Carl Blechen. Leben und Werk


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
21 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Europa zwischen Revolution und Restaurationszeitalter

Karl Blechen, eine Biografie
Jugend und Frühwerk
Die Italienreise
Blechens Spätwerk

Bibliografie

Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Biografie und das Werk von Karl Blechen. Da Karl Blechen eindeutig unter dem Einfluß seiner geistigen Mentoren, wie Caspar David Friedrich, Christian Claussen Dahl und Friedrich Schinkel stand, wird an dieser Stelle auch der Zusammenhang von Blechens Oeuvre und jener Menschen und Künstler anhand einiger Bildbeispiele erörtert. In seinem Leben stechen offensichtlich die Italienreise und mit ihr die Skizzenbücher und Ölskizzen heraus, denn hier gelang es Blechen einen Meisterschritt zu vollziehen, die romantische Landschaftsmalerei in den deutschen Landen zur Moderne zu führen und somit für viele nachfolgende Künstler, wie Adolph Menzel und Max Liebermann einen entscheidenden Einfluß in Sachen Maltechnik und Stilistik ausübte. So fügt sich das Italienbild von Karl Blechen, mitsamt seiner skizzenhaften Ausführung und dem Entgegenstellen von verschiedenen, grob ausgeführten Farbflächen, mit dem Weglassen von Schwarz in seiner Farbpalette, allgemein in die europäische Strömung der realistischen Landschaftsmalerei des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts ein. Herausragend waren damals schon Künstler wie William Turner, John Constable und Camille Corot. Anders, als die eben genannten, wurde Karl Blechen erst spät öffentlich für sein Werk, insbesondere das in Berlin der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts verschmähte Italienbild, honoriert. Dazu bedurfte es die enormen Anstrengungen seiner Freunde und Förderer. Doch von den Mühen seiner Kollegen und dem wachsenden öffentlichen Zuspruch bekam der schon geistig erkrankte Künstler wenig mit. Damit teilte er dasselbe Schicksal mit Friedrich Hölderlin, Robert Schumann und Caspar David Friedrich, die allesamt an der damaligen öffentlichen Meinung scheiterten und ebenso als Grenzgänger zwischen zwei Epochen gelten. Zu seinem einhundertfünfzigsten Todestag wurde ein großer Bestand seiner Gemälde in der Nationalgalerie und in der Galerie der Romantik, Schloß Charlottenburg ausgestellt. Seine wichtigsten Gemälde kann man noch heute im Rahmen einer Ausstellung von Künstlern der Romantik und des Biedermeiers in der Berliner Nationalgalerie sehen und dabei Blechens innovative Malweise mit anderen Künstlern seiner Zeit vergleichen, um dabei festzustellen, dass er hier maßgeblich zur Progression in der Malauffassung des 19. Jahrhunderts in Deutschland beigetragen hat.

Europa zwischen Revolution und Restaurationszeitalter

Im Zuge der Französischen Revolution wurde Europa von einer Reihe heftiger Umwälzungen erschüttert. Besonders das gesellschaftliche und politische Leben in Frankreich war von diesem Ereignis betroffen. Angefangen hat es eigentlich nicht als Revolution des gesamten Volkes von unten her, sondern als bürgerliche, die einerseits im Einklang stand mit den Bedürfnissen der Not leidenden Bevölkerung und andererseits den Kompromiss mit den politischen Eliten des Landes suchte. Dies entsprach ganz dem Gedanken der französischen Aufklärung. Doch die Unabhängigkeitserklärung der USA 1776 und die am 17.9. 1787 verabschiedete demokratische Verfassung dynamisierte und radikalisierte den Freiheitsgedanken in der französischen Aufklärung. Offensichtlich trug auch eine dringende Reformbedüftigkeit des französischen Staatshaushaltes und der Prestigeverlust Königs Ludwig XVI. zu den Ereignissen von 1787 bis 1789 bei. Nach der Einberufung der Generalstände, den Ballhausschwur und der Entlassung des Finanzministers Jacques Necker kulminierten die Gefühle der sozialen Unterschicht. Einige Handwerker und Händler überfielen zuerst ein Zeughaus, holten sich dort geeignete Waffen und stürmten die Pariser Bastille am 14. Juli 1789. Im Zuge der Beschlüsse der Nationalversammlung wurde das Kircheneigentum säkularisiert und die Adligen enteignet. Abgelöst wurde die Nationalversammlung vom Nationalkonvent, dessen Terror viele Menschen zum Opfer fielen, darunter auch der König selbst und Marie – Antoinette, später die Akteure des Konvents; Robespierre und Danton. Ein Direktorium, das 1795 eine schwache Exekutive besaß und sich eine neue Verfassung gab, wurde im November 1799 von Napoleon Bonaparte gestürzt. Inzwischen rang das revolutionäre Frankreich mit den Staaten der Koalition. Die Koalition bestand aus Preußen, Österreich, England und Rußland. Doch waren jene Länder und Herrscher untereinander zerstritten und verfolgten eigene Interessen, die den anderen Verbündeten zuwider liefen. Ganz besonders mit den Fürsten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation hatte Napoleon ein leichtes Spiel. Mit dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 wurden die Bistümer ebenfalls säkularisiert und kleine Grafschaften und Reichsstädte mediadisiert. So erreichten Fürstentümer, wie Baden und Württemberg Land – und Machtzuwachs, denn die linksrheinischen Fürsten wurden, entgegen geltendem Reichsrechtes Könige, und schwächten den ohnehin schon machtlosen deutschen Kaiser Franz II. Ein Bruch mit dem altdeutschen Kaisertum wurde durch die Gründung des Rheinbundes 1806 erlangt.

Schließlich hörte das knapp tausend Jahre existierende Reich auf zu bestehen, da Franz II. die deutsche Kaiserkrone niederlegte und nunmehr Kaiser von Österreich blieb. Diesen Titel gab er sich schon 1804, angesichts der Kaiserkrönung Napoleons.1 Für die Romantiker, insbesondere den Nazarenern und Landschaftsmalern, mussten diese unruhigen Zustände und die Auflösung des Reiches ein großer Schock gewesen sein, der sie sicherlich dazu anhielt die verblichene Größe der `teutschen Landen` romantisch zu reflektieren und zu erhöhen. Im Jahre 1806 trat Sachsen ebenfalls dem Rheinbund bei, erhielt dabei erheblichen Landzuwachs und die Königskrone. Zu seinem Einflußbereich gehörte auch die Stadt Cottbus, wo der inzwischen acht Jahre zählende Karl Blechen erste künstlerische Versuche unternahm. Im Zuge der Wiedererstarkung des 1807 niedergeworfenen Preußens und des gescheiterten Rußlandfeldzuges 1812 rief der preußische König Friedrich Wilhelm III. zu den Befreiungskriegen auf, stiftete zudem das von Friedrich Schinkel entworfene Eiserne Kreuz und ließ die Bildung von preußisch unterstellten, aber frei agierenden Freikorps zu. Nach der Völkerschlacht bei und in Leipzig 1813 und dem Wiener Kongreß 1815 errangen die restaurativen Mächte der Koalition einen Sieg über das freie Frankreich. Dort wurden die Bourbonen wieder eingesetzt, die sich bis 1830 halten konnten. Im dualistisch geführten Deutschen Bund wurden jede demokratische Anstrengungen unterdrückt, was zur Folge hatte, dass man sich ins häusliche Glück des Biedermeier zurück zog.2

Karl Blechen – Eine Biografie

Jugend und Frühwerk

Karl wurde am 29. Juli 1798 in Cottbus geboren, Sohn eines aus Regensburg stammenden Steuerbeamten, Anton Adrian Blechen und Johanna Christiane, geborene Happatz, seiner Frau. Teilweise wuchs er bei seinen Eltern auf, doch bald wohnte der Knabe bei seinem Onkel in Madlow. Karl interessierte sich schon früh für die umfangreiche Bibliothek des Vaters, las sehr viel und entwickelte ein enormes zeichnerisches Talent, das er zumeist abends auf seiner Stube pflegte. Der Vater erkannte Karls Begabung und schickte ihn zu dem ortsansässigen Buchbinder und Kunstmaler Lemmerich. In ihm fand Karl einen verständnisvollen Lehrer, der ihn mit den zeichnerischen und technischen Grundlagen der Malerei vertraut machte. Die Einkünfte des Vaters waren damals sehr gering, deshalb bezahlte Karls Onkel den Besuch des Lyzeums. Für das angestrebte Studium der Theologie und Jura reichten die Finanzmittel nicht, so musste der junge Blechen die Schule 1815 verlassen, um eine Lehrstelle im Berliner Bankgeschäft Selchow & Co. anzutreten. Nach der Lehre begann er den Militärdienst als Einjährig – Freiwilliger im Kgl. Garde-Pionierregiment. 1818 erhielt Blechen eine Anstellung als Kassierer im Bankhaus A. Koehne in Berlin. Nebenher produzierte er erste Landschaftsstudien und Zeichnungen. 1821 verstarb sein Vater plötzlich, der schon außerhalb vom Cottbuser Stadtgebiet lebte. Da eine Eintragung im örtlichen Sterberegister der Kirche fehlt und er auch wahrscheinlich nicht auf dem zuständigen Friedhof in Cottbus begraben liegt, nimmt man an, dass Johann Christian Blechen sich aufgrund seiner ungünstigen Lebensverhältnisse das Leben nahm.3 Ab dem Jahre 1822 besuchte er die Landschaftsklasse der Berliner Akademie der Künste. Professor C. Fr. Schumann riet dem jungen Kunststudenten die bürgerliche Sicherheit in dessen ungeliebten Beruf aufzugeben um sich ganz der Kunst zu widmen. Die Berliner Akademie wurde damals von Gottfried Schadow geleitet. Später arbeitete er im Atelier des Landschaftsmalers P. L. Lüttke. Schon bald verließ Blechen, der ohnehin, laut Akademiebericht, kaum die Landschaftsklasse besuchte, seinen Lehrer um sich auf einer Studienreise in die Sächsische Schweiz von der akademischen Art des Zeichnens Lüttkes zu lösen. In diese Zeit scheint die Ölskizze „ Klosterruine Oybin“4 entstanden zu sein. Die strenge Malweise und die verwendeten Motive lassen Rückschlüsse auf den Einfluß Caspar David Friedrichs zu. Seit dem späten 18. Jahrhundert war jenes Kloster beliebtes Malmotiv, so auch für Friedrich. Dessen 1812 fertiggestelltes Gemälde „Ruine Oybin“5 zeigt eine Innenansicht des verfallenen Gemäuers, wohingegen Blechen die Außenansicht bevorzugt. Dort erschließt sich ein Blick von Norden auf das gotische Gebäude. Im Vordergrund erkennt man einen schattig liegenden Friedhof, der ganz nach Art der romantischen Motivwelt das Werden und Vergehen thematisieren soll. Menschen befinden sich auf dem Weg zu der kärglichen Bauernkate, die sich am alten Gotteshaus lehnt. Hier steht die ärmliche Gegenwart der großartigen Vergangenheit gegenüber, was durch die sonnenbeschienene Ruine verstärkt wird. Der Vordergrund ist dunkel und abweisend. Vielleicht ist das ein Hinweis auf die Mühen des täglichen Daseins, die im Laufe des Lebens leichter zu werden scheinen.

Blechens Aufenthalt in Dresden ist wohl ein einschneidender Wendepunkt für sein künstlerisches Schaffen. Er wohnte einige Zeit in Caspar David Friedrichs Haus, wo auch Johan Christian Claussen Dahl lebte. Er kam so direkt mit der Düsseldorfer Malschule in Kontakt, die v.a. von norwegischen Künstlern frequentiert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine entscheidende Prägung erfuhr. Romantisierende Nachtlandschaften gehören zur Malsprache dieser inneren Emigranten. Sie prägten auch Blechen. Der norwegische Künstler hatte während seiner Italienreise zahlreiche Ölskizzen angefertigt, die er nun dem jungen Künstler zeigte. Offensichtlich beeindruckt von Dahls Malauffassung schuf Blechen am 4. August 1823 die Ölskizze „Lochmühle am Liebethaler Grund“6. Bei der Skizze von Blechen zeigt sich erstmals das Bemühen, nicht die Form der gemalten Vorlagen anhand durch strenge Zeichnung zu fixieren, sondern durch das Entgegenstellen von verschiedenen Farbflächen Volumen zu schaffen. In Berlin wurde der Künstler ab 1824 als Theatermaler für das Königstädtische Theater tätig. Hier konnte er einem Einkommen sicher und dabei künstlerisch tätig sein. Im selben Jahr heiratete Blechen die elf Jahre ältere Henriette Boldt und konnte vorher bei einer Akademieausstellung sein Gemälde „Felsentor“7 ausstellen. Gleichzeitig war es sein erster öffentlicher Auftritt als Künstler. Bis 1828 folgten noch zwei Ausstellungen mit Gemälden, die allesamt stark von Caspar David Friedrich beeinflußt sind. 1827 ging ihm die Stelle als Theatermaler verloren, ebenso auch die sicheren Geldmittel. Nunmehr war er auf sich allein gestellt und schlug sich als freischaffender Künstler in Berlin durch. Er unternahm in der Umgegend von Berlin viele Spaziergänge, zeichnete die märkische Landschaft, die ihn mehr behagte als die glatten Stadtansichten, die das Berliner Publikum verlangte.

[...]


1 Hinrichs, Ernst. Kleine Geschichte Frankreichs. Auf dem Weg in die Revolution. S. 243 ff. u. Von der Französischen Revolution bis zum Ende der Julimonarchie. S. 255 ff. Reclam Stuttgart 1994.

2 Kinder/ Hilgemann. dtv – Atlas der Weltgeschichte. Bd. 2 Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart. S. 310 ff. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1966/ 1999.

3 Robert Kalwa. Stadtarchiv Cottbus, S.122 ff. in Rave: K. Blechen, Leben – Würdigung – Werk. Berlin 1940.

4 „Klosterruine Oybin“. um 1822 [Peter – Klaus Schuster]. Öl auf Papier auf Leinwand. 44 x 53 cm. Berlin Nationalgalerie. Tafelteil, Rave 70/ 71.

5 „Ruine Oybin“. 1812. Öl auf Leinwand. 65 x 47 cm. Privatbesitz.

6 „Lochmühle am Liebethaler Grund“. 1823. Öl auf Papier/ Holz. 29,5 x 36,5 cm. Berlin Schloß Charlottenburg. Nicht verzeichnet in Rave, vergl. Rave124 u. 162. mit Peter – Klaus Schuster.

7 „Felsentor“. 1824. Öl auf Leinwand. 53 x 65 cm. 1931 in München verbrannt. Landschaft, die ihn mehr behagte als die glatten Stadtansichten, die das Berliner Publikum verlangte.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Carl Blechen. Leben und Werk
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Malerei der Romantik
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V463392
ISBN (eBook)
9783668925953
ISBN (Buch)
9783668925960
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl Blechen, Düsseldorfer Malschule, Claußen-Dahl, Caspar David Friedrich, Romantik
Arbeit zitieren
Magister Daniel Thalheim (Autor), 2002, Carl Blechen. Leben und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463392

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