Die 68er-Bewegung und ihre Auswirkungen in Deutschland


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die 68er Bewegung
2.1 Ein internationales Phänomen
2.2 Ursachen der Bewegung
2.3 Ziele

3 Auswirkungen der Revolte in Deutschland
3.1 gesellschaftliche Auswirkungen
3.2 politische Auswirkungen
3.3 kulturelle Auswirkungen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Studentenbewegung, Jugendrevolte, globaler Protest, Auflehnung gegen die Sexualmoral, lange Haare, Hosen statt Rock, neues Lebensgefühl – diese und viele weitere Begriffe kommen einem spontan in den Sinn, wenn man an die berühmt berüchtigten „68er“ denkt. Mit der 68er Bewegung werden nämlich auch studentische Demonstrationen assoziiert, die gegen strenge Strukturen auf den Straßen protestierten. „Aufbruchsstimmung“ ist hier vielleicht ein passendes Schlagwort. Das Interesse für dieses Thema wurde bei mir schon früh geweckt, da ich mich in der Schule schon einmal mit den Protestformen der 68er Bewegung beschäftigt habe. Vom „Sit-in“, dem sogenannten Sitzstreik über die „Teach-ins“, die selbstorganisierten Vorträge und Diskussionen von Studenten bis hin zu „Happenings“, spontanen Protesten – vielerlei Protestformen wurden zu dieser Zeit ausprobiert und umgesetzt. Anhand dieser Hausarbeit soll herausgearbeitet werden, welche Auswirkungen auch gerade diese Protestformen mit sich gebracht haben und in welchem Maße diese zu der 68er Bewegung beigetragen haben. Was bedeutete es, jung zu sein im Jahre 1968? Diese Frage soll in den kommenden Ausführungen ebenfalls herausgearbeitet werden. Die Hausarbeit bietet unter der Leitfrage „Inwiefern hat die 68er Bewegung Deutschland verändert?“ einen Einblick in die Zeit um 1968. Da es schwierig ist alle Auswirkungen zu beleuchten, haben sich die weiteren Ausführungen auf die Veränderungen in Deutschland orientiert. Die internationalen Geschehnisse werden daher nur am Rande thematisiert. Vorab wird darauf eingegangen, was sich hinter dem Begriff „68er-Bewegung“ überhaupt verbirgt. Denn oft wird damit etwas ganz anderes verbunden, wie das, was tatsächlich gemeint ist. Es geht nämlich um viel mehr, als um eine junge aufständische rock- und beatmusikhörende Studententruppe. Nach Begriffsklärung werden die geschichtlichen Hintergründe, also die Ursachen beleuchtet. Diese sind für die Hausarbeit insofern wichtig, um nachzuvollziehen, wie es überhaupt zu dieser Bewegung kam und welche Auslöser dabei ausschlaggebend waren. Danach werden die Ziele der Bewegung geschildert. Wenn man die Ziele kennt, kann man die Folgen bzw. Auswirkungen besser nachvollziehen. Nach diesen Ausführungen werden die Auswirkungen der Bewegung in Deutschland beleuchtet, also die Leitfrage geklärt, bevor gegen Ende das Fazit eingeleitet wird.

2 Die 68er Bewegung

Zunächst stellt sich die Frage, wer oder was die sogenannte 68er Bewegung ist. Was unter diesem Begriff zu verstehen ist, ist nicht einfach zu definieren. Da es mehrere Begriffsbestimmungen gibt, wird sich diese Ausarbeitung an der Definition von Ingrid Gilcher-Holtey orientieren. Sie definiert den Begriff wie folgt: „Soziale Bewegungen entstehen aus sozialem Handeln, das Konflikte und Spannungen innerhalb einer Gesellschaft sichtbar werden lässt.“1 Soziales Handeln beschreibt hierbei das Handeln von Menschen, die ein bestimmtes Ziel verfolgen und dieses auf freiwilliger Basis geschieht. Da an der 68er-Bewegung mehrere Personen beteiligt waren, kann man von einer sozialen Bewegung sprechen. Ein Beispiel für eine solche Bewegung ist der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS). Am Ende der 60er setzen sich die Mitglieder des SDS für eine Reform der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland ein.2 Vertreter dieser Entwicklung waren Helmut Schmidt und Rudi Dutschke. Unter dem Begriff der 68er Bewegung werden auch verschiedene Strömungen seit Mitte der 60er Jahre zusammengefasst, die gegen herrschende Normen in sozialen, politischen und kulturellen Bereichen protestieren. Die „68er“ lassen sich darüber hinaus als eine „Epoche des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umbruchs“3 bezeichnen. Auch die zeitliche Verortung lässt sich nicht strikt festhalten. Während einige Autoren den Zeitraum von Beginn der 60er bis in die Mitte der 70er festnageln, setzen andere den Zeitraum für die Veränderungen ausschließlich auf das Jahr 1968 fest. Es wird oft von einer „doppelten Zeitlichkeit“4 von 1968 gesprochen. Die Geschehnisse waren sowohl das Ergebnis von längeren Strukturveränderungen, als auch von kurzen Protesten. Fest steht jedoch, dass rund 20 Jahren nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland die Revolten der Achtundsechziger stattfanden. Aber was genau ist mit der 68er Bewegung gemeint? Eine linkspolitische Revolte oder doch eher ein kultureller Umbruch?

Sicher ist, dass sich um die 60er Jahre eine öffentliche Unruhe bemerkbar machte, die sich unter dem Namen „Studentenbewegung“ etablierte, da hauptsächlich Studenten und Studentinnen beteiligt waren.5 Für viele der beteiligten Akteure und Akteurinnen war der Protest mehr Lebensgefühl als ein Ereignis. Junge Menschen rebellierten gegen Vorschriften und Lebensstile, die von ihren Vorgängern und Vorgängerinnen sowie von der Gesellschaft vorgelebt wurden. Vor allem aber protestierten sie gegen „starre Strukturen, den Vietnamkrieg, die rigide Sexualmoral und die Nichtaufarbeitung des Nationalsozialismus.“6 Eine Veränderung der bestehenden Werte und Normen und mehr persönliche Freiheit stand an oberster Stelle der Bewegung. Wie der Name der Bewegung schon sagt, war der Höhepunkt der Proteste im Jahr 1968 erreicht. Es gab zahlreiche Protestformen, wie beispielsweise das „Sit-in“ oder das „Smoke-in“. Formen des Protests fanden z.B. in politischen oder gesellschaftlichen Bereichen statt. Ein gesellschaftlicher Protest ereignete sich in Form vom Drang nach einer Veränderung in der Alltagskultur der Jugend. Sei es hinsichtlich vom Kleidungsstil oder in Form von neuer Musikorientierung. Kaum zuvor wurden Proteste und Einstellungen so stark von der Musik geprägt wie in den 68ern. Woodstock und „Flower-Power“ sind hier genauso prägende Ereignisse wie die berühmten Schlagworte „Sex, Drugs & Rock ‘n‘ Roll“. Ein weiteres Merkmal dieser Zeit war die sogenannte „Amerikanisierung“7. Es galt, alles was aus den Staaten kam, war gut. Dem Slogan „make love not war“ wurde auch in Deutschland anhand durch Drogen und lauter Rockmusik nachgeifert. Sex und nackte Haut waren ein absolutes gesellschaftliches Tabu und daher eine beliebte Protestform.

2.1 Ein internationales Phänomen

Nicht nur in der Bundesrepublik rebellierten damals junge Menschen. Auch in ganz Europa und rund um den Globus ereigneten sich Proteste Hunderttausender junger Menschen.8 Aufgrund dieser Tatsachen ist die 68er Bewegung als internationales Ereignis zu verstehen.

Die Jahre um 1960-1970 waren in vielen Ländern sehr ereignisreich, denn es gab auch dort ähnliche Bewegungen, wie beispielsweise in den USA, wie das folgende Zitat von Norbert Frei zeigt: „dennoch fällt es nicht schwer, die wichtigsten Vorläufer, Vorbilder und Anfänge der späten weltweiten Protestbewegung in den USA auszumachen.“9 In Frankreich währten die Mai-Unruhen, in der CSSR der Prager Frühling, in Polen die März-Unruhen, in Mexiko die Proteste der Studenten und in Japan die Zengakuren-Proteste. Auch der Kalte Krieg hatte Auswirkungen auf die Modernisierung in Deutschland. Durch den „Sputnikschock“ von 1957 wurde der Westen dazu gezwungen, seine Universitätssysteme auszubauen, um den Modernisierungswettlauf Stand zu halten.10 Zudem brachte der Kalte Krieg Überzeugungen, Einstellungen und Vorstellungen ins Wanken.11 Die Rebellionen waren also auch der Versuch die Fronten des Kalten Krieges zu überwinden. Proteste zu dieser Zeit waren also nicht nur in Deutschland Thema.

2.2 Ursachen der Bewegung

Um nachzuvollziehen können, woher die 68er Bewegung kam und wodurch sie angetrieben wurde, muss der Blick auf die Jahre zuvor gerichtet werden. Denn nur weil die Bewegung mit dem Jahr 1968 verbunden wird, bedeutet das nicht, dass sie sich ausschließlich im Jahr 1968 ereignet hat. Bereits die Zeit um 1960 lässt sich als „tiefer gesellschaftlicher Umbruch konturieren“12, da sich vieles ereignete wie beispielsweise das Ende der Nachkriegszeit. Jedoch spalteten sich schon hier die Meinungen zwischen den Generationen. Eine wesentliche Antriebskraft war in Deutschland die Kritik an der unbewältigten Vergangenheit.13 Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema war an Hochschulen kaum denkbar. Weder in Seminaren im Studium noch zu Hause bei den Eltern wurde die Vergangenheit thematisiert. Sie wurde eher stillgeschwiegen. Demnach bildeten sich immer mehr Verständigungsschwierigkeiten zwischen Eltern und ihren Kindern heraus, die sich oft zuspitzten.

Das Aufkommen von Unruhen und Rebellionen entwickelten sich bei der jungen Generation also nicht von heute auf morgen, sondern sie entwickelten sich eher im Laufe „eines sich zuspitzenden intergenerationellen Konflikts.“14 Während die BRD durch die Zuwanderung zu einem Einwanderungsland wurde, wurde Ostdeutschland eher als traditionell deutsch angesehen. Neue Lebensstile, eine sogenannte „Wohlstandgesellschaft“, Bau von Eigeheimen, Babyboom, steigende automobile Gesellschaft in Westdeutschland und eine Verkürzung der Arbeitszeit waren damals aktuell Geschehnisse in den 50ern bis 70ern.15 Diese Ereignisse führten zu einer postindustriellen Gesellschaft.16 Jedoch wurde diese Konsumgesellschaft, die immer größer wurde, besonders in Studentenkreisen kritisiert. Zudem war die Zeit durch das Aufkommen der Neuen Medien geprägt. Besonders das Fernsehen erfreute sich an großer Beliebtheit, welches die Aufbruchsstimmung bestärkte. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es einen tiefgreifenden sozialen Wandel in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gab. Dieser wurde vor allem durch das Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren, das Aufkommen der Neuen Medien, insbesondere der Beginn des Fernsehzeitalters, durch die Wellen der Einwanderung und durch die Herausbildung einer neuen Jugendkultur stark beeinflusst. Neben diesen gesellschaftlichen Entwicklungen gab es ein Geschehnis, dass die 68-Bewegung rasch voranschreiten lies und demnach eines der zentralen Auslöser der Bewegung war: der Besuch des persischen Diktators Schah Reza Pahlewi in Berlin. Dieser Besuch endete in einem Dilemma, da der Student Benno Ohnesorg bei dieser Anti-Schah-Demonstration am 2. Juni 1967 von einem Polizisten erschossen wurde. Dieser Vorfall machte Ohnesorg bundesweit bekannt und sorgte für große Aufruhr, da die Polizei äußerst brutal reagierte.17 Nach dem Tod von Benno Ohnesorg kam es zu einer Radikalisierung der Studenten und Studentinnen, die der Bewegung einen erheblichen Schub gab. Zudem sorgte ein weiteres Ereignis für große Ärgernis bei den Studenten. Nach dem Attentat am 11. April 1968 auf Rudi Dutschke, einem der bekanntesten Akteure der Studentenbewegung, waren die Proteste nicht mehr zu halten. Rudi Dutschke gilt als einer der führenden Ideologen der deutschen Studentenbewegung18.

[...]


1 Gilcher-Holtey, Ingrid: Die 68er Bewegung. Deutschland – Westeuropa – USA. Verlag C.H. Beck. 2005. S. 11

2 vgl. Fichter, Tilman P. / Lönnedonker, Siegward: Kleine Geschichte des SDS: der Sozialistische Deutsche Studentenbund von Helmut Schmidt bis Rudi Dutschke. BPB. 2008. Bonn. S. 18

3 Beck, Carola / Pawlak, Britta: Ein Rückblick: Die 68er. Stand: 08.02.2010. Unter: https://www.helles-koepfchen.de/artikel/2781.html, 01.04.2018

4 Schmidtke, Michael: Der Aufbruch der jungen Intelligenz. Die 68er Jahre in der Bundesrepublik und den USA. Campus Verlag. 2003. S. 14

5 vgl.: Schulz-Hageleit, Peter: Leben in Deutschland. 1945-1995. Geschichtsanalytische Reflexionen. Centaurus-Verlagsgesellschaft. Pfaffenweiler 1996. S. 159

6 o. V.: Die 68er-Bewegung. Der Weg zu 68. Unter: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68erbewegung/51759/der-weg-zu-68, 29.03.18

7 Schildt, Axel: Sind die Westdeutschen amerikanisiert worden? Stand: 26.5.2002. Unter: http://www.bpb.de/apuz/25289/sind-die-westdeutschen-amerikanisiert-worden?p=all, 15.03.2018

8 vgl.: o. V.: Die 68er-Bewegung. Der Weg zu 68. Unter: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68erbewegung/51759/der-weg-zu-68, 29.03.18

9 Frei, Norbert: 1968: Jugendrevolte und globaler Protest. Deutscher Taschenbuch Verlag. 2008. Bonn. S.31

10 vgl.: Schmidtke, Michael: Der Aufbruch der jungen Intelligenz. Die 68er Jahre in der Bundesrepublik und den USA. Campus Verlag. 2003. S. 12

11 vgl.: ebd. S. 12

12 Schildt, Axel: Vor der Revolte: Die Sechziger Jahre. Stand: 9.1.2008. Unter: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/51773/vor-der-revolte, 18.03.18

13 vgl.: Frei, Norbert: 1968: Jugendrevolte und globaler Protest. S. 78

14 vgl.: ebd., S. 84

15 vgl.: Schildt, Axel: Vor der Revolte: Die Sechziger Jahre. Stand: 9.1.2008. Unter: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/51773/vor-der-revolte, 18.03.18

16 vgl.: ebd.

17 vgl.: Seibel, Patric: 1968: Die kulturelle Revolte. Stand: 19.03.2018. Unter: https://www.ndr.de/kultur/1968-Die-kulturelle-Revolte,achtundsechzig102.html, 04.03.18

18 vgl.: Kraushaar, Wolfgang: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. Stand: 20.08.2007. Unter: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/51829/rudi-dutschke, 22.03.18

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die 68er-Bewegung und ihre Auswirkungen in Deutschland
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V460595
ISBN (eBook)
9783668884236
ISBN (Buch)
9783668884243
Sprache
Deutsch
Schlagworte
68er Revolution
Arbeit zitieren
Jessica Huber (Autor), 2018, Die 68er-Bewegung und ihre Auswirkungen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460595

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