Vitruv ist der einzige uns bekannte Autor der Antike, von welchem eine theoretische Auseinandersetzung mit Architektur überliefert ist. Das macht seine Person sowie sein auf lateinisch verfasstes Werk, „De Architectura Libri Decem“ vor allem für die Altertumsforschung interessant. Nicht nur Historiker sondern auch Künstler und Architekten verwendeten, seit seiner Wiederentdeckung in der Renaissance, seine theoretischen Ausführungen immer wieder als Grundlage für eigene Ideen. Daran kann man zweifelsfrei erkennen, dass seine theoretischen Konzepte durchaus vertretbar sind, sonst wären sie heute nicht mehr Gegenstand der historischen Forschung und des Fachbereichs, in welchem sie entstanden sind.
Struktur der Proseminararbeit
I. Einleitung
II. Wer war Vitruv?
II.1 Zu seinem Leben
II.2 Zu seiner Identität
III. De Architectura Libri Decem
III.1 Der historische sowie zeitliche Rahmen
III.2 Der Aufbau des Werkes
III.3 Die Vorreden
IV. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich intensiv mit der Person Vitruv sowie seinem antiken Architektur-Traktat "De Architectura Libri Decem" auseinander. Ziel ist es, trotz der begrenzten Quellenlage ein fundiertes Bild über das Leben des Autors zu zeichnen, seine historische Identität kritisch zu beleuchten und eine strukturierte Analyse seines Werkes, insbesondere der Funktion der Vorreden, vorzunehmen.
- Biografische Rekonstruktion und Analyse der Quellenlage zu Vitruv.
- Wissenschaftliche Diskussion zur Identitätsfrage (Vitruv vs. Mamurra).
- Historische und zeitliche Einordnung der Entstehung von "De Architectura Libri Decem".
- Systematische Untersuchung des inhaltlichen Aufbaus des zehnbändigen Werkes.
- Interpretation der "Praefationes" (Vorreden) als motivierende und legitimierende Elemente.
Auszug aus dem Buch
III.3 Die Vorreden
Interessanterweise ist es nicht die Aufgabe der Vorreden, mit Ausnahme jener des achten Buches, einen direkten Bezug zu den nachfolgenden Kapiteln herzustellen sondern es wird eher versucht, die Funktion und Nützlichkeit des Werkes hervorzustechen. Deshalb wird in der Wissenschaft auch häufig die These vertreten, dass die Vorreden eigentlich als gesonderter Abschnitt zu behandeln sind, welcher erst nach Fertigstellung der restlichen Kapitel verfasst wurde. Hier sollen die Absichten des Autors zum Vorschein kommen.
Außerdem interessant ist, dass Vitruv in den Praefationes Augustus direkt anspricht und sich somit an ihn persönlich richtet. Er verwendet dabei zwar nicht den seit 27. v. Chr. geführten Titel Augustus sondern bezeichnet ihn weiterhin als Imperator Caesar, trotzdem kann man daraus nicht darauf schließen, dass sein Werk vor dieser Zeit entstanden sein muss. Es war nämlich auch noch später so Sitte, den Prinzeps in dieser Form anzusprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Vitruv als einzigen überlieferten Architekturtheoretiker der Antike ein und skizziert den methodischen Aufbau der Proseminararbeit.
II. Wer war Vitruv?: Dieses Kapitel beleuchtet den spärlich dokumentierten Lebenslauf des Autors und diskutiert in der Forschung kontrovers geführte Thesen zu seiner Identität, insbesondere die Frage einer Identitätsgleichheit mit Mamurra.
III. De Architectura Libri Decem: Hier werden der historische Entstehungskontext, der systematische Aufbau des zehnbändigen Hauptwerks sowie die strategische Bedeutung der eingebetteten Vorreden analysiert.
IV. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Identitätsdiskussion und zur zeitlichen Einordnung zusammen und reflektiert, warum die Unbekanntheit des Lebens des Autors eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Werk besonders reizvoll macht.
Schlüsselwörter
Vitruv, De Architectura Libri Decem, Architekturtheorie, Antike, Augustus, Mamurra, Architekturgeschichte, Praefationes, römische Baukunst, Architektur-Traktat, historische Identität, antike Technik, Bauwesen, Vitruvianische Architektur, Quellenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die antike Architekturtheorie des Vitruv, indem sie sowohl biografische Aspekte als auch die Struktur seines Hauptwerks "De Architectura Libri Decem" beleuchtet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätsdebatte um Vitruv, die historische Einordnung seines Traktats und die Analyse der Vorreden als programmatische Texte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zur Person Vitruv und eine systematische Darstellung der Architekturtheorie in seinem zehnbändigen Werk.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Auswertung und den Vergleich existierender wissenschaftlicher Sekundärliteratur, um ein möglichst präzises Bild des Autors und seines Werkes zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie, die Identitätsdiskussion, die historische Kontextualisierung der Entstehungszeit sowie die inhaltliche und funktionale Analyse des Architektur-Traktats.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Architekturtheorie, Antike, Augustus, Identitätsforschung und "De Architectura Libri Decem" geprägt.
Warum ist die Identitätsfrage zwischen Vitruv und Mamurra für die Forschung relevant?
Die Gleichsetzung würde eine historisch sehr präzise Einordnung erlauben, wird jedoch aufgrund unterschiedlicher Lebensstile und Quellenbefunde in der Fachwelt stark angezweifelt.
Welche Funktion erfüllen die Vorreden (Praefationes) in Vitruvs Werk?
Sie dienen nicht nur der inhaltlichen Einleitung, sondern der Legitimierung des Autors, der persönlichen Adressierung an Augustus und der Hervorhebung der gesellschaftlichen Nützlichkeit seines Wissens.
- Quote paper
- Frederick Benjamin Hafner (Author), 2015, Wer war Vitruv? Leben, Identität und Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460891