Die Arbeit untersucht, warum das UN-Klimaschutzregime trotz seiner permanenten Ineffektivität weiterhin fortbesteht, ob durch die Wirkungsschwäche des Regimes Sekundärnutzen realisiert werden und weshalb auch heute noch Erwartungen auf eine Lösung der Klimaproblematik mittels internationaler Kooperation reproduziert werden.
Mit der Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention 1992 in Rio de Janeiro entstand die normative Erwartung auf die Herbeiführung eines wirksamen Klimaregimes unter dem Dach der Vereinten Nationen mit dem Ziel der Eindämmung des globalen Klimawandels. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte diese Erwartung bei breiten Teilen der Bevölkerung von den internationalen und nationalen Akteuren aufrechterhalten werden, auch wenn das UN-Klimaschutzregime bislang rein faktisch hinsichtlich der Stabilisierung des atmosphärischen Treibhausgasniveaus nahezu wirkungslos geblieben ist.
Obwohl das 2015 verabschiedete Pariser Klimaschutzabkommen wieder neue Erwartungen hinsichtlich der Bereitstellung eines effektiven Klimaschutzes mithilfe von internationaler Kooperation produziert, ist es als höchst zweifelhaft anzusehen, ob das ambitionierte Ziel der Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperaturen auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau mithilfe der ausgearbeiteten institutionellen Grundlagen erreicht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
2.1 Problemaufriss Klimawandel
2.1.1 Anthropogener Klimawandel
2.1.2 Risiken durch den Klimawandel
2.1.3 Anpassungs- und Minderungsstrategien
2.2 Interdependenz und Regelungsbedarf im internationalen Problemfeld Klimaschutz
2.3 Ineffektivität des UN-Klimaschutzregimes
2.3.1 Effizienz und Effektivität internationaler Regime
2.3.2 Dimensionen der Ineffektivität des UN-Klimaschutzregimes
2.3.3 Erklärung des Fortbestands des UN-Klimaschutzregimes
2.4 Das erfolgreiche Scheitern des UN-Klimaschutzregimes: Theoretische Erklärungsansätze
2.4.1 Erklärungslücke der Regimetheorien
2.4.2 Alternative theoretische Erklärungsansätze
III. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, warum das UN-Klimaschutzregime trotz seiner permanenten Ineffektivität bei der Erreichung seiner ökologischen Ziele weiterhin fortbesteht. Dabei wird analysiert, inwiefern das Regime Funktionen erfüllt, die über die bloße Symbolpolitik hinausgehen und konkrete Nutzen für die beteiligten Akteure generieren.
- Erklärung des Fortbestands trotz Ineffektivität
- Die Rolle von Sekundärnutzen für Akteure
- Grenzen rationalistischer Regimetheorien
- Anwendung des Konzepts "erfolgreiches Scheitern"
- Theoretische Perspektiven des Neuen Institutionalismus
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Effizienz und Effektivität internationaler Regime
Um die Dimensionen der Ineffektivität am empirischen Beispiel des UN-Klimaschutzregimes bestimmen zu können, ist es zunächst unerlässlich, einige definitorische Grundlagen zu klären, beginnend damit wie sich der Begriff des Regimes überhaupt operationalisieren lässt, um im späteren Verlauf des Abschnitts auf die Effizienz sowie Effektivität internationaler Regime eingehen zu können. Bei Regimen handelt es sich nach Robert O. Keohane um Institutionen im Sinne eines „persistent and connected set of rules (formal and informal) that prescribe behavioral roles, constrain activity, and shape expectations.“ Im Unterschied zu Organisationen besitzen internationale Regime keine Akteursqualität und beziehen sich auf konkrete Problemfelder, beispielsweise auf den Klimaschutz. Weiterhin können internationale Organisationen innerhalb eines Regimes bestehen oder dieses sogar als Verhandlungssystem hervorbringen, wie es im Falle des UN-Klimaschutzregimes durch die Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen geschah.
Die rationalistische Regimetheorie weist internationalen Regimen im Allgemeinen die Funktion zu, zum Vorteil der Bereitstellung eines globalen öffentlichen Gutes zu intervenieren, was ansonsten durch Interessenkonflikte zwischen den beteiligten Akteuren scheitern könnte, indem Regime Vertrauen zwischen den Akteuren durch organisierten Informationsaustausch bilden, die politische Verlässlichkeit durch Rechts- und Verhaltenssicherheit gewährleisten und die Transaktionskosten durch internationale Kooperation senken; somit wird die Zusammenarbeit für die Akteure rational lohnend. Demnach dienen internationale Regime als soziale Institutionen der möglichst langfristigen gemeinschaftlichen Regelung von Politikfeldern mittels Elementen, die Sinn und Zweck vorgeben (wie Ziele, Normen etc.) und die Organisation und Durchführung anleiten (wie Regeln, Verfahren etc.).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des UN-Klimaschutzregimes ein und formuliert die Forschungsfrage zur Erklärung des Fortbestands trotz mangelnder Wirksamkeit.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert das Problemfeld Klimawandel, erörtert die Ineffektivität des Regimes anhand empirischer Beispiele und diskutiert theoretische Ansätze zur Erklärung dieses Paradoxons.
III. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Hypothese, dass das Regime trotz Ineffektivität durch die Erfüllung von Sekundärnutzen stabil bleibt.
Schlüsselwörter
UN-Klimaschutzregime, Ineffektivität, Klimawandel, Regimetheorie, Rationalität, Neuer Institutionalismus, erfolgreiches Scheitern, internationale Kooperation, Klimarahmenkonvention, Kyoto-Protokoll, Pariser Abkommen, Sekundärnutzen, symbolische Politik, Problemlösungskapazität, Spieltheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der paradoxen Beobachtung, dass das UN-Klimaschutzregime trotz seiner faktischen Wirkungslosigkeit bei der Bewältigung des Klimawandels seit Jahrzehnten fortbesteht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Analyse der Ineffektivität von Klimaschutzabkommen, die Rolle von institutionellen Regelungen und die Frage, welchen Nutzen Akteure aus ineffektiven Systemen ziehen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Forschungsfrage zu klären, welche Mechanismen den Fortbestand des Regimes stützen, wenn das ursprüngliche ökologische Ziel dauerhaft verfehlt wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine deduktive Einzelfallstudie auf Basis einer strukturierenden Inhaltsanalyse, um bestehende Regimetheorien zu überprüfen und zu ergänzen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Es werden das Problemfeld Klimawandel als globales öffentliches Gut, die Ineffektivität des UN-Klimaschutzregimes und theoretische Erklärungsansätze wie der Konstruktivismus und der Neue Institutionalismus behandelt.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter der Studie?
Die wichtigsten Schlagworte sind UN-Klimaschutzregime, Ineffektivität, erfolgreiches Scheitern, Regimetheorien, Sekundärnutzen und Neue Institutionalismus.
Was versteht die Autorin unter einem "erfolgreichen Scheitern"?
Damit ist gemeint, dass ein Regime trotz der Verfehlung seines primären Zieles (Klimaschutz) "erfolgreich" in dem Sinne ist, dass es den beteiligten Akteuren andere strategische oder wirtschaftliche Vorteile (Sekundärnutzen) ermöglicht.
Welche Rolle spielen "Enttäuschungserklärungen" im Modell der Arbeit?
Enttäuschungserklärungen dienen dazu, die Enttäuschung über das Ausbleiben konkreter Klimaschutz-Erfolge sprachlich zu kompensieren, um die normative Erwartung an das Regime kontrafaktisch zu stabilisieren.
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- Anna-Lena Hübl (Author), 2018, Erfolgreiches Scheitern des UN-Klimaschutzregimes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464065