Bewertungen sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig geworden. Mit dem Aufbruch des Internets und den vielfältigen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, kann man nun Unternehmen, Dienstleistungen oder auch Personen umfangreich und vor allem öffentlich bewerten. In nahezu jeder mobilen App, aber auch auf fast jeder Internetseite wird man dazu aufgefordert, eine Bewertung zu hinterlegen.
Mit dieser neuen Bewertungskultur sind verschiedene Auswirkungen verbunden: es gibt sowohl positive als auch negative Folgen für die Gesellschaft. Vor allem aber finden durch Bewertungen verschiedene Veränderungsprozesse statt. Eine bedeutende Veränderung betrifft das Beziehungsgeflecht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Durch digitale Bewertungen - beispielsweise auf der Internetseite glassdoor.com - sind Arbeitgeber nun der Kritik von Arbeitnehmern aus- gesetzt. Das war in dieser Form vor der Etablierung des Internets wohl kaum vorstellbar. Daher stellt sich nun die Frage, welche Machtverschiebung bei den Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch die Möglichkeiten des digitalen Bewertens in den letzten Jahren stattgefunden hat.
Um diese Frage analysieren zu können, werden zunächst einmal der Auf- bau und die Funktion der Internetseite glassdoor.com vorgestellt. Darauf aufbauend widmet sich der zweite Teil dieser Arbeit dem Beziehungsgeflecht vor der Zeit digitaler Bewertungen. Anschließend werden verschiedene Veränderungen genannt, die seit der Etablierung des Internets und den Möglichkeiten digitaler Bewertungen in Erscheinung getreten sind. Hierdurch kann festgestellt werden, welche Machtverschiebung in den letzten Jahren auf der Ebene der Arbeitgeber bzw. -nehmer stattgefunden hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. glassdoor.com
2.1 Einordnung
2.2 Aufbau und Funktion des Bewertungsportals
3. Beziehungsgeflecht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
3.1 Die Zeit vor den Möglichkeiten digitalen Bewertens
3.2 Die Zeit seit den Möglichkeiten digitalen Bewertens
3.2.1 Abhängigkeit der Firmen von den Meinungen die über sie hervorgebracht werden
3.2.2 Arbeitgeberbewertungen als Beschleuniger für Veränderungsprozesse
3.2.3 Bewertungsmacht und customer reviews
3.2.4 Empfehlungsmarketing und Selektion
3.2.5 Mögliche Gefahr - tyrannischer Kunde bezogen auf Arbeitgeberbewertungen
3.2.6 Machtverschiebung - wechselseitige Beziehung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
4. Fazit und Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die veränderte Machtdynamik im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die durch die Entstehung digitaler Bewertungsplattformen wie glassdoor.com induziert wurde, und untersucht, inwieweit diese Portale eine wechselseitige Auswahl- und Bewertungskultur geschaffen haben.
- Struktur und Funktionsweise von Bewertungsportalen am Beispiel von Glassdoor.
- Historischer Vergleich des Machtgefälles in der Personalauswahl.
- Die Abhängigkeit von Unternehmen durch Laien- und Populärbewertungen.
- Die Rolle von Empfehlungsmarketing und digitaler Bewertungsmacht.
- Risiken durch den "tyrannischen Kunden" in der digitalen Bewertungswelt.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Abhängigkeit der Firmen von den Meinungen, die über sie hervorgebracht werden
Jeder hat die Möglichkeit seinen Arbeitgeber zu bewerten. Die Folge ist, dass auch „Laienbewertungen“21 veröffentlicht werden können, also Bewertungen, die inhaltlich entweder nicht oder nur teilweise der Wahrheit entsprechen. Personen, die beispielsweise erst seit Kurzem bei einem Unternehmen tätig sind, haben möglicherweise noch gar nicht die nötigen Erfahrungen gesammelt, um eine qualitativ hochwertige Bewertung auf glassdoor.com schreiben zu können. Laienbewertungen sind öffentlich und tragen somit dazu bei, dass Unternehmen einer Abhängigkeit von den Meinungen, die über sie hervorgebracht werden, ausgesetzt sind.
Das Gleiche trifft auf „Populärbewertungen“ zu, die eine sehr hohe 22 Reichweite erlangen können. Auch hier sind die Unternehmen abhängig von den Meinungen, die über sie in Bewertungen hervorgebracht werden, weil die Reichweite von Populärbewertungen zu stark ist.
Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssen die Arbeitgeber auf die Meinungen reagieren, die über sie geschrieben werden, denn Wettbewerbsfähigkeit hängt auch davon ab, wie gut das Personal ist, das man auf dem Arbeitsmarkt erhält. Hat man aber als Unternehmen einen schlechten Ruf, so ist davon auszugehen, dass die Arbeitnehmer abwandern oder sich nicht mehr vermehrt um eine Stelle bewerben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zunehmende Relevanz digitaler Bewertungskulturen ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der daraus resultierenden Machtverschiebung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
2. glassdoor.com: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, den Aufbau und die zentralen Funktionen des Bewertungsportals als Instrument zur Informationsbeschaffung für Arbeitnehmer.
3. Beziehungsgeflecht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern: Das Hauptkapitel analysiert den historischen Wandel der Machtverhältnisse, von der einseitigen Kontrolle durch Arbeitgeber hin zu einem wechselseitigen, durch digitale Transparenz geprägten Selektionsprozess.
4. Fazit und Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt eine eindeutige Machtverschiebung zugunsten der Arbeitnehmer, die Unternehmen nun verstärkt zur Reaktion auf öffentliche Kritik zwingt.
Schlüsselwörter
Machtverschiebung, Arbeitgeberbewertungen, Glassdoor, Personalauswahl, Digitale Transformation, Empfehlungsmarketing, Bewertungsmacht, Arbeitsmarkt, Transparenz, Arbeitnehmer, Unternehmensruf, Online-Bewertungen, Laienbewertungen, Selektionsprozess, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von digitalen Bewertungsportalen auf die Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im modernen Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die digitale Bewertungskultur, die Veränderung der Personalauswahl, die Abhängigkeit von Firmen gegenüber öffentlicher Kritik und das Konzept der Bewertungsmacht.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Machtverschiebung bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch die Möglichkeiten des digitalen Bewertens in den letzten Jahren stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine qualitative Analyse der Bewertungsstrukturen auf dem Portal glassdoor.com durch und vergleicht diese mit historischen Mustern des Bewerbungsprozesses.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Veränderungen der Machtverhältnisse, die Abhängigkeit von Firmen, die Rolle von "customer reviews" und die Gefahren durch den sogenannten tyrannischen Kunden analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Machtverschiebung, Arbeitgeberbewertung, digitale Transparenz, Personalauswahl und Wettbewerbsfähigkeit.
Was genau versteht der Autor unter dem "tyrannischen Kunden"?
Damit ist eine Person gemeint, die aufgrund persönlicher Unzufriedenheit versucht, einem Unternehmen durch negative, subjektive Bewertungen gezielt Schaden zuzufügen.
Warum ist eine Registrierung auf Portalen wie Glassdoor oft erforderlich?
Die Registrierung dient dazu, die Transparenz und die Qualität der Beiträge zu erhöhen, wobei sie gleichzeitig als Hürde für eine uneingeschränkte Datennutzung fungiert.
- Quote paper
- Mahmud Tunc (Author), 2019, Die Machtverschiebung bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch digitale Bewertungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463365