Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken olympischen Spielen anhand des Athleten Milon von Kroton


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken Olympischen Spielen

3. Die Ehrungen des olympischen Sieges
3.1 Die Auszeichnungen am Festspielort
3.2 Die Auszeichnungen in der Heimat

4 ,,Milon von Kroton‘‘
4.1 Wer war ,,Milon von Kroton‘‘?
4.2 Anekdoten und Mythen seines sportlichen Erfolges
4.3 Sein heldenhaftes Leben nach der Berufsathletik

5 Schlussbetrachtung

6 Quellenverzeichnis

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,,Dabei sein ist alles‘‘. Dieses Motto begleitet jeden Athlet in der heutigen Zeit, wenn man bei den olympischen Spielen teilnehmen darf. Die Möglichkeit zu bekommen, bei einem solch großen Ereignis ein Teil zu sein, stellt eine unwahrscheinlich große Ehre dar. Dabei geht es eben nicht allein um den Sieg. Dennoch wird der Sieg mit materiellen Ehrungen, wie zum Beispiel eine Medaille, oder auch durch Werbeverträge, mit denen ein Sieger seinen Ruhm in andere Gebieten des alltäglichen Lebens verlagern kann, verehrt. Hönle beschreibt, ,,daß ein Sieg in Olympia in griechischer Sicht zu den höchsten Werten des Daseins gehörte‘‘1. Um diese überspitzte antike griechische Darstellung eines Sieges soll es in dieser Arbeit gehen. Dabei bewegen wir uns in einem Zeitraum des 8. Jh. v. Chr. bis zum 5. Jh. n. Chr. Die antiken olympischen Spiele stellten einen Höhepunkt des griechisch-kulturellen Lebens dar und dementsprechend überschwänglich war auch die Ehrung eines Siegers. Welche Folgen hat ein Sieg in den antiken olympischen Spielen für einen Athleten? So lautete meine Fragestellung. Ziel meiner Arbeit soll es sein, die unmittelbaren und langfristigen politischen und sozialen Wirkungen eines Sieges bei den antiken olympischen Spielen darzustellen am Beispiel des Athleten ,,Milon von Kroton‘‘. Meine Quellenbasis ist für diese Untersuchung ,,Pausanias Beschreibung Griechenlands‘‘, da hier die Person des Milon von Kroton und seine Anekdoten am ausführlichsten beschrieben wurden. Diese Quelle muss kritisch betrachtet werden, da er diese Bücher zwischen 160-180 n. Chr.2 verfasst hat und Milon von Kroton hingegen im 6. Jh. vor Christus lebte3. Diese große Zeitspanne muss man sich stets vor Augen halten. Desweiteren werde ich antike Autoren wie z. Bsp. Herodot oder auch Diodor zur Unterstützung der Auslegung der Persönlichkeit Milons verwenden. Im ersten Schritt möchte ich die Bedeutung des Sieges bei den antiken olympischen Spielen darstellen. Im Anschluss werden die Ehrungen des Siegers beschrieben. Hier wird grundsätzlich zwischen den Ehrungen direkt nach den Spielen, dementsprechend am Festspielort, und den Ehrungen in der Heimat unterschieden. Darauf aufbauend komme ich zu der Person des ,,Milon von Kroton‘‘, hierbei möchte ich die Vorstellung für einen Athleten im antiken Griechenland schaffen und die Verehrung seiner sportlichen Leistungen beschreiben. Abschließend werde ich mein Fazit in Form einer Schlussbetrachtung darstellen.

2. Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken Olympischen Spielen

,,Immer der erste zu sein und vorzustreben vor anderen‘‘4. Dieses Zitat aus Homers Ilias beschreibt den repräsentativen Grundsatz der antiken Griechen, die Besten zu sein, am treffendsten. Weeber beschreibt diesen Grundsatz als krankhafte Sucht, sich profilieren zu müssen5. Demzufolge stellt der Aspekt, dass allein nur der Erste verehrt wurde, kein Wunder dar. Aus dem Zwang, immer der Erste sein zu müssen, lässt sich vielleicht erklären, warum in den antiken olympischen Spielen auch nur der erste Platz verehrt wurde. Weitere Plätze spielten keine Rolle, sie wurden weder ermittelt noch ausgerufen. Schließlich ging es den Griechen bei ihren antiken olympischen Spielen nur um den ersten Platz. Die enorme Tragweite eines Sieges wird besonders dadurch deutlich, dass alle weiteren Plätze eine Niederlage darstellten. Erreichte man einen zweiten oder einen dritten Platz, so hat man verloren. Buhmann beschreibt sogar einen Fall, bei dem der Athlet den Tod bevorzugt hatte, anstatt aufzugeben.6 Die Namen von zweit/dritt platzierten bzw. eines Besiegten sind nicht bekannt, außer dieser war bereits ein berühmter Athlet. Denn für diesen stellt eine Niederlage eine noch größere Schmach dar, da er als unbesiegbarer Athlet galt. Im Gegensatz dazu stellt ein Sieg für einen unbekannten Athleten gegen einen berühmten Athleten eine sehr große Ehre dar.7 Nicht zu siegen bzw. eine Niederlage ein zugestehen, war das schmerzhafteste für einen Athleten bei den antiken olympischen Spielen. Die Rückkehr eines Verlierers in seine Heimatstadt war von Beleidigungen, Sticheleien und Perfidie begleitet. Obwohl eine Niederlage die größte Demütigung eines Athleten darstellte, mussten sie dennoch oft damit rechnen, denn schließlich gab es mehr Teilnehmer als Sieger. Die Bedeutung eines Sieges war nicht zuletzt so hoch bei den Griechen, weil sich der Ruhm lediglich auf den siegreichen Athleten erstreckte, sondern auch auf die Vaterstadt und auf die Familie. Ein Sieg eines Athleten konnte seiner Vaterstadt politisches Ansehen verschaffen, weshalb sich auch viele Bürger mit diesem Ruhm identifizieren. Allerdings darf hier nicht unbetont bleiben, dass aus diesem Grund eine Niederlage umso quälender und v.a. peinlicher war. Ein Olympiasieg wurde innen- und außenpolitisch benutzt, besonders zu der Zeit der Tyrannis.8 Dabei konnte ein Sieg dazu benutzt werden, seinen politischen Weg zu ebnen oder die politische Karriere zu fördern.

3. Die Ehrungen des olympischen Sieges

3.1 Die Auszeichnungen am Festspielort

Im Zentrum der Zelebrierung des olympischen Ruhms standen keine materielle Vergütungen oder Auszeichnungen. Direkt nach einem Sieg bekam der Sieger einen Palmenzweig und ein Stirnband übergeben. Nach Ebert besitzt dieser Baum die Eigenschaft, bei Pressung und Druck nicht nachzugeben.9 Nachdem alle Wettkämpfe vorbei waren, fand am letzten Tag10 die offizielle Siegerehrung statt, bei der die Sieger ,,unter der gesamten griechischen Prominenz‘‘11 ausgerufen wurden. Die Herolde riefen nicht nur den Namen des Siegers aus, sondern auch den Vaternamen und den der Vaterstadt. Somit bekam die Familie als auch der Herkunftsort ein Teil des Ruhmes. Diese Ausrufung kann man mit dem wertvollsten Augenblick im Leben eines Athleten gleichsetzen. Bei der Siegerehrung bekamen die Sieger nur lediglich den Kranz des Ölbaums, des Lieblingsbaumes von Zeus. Dennoch stellte diese Verleihung einen Höhepunkt in der Siegerehrung dar. Es wird ersichtlich, dass bei den antiken olympischen Spielen nicht um Geld oder Gold gekämpft wurde, sondern um Ehre und Ansehen. In einer Rede sagte selbst Cicero, ,,dass der olympische Sieg bei den Griechen in höherem Ansehen stehe als in Rom der Triumphzug eines Feldherrn‘‘12. Im Anschluss an die offizielle Siegerehrung fand eine feierliche Prozession statt, bei der die Sieger ein Dankopfer in den heiligen Hain ablegten. Hierbei wurden zu Ehren des Siegers Lieder gesungen. Allerdings wurden noch keine Epinikien13 vorgetragen, da die Zeit zum Verfassen zu kurz gewesen ist. Anschließend fand ein feierliches Festmahl für die Sieger mit ihren Angehörigen, ihren Freunden und ihren Landsleuten statt. Dieses Festmahl wurde im Prytaneion14 veranstaltet und wurde von den Eleern organisiert. In ganz Olympia wurde ausgiebig gefeiert. Für die Unterhaltung sorgten Gaukler, Sänger, Akrobaten oder Zauber-künstler15. Besonders beeindruckend ist hier die zeitgenössische Darstellung von Pindar, die Schöbel zitiert: ,,In den Abend erglänzte vom schönen Antlitz des Mondes das liebliche Licht. Es klang der ganze heilige Bezirk bei den frohen Mählern rings von der Loblieder Wiese‘‘16.

Eine der wohl ehrenvollsten Auszeichnungen am Festspielort ist die Erlaubnis zum Aufstellen einer Siegerstatue. Hier durften die Sieger im heiligen Bezirk eine Statue zu Ehren ihres Sieges aufstellen. Nach Plinius waren die Olympiasieger die ersten Menschen, die überhaupt eine Statue aufstellen durften17. In dieser zeitgemäßen Darstellung, wird ersichtlich, wie wertvoll eine Erlaubnis zum Aufstellen einer Statue gewesen sein muss und welche Ehre ein Olympiasieger mit dieser Erlaubnis erhielt. Aber auch bei den Siegerstatuen achteten die Helladoniken auf die Einhaltung ihrer Regeln. Eine Statue durfte nicht überlebensgroß sein und auch keine individuellen Züge wiedergeben. Hatte ein Sieger allerdings dreimal in Olympia gesiegt, so erlangte er das Recht zum Aufstellen einer portraitähnlichen Statue.18 Nicht zu vergessen ist hier die Bedeutung der Inschrift der Statue, durch die den Menschen erkenntlich wurde, wem die Statue gehörte und wen sie ehrte. Da die Inschrift sowohl den Vaternamen als auch die Vaterstadt beinhaltete und sie dadurch gleichermaßen geehrt wurde, war es in ihrem Sinne eine Statue aufzustellen. Aus diesem Grund übernahm oft der Vater oder die Vaterstadt die Kosten für solch eine Statue. ,,War die Siegerstatue bisher ausschließlich eine Ehrengabe der Eleer an den Sieger, so kommt nun die Ehrung des Siegers durch den Stifter der Statue hinzu, wobei ein Teil der Ehre und des Ruhmes des Siegers auf den Stifter der Siegerstatue zurückfällt.‘‘19 Dieses Zitat von Weeber fasst im besonders hohen Maße die Bedeutung einer Siegerstatue zusammen. Diese geht nicht nur auf den Sieger zurück, sondern eben auch auf seine Familie und seine Vaterstadt zurück. In seltenen Fällen kam es ebenfalls vor, dass viele Jahre später nach einem Sieg eine Ehrenstatue errichtet wurde. Dies geschah allerdings in Verbindung mit hervorragenden Leistungen oder der Erfüllung eines besonderen Amtes. Sein agonistischer Triumph wird geehrt mit einem meist politischen Triumph, die in keinerlei Verbindung standen20.

3.2 Die Auszeichnungen in der Heimat

Die Ehrungen in der Heimatstadt des Siegers bestanden aus einem umfangreicheren Festprogramm, welches mit einem triumphalen Empfang begann. Hierbei wurde der Sieger auf einem vierspännigen Prunkwagen mit einem Purpurmantel in die Stadt geleitet und von der ganzen Stadtbevölkerung feierlich empfangen. Der Sieger wurde mit Blumen, Bändern, Granatäpfel21, Zweigen und Kränzen beworfen. Dabei scheuten die Bürger als auch die Stadt keine Mühen ihren Sieger zu empfangen. Hier wird die außerordentliche Bedeutung des Siegers deutlich, da dieser Empfang einer Ankunft von siegreichen Feldherren oder Königen glich.22 Der Höhepunkt dieses Empfanges stellte die Ehrung auf dem Marktplatz dar, bei der die ganze Stadt dran teilgenommen hatte. Die gesamte politische Prominenz, sowie Künstler oder Dichter waren in diesem Moment der Ehrung dabei. Der Sieger bekam auch hier ein Siegeskranz überreicht, den Kranz der Heimatstadt. Im Anschluss fand ein großes Festmahl im Prytaneion statt, ebenfalls wie bei den Ehrungen am Festspielort. Konnte der Sieger nicht selber für die finanziellen Mittel sorgen, wurde nicht selten das Geld aus der Gemeindekasse genommen.

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1 Hönle, Augusta, Olympia in der Politik der griechischen Staatenwelt (von 766 bis zum Ende des 5. Jahrhunderts), Tübingen 1968, S. 98.

2 Vgl. Herrmann, Hans-Volkmar, Die Olympia-Skulpturen, Darmstadt 1987, S. 21.

3 Vgl. Modrze, Anneliese, Milon (2). Sohn des Diotimos, aus Kroton, wohl der berühmteste Athelt des Altertums, wie die zahlreichen Anekdoten beweisen, die über ihn im Umlauf waren, in: Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Stuttgart 1980, S. 1673.

4 Hom. Il. 6,208.

5 Weeber, Karl Wilhelm, Die unheiligen Spiele. Das antike Olympia zwischen Legende und Wirklichkeit, München und Zürich 1991, S. 99.

6 Vgl. Buhmann, Horst, Der Sieg in Olympia und in den anderen panhellenischen Spiele, München 1969, S. 17.

7 Vgl. Ebd., S. 9.

8 Vgl. Ebert, Joachim, Olympia. Von den Anfängen bis zu Coubertin, Leipzig 1980, S. 85.

9 Vgl.: Ebert 1980, S. 77.

10 Hier sind Uneinigkeiten in der Forschung zu erkennen. Während Ebert und Schöbel die Meinung vertreten, dass die Siegerehrung am 5. Tag bzw. den letzten Tag der Spiele statt fand, hat Bengston die Ansicht, dass die offizielle Siegerehrung am sechsten Tag stattgefunden hat.

11 Buhmann 1969, S. 53.

12 Ebert 1980, S. 77.

13 Epinikion bedeutet Siegeslied, vgl.: Brodersen, Kai / Zimmermann, Bernhard (Hrsg.), Metzler Lexikon der Antike, Stuttgart 2006, S. 169.

14 Das Prytaneion ist vergleichbar mit dem heutigen Rathaus einer Stadt, Vgl. Weeber 1991, S. 113.

15 Vgl. Schöbel, Heinz, Olympia und seine Spiele, Berlin 2000, S. 100.

16 Vgl. Schöbel 2000, S 100.

17 Vgl. Buhmann 1969, S. 60.

18 Vgl. Weeber 1991, S. 108.

19 Buhmann 1969, S. 85.

20 Vgl. Ebd., S. 101.

21 Der Granatapfel galt als Zeichen der Fruchtbarkeit und lebensspendendes Symbol, aufgrund seiner zahlreichen Samen, vgl. Brodersen / Zimmermann 2006, S. 218.

22 Vgl. Buhmann 1969, S. 104.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken olympischen Spielen anhand des Athleten Milon von Kroton
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V459415
ISBN (eBook)
9783668879393
ISBN (Buch)
9783668879409
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sieg, olympische Spiele, Antike, Milon von Kroton, olympischer Sieg, olympischer Athlet
Arbeit zitieren
Sophie Schönherr (Autor), 2019, Die Bedeutung eines Sieges bei den antiken olympischen Spielen anhand des Athleten Milon von Kroton, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459415

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