Aggressionsdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit der Achenbach-Skala


Term Paper, 2016
12 Pages, Grade: 1,7

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INHALT

Vorbemerkung

I. Verhaltensstörung, Stichprobenprävalenz

II. Methoden zur Erfassung aggressiven Verhaltens

III. Zugang, Erfassungsbreite und Strukturiertheit

IV. Strukturierungsgrade

V. Verhaltensdiagnostische Diagnostik als indirekte Erhebungsform

VI. Achenbach-Skala - Child Behavior Checklist (CBCL 4-18) VII. Achenbach-Skala - Teacher’s Report Form (6-18)

VIII. Achenbach-Skala - Youth Self-Report (11-18)

IX. Vor und Nachteile der Achenbachskalen (CBCL 4-19; TRF 6-18; YSR 11-18)

X. Fazit

Vorbemerkung

Die von mir verfasste Ausarbeitung in Modul 8 (54857) bietet einen kurzen testdiagnostischen Zugang zum Phänomen von kindlichen bis jugendlichen Aggressionsausprägungen. Dabei gilt es zunächst das Phänomen der Aggression kategoriell zu erfassen. Durch die Auflistung von Stichprobenprävalenzen erfolgt ein geschlechterdifferenzierter Überblick der Verteilungs- häufigkeiten in absoluten Zahlenwerten.

Durch die Reduktion auf eine hoch- bis halbstrukturierte indirekte Erhebungsform verhaltensorientierter Diagnostik mittels der Achenbachskala kann ein für die Hausarbeit passender Umfang gewährleistet werden. Die Vorteile einer verhaltensbezogenen Diagnostik mit praktischem Anwendungsbezug für sonderpädagogische Förderungsprozesse bieten durch ihren hohen Normierungsgrad eine zuverlässige Erhebungsmethode zur Erfassung von aggressivem Verhalten im Kindesalter und Jugendalter im sonderpädagogischen Kontext. Die Vorteile und Nachteile eines verhaltensbezogenen Zugangs mit hohem Normierungsgrad gilt es nach einer detaillierten Testbeschreibung, zu evaluieren.

Als Abschluss wird ein kritischer Blick auf die Komplexitätsreduktion eines verhaltensdiagnostischen Zuganges geworfen sowie weitere Verfahren zur umfassenden diagnostischen Erfassung der Ausprägung von Aggressionsverhalten genannt.

I. Verhaltensstörung, Stichprobenprävalenz

Die Methoden zur pädagogisch psychologischen Diagnostik dienen mit ihren normbasierten Gütekriterien zur Erhebung messgenauer und inhaltsvalider Daten, deren Zielsetzung in diagnostisch begründete Normative münden. Aktuelle Erhebungsverfahren zur systematischen Befragung und Verhaltensbeobachtung sowie der Einsatz psychometrischer Verfahren dienen in erster Linie zur qualitativen sowie quantitativen testdiagnostischen Erfassung und Bewertung einer Variabilitätsbreite der Ausprägungsdimension von aggressivem Verhalten mit finiten Häufigkeitsmerkmalen. Symptome von Verhaltensstörungen können (nach der Tabelle 2 nach Myschker: Klassifikation von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensstörungen) grundsätzlich in vier Subkategorien eingeordnet werden1:

(1) Kinder und Jugendliche mit externalisierendem, aggressivem Verhalten
(2) Kinder und Jugendliche mit internalisierendem, ängstlich gehemmten Verhalten
(3) Kinder und Jugendliche mit sozial-unreifem Verhalten
(4) Kinder und Jugendliche mit sozial delinquentem Verhalten.

Symptombilder und deren Stichprobenprävalenz bei Kindern im zehnten Lebensjahr können der Häufigkeitsverteilung (nach Frederking) entnommen werden.2 Die Basis zur verhaltensdiagnostischen Erfassung beobachtbarer Symptombilder untergliedert Frederking in fünf Subkategorien. Dabei fällt auf, dass den empirischen Daten von Frederking in einer gemischtgeschlechtlichen Stichprobe seiner sozialmedizinischen Untersuchung die absolute Verteilungshäufigkeit in der Ausprägung verhaltensgestörter Symptombilder bei Jungen gegenüber der gleichaltrigen Populationsgruppe der Mädchen (N=419) signifikant überrepräsentiert war. Es ließ sich am Beispiel der geschlechtergetrennten Häufigkeits- verteilung eine Prozentrelation von neun Prozentpunkten bei (N=838) für die Stichprobenprävalenzrate am Beispiel der fünf Subkategorien von aggressivem Verhalten zu ungunsten der aus dieser Stichprobe untersuchten Jungen (N=419) beobachten.3

Eine weitere relevante Stichprobe aus dem Jahr (Juli) 1999 bis März 2000 (N=508 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 18 Jahren) wurde mithilfe des Youth Self-Report (YSR/11-18; Achenbachskala) und der Child Behavior Checklist, dem sog. CBCL/4-18 (Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen) im deutschsprachigen Raum (Aachen) erhoben. In dieser Erhebung erfolgte die Unterteilung von Aggressionsformen in drei Subkategorien: (1.) externalisierende Auffälligkeit, (2.) internalisierende Auffälligkeit, (3.) gemischte Auffälligkeit. Nach den Ergebnissen dieser Screeninguntersuchung waren 15,9 Prozent der Jungen und 15,3 Prozent der Mädchen auffällig. Normierungsmaßstab bildete die T-Wertskala (Mittelwert: 50). Ein Belastungsscore von größer/gleich 70 bedeutet Syndromcharakter.4

II. Methoden zur Erfassung aggressiven Verhaltens

In den von mir vorgestellten Diagnoseverfahren (Achenbachskala: CBCL, YRF, YSR) gilt es lediglich nach der kurzen Nennung einer geschlechterdifferenten Stichprobenhäufigkeitsverteilung eine spezifische Auswahl geeigneter Verfahren auf Basis verhaltensdiagnostischer Verfahren mit halb- bis hochstrukturierter Anwendung vorzustellen. Hierbei gilt es eine Systematik möglicher Diagnosestrategien zu evaluieren; ferner Formen der testdiagnostischen Erfassung bei aggressivem Verhalten über indirekte Verfahren zu berücksichtigen. Die Heterogenität der Ausprägungsdimension von aggressivem Verhalten und die Vielzahl von Konzeptualisierungen setzen den Prozess der Aggressionsdiagnostik als Prozessdiagnostik mit multimodaler & multimethodaler Strategie in die Vorstufe einer hypothesengeleiteten sonderpädagogischen Bildbarkeits - und Förde(rung)diagnostik 5 mit anschließendem Förderungsprozess für das zutreffende Schülerklientel.6 Durch eine Schwerpunktlegung auf einen verhaltens-diagnostischen Zugang erfolgt eine optimale normbasierte und interindividuelle Erfassung der Ausprägung aggressiven Verhaltens. Es grenzt zudem das Diagnostikum auf reliable und valide Testdaten ein.

III. Zugang, Erfassungsbreite und Strukturiertheit

Ausgewählte Testverfahren zur verhaltensdiagnostischen Erfassung aggressiven Verhalten im Kindesalter lassen sich untergliedern in Zugang, Erfassungsbreite und Strukturiertheit 7 :

(1.) direkt vs. indirekt (Zugangskriterium)
( 2.) spezifischer vs. breiter Bereich psychischer Störungen (Erfassungsbreite)
(3.) hoch - vs. niedrigstrukturiert (Strukturiertheit).

Bei den sog. quantitativen Verfahren mit verhaltensdiagnostischer Schwerpunktlegung können indirekte von direkten Vorgehensweisen unterschieden werden. Indirekte Verfahren erheben ein Zielverhalten nicht direkt zum Zeitpunkt und am Ort des Ereignisses. Eine Befragung von Betroffenen und Außenstehenden erfolgt zeitversetzt. Die Problemerfassung wird auf der verbal-subjektiven-Ebene generiert. Zu den indirekten Verfahren mit quantitativem Testschwerpunkt zählen hoch- und niedrigstrukturierte Interviews, Fragebogen-verfahren oder (Familien-) Erstgespräche. Indirekte Verfahren mit qualitativem Schwerpunkt können theoriegeleitet intrapsychische Prozesse offenlegen. Eine indirekte Erhebung bedeutet zusammengefasst immer die Befragung der Betroffenen und die des unmittelbaren Umfeldes.8 Unter dem Testkriterium direkter Verfahren wird die Erfassung des Problemverhaltens in der unmittelbaren Konfliktsituation verstanden. Je nach Strukturierungsgrad können Beobachtungsverfahren in der natürlichen Umgebung oder im nicht-naturalistischen Umfeld 9 durchgeführt werden. In der Beobachtungskategorie Sozialverhalten können nach außen gerichtete Aggressionsformen durch Außenstehende reliabel und valide registriert werden.10 Durch die Erfassungsbreite können verschiedene Ausprägungsformen , spezifisch aggressives Verhalten auf Basis des ICD 10 erfasst werden, fernerhin können sowohl externalisierende alss auch internalisierende Aggressionsformen durch indirekte Erhebungsverfahren wie das der Achenbach-Skala (CBCL, TRF, YSR) erfasst werden.

IV. Strukturierungsgrade

Die Differenz der Strukturierungsgrade bedeutet bei unstrukturierten Verfahren weder die Festlegung der zu explorierenden Bereiche noch der Beurteilermaßstäbe, was eine Reduktion der Testgütekriterien innerhalb standardisiertem Vorgehen zur Folge hat. Niedrigstrukturierte Verfahren spezifizieren nur sehr allgemein die zu explorierenden Bereiche und die zu beurteilenden Merkmale. Bei mittlerem bis hohem Strukturierungsgrad werden die zu beurteilenden Merkmale und das Beurteilungsschema (weitegehend) detailliert vorgegeben. Die detaillierte Festlegung einzelner Fragestellungen und Antwortkategorien kennzeichnet ein hoch strukturiertes Vorgehen.11 Bei den indirekten Verfahren wollen wir uns lediglich den halb-& hochstrukturierten verhaltensdiagnostischen Verfahren mit sonderpädagogischer Zweckbestimmung zur Erfassung von aggressivem Verhalten bei Schülergruppen zuwenden.

V. Verhaltensdiagnostische Diagnostik als indirekte Erhebungsform

Verhaltensdiagnostische Verfahren können im klinischen Zusammenhang wie auch im subklinischen Bereich angewandt werden. Anders als bei der Anamnese kommt hier das Verfahren der Exploration 12 zum Einsatz. Erste Vermutungen zur Hypothesenbildung für das zu erfassende Problemverhalten muss mit anschließender Testdiagnostik abgeklärt werden. Die Erstellung einer Verhaltensdiagnose erfolgt auf der Basis verschiedener Klassifikationssysteme durch explorative Interviewverfahren. Ihre Erhebungsspezifik intendiert die Erfassung von objektiven Symptomen: (1.) erstmaliges Auftreten von Symptomen sowie (2.) die Folgeeffekte der Störung mit psychosozialer Folge. Aus der Anwendungsspezifik ergibt sich, dass für die sonderpädagogische Zielbestimmung lediglich halb- bis hoch strukturierte Verfahren von Lehrern durchgeführt werden sollten, da die Anwendung niedrigstrukturierter Verfahren eine umfassende klinische Erfahrung voraussetzt.13 An dieser Stelle kann angemerkt werden, dass halb- und hochstrukturierte Verfahren das Anforderungsmerkmal eines entsprechenden Kognitionsniveaus bei Kindern erfordert. Ab dem zehnten Lebensjahr kann davon ausgegangen werden, dass eine valide Einschätzung zur Symptomdauer sowie der psychosozialen Beeinträchtigung inhaltsvalide und reliabel mitgeteilt werden, womit die Verwertbarkeit der Datenerhebung sichergestellt wird.14 Hochstrukturierte Verfahren mit einer relativ hohen Gesamttestreliabilität sowie einer hohen kriteriumsbezogenen Validitätsrate finden zumeist in Forschungszwecken Anwendung.15

[...]


1 vgl: Myschker, N. & Stein, R. (1997): Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. 3. Auflage

Kohlhammer,Stuttgart. S. 47.

2 Myschker & Stein (1997), S.50.

3 Frederking, U.: Häufigkeiten, somatische und soziale Bedingungen von Verhaltensstörungen zehnjähriger Schulkinder. In Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, Jg. 24 (1975), S. 204-2013.

4 vgl.: Ziegert, B., Neuss, A., Herpertz-Dahlmann, B. Kruse, W. (Juni 2002). In: Deutsches Ärzteblatt (PP):Psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in der allgemeinärztlichen Praxis. Wer ist behandlungsbedürftig? Online abrufbar in: https://www.aerzteblatt.de/pdf/PP/1/6/s271.pdf. (14.0.2017), S. 271-272.

5 Kobi, E. (2003): Diagnostik in der heilpädagogischen Arbeit. Luzern: Edition SZH/CSPS; Auflage: 5, S. 69.

6 vgl.: Petermann, F. & Petermann U. (2000): Aggressionsdiagnostik, Hogrefe Verlag, S.45.

7 Petermann, F. & Petermann U. (2000), S. 45.

8 vgl.: Petermann, F. & Petermann U. (2000): Aggressionsdiagnostik, Hogrefe Verlag, S.45.

9 Mees, U. (1977): Einführung in die systematische Verhaltensbeobachtung. In: U. Mees & H. Selg (Hrsg.): Verhaltensbeobachtung und Verhaltensmodifikation. Stuttgart: Klett, 14–32. - Mees bietet in seiner Systematisierung zur Verhaltensbeobachtung eine binäre kategorielle Einordung in: (1.) naturalistisch (Feld) ; (2.) nicht-naturalistisch (Labor), an.

10 vgl.: Petermann, F. & Petermann U. (2000), S. 45-46.

11 Döpfner, M., Petermann F. (2012): Diagnostik psychischer Störungen im Kindes und Jugendalter, Hogrefe Verlag Göttingen (3. Auflage). S. 98.

12 Breitenbach, E. (2014): Psychologie in der Heil und Sonderpädagogik, Kohlhammer, Stuttgart (2014). S. 86. Anmerkung: Im Gegensatz zur Anamnese […] wird in der Exploration die aktuelle Situation oder Problematik sowie deren subjektive Wahrnehmung und Einschätzung erfragt.

13 Reitman, D., Hummel, R.,Franz, D.Z. & Gross, A.M. (1998): A review of methods and instruments for assessing externalizing disorders: Theoretical and practicak considerations in rendering a diagnosis. Clinical Psychology Review, 18, 555-584.

14 vgl.: Petermann, F. & Petermann U. (2000), S. 45-47.

15vgl.: Petermann, F. & Petermann U. (2000), S. 45-47.

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Details

Title
Aggressionsdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit der Achenbach-Skala
College
Humboldt-University of Berlin  (Verhaltensgestörtenpädagogik)
Course
Verhaltensstörung und Kriminalität
Grade
1,7
Author
Year
2016
Pages
12
Catalog Number
V461236
ISBN (eBook)
9783668891487
Language
German
Tags
aggressionsdiagnostik, kindern, jugendlichen, achenbach-skala
Quote paper
Jens Burmeister (Author), 2016, Aggressionsdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit der Achenbach-Skala, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461236

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