretten usw. zerstören den Menschen. Vor allem junge Soldaten können sich nach einem Leben, in dem sie jeden Augenblick mit dem Tod rechnen mussten, nicht mehr im alltäglichen Leben zurechtfinden. Diese verlorene Generation trägt einen für immer bleibenden Schaden davon.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nachkriegszeit
3. Trümmerliteratur
4. Wolfgang Borchert
5. Kurzgeschichte: Nachts schlafen die Ratten doch
5.1. Inhaltsangabe
5.2. Analyse und Interpretation
5.3. Sprachliche Gestaltung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literaturgeschichtliche Phänomen der Trümmerliteratur anhand ausgewählter Werke von Wolfgang Borchert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Autoren der Nachkriegszeit durch eine bewusste, schnörkellose Sprache traumatische Kriegserlebnisse verarbeiteten und welche Rolle das Motiv der Hoffnung in diesem literarischen Kontext spielt.
- Historischer Kontext der Nachkriegszeit nach 1945
- Definition und Merkmale der Trümmer- und Kahlschlagliteratur
- Biographischer Einfluss auf das Werk von Wolfgang Borchert
- Analyse der Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch"
- Sprachstil und Motivik in Borcherts Erzählprosa
Auszug aus dem Buch
5.2. Analyse und Interpretation
Die Geschichte beginnt mit der Beschreibung der verwüsteten Trümmerlandschaft. Hierfür werden mehrere düstere Personifikationen wie „Das Fenster in der vereinsamten Mauer gähnte” (Z. 1), „steilgereckte Schornsteinreste” (Z. 2), „Die Schuttwüste döste.” (Z. 3) verwendet. Dies betont die trostlose Gegend und Stimmung. Das Elend und die Einsamkeit zeigt die tödliche Stimmung, die hier vorherrscht. Mitten in diesem Trümmerfeld kauert ein kleiner Junge (Z. 1). An dieser Stelle wird eine Person eingeführt, nachdem die Handlung begonnen hat. Obwohl er seine Augen geschlossen hat, kann er spüren, dass es noch dunkler geworden ist. Er nimmt schemenhaft die Gestalt eines alten Mannes wahr. Der Junge reagiert darauf mit „Jetzt haben sie mich!” (Z. 5). Dies zeigt, dass er unter traumatischen Kriegserlebnissen leidet und von Angst geplagt wird. Er öffnet zögerlich die Augen. Der ältere Mann versucht, mit Jürgen ein Gespräch zu entwickeln. Jürgen jedoch verhält sich misstrauisch und möchte ihm nicht antworten.
Er versucht herauszubekommen, was der kleine Junge tut (Z. 10), warum er einen Stock hat (Z. 12) und worauf er aufpasst (Z. 15). Doch Jürgen möchte nichts von alldem verraten und weicht ihm aus. Auch, als der ältere Mann ihm vorschlägt, gemeinsam seine Kaninchen anzuschauen, lehnt Jürgen ab. Schließlich wendet sich der ältere Mann ab und möchte gehen. Erst an dieser Stelle verrät Jürgen den Grund seines Handelns. Er bewacht den Leichnam seines kleinen Bruders vor nachts aktiven Ratten (Z. 50 ff.). An dieser Stelle verwendet er erstmals zusammenhängende Sätze, denn vorher ist er nur kurz mit ein oder zwei Wörtern den Fragen entgegnet. An dieser Stelle wird das grausame Ausmaß der Situation deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die psychischen und materiellen Folgen des Krieges und stellt die Entstehung der Trümmerliteratur als Versuch der Bewältigung dar.
2. Nachkriegszeit: Dieses Kapitel beschreibt die gesellschaftliche Situation in Deutschland nach der Kapitulation 1945, geprägt von Orientierungslosigkeit, Trümmerlandschaften und der Notwendigkeit des Wiederaufbaus.
3. Trümmerliteratur: Hier werden die Definition und der Kahlschlag-Charakter der Epoche erläutert, wobei insbesondere die schnörkellose und realistische Sprachweise der Autoren hervorgehoben wird.
4. Wolfgang Borchert: Das Kapitel bietet einen Einblick in das Leben Borcherts und zeigt auf, wie sein durch den Krieg geprägtes Schicksal sein schriftstellerisches Werk beeinflusste.
5. Kurzgeschichte: Nachts schlafen die Ratten doch: In diesem Hauptteil erfolgt eine detaillierte Inhaltsangabe sowie eine tiefgehende Interpretation der Geschichte unter Berücksichtigung von Stilmitteln und Motivik.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und unterstreicht die Bedeutung Borcherts als authentischen Vertreter der Trümmerliteratur, der trotz Zerstörung das Prinzip Hoffnung bewahrt.
Schlüsselwörter
Trümmerliteratur, Wolfgang Borchert, Nachkriegszeit, Nachts schlafen die Ratten doch, Kriegstrauma, Kahlschlagliteratur, Hoffnung, Kurzgeschichte, Kriegsfolgen, Literaturgeschichte, Sprachgestaltung, Neuanfang, Kriegsbewältigung, deutsche Literatur, Realismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der deutschen Trümmerliteratur nach 1945 und analysiert, wie diese Literaturepoche die traumatischen Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs verarbeitete.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Auswirkungen des Krieges auf die Zivilbevölkerung und Soldaten, die Ästhetik der "Kahlschlagliteratur" und das Prinzip der Hoffnung in einer zerstörten Welt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifische literarische Herangehensweise der Trümmerliteratur am Beispiel von Wolfgang Borchert aufzuzeigen und zu untersuchen, wie durch Sprache eine kritische Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit stattfand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Analyse sowie eine biographische Einordnung, um die Merkmale der Epoche an einem konkreten Beispieltext zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine theoretische Definition der Trümmerliteratur, eine Kurzbiographie von Wolfgang Borchert und eine detaillierte Interpretation seiner Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Trümmerliteratur, Borchert, Nachkriegszeit, Kriegstrauma, Hoffnung und Kahlschlagliteratur charakterisiert.
Warum spielt das Symbol des "weißen Kaninchens" eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Das Kaninchen dient als starkes Gegenbild zur grauen, trostlosen Trümmerlandschaft und symbolisiert für den Protagonisten Jürgen neues Leben sowie die Rückkehr zur kindlichen Hoffnung.
Wie bewertet der Autor die Rolle der damaligen Lehrerschaft im Text?
Der Autor kritisiert die Lehrerschaft, da diese am Anfang des Krieges durch Propaganda zur Begeisterung für den Kriegsdienst beitrug, ohne jedoch über die tatsächliche Zerstörung und das Elend aufzuklären.
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- Anonym (Author), 2014, Wolfgang Borchert und die Trümmerliteratur. Zu "Nachts schlafen die Ratten doch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458753