Als Grundannahme der Attributionstheorie kann formuliert werden, dass Menschen bestimmten Ereignissen bestimmte Ursachen zuschreiben und sich diese somit erklären. In der Psychologie trifft man häufig auf die Bezeichnung „naiver Wissenschaftler“, da der Mensch dazu tendiert, beobachtbares Verhalten auf nicht beobachtbare Ursachen zurückzuführen. Der Begriff der Kausalattribution „beschreibt den Schlussfolgerungsprozess, durch den Beobachter einen Effekt auf einen oder mehrere Ursachen zurückführen.“(Fincham, F. und Hewstone, M., 2002). Im Mittelpunkt des Interesse steht hierbei die Art und Weise dieser Ursachenzuschreibung. Fritz Heider führte diesbezüglich die Unterscheidung zwischen internen und externen Ursachen ein, wobei mit intern Ursachen beschrieben werden, die innerhalb der Person liegen und mit extern Ursachen, die außerhalb der Person liegen. Als interne bzw. internale Ursachen gelten beispielweise Anstrengung und Begabung, als externe bzw. externale Ursachen beispielsweise Zufall und Schwierigkeit. Weiner (1985) ermittelte in Untersuchungen zu Attributionskonzepten diese vier Ursachen als Gründe, die am häufigsten zur Erklärung von Erfolgen und Misserfolgen in Leistungssituationen angeführt wurden. Sie wurden auch dem FKL zugrundegelegt.
Eine weitere, für Leistungssituationen wichtige Differenzierung bezieht sich auf die Stabilität der oben genannten Ursachen und somit auf ihre Veränderbarkeit. Demnach gelten Begabung und der Grad der Schwierigkeit einer Aufgabe als nicht beeinflussbare Faktoren, die als stabil angesehen werden, wohingegen die Faktoren Anstrengung und Zufall variabel und somit beeinflussbar sind. Diese Differenzierung ist für den schulischen Bereich sehr wichtig, da die instabilen Ursachenerklärungen (Anstrengung und Zufall) für den Schüler kontrollierbar sind; d.h. beispielweise in einer Misserfolgssituation, die der Schüler auf mangelnde Anstrengung zurückführt, kann der Lehrer versuchen, den Schüler mehr zu motivieren, vorausgesetzt er kennt das Attributionsverhalten des jeweiligen Schülers. Eine andere Maßnahme ist hingegen erforderlich, wenn der Schüler Misserfolge als Ergebnis mangelnder Begabung wahrnimmt. Eine solche Ursachenwahrnehmung führt zu einem Verlust an Selbstwertgefühl und hat zu Folge, dass in zukünftigen Leistungssituationen auch nicht genügend gelernt, also nicht genügend Anstrengung investiert wird, da der Schüler die mangelnde Fähigkeit als gegeben hinnimmt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zur Entwicklung des Fragebogens
I. Der theoretische Hintergrund
II. Überblick über die Entstehung der Fragebogens zur Kausalattribuierung in Leistungssituationen
III. Aufbau und Aufgaben des Fragebogens zur Kausalattribuierung in Leistungssituationen
IV. Zusammenfassung und persönliche Anmerkung
Zur Durchführung des FKL
I. Zur Versuchsperson
II. Ergebnisse
III. Interpretation der Ergebnisse
IV. Welche Schlussfolgerungen ergeben sich anhand dieses Ergebnisses für die Versuchsperson?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den von Max Keßler entwickelten „Fragebogen zur Kausalattribuierung in Leistungssituationen“ (FKL) theoretisch einzubetten und seine praktische Anwendung zur Erfassung individueller Attributionsmuster bei Schülern darzustellen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Schüler ihre Erfolge und Misserfolge ursächlich begründen und welche diagnostischen Rückschlüsse daraus für die pädagogische Praxis und die Förderung des Selbstbildes sowie der Leistungsmotivation gezogen werden können.
- Grundlagen der Attributionstheorie nach Fritz Heider und Bernard Weiner
- Entwicklungsprozess und Gütekriterien des FKL
- Zusammenhang zwischen Attribuierung und schulischen Konstrukten wie Leistungsmotivation und Angst
- Durchführung und Auswertung des Verfahrens am Beispiel einer Fallstudie
- Pädagogische Implikationen zur Unterstützung der Schülerselbstwahrnehmung
Auszug aus dem Buch
I. Der theoretische Hintergrund
Als Grundannahme der Attributionstheorie kann formuliert werden, dass Menschen bestimmten Ereignissen bestimmte Ursachen zuschreiben und sich diese somit erklären. In der Psychologie trifft man häufig auf die Bezeichnung „naiver Wissenschaftler“, da der Mensch dazu tendiert, beobachtbares Verhalten auf nicht beobachtbare Ursachen zurückzuführen. Der Begriff der Kausalattribution „beschreibt den Schlussfolgerungsprozess, durch den Beobachter einen Effekt auf einen oder mehrere Ursachen zurückführen.“(Fincham, F. und Hewstone, M., 2002). Im Mittelpunkt des Interesse steht hierbei die Art und Weise dieser Ursachenzuschreibung. Fritz Heider führte diesbezüglich die Unterscheidung zwischen internen und externen Ursachen ein, wobei mit intern Ursachen beschrieben werden, die innerhalb der Person liegen und mit extern Ursachen, die außerhalb der Person liegen. Als interne bzw. internale Ursachen gelten beispielweise Anstrengung und Begabung, als externe bzw. externale Ursachen beispielsweise Zufall und Schwierigkeit. Weiner (1985) ermittelte in Untersuchungen zu Attributionskonzepten diese vier Ursachen als Gründe, die am häufigsten zur Erklärung von Erfolgen und Misserfolgen in Leistungssituationen angeführt wurden. Sie wurden auch dem FKL zugrundegelegt.
Eine weitere, für Leistungssituationen wichtige Differenzierung bezieht sich auf die Stabilität der oben genannten Ursachen und somit auf ihre Veränderbarkeit. Demnach gelten Begabung und der Grad der Schwierigkeit einer Aufgabe als nicht beeinflussbare Faktoren, die als stabil angesehen werden, wohingegen die Faktoren Anstrengung und Zufall variabel und somit beeinflussbar sind. Diese Differenzierung ist für den schulischen Bereich sehr wichtig, da die instabilen Ursachenerklärungen (Anstrengung und Zufall) für den Schüler kontrollierbar sind; d.h. beispielweise in einer Misserfolgssituation, die der Schüler auf mangelnde Anstrengung zurückführt, kann der Lehrer versuchen, den Schüler mehr zu motivieren, vorausgesetzt er kennt das Attributionsverhalten des jeweiligen Schülers.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Attributionsforschung ein und stellt den FKL als Diagnoseinstrument für das schulische Umfeld vor.
Zur Entwicklung des Fragebogens: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Rahmen, die historische Genese des Fragebogens sowie dessen Gütekriterien und den Zusammenhang zu zentralen Konstrukten wie Leistungsmotivation und Schulangst.
Zur Durchführung des FKL: Dieser Abschnitt beschreibt die praktische Handhabung des Verfahrens, die Durchführung am Beispiel einer 14-jährigen Schülerin sowie die Auswertung und Interpretation der erzielten Testergebnisse.
Schlüsselwörter
Kausalattribution, FKL, Leistungssituationen, Attributionstheorie, Leistungsmotivation, Schulerfolg, Misserfolg, Selbstbild, Begabung, Anstrengung, psychologische Diagnostik, Pädagogische Diagnostik, Attributionsstil, Kontrollüberzeugung, Schüler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der schriftlichen Ausarbeitung zum „Fragebogen zur Kausalattribuierung in Leistungssituationen“ (FKL), einem diagnostischen Instrument zur Erfassung der Ursachenzuschreibungen von Schülern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Attributionstheorie, die Konstruktion und Gütekriterien des FKL sowie dessen praktische Anwendung bei der Analyse von Schülern in Leistungssituationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den FKL vorzustellen und aufzuzeigen, wie er genutzt werden kann, um individuelle Attributionsgewohnheiten zu verstehen und Schülern bei der positiven Gestaltung ihres Selbstbildes und ihrer Leistungsmotivation zu helfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Darstellung des FKL sowie einer fallbasierten Anwendung des Fragebogens, gefolgt von einer kritischen Diskussion der Ergebnisse und des Testmaterials.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Attributionstheorie, die methodischen Details zum Fragebogen sowie die detaillierte Durchführung und Interpretation der Testergebnisse anhand eines Praxisbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kausalattribution, Leistungsmotivation, Selbstbild, diagnostische Verfahren und pädagogische Förderung in Leistungssituationen charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Selbstbild in Bezug auf die Attributionsmuster der Schülerin?
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schülerin ein negatives Selbstbild aufweist, da sie Erfolge eher externen Zufällen zuschreibt, während sie Misserfolge internal auf mangelnde Begabung oder Anstrengung zurückführt.
Warum ist der FKL laut Autorin nicht als alleiniges Diagnoseinstrument geeignet?
Die Autorin betont, dass der FKL nur Zusatzinformationen liefert und im Kontext anderer Verfahren betrachtet werden muss, da viele weitere Faktoren das Verhalten eines Schülers beeinflussen.
- Quote paper
- Manuela Leidinger (Author), 2003, Kausalattribuierung in Leistungssituationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46111