Das Jugendbuch "Die Zeit der Wunder" von Anne-Laure Bondoux ist in Deutschland mehrfach ausgezeichnet worden. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern das Buch den literaturwissenschaftlichen Kriterien für gute Kinder- und Jugendliteratur entspricht, und ob es sich für die Verwendung im Unterricht eignet. Dabei sollen vor allem die Entwicklung und Wandlung der Hauptfiguren Koumaïl und Gloria betrachtet werden, sowie die literarisch-didaktische Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit von Kriegs- und Flüchtlingskindern, dem Motiv der Hoffnung angesichts von Grauen und Leid, sowie mit der Frage nach Wahrheit und Lebensträumen/Illusionen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Autorin
Aus den Jurytexten
Literaturwissenschaftliche Analyse
Figurenanalyse
Koumaïl/Blaise
Gloria
Kinder
Erwachsene
Sprachästhetische Analyse
Didaktische Analyse
Begegnung mit dem Fremden
Imagination und emotionale Beteiligung
Fachübergreifende Themen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Jugendroman „Die Zeit der Wunder“ von Anne-Laure Bondoux auf seine literaturwissenschaftliche Qualität sowie seine Eignung für den schulischen Literaturunterricht, wobei insbesondere die Identitätsentwicklung des Protagonisten und der Umgang mit Fluchterfahrungen im Fokus stehen.
- Entwicklung und Wandlung der Hauptfiguren Koumaïl und Gloria
- Literarisch-didaktische Auseinandersetzung mit der Lebenswelt von Flüchtlingskindern
- Die Funktion von Hoffnung und Wahrheit im Angesicht von Leid und Grauen
- Analyse sprachästhetischer Stilmittel und deren Wirkung auf den Leser
- Interdisziplinäre Anknüpfungspunkte für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
Koumaïl/Blaise
Aus der Ichperspektive des kindlich-naiven Koumaïl erzählt, bekommt der Leser Einblick in die Kinderseele des Protagonisten. Seine detailreichen Erinnerungen an friedvolle Alltage im „großen Haus“ werden überschattet durch die latent lauernde Gefahr und unverhofft eintretende Ereignisse mit geschichtswendender Tragweite. Was den kleinen Flüchtling aufrecht hält, sind die mütterliche Fürsorge Glorias und ihre ausgeschmückten Geschichten über eine friedliche Vergangenheit. Der Leser ahnt, dass die Wirklichkeit anders ausgesehen haben muss – schlimmer, grausamer, komplexer.
Als Teeny fühlt sich Koumaïl hin und hergerissen zwischen Nähe und Distanz zu Gloria, zwischen wachsender Selbständigkeit und emotionaler Abhängigkeit, kritischer Distanzierung und kindlicher Anhänglichkeit. Das Ende der Kindheit – mit den Geschichten von der Vergangenheit und den Träumen von der Zukunft – kommt für den Leser wie für Koumaïl sehr abrupt und wird eingeleitet mit dem Satz „Die letzte Erinnerung an meine Kindheit ist gleichzeitig die schmerzhafteste“ (S.125). Mit dem Verschwinden Glorias ist Koumaïl nicht nur räumlich von ihr getrennt, denn ihr ungeklärtes Wegbleiben und ihr Ruf bei den Erwachsenen haben ihn tief enttäuscht. Dass er trotz der ernüchternd-harten Wirklichkeit im Land seiner Träume nicht bald verzweifelt, hat er den von Gloria übernommenen Überlebensstrategien zu verdanken, aber auch der geduldigen Hilfe seiner Betreuer, und der liebevollen Partnerschaft mit Prudence.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Forschungsinteresses bezüglich der literarischen Qualität und Unterrichtseignung des Romans unter Berücksichtigung zentraler Motive wie Identität und Hoffnung.
Autorin: Kurzbiografie von Anne-Laure Bondoux und ihr Engagement im Bereich der Leseförderung.
Aus den Jurytexten: Zusammenfassung der literaturkritischen Würdigungen, die das Buch für seine sensible Behandlung von Flucht, Gewalt und Hoffnung auszeichnen.
Literaturwissenschaftliche Analyse: Vertiefende Untersuchung der Figurenentwicklung, insbesondere der Identitätssuche von Koumaïl und der Rolle von Gloria, sowie Analyse der sprachlichen Gestaltung.
Didaktische Analyse: Erörterung der unterrichtspraktischen Potenziale, wie der Auseinandersetzung mit Alterität, der Förderung der emotionalen Beteiligung und der Einbettung in fachübergreifende Themenfelder.
Fazit: Abschließende Bewertung des Romans als wertvoller und qualitativ hochwertiger Entwicklungsroman für Jugendliche.
Schlüsselwörter
Die Zeit der Wunder, Anne-Laure Bondoux, Jugendroman, Literaturdidaktik, Identitätssuche, Fluchterfahrung, Koumaïl, Gloria, Migrationserfahrung, Hoffnung, Literaturpreise, Schullektüre, Adoleszenz, Erzählperspektive, Textanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Jugendroman „Die Zeit der Wunder“ von Anne-Laure Bondoux hinsichtlich seiner literarischen Merkmale und bewertet sein Potenzial für den Einsatz im schulischen Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder des Romans?
Zu den Kernbereichen zählen die Identitätsentwicklung des Protagonisten Koumaïl, die Erfahrung von Flucht und Vertreibung, der Umgang mit traumatischen Erlebnissen sowie die Rolle von Hoffnung und Lebenslügen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, inwiefern das Werk literaturwissenschaftlichen Kriterien genügt und welche didaktischen Ansätze sich zur Erarbeitung komplexer Themen wie Migration und gesellschaftliche Teilhabe im Unterricht eignen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch eine didaktische Reflexion ergänzt wird, um das Werk in den Kontext von Bildungszielen und literarischer Sozialisation zu stellen.
Was wird im Hauptteil des Dokuments behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figurenanalyse von Koumaïl und Gloria, eine Untersuchung sprachästhetischer Stilmittel sowie eine didaktische Reflexion über die Vermittlung von Fremdheitserfahrungen und fachübergreifenden Bezügen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Identitätssuche, Jugendbuch, Migration, Didaktik und die psychologische Bewältigung von Krisenerfahrungen.
Wie unterscheidet sich Koumaïls Wahrnehmung der Erwachsenen im Roman?
Anfangs betrachtet Koumaïl die Erwachsenen aus einer kindlich-naiven Perspektive, doch durch seine Entwicklung gewinnt er einen tieferen Einblick in die Begrenztheit ihrer Handlungsspielräume und ihre inneren sowie äußeren Hürden.
Welche Rolle spielt das „Marschgepäck“ im übertragenen Sinne für die Figur Gloria?
Das „Marschgepäck“ symbolisiert metaphorisch Glorias Geheimnisse, ihre Last der Vergangenheit und die Lügen, die sie konstruiert hat, um Koumaïl zu schützen und ihm eine erträgliche Perspektive zu ermöglichen.
Warum wird die „naive Erzählperspektive“ als literarisches Mittel besonders hervorgehoben?
Diese Perspektive ermöglicht es, durch „Leerstellen“ in der kindlichen Wahrnehmung Grausamkeiten anzudeuten, ohne in eine explizite oder effekthaschende Drastik zu verfallen, wodurch die erzählte Geschichte eine poetische Tiefe erhält.
- Citation du texte
- Martin P. Hilbert (Auteur), 2014, Eine literaturdidaktische Betrachtung des Jugendromans "Die Zeit der Wunder" von Anne-Laure Bondoux, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463489