Wer war Vitruv? Leben, Identität und Werk


Hausarbeit, 2015
12 Seiten, Note: 1,5
Frederick Benjamin Hafner (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Wer war Vitruv?
II.1 Zu seinem Leben
II.2 Zu seiner Identität

III. De Architectura Libri Decem
III.1 Der historische sowie zeitliche Rahmen
III.2 Der Aufbau des Werkes
III.3 Die Vorreden

IV. Schlussbetrachtung

V Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Vitruv ist der einzige uns bekannte Autor der Antike, von welchem eine theoretische Auseinandersetzung mit Architektur überliefert ist.1 Das macht seine Person sowie sein auf lateinisch verfasstes Werk, „De Architectura Libri Decem“2 vor allem für die Altertumsforschung interessant. Nicht nur Historiker sondern auch Künstler und Architekten verwendeten, seit seiner Wiederentdeckung in der Renaissance, seine theoretischen Ausführungen immer wieder als Grundlage für eigene Ideen.3 Daran kann man zweifelsfrei erkennen, dass seine theoretischen Konzepte durchaus vertretbar sind, sonst wären sie heute nicht mehr Gegenstand der historischen Forschung und des Fachbereichs, in welchem sie entstanden sind.

Obwohl nicht viel über das Leben des Vitruv bekannt ist, soll im ersten Abschnitt dieser Proseminararbeit (II.1 „Zu seinem Leben“) sein Lebenslauf, soweit es möglich ist, nachgezeichnet werden. Außerdem soll erläutert werden, warum wir nur so wenig über ihn wissen und woher die wenigen vorhandenen Informationen zu seiner Person stammen. Auch die in der Forschung rege geführte Diskussion über seine Identität wird noch im ersten Kapitel der Arbeit behandelt werden (II.2 „Zu seiner Identität“).

In weiterer Folge wird sich der Schwerpunkt von seinem Leben zu seinen zehn Büchern über die Architektur verlagern. Um das Werk zeitlich besser einordnen zu können, wird hierbei im ersten Unterkapitel des dritten Abschnittes (III.1 „Der historische sowie zeitliche Rahmen“) das historische Umfeld, in welchem Vitruv lebte, skizziert werden. Zusätzlich soll der Zeitrahmen, in welchem sein Architekturtraktat entstanden sein soll, eingegrenzt werden.

In Abschnitt III.2 wird näher auf den Aufbau des Werkes eingegangen werden. Der Hauptteil wird dann mit einer näheren Betrachtung der sogenannten „Praefationes“ oder „Vorreden“, in „De Architectura Libri Decem“ abschließen.

In der Schlussbetrachtung werden die Leitgedanken der Arbeit noch einmal zusammengefasst werden. Es sollen jedoch auch weiterhin offene Fragen nicht außer Acht gelassen werden.

Da über Vitruv und sein Schaffen bis heute heftig diskutiert wird, wurden auch noch in den letzten zehn Jahren Publikationen, die sich mit ihm und seinem Werk befassen, veröffentlicht. Somit finden sich im Quellen- und Literaturverzeichnis dieser Arbeit auch aktuelle Erscheinungen wieder. Die eine stellt eine leicht verständliche Einführung in Vitruvs Architekturtheorie dar4, die andere beschäftigt sich bereits tiefgehender mit seinen Ausführungen5.

Eine weitere Monographie6, die sich mit Vitruv beschäftigt und sein Werk in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang stellt, wurde, um auch diesen Aspekt behandeln zu können, ebenso miteinbezogen.

Neben Paul Thielschers ausführlichem Artikel in der Realenzyklopädie7 werden für einen möglichst umfangreichen Blick auf Vitruv noch je ein Artikel zu seiner Person aus dem Kleinen Pauly8 sowie dem Neuen Pauly9 berücksichtigt werden.

Eine wichtige Informationsquelle zum Leben von Vitruv und vor allem zur zeitlichen Einordnung seines Werks stellt ein von B. Baldwin veröffentlichter Aufsatz aus dem Jahr 1990 dar. Infolgedessen wird er auch in dieser Arbeit einbezogen werden. 10

Da es im Internet nur wenig verlässliche Quellen zu Vitruv gibt, scheint im Quellen- und Literaturverzeichnis dieser Arbeit nur eine Internetadresse11 auf, wobei sich diese nicht auf Vitruv sondern auf den römischen Dichter Catull bezieht.

Von den zahlreichen Übersetzungen12, die es von Vitruvs „De Architectura Libri Decem“ gibt, werde ich mich, auf Franz Rebers, mit zahlreichen Anmerkungen versehene, Übersetzung beziehen.13

Die methodische Vorgehensweise, um zu Ergebnissen zu kommen, ist die Auswertung und der Vergleich, der bereits genannten Literatur, welche versucht wurde so auszuwählen, dass sie ein möglichst umfangreiches und klares Bild zu Vitruvs Leben sowie seinem einzig uns bekannten, von ihm verfassten Werk, „De Architectura Libri Decem“, geben kann.

II. Wer war Vitruv?

In diesem Kapitel wird einerseits auf das Leben des Vitruv andererseits auch auf die Diskussion über seine Identität eingegangen werden. Zu ersterem gibt es bedauernswerterweise nicht viele handfeste Nachweise, jedoch werde ich versuchen die wenigen vorhandenen Informationen gesammelt wiederzugeben. Zu seiner Identität hat sich vor allem Paul Thielscher beschäftigt. Welche Meinung er dabei vertritt und wie in der Fachwelt dagegen argumentiert hat, wird im zweiten Unterkapitel, II.2, behandelt werden. ‚

II.1 Zu seinem Leben

Geburts- sowie Sterbedaten von Vitruv sind nicht bekannt, jedoch dürfte das Geburtsdatum von Vitruv wohl um das Jahr 80 v. Chr. anzusiedeln sein.14

Da er sein Werk wohl erst etwa 15 v. Chr. fertig stellen konnte15, ergibt sich daraus auch, dass er erst danach gestorben sein muss.

Ebenfalls uneinig ist man sich in der Wissenschaft über seinen vollständigen Namen, wobei nur der Gentilname überliefert ist und somit, im Gegensatz zu seinem Prae- sowie Cognomen, als gesichert gilt. Das Cognomen Pollio taucht nämlich erstmals bei M. Cetius Faventiuns, zu Beginn des 4. Jahrhunderts auf und darf deshalb auch in Frage gestellt werden.16 Noch zweifelhafter müssen Praenomen, wie Gaius, Lucius und Marcus betrachtet werden, da ihm diese erstmals in der Renaissance zugeschrieben wurden.17

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass wir auch deshalb so wenig über „De Architectura Libri Decem“ und seinen Autor wissen, weil er zu Lebzeiten wenig Beachtung vorfand.18 Die wenigen Informationen, die wir über Vitruv haben, stammen aus seinem Werk „De Architectura Libri Decem“. Er bettet sie nämlich immer wieder ungezielt darin ein.19 So bedankt er sich unter anderem bei seinen Eltern, dass er in seiner Jugend eine sehr weitereichende Ausbildung erhalten hat. Dabei galt seine größte Leidenschaft den „auf Wissenschaft und Kunst bezüglichen Gegenständen und Schriften“.20

Zu Lebzeiten Caesars war er in dessen Armee als Kriegsingenieur tätig und war dort an der Entwicklung sowie Herstellung von Kriegsgeräten beteiligt.21 Aber auch als Architekt plante er zumindest ein Gebäude, nämlich eine Basilika in Fanum, welche er voll Stolz beschreibt.22 Sie gilt jedoch als „unkanonische Formung [, die] die kritische Beurteilung seiner Schrift als weitgehend theoretisches, der eigentlichen Architektenpraxis fernstehendes Werk […] gefördert hat“.23

Vermutlich hat er nach dem Tod Caesars, 44 v. Chr. seine Arbeit unter Oktavian fortgesetzt, wobei er 33 v. Chr. wegen seines Alters den Dienst beim Heer beendet haben soll. Zu dieser Zeit soll er aber auch noch am Ausbau des Wasserleitungsnetzes in Rom mitgewirkt haben.24 Dafür würde auch sein detailiertes Wissen über die Wasserversorgung sprechen, welchem er ein ganzes Buch in seinem Werk widmet.25

Dass er keine finanziellen Sorgen mehr habe, hätte er Oktavian zu verdanken, da dieser ihm eine Pension bezahle, die es ihm in weiterer Folge auch ermögliche „De Architectura Libri Decem“ zu verfassen.26

Als er seine 10 Bücher niederzuschrieb machte sich nach seinen eigenen Angaben bereits sein fortgeschrittenes Alter bemerkbar. Dazu kam noch, dass ihm bereits „Krankheit die Kräfte entzogen“ habe.27

Neben den vielen Rätseln zu seinem Leben sowie seinem Namen wurde in der Geschichtswissenschaft außerdem über seine Identität diskutiert.

[...]


1 K. Sallmann, KlP 5, 1975, 1310 – 1313, s.v. Vitruvius, Sp. 1309.

2 Dt. Übers.: Zehn Bücher über Architektur

3 H. Knell, Vitruvs Architekturtheorie. Eine Einführung, 3. Aufl. Darmstadt 2008, S. VII.

4 H. Knell, Vitruvs Architekturtheorie. Eine Einführung, 3. Aufl. Darmstadt 2008.

5 G. Fischer, Vitruv Neu oder Was ist Architektur? (= Bauwelt-Fundamente 141) Basel 2009.

6 H.-J. Fritz, Vitruv. Architekturtheorie und Machtpolitik in der römischen Antike (= Oktogon Studien zu Architektur und Städtebau 15) Münster 1995.

7 P. Thielscher, RE A, IX, 1, 1961, 427 – 489, s.v. Vitruvius 2.

8 K. Sallmann, KlP 5, 1975, 1310 – 1313, s.v. Vitruvius 2.

9 C. Höcker, NeP 12/2, 2002, 266 – 270, s.v. Vitruvius 2.

10 B. Baldwin, The Date, Identity, and Career of Vitruvius, Latomus 49, 1990, 425 - 434.

11 o.A. Catull, URL: http://www.buecher-wiki.at/index.php/BuecherWiki/Catull (zuletzt abgerufen am 27.02.2015)

12 Vgl. C. Fensterbusch (Darmstadt 1964); V. Rose (Leipzig 1867); J. Priestel (Badeb – Baden 1959); etc.

13 Vitruv. Zehn Bücher über Architektur. De Architectura libri decem, übers. von F. Reber, Berlin 1918, neugesetzte und überarbeitete Aufl. Wiesbaden 2004.

14 H. Knell, Vitruvs Architekturtheorie. Eine Einführung, 3. Aufl. Darmstadt 2008, S. 2.

15 Ebd.

16 K. Sallmann, KlP 5, 1975, 1310 – 1313, s.v. Vitruvius 2, Sp. 1309.

17 C. Höcker, NeP 12/2, 2002, 266 – 270, s.v. Vitruvius 2, Sp. 266.

18 K. Sallmann, KlP 5, 1975, 1310 – 1313, s.v. Vitruvius 2, Sp. 1312.

19 H.-J. Fritz, Vitruv. Architekturtheorie und Machtpolitik in der römischen Antike (= Oktogon Studien zu Architektur und Städtebau 15) Münster 1995, S. 6.

20 Vitruv, De Architectura Libri Decem, VI praef. 4.

21 Ebd. I praef. 2.

22 Ebd. V 1. 6–10.

23 C. Höcker, NeP 12/2, 2002, 266 – 270, s.v. Vitruvius 2, Sp. 266.

24 K. Sallmann, KlP 5, 1975, 1310 – 1313, s.v. Vitruvius 2, Sp. 1310.

25 Vitruv, De Architectura Libri Decem, VIII.

26 H.-J. Fritz, Vitruv. Architekturtheorie und Machtpolitik in der römischen Antike (= Oktogon Studien zu Architektur und Städtebau 15) Münster 1995, S. 8.

27 Vitruv, De Architectura Libri Decem, II praef. 4.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Wer war Vitruv? Leben, Identität und Werk
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V460891
ISBN (eBook)
9783668913059
ISBN (Buch)
9783668913066
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vitruv, Leben, Identität, Werk, Architektur, Antike, Altertum
Arbeit zitieren
Frederick Benjamin Hafner (Autor), 2015, Wer war Vitruv? Leben, Identität und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460891

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