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Historische Befangenheit und kritische Neu(er-)findung. Die historische Semantik des Postmaterialismus und das 21. Jahrhundert

Titel: Historische Befangenheit und kritische Neu(er-)findung. Die historische Semantik des Postmaterialismus und das 21. Jahrhundert

Hausarbeit , 2017 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tom Zago (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Angelehnt an den geschichtswissenschaftlichen Ansatz der historischen Semantik von Begriffen soll untersucht werden, inwieweit der Postmaterialismus-Begriff von seinem historischen Entstehungskontext bedingt wurde und in diesem nach wie vor zu verorten ist. So wird in der Arbeit davon ausgegangen, nach dem Muster diskursgeschichtlicher Methodenarbeit, dass Begriffe Träger und Transmitter von Ideen des umgebenden zeitgenössischen Kontextes sind und nur bedingt losgelöst von diesem betrachtet werden können. Ausgehend von Ronald F. Ingleharts Theorie der „Silent Revolution” soll dargelegt werden, wie der Postmaterialismus-Begriff der 1970er Jahre definiert wurde und wie sich jener an die politische und kulturelle Landschaft dieser Umbruchphase anschmiegt.

Diese Arbeit zielt in keiner Weise darauf ab, eine normative Abhandlung über den Postmaterialismus zu erarbeiten, diesen zu messen oder seine Existenz zu be- oder widerlegen. Im Fokus der Kritik steht ebenfalls nicht Ronald Inglehart und seine in den 1970er Jahren entwickelte Theorie des generationellen Wertewandels. Vielmehr soll anhand des Postmaterialismus-Begriffes eine Reflexion stattfinden, die sich der konzeptuellen Ebene dieses Terminus widmet. In einer zweiten Arbeitsphase soll mithilfe der aktuellen Postmaterialismus-Kontroverse verdeutlicht werden wo die Schwächen dieser ersten Definition liegen, welche alternative Definitionen und Konzepte für diesen Begriff in Betracht gezogen werden können und inwieweit der Ansatz des Postmaterialismus, so wie er im 20. Jahrhundert formuliert wurde, überholt ist. In einem dritten und abschließenden Arbeitsschritt wird dann versucht, neue Tendenzen der Forschung und aktuelle Kontroversen um den Postmaterialismus-Begriff anzureißen, um somit dessen zeitgeschichtliche Relevanz hervorzuheben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung und Problemdarstellung

II. Historische Semantik und Postmaterialismus

III. Strukturwandel, Popkultur und Individualisierung

IV. Das Kind einer toten Schönheit

V. Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht den Postmaterialismus-Begriff mittels einer historischen Semantik, um dessen Entstehungskontext in den 1970er Jahren kritisch zu hinterfragen und seine heutige Relevanz sowie konzeptionelle Grenzen in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte zu evaluieren.

  • Historische Semantik als methodischer Zugang
  • Kritische Reflexion der Inglehartschen Theorie der "Silent Revolution"
  • Strukturwandel und ökonomische Umbrüche der 1970er Jahre
  • Individualisierung und gesellschaftliche Wertewandlungsprozesse
  • Grenzen des Postmaterialismus-Begriffs im 21. Jahrhundert

Auszug aus dem Buch

I. Einführung und Problemdarstellung

Folgt man der rezenten historischen Forschung, so haben die westlichen Gesellschaften in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Transition von industriellen zu postindustriellen, von modernen zu postmodernen und eben auch von materiellen zu postmateriellen Gesellschaften erfahren. In dieser kulturellen und strukturellen Phase des Wandels entstanden und definiert, dient der Postmaterialismus-Begriff seit jeher der Politikwissenschaft und seinen Nachbardisziplinen als Erklärungsmuster und Anhaltspunkt für neue, weltweit auftretende gesellschaftliche Phänomene in Gesellschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft.

„Dieses Neues [gemeint ist der Postmaterialismus] ist [jedoch] nicht kausal aus dem Materialismus ableitbar.“¹ Was Roland Benedikter dem Postmaterialismus im siebten Band der von ihm herausgegebenen Reihe Postmaterialismus abspricht, nämlich die Kausalität zum Materialismus, wird jedoch vom Begriff selbst anders ausgelegt. Die Bezeichnung Postmaterialismus suggeriert eine vom Materialismus ausgehende Abhängigkeit dieses Phänomens und weist somit kein eigenständiges Erscheinungsbild auf. Von einer sprachwissenschaftlichen Sichtweise aus gesehen bildet das lateinische Präfix post (dt. nach, hinten) einen direkten Bezug zum folgenden Nomen, in diesem Fall zum Subjekt Materialismus. Falls man sich die Bedeutung und die einhergehenden Konsequenzen dieser Vorsilbe auf den ersten Blick nicht erschließen kann, so sollte es jedoch spätestens infolge eines zweiten Blickes passieren.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung und Problemdarstellung: Diese Einleitung führt in die historische Phase des Wertewandels ein und skizziert das methodische Vorgehen, den Postmaterialismus-Begriff diskursgeschichtlich zu untersuchen.

II. Historische Semantik und Postmaterialismus: Das Kapitel erläutert die Methode der historischen Semantik und diskutiert, inwiefern der Postmaterialismus als historischer Grundbegriff zur Analyse aktueller gesellschaftlicher Zustände taugt.

III. Strukturwandel, Popkultur und Individualisierung: Hier wird der ökonomische und soziale Kontext der 1970er Jahre beleuchtet, insbesondere die Krise der Industriegesellschaft und das Aufkommen neuer gesellschaftlicher Wertvorstellungen.

IV. Das Kind einer toten Schönheit: Dieses Kapitel kritisiert die Theorie von Ronald Inglehart und hinterfragt, ob der Begriff des Postmaterialismus die heutige komplexe Realität noch hinreichend abbilden kann.

V. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse der Begriffsanalyse und betont die Notwendigkeit, Begriffe stets als vermittelnde Konstrukte im jeweiligen historischen Kontext zu verstehen.

Schlüsselwörter

Postmaterialismus, Historische Semantik, Wertewandel, Ronald Inglehart, Industriegesellschaft, Strukturwandel, Materialismus, Silent Revolution, Politische Theorie, Ideengeschichte, Sozialer Wandel, Moderne, Postmoderne, Begriffsgeschichte, Gesellschaftsstruktur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den wissenschaftlichen Begriff des Postmaterialismus unter Anwendung der historischen Semantik, um seinen Ursprung in den 1970er Jahren kritisch zu hinterfragen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind der gesellschaftliche Wertewandel, die Transformation von Industriegesellschaften sowie die theoretische Fundierung des Postmaterialismus-Begriffs.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Postmaterialismus-Begriff nicht als gegebenen Fakt hinzunehmen, sondern seine Entstehung im spezifischen Kontext der 1970er Jahre zu entlarven und auf seine heutige Tauglichkeit zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor verwendet den Ansatz der historischen Semantik, um Begriffe als diskursive Träger von Ideen zu untersuchen, die untrennbar mit ihrem zeitgenössischen Kontext verwoben sind.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Grundlegung, die Analyse der ökonomischen Krisensituation der 1970er Jahre sowie die kritische Auseinandersetzung mit der "Silent Revolution"-Theorie von Ronald Inglehart.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?

Die wichtigsten Schlagworte sind Postmaterialismus, Historische Semantik, Wertewandel, Ronald Inglehart und Strukturwandel.

Warum wird der Begriff des Postmaterialismus in der Arbeit als "befangen" bezeichnet?

Der Begriff gilt als befangen, weil er stark durch die sozio-ökonomischen Ängste und Hoffnungen der 1970er Jahre geprägt wurde und somit weniger ein objektives Phänomen, sondern eine Reaktion auf den damaligen Zeitgeist darstellt.

Inwieweit spielt der Begriff "Materialismus" für die Argumentation eine Rolle?

Er ist konstitutiv, da der Autor aufzeigt, dass der Postmaterialismus-Begriff das Verständnis von Materialismus als Ausgangspunkt voraussetzt und somit eine teleologische Sichtweise einnimmt.

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Details

Titel
Historische Befangenheit und kritische Neu(er-)findung. Die historische Semantik des Postmaterialismus und das 21. Jahrhundert
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für Wissenschaftliche Politik)
Veranstaltung
Theorien des gesellschaftlichen Wertewandels und Demokratie
Note
1,0
Autor
Tom Zago (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V463205
ISBN (eBook)
9783668910652
ISBN (Buch)
9783668910669
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik politische Ideengeschichte Postmaterialismus Geschichte Begriffsgeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tom Zago (Autor:in), 2017, Historische Befangenheit und kritische Neu(er-)findung. Die historische Semantik des Postmaterialismus und das 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463205
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Leseprobe aus  26  Seiten
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