Werkstattunterricht im Sachunterricht der Grundschule. Formen und Methoden


Zwischenprüfungsarbeit, 2004

26 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte des Werkstattunterrichts

3 Theorie des Werkstattunterrichts
3.1 Offener Unterricht als Sammelbegriff
3.2 Definition
3.2.1 Zwei Varianten
3.2.2 Rolle des Lehrers
3.2.3 Planung, Einstieg und Abschluss
3.3 Verschiedene Formen
3.4 Allgemeine Ziele

4 Werkstattunterricht im Sachunterricht

5 Vor- und Nachteile des Werkstattunterrichts

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Grundschulpädagogik der heutigen Zeit ist sehr vielfältig und umfangreich, da immer mehr Pädagogen sich Gedanken über neue Unterrichtsmethoden und die Unterrichtsgestaltung machen. In Fachbüchern werden Leser mit einer großen Anzahl an Methoden überhäuft. Immer wieder gibt es neue Ansätze, wie Kinder in der Schule besser, schneller und intensiver lernen und dies als Erlebnis erfahren können. Gerade durch das enttäuschende Ergebnis in der PISA-Studie geraten die Unterrichtsmethoden in der Schule immer mehr in den Blickpunkt der Gesellschaft. Aber was ist für unsere Schüler wirklich gut? Diese Frage bei dieser Fülle an Möglichkeiten richtig zu beantworten, ist schwer möglich.

Um einen kleinen Einblick in die vielfältigen Methoden zu bekommen, möchte ich in dieser Hausarbeit eine der vielen Möglichkeiten vorstellen und sie im Bezug auf den Sachunterricht näher erläutern. Dafür habe ich die Methode des Werkstattunterrichts gewählt.

Am Anfang der Arbeit werde ich die Geschichte in kurzen Auszügen darstellen und danach auf die Theorie des Werkstattunterrichts eingehen. Dabei werde ich genaue Informationen zu den verschiedenen Bereichen innerhalb der Methode geben und diese erläutern. Auf Varianten, die Lehrerrolle sowie die einzelnen Phasen des Werkstattunterrichts werden näher eingegangen, sowie verschiedene Formen und die Ziele dargestellt. Den Bereich Kontrolle und Leistungsbewertung werde ich aufgrund der Komplexität in dieser Arbeit nicht erwähnen.

Nach der theoretischen Einführung gehe ich auf die Einsetzbarkeit des Werkstattunterrichts im Sachunterricht ein.

Als vorletzten Punkt meiner Ausarbeitung möchte ich näher auf Vor- und Nachteile der Werkstattmethode eingehen, um eine subjektive Sicht zu diesem Thema zu schaffen.

Im Fazit der Arbeit werden die Erkenntnisse nochmals zusammenfasst und mit einer eigenen Position zu dieser Unterrichtsmethode abgeschlossen.

Der Einfachheit halber habe ich Personenbezeichnungen immer nur in der männlichen Form eingesetzt. Ich bitte um Kenntnisnahme, dass hier nicht die Absicht der Unterschlagung des weiblichen Geschlechts dahintersteht.

Die Motivation zum Schreiben dieser Arbeit kam mir in einem Seminar zum Thema „Jahreszeitenwerkstatt“, in dem themenorientiertes, fächerübergreifendes Werkstattmaterial hergestellt wurde. Das Erarbeiten dieser Materialien regte mich an, mehr über deren Einsatz in der Schule zu erfahren, da die Theorie dieser Unterrichtsmethode im Seminar nur kurz angesprochen wurde.

2 Geschichte des Werkstattunterrichts

Der Werkstattunterricht gilt als eine Methode des Offenen Unterrichts und hat auch in dessen Werdegang seinen geschichtlichen Ursprung. Der Ursprung des Offenen Unterrichts und damit auch des Werkstattunterrichts liegt bereits in der reformpädagogischen Bewegung, welche den Jahren 1880 und 1890 bis 1933 zuordnet wird. Im Rahmen dieser Bewegung wurde harte Kritik an der derzeitigen Erziehungsweise und Pädagogik innerhalb der Schulen geübt. Damals war ein strenger Unterrichtsstil typisch, wobei die Kinder sich nur mit Frontalunterricht begnügen mussten und ihnen wenig oder keine Entscheidungsfreiheit zugesprochen wurde. Es wurde das gelernt, was der Lehrer vorsah und nach der Methode, die der Lehrer für richtig hielt. Aus dieser Kritik heraus bildeten sich viele neue Konzepte und Organisationsformen. Zu den damals führenden Pädagogen zählte beispielsweise Maria Montessori, Célestin Freinet und Georg Kerschensteiner, welche einen großen Einfluss auf den Werkstattunterricht hatten. Mit ihnen ging die Einführung verschiedener neuer Schulformen sowie die Integration neuer didaktischer Konzeptionen und methodischer Verfahren einher.

Ziel der Reformpädagogik war eine Umstrukturierung der Schule. Schüler sollten als eigene Individuen anerkannt werden, was sich beispielsweise durch die Differenzierung bemerkbar machte. Darüber hinaus sollten die Schüler zur Selbstständigkeit erzogen werden und sich mit ihrer eigenen Erlebniswelt im Unterricht einbringen. Es wurde eine freie Wahl der Schüler im Lernmaterial nach Neigung und Interesse gefordert. Außerdem sollten die Schüler zum eigenständigen Handeln angehalten werden, so dass sie sich Wissen selbstständig aneignen konnten. Der Lehrer sollte dabei nicht mehr den Mittelpunkt der Klasse darstellen, sondern den Schülern ein Helfer und Impulsgeber sein, der sie zum eigenständigen Lernen anleitetet und mit ihnen gemeinsam eine Gemeinschaft bildet.

Der schon oben genannte Reformpädagoge Georg Kerschensteiner bildete einen wichtigen Grundstein in der Entwicklung des Werkstattunterrichts. Er war der Vertreter der Arbeitsschulbewegung und plädierte für eine handelnde Berufsschule, in der die Auszubildenden nicht mehr nur Wissen aufnehmen mussten, sondern sich durch eigenes Handeln Wissen selbstständig aneignen sollten. Er war der Meinung, dass das eigene Handeln der Schüler bei diesen mehr Freude hervorruft und das Denkvermögen anregt. Er unterschied bei seinem Konzept vom handelnden Lernen fünf wesentliche Funktionen des Arbeitens, welche sich auf die Förderung von Selbsttätigkeit, Einsicht und Erkenntnis durch Erfahrungen, Arbeitstugenden, Erziehung zur Widerstandsüberwindung, Ein- und Unterordnung sowie das Lernen in der Gruppe und damit dem Sozialverhalten beziehen.[1]

Maria Montessori hatte insofern Einfluss auf die Entstehung des Werkstattunterrichts, dass bei ihr „die Eigenaktivität des Kindes die zentrale Rolle“[2] spielt. Die Schüler sollen durch die freie Wahl der zu bewältigenden Arbeit in einer geordneten Lernumgebung zu selbstständigem Handeln angeregt werden und dabei ihre eigenen Neigungen und Interessen mit einfließen lassen. Montessori vertrat aufgrund von Untersuchungen die Meinung, dass ein Kind in seiner Entwicklung sensible Perioden durchlebt, in welcher es eine besondere Lernbereitschaft zeigt. Da diese Perioden nicht unbeachtet bleiben und verpasst werden dürfen, soll „dem Kind eine „vorbereitete Umgebung“ zur Verfügung gestellt werden, die seinem jeweiligen Entwicklungsstand entspricht“[3].

Der dritte für den Werkstattunterricht bedeutender Reformpädagoge ist der Franzose Célestin Freinet. Von ihm wurde die Selbstständigkeit des Kindes durch die Einrichtung von Arbeitsateliers gefordert, welche mit anregenden Lernumwelten ausgestattet waren. Er war ähnlich wie die anderen Reformpädagogen der Ansicht, dass Kinder durch eigenverantwortliches Lernen die Lerninhalte besser verinnerlichen. Er sah Lernen als eine ganzheitliche, aktive und selbstverantwortliche Beschäftigung. Statt der in den Schulen eigentlich üblichen speziellen Räume für handwerkliche Tätigkeiten bemühte sich Freinet um spezielle Arbeitsecken direkt im Klassenraum, in welcher die Schüler sich frei bewegen und frei arbeiten konnten. Diese sollten so ausgestattet sein, dass die Arbeitsmittel die Selbstbildung des Kindes forderten und den Kindern zudem eine Selbstkontrolle zur Verfügung stand. Die Selbstkontrolle hatte die Funktion, dem Schüler einen eigenen Einblick in seine Leistungsfähigkeit zu geben. Die Arbeitsbereiche hatten außerdem noch einige andere Funktionen, beispielsweise den Anspruch des forschenden und entdeckenden Lernens sowie der freie Ausdruck in Sprache, Musik und Kunst.

Aus diesen verschiedenen Ansätzen heraus bildete sich die Methode des Werkstattunterrichts, zu welcher es keine genaue Begründungszeit und keinen direkten Begründer gibt.[4]

3 Theorie des Werkstattunterrichts

3.1 Offener Unterricht als Sammelbegriff

Die Theorie des Werkstattunterrichts ist sehr umfassend und formenreich. Sie gilt als eine der Methoden des Offenen Unterrichts, welcher als Begrifflichkeit für eine Fülle von Methoden steht. Eine Definition für Offenen Unterricht formuliert Wulf Wallrabenstein in seinem Werk „Offene Schule – Offener Unterricht“. Er kennzeichnet Offenen Unterricht „als Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Öffnung mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs“[5]. Die inhaltliche Öffnung des Unterrichts spricht dabei auf die Öffnung des Unterrichts für Inhalte, die die unmittelbare Lebenswelt der Kinder betreffen. Methodische Öffnung heißt eine Öffnung des Unterrichts durch den Lehrer, indem er neue Lernformen in den Unterricht integriert und auch die Schüler in die Gestaltung des Unterrichts mit einbezieht. Durch die organisatorische Öffnung fordert Wallrabenstein eine „Öffnung für veränderte Unterrichtsabläufe und Organisationsformen“[6].

Werkstattunterricht als eine sozusagen organisatorische Öffnung des Unterrichts wird in der Fachliteratur auch als „Werkstattlernen“, „Werkstattarbeit“ und „Lernwerkstatt“ bezeichnet. Die Begriffe werden regulär synonym verwendet. Welche Bedeutung genau hinter „Werkstattunterricht“ steht, soll im Folgenden erläutert werden.

3.2 Definition

In einer Quelle speziell über den Werkstattunterricht wird dieser wie folgt definiert: „Werkstattunterricht besteht in einem vom Lehrer (gegebenenfalls mit den Schülern zusammen) geplanten offenen Arrangement von Lernumgebungen aus multisensorischen und handlungsorientierten Arbeitsmaterialien mit Arbeitsaufträgen, die den Schülern zur freien Wahl und zur individuellen und selbstständigen Bearbeitung angeboten werden.“[7]

Die erste wichtige Aussage dieser Definition betrifft den Lehrer. Er ist derjenige, der den Schülern die Aufgabenstellung gibt und den Werkstattunterricht in seiner Grundstruktur gestaltet. Wurde eine Werkstatt in einer Klasse schon mehrfach durchgeführt und sind die Schüler mit diesem System vertraut, ist es durchaus möglich, diese mit in die Vorbereitungsarbeiten einzubeziehen.

Ein zweites wichtiges Merkmal, welches in der Begriffserläuterung genannt wird, ist das offene Arrangement. Dieses sagt zuerst aus, dass es sich bei der Werkstatt um eine vom Lehrer gestaltete offene Methode handelt. Innerhalb dieser Methoden wird dem Schüler ein Arrangement, also eine Einrichtung, Zusammenstellung oder auch Gestaltung geboten, die ihm zum freien Arbeiten dienen soll.

Eine weitere Besonderheit des Werkstattunterrichts ist das multisensorische und das handlungsorientierte Arbeitsmaterial mit Arbeitsaufträgen. Multisensorisch steht hier für Vielfalt, bezogen auf die Sinne und die Wahrnehmung. Handlungsorientiert beschreibt die Eigenschaft des für den Schüler zum Tätig werden anregenden Materials. Diese Kriterien sollen die Sammlungen in der Werkstatt erfüllen. Zudem gibt es Arbeitsaufträge, welche von den Kindern mit Hilfe des Materials bearbeitet werden sollen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Definition bezieht sich auf die freie Wahl. Das bedeutet, dass das Lernangebot oder das Lernmaterial so angelegt sein soll, dass der Schüler frei entscheiden kann, welche Aufgaben er bearbeiten und mit welchen Materialien er sich näher auseinandersetzen will. Dies beinhaltet auch eine eigen gewählte Reihenfolge, welches Material wann bearbeitet werden soll und auch die Geschwindigkeit, in welcher die Augträge erledigt werden. Dem Lehrer wird allerdings die Möglichkeit gegeben, die Menge der am Ende erledigten Aufgaben festzulegen oder beispielsweise Pflichtbereiche in die Werkstatt einzubauen, die von jedem Schüler irgendwann bearbeitet werden müssen. An die freie Wahl anschließend folgt die individuelle und selbstständige Bearbeitung der Aufgaben. Das besagt, dass jeder Schüler ganz eigenständig und nach eigenem Interesse seine Aufträge bewältigt.

[...]


[1] vgl. Wiater, Torre, Müller, 2002, Seite 19ff

[2] Reeken, 2003, Seite 273

[3] Wiater, Torre, Müller, 2002, Seite 22

[4] vgl. a.a.O., Seite 22ff

[5] Wallrabenstein, 1994, Seite 54

[6] a.a.O., Seite 55

[7] Wiater, Torre, Müller, 2002, Seite 13

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Werkstattunterricht im Sachunterricht der Grundschule. Formen und Methoden
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophische Fakultät)
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V46342
ISBN (eBook)
9783638435482
ISBN (Buch)
9783638658669
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Werkstattunterricht im Sachunterricht, Werkstattmethode: Die Methode des Werkstattunterrichts als Form des offenen Unterrichts wird in einem angemessenen Umfang dargestellt, Vor- und Nachteile aufgezeigt und der Einsatz dieser Methode im Sachunterricht thematisiert. Die Arbeit bietet einen guten Einblick in diese Unterrichtsmethode.
Schlagworte
Werkstattunterricht, Sachunterricht
Arbeit zitieren
Christina Lücht (Autor), 2004, Werkstattunterricht im Sachunterricht der Grundschule. Formen und Methoden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46342

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