Die vorliegende Arbeit behandelt die Thematik der Diskussionen um Kultur in England in den 1950er und 1960er Jahren und danach am Beispiel der Cultural Studies, die damals wie Pop Art usw. ihren Anfang nahmen. Ausgangspunkt war das Werk von Raymond Williams mit dem Titel "Culture and Society 1780-1950". Seiner Ansicht nach bestimmt massenhafte Verbreitung noch nicht die Qualität eines Artefaktes, diese müsse innerhalb einer Kunstgattung jedenfalls bestimmt werden. Ästhetischer Wert bleibe dadurch als prinzipielle Kategorie erhalten. "Culture and Society" wurde 1972 von Heinz Blumensath auch in die deutsche Sprache übersetzt: Gesellschaftstheorie als Begriffsgeschichte, Studien zur historischen Semantik von Kultur.
Mit "The Long Revolution", einem weiteren für die Kulturwissenschaft bestimmten Werk, definierte Williams dann Kultur eindeutig auch als Lebensweise, die sich ebenso in Alltagsverhalten wie in Kunst und Literatur ausdrückt. Damit erfolgte auch ein Paradigmenwechsel von einem Verständnis von Kultur als verfeinerte Lebensweise beziehungsweise Lebensart in Richtung des weiten Kulturbegriffs. Raymond Williams gehörte zur Gründergeneration der "Cultural Studies", einer transdisziplinären Wissenschaft, die den wesentlichen Inhalt der vorliegenden Arbeit darstellt. Im Zentrum der Diskussionen standen damals neben Raymond Williiams vor allem Stuart Hall und Richard Hoggart mit deren Werken und Wirken auch die Geschichte der Cultural Studies eng verbunden ist und auch grundlegende Diskussionen um Kultur begannen. Diese hatten in den 1950er und den 1960er Jahren in modernen Industriegesellschaften ihre Entsprechung in unterschiedlichen Formen kulturbezogener Theoriebildung.
Diese Formen der Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen stellen grundsätzlich interdisziplinäre Versuche dar, an den Schnittstellen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen wie der Soziologie, der Anthropologie, der Ethnologie, der Geschichtswissenschaft, der Politikwissenschaft usw. notwendige Grundlagen im Bereich kulturwissenschaftlicher Forschung herzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
II. SCHWERPUNKTE DER ARBEIT
III. GRUNDLEGENDES ZUR KULTUR IN ENGLAND IN DEN 1950er UND DEN 1960er JAHREN
IV. DER BEGINN DER CULTURAL STUDIES IN ENGLAND
1. Versuch einer Definition: Was sind Cultural Studies?
2. Historisches zu den Cultural Studies
3. Die Entwicklungsphasen der Cultural Studies
3.1. Die explorative Phase
3.2. Die formative Phase und die Phase der Konsolidierung
V. DIE NEUAUSRICHTUNG DES KULTURTHEORETISCHEN DISKURSES SEIT DEN 1970er JAHREN
ZUSAMMENFASSUNG, BEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Diskurse um Kultur in England während der 1950er und 1960er Jahre am Beispiel der Cultural Studies, um den Paradigmenwechsel von einem elitären Kulturbegriff hin zu einem weiten, alltagsorientierten Verständnis von Kultur und dessen wissenschaftlicher Verankerung zu analysieren.
- Die historische Genese und Definition der Cultural Studies in England.
- Die Rolle von Schlüsselpersönlichkeiten wie Raymond Williams, Stuart Hall und Richard Hoggart.
- Die Entwicklung von der explorativen Phase hin zur institutionellen Konsolidierung.
- Das Spannungsfeld zwischen Hochkultur, Populärkultur und gesellschaftlicher Macht.
- Die Bedeutung des Kulturalismus und strukturalistischer Ansätze für die Theoriebildung.
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklungsphasen der Cultural Studies
Die Geschichte der Cultural Studies kann im Wesentlichen in drei Phasen unterteilt werden, das sind die explorative Phase, die formative Phase und die Phase der Konsolidierung. In jeder dieser Phasen entstanden auch interessante Diskussionen im Bereich der Kultur bzw. wurden Theorien der politischen Bedeutung von Kultur entwickelt.
3.1. Die explorative Phase
Die explorative Phase der Cultural Studies dauerte von Mitte der 1950er Jahre bis zum Anfang der 1960er Jahre. Sie war publizistisch gekennzeichnet durch das Erscheinen einer Reihe bedeutender Werke der „Gründergeneration“. Für Stuart Hall waren diese Werke auch eine Metapher des „Bruchs“, die auf den Umstand hinweisen soll, dass es in der intellektuellen Entwicklung einer neuen Denktradition eigentlich keinen absoluten Anfang gibt (Marchart 2008, S 49 f).
Ein weiterer bedeutender Vertreter und Begründer der Disziplin war hier neben Stuart Hall auch Richard Hoggart. Er publizierte im Jahre 1957 ein Werk mit dem Titel „The Uses of Literacy“. Hoggart forcierte besonders die Rehabilitierung des Banalen und des Alltäglichen der Arbeiterkulturen. Die standardisierte Massenkultur übte damals auf ihn einen manipulierenden und auch zerstörerischen Einfluss auf die homogene Arbeiter-kultur aus. Er war aber kein absoluter Gegner von Massenkultur, sondern unterschied hier zwischen schlechter und qualitätsvoller. Es ist anzunehmen, dass sein Buch auch für die Entwicklung der Cultural Studies bedeutend war, nicht nur wegen seines Versuch einer Rehabilitierung der Arbeiterkultur, sondern auch deshalb, weil er auch popularkulturelle Erzeugnisse besonders schätzte und diese damals mit Instrumentarien der Literaturkritik untersuchte. Sein Vorbild war damals der Literaturkritiker F.R. Leavis, der bereits eine frühe Form eines „close reading“, - eine detaillierte, textnahe Lektüre – auf die Populärkultur anwandte. Durch Hoggarts Versuch wurde es möglich, die Kultur der Arbeiterklasse als Text zu verstehen und damit auch einer sinnvollen Lektüre zugänglich zu machen (Marchart 2008, S 50 f vgl auch Hall 1999c, S 114).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Thematik der Kulturdiskussionen im England der 1950er und 1960er Jahre ein und skizziert die Rolle von Raymond Williams sowie die Entstehung der Cultural Studies.
II. SCHWERPUNKTE DER ARBEIT: Dieses Kapitel gibt einen strukturellen Überblick über die zentralen Analyseschritte und Themenfelder der Untersuchung.
III. GRUNDLEGENDES ZUR KULTUR IN ENGLAND IN DEN 1950er UND DEN 1960er JAHREN: Hier werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie Modernisierung und wirtschaftlicher Aufschwung, erläutert, die als Nährboden für neue Kulturtheorien dienten.
IV. DER BEGINN DER CULTURAL STUDIES IN ENGLAND: Dieses Kapitel analysiert die begrifflichen Grundlagen, die Entstehungsgeschichte sowie die verschiedenen Phasen der Entwicklung der Cultural Studies.
V. DIE NEUAUSRICHTUNG DES KULTURTHEORETISCHEN DISKURSES SEIT DEN 1970er JAHREN: Der Fokus liegt hier auf der theoretischen Weiterentwicklung und der Infragestellung des klassischen, elitären Kulturbegriffs.
ZUSAMMENFASSUNG, BEMERKUNGEN: Die abschließenden Bemerkungen rekapitulieren die zentralen Erkenntnisse über die interdisziplinäre Ausrichtung und die Bedeutung der Cultural Studies als politisches Reformvorhaben.
Schlüsselwörter
Cultural Studies, Raymond Williams, Stuart Hall, Richard Hoggart, Populärkultur, Arbeiterkultur, Kulturalismus, Strukturalismus, Gesellschaftstheorie, Großbritannien, 1950er Jahre, 1960er Jahre, Macht, Lebensweise, Interdisziplinarität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung kulturwissenschaftlicher Diskussionen in England während der 1950er und 1960er Jahre und beleuchtet dabei insbesondere die Entstehung und Etablierung der Cultural Studies.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Kultur, die Analyse der Populärkultur, die politische Bedeutung von Kulturtheorien sowie der Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf die Wissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Cultural Studies das Verständnis von Kultur als "Lebensweise" etablierten und damit einen Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften einleiteten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die Elemente der Literaturwissenschaft, Soziologie und Geschichtswissenschaft kombiniert, um kulturelle Phänomene als Teil gesellschaftlicher Prozesse zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der historischen Entwicklung der Cultural Studies, unterteilt in eine explorative und eine formative Phase, und analysiert die theoretischen Beiträge zentraler Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Cultural Studies, Raymond Williams, Populärkultur, Arbeiterkultur, Macht, Kulturalismus, Strukturalismus und gesellschaftliche Lebensweise.
Wer waren die zentralen Personen hinter der Gründung der Cultural Studies?
Zu den maßgeblichen Vordenkern der Gründergeneration gehörten Richard Hoggart, Stuart Hall und Raymond Williams.
Welche Bedeutung hatte das „Centre for Contemporary Cultural Studies“ (CCCS)?
Das Zentrum in Birmingham war fundamental für die Schaffung einer institutionellen Basis und diente als Brennpunkt für die theoretische und analytische Forschung der Cultural Studies.
Wie veränderte sich der Kulturbegriff durch die Cultural Studies?
Es fand ein Übergang von einem elitären Verständnis der "schönen Künste" hin zu einem weiten Kulturbegriff statt, der das gesamte Alltagsleben und die Praxis der Menschen umfasst.
- Arbeit zitieren
- Dr. Franz Zeilner (Autor:in), 2013, Die Diskussionen um Kultur in England in den 1950er und 1960er Jahren und danach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463758