War Konstantin der Große nun ein Heiliger? Dieser Frage wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen.
Flavius Valerius Constantinus, der meist eher unter dem Namen „Konstantin der Große“ bekannte spätantike Kaiser, war einer der maßgeblichen Männer in der Kirchengeschichte. Durch die berühmte Schlacht an der Milvischen Brücke und seine Herrschaftspolitik legte er das Fundament für eine christliche Staatskirche. Heute wird er in zahlreichen Kirchen, wie etwa in der armenischen, der orthodoxen und der koptischen Kirche, als Heiliger verehrt. Dennoch bleibt ihm die Heiligsprechung in der römisch-katholische Kirche verwehrt.
Um die zentrale Fragestellung dieser Arbeit zu beantworten, wird der Begriff „Heiliger“ definiert und das Heiligsprechungsverfahren dargelegt. Dabei wird auch die Entstehung dieses Verfahrens berücksichtigt. Anschließend wird das Leben Konstantins systematisch durchleuchtet, sowohl vor seiner Alleinherrschaft als auch danach. Daraufhin werden die beiden zuletzt genannten Punkte miteinander verglichen und festgestellt, ob er nun heilig war oder nicht.
Zu guter Letzt werden die möglichen Folgen einer Heiligsprechung Konstantins aufgezeigt. Während der gesamten Arbeit soll herausgearbeitet werden, ob man ihn als Heiligen bezeichnen kann. Dabei soll keine „Check-Liste“ entstehen, woran man einen Heiligen erkennen kann, oder ein Vergleich mit einem anderen Heiligen erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Konstantin – Kandidat für eine Heiligsprechung
2. Was ist ein Heiliger?
3. Das Heiligsprechungsverfahren der katholischen Kirche: Früher und heute
3.1. Das Verfahren zwischen dem 4 Jh. und 1983
3.2. Das heutige Heiligsprechungsverfahren
3.2.1. Die Beatifikation
3.2.2. Die Kanonisation
4. Kurzbiographie von Konstantin I.: Vom Kind zum gläubigen Kaiser
4.1 Die Kindheit
4.2. Spiel um Macht
4.3. Die Schlacht an der Milvischen Brücke 312
4.4. Der Konflikt mit Licinius
4.5. Die Alleinherrschaft
5. Ist ein Heiligsprechungsverfahren überhaupt möglich?
6. Konstantin der Große: Heiliger, Seliger oder doch nur christlicher Kaiser?
6.1. Die Wunder
6.2. Die Tugend
7. Auswirkungen einer möglichen Kanonisation/Beatifikation Konstantins in der römisch-katholischen Kirche
8. Auswirkungen der Heiligsprechung in der orthodoxen Kirche
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kirchenhistorische Frage, ob der spätantike Kaiser Konstantin der Große nach den Kriterien der römisch-katholischen Kirche als Heiliger anerkannt werden kann, indem sie das Heiligsprechungsverfahren mit seiner Biografie in Bezug setzt.
- Definition und Entwicklung des katholischen Heiligsprechungsverfahrens
- Systematische Analyse des Lebens und Wirkens Konstantins I.
- Untersuchung von Wundererscheinungen und Tugendhaftigkeit in der kaiserlichen Biografie
- Vergleich zwischen den unterschiedlichen Verehrungstraditionen in der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche
Auszug aus dem Buch
4.2. Spiel um Macht
Nachdem Diokletian und Maximian als Augusti zurücktraten und Galerius sowie Constantius zu den nachfolgenden Augusti wurden, zog Konstantin zu seinem Vater nach Britannien. Dort wurde er, nach dem Tod seines Vater, am 25. Juli 306 von den Truppen des Constantius Chlorus zum Augustus ausgerufen. Doch Galerius erkannte ihn nur als Caesar des Westens an, was Konstantin akzeptierte. 307 heiratete Konstantin der Große Fausta, die Tochter des Maximian, da dieser Konstantin zum Augustus erhob. Dies war für Konstantin von Vorteil, da zu diesem Zeitpunkt ein Bürgerkrieg um die Kaiserherrschaft tobte. Diokletian, welcher 308, auf Bitte des Galerius hin, eine Kaiserkonferenz in Carnuntum einberief, mit dem Ziel, den Krieg zu beenden, degradierte Konstantin zum Caesar unter dem Augustus Licinius. Als 310 Maximian sich zum Augustus ausrufen ließ, zwang Konstantin seinen Schwiegervater mit militärischem Druck zurückzutreten, was mit dem Selbstmord Maximians endete. Aufgrund dessen brauchte Konstantin eine neue Herrschaftslegitimation, welche er durch den Sonnengott Sol erlangte. Gegen Ende 310 soll „Apollo [, welcher auch als Sonnengott verehrt wird,] […] dem Kaiser in Begleitung der Siegesgöttin Victoria erschienen [sein]“ und ihm eine dreißigjährige Regierungszeit, durch einen „Lorbeerkranz mit dem Zahlzeichen XXX“, prophezeit haben. Solche göttlichen Visionen waren zur damaligen Zeit keine Seltenheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konstantin – Kandidat für eine Heiligsprechung: Einleitung in die Thematik und Fragestellung, ob der spätantike Kaiser Konstantin der Große als Heiliger bezeichnet werden kann.
2. Was ist ein Heiliger?: Definition des Begriffs „Heiliger“ im Kontext der römisch-katholischen Kirche.
3. Das Heiligsprechungsverfahren der katholischen Kirche: Früher und heute: Darstellung der historischen Entwicklung und der heutigen juristischen Grundlagen des Kanonisationsprozesses.
4. Kurzbiographie von Konstantin I.: Vom Kind zum gläubigen Kaiser: Systematische Aufarbeitung des Lebenswegs Konstantins mit Fokus auf seine politische und religiöse Entwicklung.
5. Ist ein Heiligsprechungsverfahren überhaupt möglich?: Prüfung der theoretischen Voraussetzungen für ein solches Verfahren im Falle Konstantins.
6. Konstantin der Große: Heiliger, Seliger oder doch nur christlicher Kaiser?: Kritische Auseinandersetzung mit den Aspekten Wunder und Tugend vor dem Hintergrund der historischen Fakten.
7. Auswirkungen einer möglichen Kanonisation/Beatifikation Konstantins in der römisch-katholischen Kirche: Beschreibung der kirchenrechtlichen und rituellen Folgen einer solchen Anerkennung.
8. Auswirkungen der Heiligsprechung in der orthodoxen Kirche: Kurzer Abriss über die bereits bestehende Verehrung Konstantins in den östlichen Kirchen.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass eine Heiligsprechung Konstantins aufgrund seiner Biografie nach katholischen Maßstäben unwahrscheinlich bleibt.
Schlüsselwörter
Konstantin der Große, Heiligsprechung, Kanonisation, Beatifikation, römisch-katholische Kirche, orthodoxe Kirche, Kirchengeschichte, Kaiser, Märtyrer, Wunder, christliche Staatskirche, Religionspolitik, Vita Constantini, Codex Iuris Canonici.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Kaiser Konstantin der Große nach den Kriterien der römisch-katholischen Kirche heiliggesprochen werden könnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die kirchenrechtlichen Verfahren der Heiligsprechung, die historische Biografie Konstantins sowie eine kritische Prüfung seiner religiösen Motivationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob man Konstantin als Heiligen bezeichnen kann, ohne dabei jedoch eine einfache „Checkliste“ zur Anwendung zu bringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Literaturanalyse, bei der Definitionen aus dem Kirchenrecht mit historischen Fakten aus dem Leben Konstantins abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Erläuterung des Heiligsprechungsverfahrens und eine chronologische Aufarbeitung von Konstantins Leben vom Kind zum Alleinherrscher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Heiligsprechung, Kanonisation, Konstantin der Große, Kirchengeschichte und religiöse Verehrung.
Warum wird Konstantin in der orthodoxen Kirche bereits verehrt, in der katholischen aber nicht?
Die orthodoxe Kirche kennt kein förmliches Heiligsprechungsverfahren nach katholischem Vorbild, sondern basiert auf einer langen Tradition der Kultanerkennung, während die katholische Kirche erst seit dem 10. Jahrhundert offizielle Prozesse eingeführt hat.
Warum kommt der Autor zu dem Schluss, dass Konstantin wohl nie katholisch heiliggesprochen wird?
Aufgrund der zahlreichen kriegerischen Handlungen, Morde an Familienmitgliedern und seiner zweifelhaften religiösen Ambitionen erfüllt er nicht das katholische Ideal eines tugendhaften Vorbilds der Christusnachfolge.
- Arbeit zitieren
- Christopher Siemens (Autor:in), 2018, Konstantin der Große. War er ein Heiliger?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458842